Hydrocephalus

Wir behandeln in unserer Neurochirurgie Patienten mit Hydrocephalus entsprechend den Erkenntnissen der modernen Neurochirurgie und Neurologie interdisziplinär. Es besteht eine enge Kooperation mit den Abteilungen für Radiologie und Neurologie. So kommen Ihnen das qualifizierte Fachwissen und die langjährigen Erfahrungen von Experten verschiedener Fachrichtungen zugute.

Allgemeine Informationen

Was ist ein Hydrocephalus?

Unter einem Hydrocephalus versteht man eine Zunahme der Nervenwassermenge, die normalerweise im Schädel und im Rückenmarkskanal vorhanden ist. In der Regel führt dies zu einer Erweiterung der Hirnkammern (Ventrikel).

Wie entsteht ein Hydrocephalus?

Ursache eines Hydrocephalus ist ein Ungleichgewicht zwischen Nervenwasserproduktion und -entsorgung (-resorption). Wir unterscheiden zwischen einem chronischen und einem akuten Hydrocephalus. Während ein akuter Hydrocephalus lebensbedrohlich sein kann und sofort behandelt werden muss, können wir die Operation bei einem chronischen Hydrocephalus im Voraus planen.

Wie wird ein Hydrocephalus behandelt?

Nach Durchführung der notwendigen Diagnostik erfolgt in der Regel die Therapie durch die Anlage eines Ventilsystems. Dadurch können wir in fast allen Fällen eine Besserung der Symptome erzielen.

Sind Kontrolluntersuchungen notwendig?

Um mögliche Komplikationen oder Fehlentwicklungen früh genug erkennen und behandeln zu können, sollten Hydrocephalus-Patienten nach einer Operation in regelmäßigen Abständen untersucht werden. Die Termine werden abhängig vom Verlauf festgelegt.

Chronischer und akuter Hydrocephalus

Chronischer Hydrocephalus

Ursachen

Ein chronischer Hydrocephalus kann viele Ursachen haben: Er kann nach einer Hirnblutung (posthämorrhagisch), nach einer Gehirnhautentzündung, nach einer Verletzung des Gehirns (posttraumatisch) oder nach einem Gehirn- oder Rückenmarkstumor auftreten. In einigen Fällen läßt sich jedoch keine eigentliche Ursache finden (Idiopathischer Hydrocephalus), in solchen Fällen sprechen wir Mediziner von einem „Klassischen Normaldruckhydrocephalus“. Auch bei einer Verengung im kommunizierenden System der Hirnkammern (Aquaeductstenose) kann es in einigen Fällen zu einem chronischen Hydrocephalus kommen.

Symptomatik

Beim typischen Normaldruckhydrocephalus beginnen die Beschwerden mit einer Gangstörung im Sinne eines kleinschrittigen Gangbilds. Die Betroffenen haben Probleme bei der Kehrtwendung und ein Gefühl, als sei der Boden magnetisch. Als weiteres Kardinalsymptom (Leitsymptom) kommt eine Harninkontinenz hinzu. Später kann eine Demenz folgen, welche sich zunächst durch Kurzzeitgedächtnisstörungen und Organisationsprobleme äußert. Im weiteren Verlauf können Antriebsarmut und Desinteresse auftreten.

Bei den anderen Formen des chronischen Hydrocephalus stellt sich das Bild nicht einheitlich dar. Bei der posthämorrhagischen und der posttraumatischen Form steht in der Regel eine Vigilanzminderung (Minderung der Aufmerksamkeit) beziehungsweise eine Minderung des Antriebs im Vordergrund. Bei Patienten mit Aquaeductstenose treten in der Regel Kopfschmerzen, Leistungsabfall und Sehstörungen (Stauungspapille) auf.

Diagnostik

Kein diagnostisches Kriterium für sich allein kann die Entscheidung zu einer Ventiloperation (Legen eines feinen Schlauches zur Hirnwasserableitung) oder zu einer Ventrikulozisternostomie (die am häufigsten durchgeführte endoskopische Operationsmethode dieses Krankheitsbilds) untermauern. Entscheidend ist das Vorhandensein mehrerer Kriterien, die von einem unserer erfahrenen Neurochirurgen individuell für jeden Patienten gewertet werden.

