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Patellaluxation/Kniescheibenverrenkung

Bei der Patellaluxation springt die Kniescheibe (Patella) aus ihrem V-förmigen Gleitlager des Oberschenkelknochens, meistens zur Knie-Außenseite, heraus (Luxation). Bei diesem Vorgang kommt es häufig zu Verletzungen an den Bändern der Innenseite des Kniegelenks sowie in ca. 24 % der Fälle zu Schädigungen an Knorpel und Knochen.

Bei Frauen kommt die Verletzung etwas häufiger vor als bei Männern. Die erste Patellaluxation tritt in der Regel vor dem 20. Lebensjahr auf.

Bei einer erstmaligen Luxation ohne weitere Risikofaktoren steht die nichtoperative Behandlung mit begleitenden physikalischen Maßnahmen im Vordergrund.

Sofern Risikofaktoren für eine erneute Luxation sowie Mehrfach-Luxationen bestehen, ist eine Operation erforderlich. Hierbei kommen unterschiedliche Methoden in Betracht. Bei der Wahl berücksichtigen wir stets Ihre individuelle Situation.

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Damit wir Sie erfolgreich behandeln können, ist zunächst eine ausführliche Anamneseerhebung (Krankengeschichte) und eine genaue körperliche Untersuchung erforderlich. Röntgenaufnahmen des Kniegelenks geben uns Hinweise auf mögliche anlagebedingte Ursachen für die Luxation und auf entstandene knöcherne Verletzungen. Des Weiteren führen wir eine Magnetresonanztomografie-Untersuchung (MRT: Bildgebungsverfahren mithilfe von Magnetfeldern) zur Beurteilung des Kniescheibenknorpels und der Weichteile des Kniegelenks durch. Mithilfe dieser Untersuchung können wir auch Risikofaktoren für eine erneute Luxation erfassen und anschließend das therapeutische Vorgehen optimal festlegen.

Bei jeder Patellaluxation kann es zu irreparablen Schäden der Knorpeloberfläche der Kniescheibe kommen. Als Folge kann eine Arthrose im Bereich der Kniescheibe mit dauerhaften Schmerzen auftreten. Nach der ersten Patellaluxation liegt das Risiko für eine erneute Luxation, sofern keine entsprechende Therapie erfolgt, bei ca. 50 %. Da die Wahrscheinlichkeit eines (retropatellaren) Knorpelschadens mit der Anzahl der Luxationen deutlich steigt, besteht das Ziel unserer Behandlung darin, eine erneute Luxation möglichst zu vermeiden und Ihre Schmerzen zu lindern.

Um dies sicherzustellen, richtet sich unser Therapiekonzept nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand und nach unseren eigenen langjährigen Erfahrung bei der Behandlung dieser Verletzungen.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

Bei erstmaliger Luxation (Ausrenkung) ohne weitere Risikofaktoren sollte eine nichtoperative Behandlung mit begleitenden physikalischen Maßnahmen erfolgen.

  • Das Vorliegen von Risikofaktoren für eine erneute Luxation sowie Mehrfach-Luxationen machen eine operative Therapie notwendig. Verschiedene Operationsmethoden kommen in Frage, wobei individuelle Gegebenheiten entscheidend sind.
  • Bei einer Abscherung eines Knorpel-Knochen-Fragments (osteochondrales Flake) sollte eine Refixierung des Fragments an seiner ursprünglichen Stelle erfolgen, damit keine Defekte in der Gelenkfläche entstehen.

Bei einer isolierten Ruptur (Riss) des inneren Kapsel-/Bandapparats der Kniescheibe ohne weitere Risikofaktoren ist eine Naht und Raffung (mediale Dopplung) des betroffenen Gewebes erforderlich. Eine konservative Therapie empfehlen wir hier nur, wenn es sich um eine echte traumatische Luxation handelt, das Retinakulum (Halteband) nicht gerissen ist und keine weiteren Risikofaktoren vorliegen - was sehr selten vorkommt.

Die Durchtrennung der äußeren Haltebänder der Kniescheibe (lateral release) führen wir nur in Ausnahmefällen und mit großer Zurückhaltung durch. In Studien wurde nachgewiesen, dass durch ein lateral release die Instabilität der Kniescheibe um bis zu 20 % zunimmt. Deshalb ist dieser Eingriff bei einer Instabilität der Kniescheibe nur in ganz bestimmten Einzelfällen sinnvoll (zum Beispiel chronisch persistierende Patellaluxation).

