Herzschrittmacher-Therapie

Bradykarde (langsame) Herzrhythmusstörungen treten gehäuft mit zunehmendem Lebensalter oder nach Eingriffen am Herzen auf. Diese können zu plötzlichen Bewusstseinsverlusten (Synkopen) oder einer Leistungseinschränkung im Alltag führen. Die Implantation eines Herzschrittmachers stellt hier eine effektive Behandlungsmöglichkeit mit sofortigem Effekt dar.

Gelegentlich treten etwaige Beschwerden auch in jüngerem Lebensalter auf. Ob hier auch bereits die Implantation eines Herzschrittmachers angezeigt ist kann häufig durch den vorherigen Einsatz sogenannter Ereignis-Recorder diagnostiziert werden. In speziellen Fällen kann auch der Einsatz eines kabellosen Schrittmachers über die Leiste mit Hilfe eines speziellen Kathetersystems eine sinnvolle Alternative zu den herkömmlichen Schrittmachersystemen sein. In unserem Zentrum bieten wir Ihnen die komplette präoperative Diagnostik, sowie nach individueller Beratung die Implantation sämtlicher verfügbarer Schrittmachersysteme und eine entsprechende Nachsorge an. Auch im Verlauf eventuell erforderliche Folgeoperationen, beispielsweise zum Austausch der Batterie oder Ersatz defekter Elektroden, können Sie in unserem Zentrum durchführen lassen.

Was ist ein Ereignis-Recorder?

Bei einem sogenannten Ereignis-Recorder handelt es sich, um ein miniaturisiertes 1-Kanal-EKG-Gerät, welches unter die Haut auf Herzhöhe implantiert wird und kontinuierlich eine Herzstromkurve (Elektrokardiogramm - EKG) mitschreibt. Fallen dem Gerät spezifische Rhythmusstörungen, wie beispielsweise ein unregelmäßiger, ein zu schneller (Tachykardie) oder zu langsamer Puls (Bradykardie) oder sogar ein Herzstillstand (Asystolie) auf, zeichnet das Gerät ein bis zu 7-minütiges EKG auf, welches dann später von einem Arzt/Ärztin ausgelesen und bewertet werden kann. Es ist ebenfalls möglich die EKG-Aufzeichnung manuell im Falle von Beschwerden, wie Schwindel oder Herzstolpern (Palpitationen) selbst zu aktivieren. Der Vorteil eines Ereignis-Recorders liegt darin, dass auch Rhythmusstörungen automatisch aufgezeichnet werden, welche vom Patienten nicht bemerkt werden oder aber zu einem Bewusstseinsverlust führen, bei dem der Patient nicht mehr rechtzeitig eine Aufzeichnung aktivieren könnte. Die aktuell auf dem Markt befindlichen Geräte haben ungefähr die Größe eines herkömmlichen USB-Sticks. In seiner kleinsten Ausführung ist das Gerät nur so groß, wie 3 nebeneinander gelegte Streichhölzer. Die Implantation erfolgt in lokaler Betäubung durch einen ca. 1 bis 1,5 cm Schnitt in der Haut und dauert ca. 15 Minuten.

Wer braucht einen Herzschrittmacher?

Herzschrittmacher werden dann benötigt, wenn der eigene, natürliche Schrittmacher des Herzens, der sog. Sinusknoten, nicht mehr ausreichend in der Lage ist, durch seine elektrischen Signale Kontraktionen der Herzkammern auszulösen, wodurch es zu einem langsamen Puls (Bradykardie) oder sogar zu Herzstillständen (Asystolie) kommt. Als weitere Ursachen für Bradykardien oder Asystolien sind Beschädigungen an wichtigen elektrischen Leitungsbahnen zwischen dem Sinusknoten und den Herzkammern zu nennen, sog. AV-Blockierungen, welche ebenfalls durch Herzschrittmacher therapiert werden können. Führen solche Rhythmusstörungen zu Beschwerden, wie wiederkehrendem Schwindel, Synkopen oder Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit, wird die Implantation eines Herzschrittmachers empfohlen.

Wie funktioniert ein Herzschrittmacher?

Ein Herzschrittmacher besteht aus Titan-Gehäuse, welches eine Batterie und einen Mikro-Prozessor beinhaltet (= Aggregat), an dem ein oder mehrere Kabel (sog. Sonden) angeschlossen werden können, welche zum Herzen führen. Moderne Aggregate haben ungefähr die Größe einer sehr flachen Streichholzschachtel (Höhe 4-5 mm). Die Sonde gibt an ihrer Spitze einen elektrischen Impuls mit einer Spannung im Bereich von wenigen Volt ab, welcher zu einer Stimulation und damit Kontraktion der Herzmuskulatur führt. Gleichzeitig dient die Sonde als Fühler für elektrische Eigenaktionen des Herzens. Nimmt der Herzschrittmacher herz-eigene elektrische Aktivität wahr, hält er seinen künstlichen elektrischen Impuls zurück. Ab wann und mit welcher Frequenz der Herzschrittmacher stimuliert, sowie weitere Funktionen und Parameter kann der Arzt/Ärztin über ein spezielles Programmiergerät im Rahmen der Herzschrittmacher-Kontrolle in den Mikro-Prozessor eingeben.