Radiologie

Die Bilder der Computertomografie (CT: computergestütztes Röntgenverfahren zur Erstellung präziser Schnitbildern) und Magnetresonanztomografie (MRT: Bildgebungsverfahren mithilfe von Magnetfeldern) zeigen typischerweise ein erweitertes, verplumptes Hirnkammersystem ohne Anhalt für einen raumfordernden Prozess und eine verminderte Hirnrindenzeichnung. Vor einer eventuellen Operation und vor der Durchführung eines Liquordrainage-Tests führen unsere Experten ein Kernspintomogramm mit sagittaler (pfeilartiger) Darstellung des Aquäduktes (eine Art Verbindungskanal, durch den das Gehirnwasser fließt) durch.

Lumbale Nervenwasserdrainage

Über eine Drainage (Ableitung) im Rückenmarkskanal werden über drei Tage hinweg jeweils 90 ml Nervenwasser pro Tag drainiert. Vorher und nachher führen wir eine Gangprüfung und einen Gedächtnis-Test durch. Patienten, die in diesen Tests nach der Drainage von Nervenwasser eine Verbesserung aufweisen, werden in der Regel von einer Ventil-Operation profitieren.

Therapie

In den meisten Fällen ist die Anlage eines Ventilsystems die einzige Möglichkeit, die Symptome zu verbessern. Sofern dieses Verfahren bei geeigneten Patienten angewandt wird, können nach der Operation bleibende Verbesserungen der Symptomatik in bis zu 90 % der Fälle erzielt werden. Die Chancen für eine Verbesserung sind umso besser, je kürzer die Symptomatik vorher bestanden hat. In der Regel bildet sich eine Gangstörung am besten zurück, gefolgt von der Blasenstörung und der Demenz. Eine vollständige Rückbildung aller Symptome wird leider nur selten beobachtet.

Um Nebenwirkungen zu vermeiden, wenden wir bevorzugt Ventile an, deren Öffnungsdruck sich von außen - ohne weitere Operation - ändern lässt.

Akuter Hydrocephalus

Ursachen

  • Hirnblutung
  • Tumor

Symptomatik

Die Symptomatik beginnt meist mit Kopfschmerzen und Sehstörungen im Sinne von Schleiersehen und Doppelbildern aufgrund des gesteigerten Hirndrucks. Übelkeit und (Nüchtern)-Erbrechen folgen. Bei fortgeschrittener Symptomatik kommt es zu einer Störung des Bewusstseins bis hin zum Koma.

Diagnostik

  • Notfall-Computertomografie (computergestütztes Röntgenverfahren zur Erstellung präziser Schnittbilder)

  • eventuell augenärztliche Untersuchung mit Dokumentation der Sehkraft

Therapie

Im Falle einer Blutung legen unsere Ärzte zunächst eine externe Ventrikeldrainage (operative Ableitung der Flüssigkeit aus den Hirnkammern) an. Im Falle eines Tumors beziehungsweise einer dekompensierten Aquäduktstenose (Verengung des Verbindungskanals, durch den das Gehirnwasser fließt) ist die Entscheidung davon abhängig, wie weit die Symptomatik bereits fortgeschritten ist.

Grundsätzlich streben wir primär die Ursachenbeseitigung, das heißt die Entfernung des Tumors, an. Bei bereits bestehender Stauungspapille (Ödem an der Eintrittsstelle des Sehnervs) und elektiver Tumoroperation in den nächsten Tagen sollte ein Ommaya-Reservoir (spezielles Kathetersystem) implantiert werden oder die Operation, falls möglich, vorgezogen werden. Ist eine Entfernung des Tumors nicht möglich, sollte ein Ventilsystem (Ableitung von den Hirnkammern, meist in den Bauchraum) angelegt werden.

Ventilsystem

Bei den meisten Patienten legen wir während einer ca. 50-minütigen Operation eine Ableitung von den Hirnkammern in den Bauchraum an. Sollte dies nicht möglich sein, zum Beispiel weil im Bauchraum Verwachsungen vorhanden sind, ist auch eine Ableitung in den rechten Vorhof des Herzens möglich.  Es handelt sich um einen sehr dünnen Silikon-Schlauch, in welchen ein sogenanntes Ventil integriert ist, welches dafür sorgt, dass die richtige Menge an Nervenwasser aus den Hirnkammern abgeleitet wird. Alle Teile des Systems werden unter der Haut vorgeschoben und sind in der Regel von außen kaum zu erkennen.

 

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