  • Sofern der Ansatz der Kniescheibensehne zu weit außen liegt, was eine Luxation nach außen provozieren kann, kommt sowohl ein knöcherner als auch ein weichteiliger Versatz der Kniescheibensehne in Frage. Für die exakte Therapie sind klinische und radiologische Parameter zu bestimmen.
  • Bei einem ausgeprägten X-Bein kommt in manchen Fällen eine Beinachsenkorrektur in Betracht.
  • Wenn mehrere Risikofaktoren bestehen, empfehlen wir die Verstärkung des auf der Innenseite der Kniescheibe gelegenen Halteapparats mit einer körpereigenen Sehne.
  • Bei einem Kniescheibenhochstand sind wir in Bezug auf eine Verkürzungsoperation der Kniescheibensehne eher zurückhaltend, da aus der Literatur bekannt ist, dass beim Patienten im Langzeitverlauf leicht Beschwerden auftreten können. Der Kniescheibenhochstand ist zwar ein prädisponierender Faktor für eine Patellaluxation – und ist häufig mit einer Patellaluxation assoziiert –, jedoch ist er aus unserer Sicht selten die alleinige Ursache. Dabei ist nicht nur der Hochstand der Kniescheibe an sich, sondern vor allem die „zu lange Kniescheibensehne“ der Faktor, der die Patellaluxation begünstigt. Verkürzungsoperationen der Kniescheibensehne (Patellasehne) sind aus unserer Sicht mit zu vielen Problemen behaftet und in ihrem Endergebnis aufgrund von Narbenbildung schwer vorherzusehen.
  • Nur bei symptomatischem Kniescheibenhochstand (Blockierungen, Schnappen, „Gefühl des Hängenbleibens der Kniescheibe“) versetzen wir deshalb den knöchernen Ansatz der Kniescheibensehne nach fußwärts.
  • Ein Rotationsfehler des körperfernen Oberschenkelknochens ist weniger häufig die Ursache für eine Patellaluxation. Dieser weist, sofern er der Grund ist, meist eine Rotationsabweichung nach innen auf. Diese Problematik können wir nur durch eine Operation lösen, bei der der körperferne Oberschenkel nach außen gedreht wird. Siehe auch „Inwardly Pointing Knee“.

Behandlungsalgorythmus Patellaluxation (Stand Juni 2010)

Inwardly Pointing Knee

Das „Inwardly Pointing Knee“ ist eine seltene, aber auch sehr häufig übersehene Ursache für eine Patellaluxation. Dabei hat das gesamte Knie einen »Innendrehfehler«. Durch diesen steht die Kniescheibe relativ gesehen zu weit nach außen (lateral), da das Gleitlager unter der Kniescheibe sich durch die Innendrehung relativ zur Kniescheibe zu weit innenseitig befindet. Die Folge ist deshalb eine erhöhte Prädisposition (Anfälligkeit) für eine Patellaluxation.

Die Patienten mit einem „Inwardly Pointing Knee“ sind in der Regel jung, weiblich, überdurchschnittlich groß und schlank. Die meisten Patienten mit einer Patellaluxation haben in der Regel eine gerade Beinachse oder ein X-Bein. Die Kombination einer Patellaluxation bei einem O-Bein deutet jedoch meist schon auf das Vorliegen eines „Inwardly Pointing Knee“ hin.

Die Diagnosesicherung erfolgt mittels Rotations-Computertomografie (computergestütztes Röntgenverfahren) beider Beine.

Die Therapie des „Inwardly Pointing Knee“ erfordert viel Erfahrung. Einheitliche oder evidenz-basierte Therapierichtlinien existieren nicht. In Abhängigkeit von der vorliegenden Rotationsabweichung sollte zunächst geprüft werden, wie die Kniescheibe unter dynamischen Bedingungen im Gleitlager läuft (Patellatracking). Ist das Patellatracking normal oder weitgehend normal, so ist die Therapie der Patellainstabilität durchaus anhand eines Weichteileingriffs durchzuführen, gegebenenfalls können wir zusätzlich eine Medialisierung (Verlagerung zur Körpermitte) des knöchernen Ansatzes der Patellasehne vornehmen. Bei größeren Rotationsabweichungen von mehr als 20 °C ist nach unserer Erfahrung eine Torsionsosteotomie notwendig. Die Lokalisation der Osteotomie sollte von der Fußstellung abhängig gemacht werden. Als vereinfachte Faustregel sollte die Ausrichtung des Fußes zum Schenkelhals berücksichtigt werden. Handelt es sich eher um ein „innengedrehtes Bein“ oder ein „normal“ ausgerichtetes Bein, sollte eine Außentorsionsosteotomie des distalen Femurs (unterer Bereich des Oberschenkelknochens) durchgeführt werden. Handelt es sich eher um ein „außengedrehtes Bein“, ist eine supratuberositäre Innentorsionsosteotomie der Tibia (Schienbein) zu erwägen. Bei größeren Torsionsabweichungen ist gegebenenfalls beides zu kombinieren.

Die kurz- und mittelfristigen Ergebnisse sind sehr gut, langfristige Ergebnisse sind jedoch nicht bekannt.

Wir beraten Sie umfassend und werden gemeinsam mit Ihnen das für Sie geeignete Behandlungsverfahren festlegen.

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