Wie häufig muss ein Herzschrittmacher ausgewechselt werden?

Je nach Programmierung hat ein Herzschrittmacher eine Laufzeit von ca. 8-10 Jahren. Zum „Batteriewechsel“ ist erneut ein kleiner operativer Eingriff nötig, in dem aber nur das alte gegen ein neues Aggregat ausgetauscht wird. Die alten Sonden werden bei intakter Funktion belassen und einfach an das neue Aggregat angeschlossen.

Welche Arten von Herzschrittmachern gibt es?

Je nach Art der Rhythmusstörung muss ein Schrittmacher an unterschiedlichen Orten im Herzen elektrische Signale wahrnehmen und abgeben (stimulieren) können. Es gibt Herzschrittmacher mit nur einer Sonde, die nur in der (rechten) Herzkammer wahrnimmt und stimuliert – diese werden als 1-Kammer-Schrittmacher bezeichnet. Daneben gibt es Herzschrittmacher die mit Hilfe von zwei Sonden sowohl in der Vorkammer, als auch in der Hauptkammer wahrnehmen und stimulieren können – diese werden als 2-Kammer-Schrittmacher bezeichnet. Sogenannte 3-Kammer-Schrittmacher werden weiter unten in Rubrik Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) erläutert. Welche Art von Herzschrittmacher Sie speziell benötigen, sowie ggf. alternative Schrittmacher-Arten besprechen Sie mit unserem Ärzte-Team.

Wie verläuft die Operation?

Die Implantation von Herzschrittmachern erfolgt in der Regel lediglich mit örtlicher Betäubung des OP-Gebiets. Zunächst erfolgt ein ca. 5-7 cm langer Hautschnitt im Bereich kurz unterhalb des linken Schlüsselbeins. Anschließend wird erst eine kleine Tasche unterhalb des Fettgewebes der Haut mit genug Platz für das Aggregat geschaffen. Im nächsten Schritt wird die linke Schlüsselbein-Vene mit einer Nadel punktiert, worüber je nach Art des Schrittmachers 1-2 Drähte unter Röntgen-Durchleuchtung über die Vene bis zum Herz vorgeschoben werden. Mithilfe der Drähte und spezieller Schleusen werden die Sonden dann durch die Venen in das Herz eingebracht und im Herzmuskel fixiert. Zuletzt erfolgt der Anschluss der Sonden an das Aggregat und ein sorgfältiger Verschluss der Aggregat-Tasche, sowie der darüber liegenden Haut mit einer Naht.

Wie läuft die Nachsorge von Patienten mit Herzschrittmachern?

Nach der erfolgreichen Implantation erfolgt die erste Schrittmacher-Kontrolle am Folgetag nach der OP vor der Entlassung in unserer Herzschrittmacher-Ambulanz. Dort erfolgt die Ersteinstellung, sowie Programmierung nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Die erste Kontrolle nach Entlassung erfolgt dann nach 2-3 Monaten und bei unauffälliger Funktion schließlich alle 12 Monate.

Was sind kabellose Herzschrittmacher?

Der kabellose Herzschrittmacher zählt zu den modernsten Errungenschaften in der Herzschrittmacher-Technologie. Dabei handelt es sich um einen miniaturisierten Schrittmacher in Form einer Kapsel mit der Länge einer Büroklammer, sowie dem Durchmesser eines Bleistifts (25.9 x 6.7 mm). Die Schrittmacher-Kapsel wird mit einem speziellem Kathetersystem über eine Leistenvene bis in die rechte Herzhauptkammer vorgebracht und dort fixiert. Die Kapsel funktioniert wie ein 1-Kammer-Schrittmacher mit Wahrnehmung und Stimulation in der rechten Hauptkammer. Insbesondere Patienten mit Engstellen oder Verschlüssen der Arm-/Schultervenen oder Patienten, die in der Vergangenheit Probleme mit herkömmlichen Schrittmacher-Systemen (Sondenbrüche, Infektionen etc.) hatten, können von einem kabellosen Herzschrittmacher profitieren. Bei weiteren Fragen berät Sie unser Ärzte-Team gerne.  

Neuer Herzschrittmacher im Miniformat

Die Geräte einer neuen Generation von sogenannten Mini-Herzschrittmachern sind nur noch so groß wie eine Schreibstiftkappe und können damit direkt am Herzmuskel angebracht werden.

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