Defibrillator-Therapie

Die Prävention des plötzlichen Herztods durch den Einsatz eines implantierbaren Cardioverter-Defibrillators (ICD) stellt einen wichtigen Teil der Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz dar.

Auch Patienten mit angeborenen Erkrankungen des Herzens, wie z.B. dem Long-QT oder Brugada-Syndrom, rechtsventrikulärer Kardiomyopathie (ARVC), hypertroph-obstruktiver Kardiomoypathie (HOCM), sowie Patienten mit tachykarden (schnellen) Herzrhythmusstörungen aus der Herzkammer (sog. ventrikuläre Tachykardien) können vom Einsatz eines ICD profitieren. Insbesondere bei jüngeren Patienten kann auch die Implantation eines subkutanen ICD-Systems (sICD) sinnvoll sein. Hierbei ist von Vorteil, dass keine Sonden bis ins Herz eingeführt werden müssen, sondern lediglich unter der Haut (subkutan) verlaufen. Häufig ist die Verbindung der ICD-Therapie mit einer elektrophysiologischen Untersuchung zur Diagnostik und ergänzenden Therapie (Ablationsbehandlung) ratsam. Wir bieten in unserem Zentrum alle entsprechenden Eingriffe an und besprechen im Vorwege mit Ihnen gemeinsam, welches die individuell vorteilhafteste Behandlung für Sie darstellt.

Wer braucht einen ICD?

Patienten, die aufgrund ihrer Herzerkrankung (z.B. ausgeprägte Herzinsuffizienz, angeborene Herzrhythmusstörungen, genetisch bedingte Herzmuskelerkrankungen) ein hohes Risiko für einen plötzlichen Herztod aufweisen sollen durch die Implantation eines ICD geschützt werden (Primärprophylaxe). Weiterhin sollten Patienten, welche danke Reanimation einen plötzlichen Herztod bereits überlebt haben mit einem ICD versorgt und vor weiteren Ereignissen geschützt werden (Sekundärprophylaxe).

Wie funktioniert ein ICD?

Ein ICD besteht, ähnlich wie ein Herzschrittmacher, aus einer speziellen Sonde verbunden mit einem Aggregat aus Titan, welches eine Batterie, einen Mikro-Prozessor und einen Kondensator beinhaltet. Bei einem Kammerflimmern oder -flattern schlägt das Herz so unkoordiniert und schnell, dass es nicht mehr in der Lage ist ausreichend Blut auszuwerfen. Als Resultat bricht der Kreislauf zusammen und der Patient verliert zunächst das Bewusstsein. Halten die Rhythmusstörung und damit der Kreislaufzusammenbruch länger als wenige Minuten an, kommt es zu irreversiblen Schäden an Gehirn, Herz und anderen lebenswichtigen Organen – schließlich tritt der Tod (sog. plötzlicher Herztod) ein. Ein ICD überwacht den Herzrhythmus und erkennt Rhythmusstörungen, die zum plötzlichen Herztod führen. Hören diese Rhythmusstörungen nicht im programmierten Zeitfenster (meist wenige Sekunden) wieder auf, erfolgt je nach Programmierung zunächst eine sog. Überstimulation – der ICD versucht die Rhythmusstörung mit schnellen kontrollierten elektrischen Impulsen zu beenden. Ist dies nicht erfolgreich folgt ein stärkerer elektrischer Schock, der die Rhythmusstörung dann beendet. Der Strompfad des Schocks verläuft zwischen der Sonde und dem Aggregat des ICD (sog. Schockfeld). Jeder herkömmliche ICD hat die Möglichkeit, wie ein Schrittmacher das Herz bei einem zu langsamen Rhythmus auch zu stimulieren (s. Herzschrittmacher-Therapie). Wie und wann der ICD Rhythmusstörungen therapiert, kann über ein spezielles Programmiergerät durch einen Arzt/Ärztin in den Mikro-Prozessor eingegeben werden.

Welche Arten von ICD gibt es?

Die einfachste Ausführung eines ICD ist der 1-Kammer-ICD, dessen Sonde, analog zu dem Herzschrittmacher, über die Schlüsselbeinvene in die rechte Hauptkammer geschoben wird und dort im Herzmuskel fixiert wird. Die Sonde nimmt dort die elektrische Aktivität des Herzens (inkl. Rhythmusstörungen) wahr und kann von dort auch den Herzmuskel stimulieren. Benötigt ein Patient zusätzlich zum ICD eine Schrittmacher-Funktion im Vorhof, kann eine zweite Herzschrittmacher-Sonde in den rechten Vorhof eingebracht werden – dieser 2-Kammer-ICD funktioniert dann wie ein 2-Kammer-Herzschrittmacher mit zusätzlicher ICD-Funktion.

Was ist ein subkutaner ICD (S-ICD)?

Es handelt sich dabei um einen speziellen ICD, dessen Sonde, statt wie bei einem herkömmlichen ICD in der Vene und im Herzen, außen am Brustkorb unter der Haut verläuft – daher die Bezeichnung „subkutan = unter der Haut“. Es besteht somit kein direkter Kontakt der Sonde zum Blutstrom und zum Herzen. Das Aggregat sitzt ebenfalls seitlich am Brustkorb zwischen der Brustwand-Muskulatur. Der S-ICD kommt besonders für Patienten in Frage, welche bereits Komplikationen mit ihren transvenösen Elektroden (z.B. Infektionen, Sondenbrüche) erlitten haben oder der herkömmliche Zugangsweg über die Schlüsselbeinvenen, aufgrund von Blutgerinnseln verschlossen ist. Im Gegensatz zum transvenösen ICD kann der S-ICD keine Schrittmacher-Funktion übernehmen.

Wie verläuft die Operation?

Die Implantation von ICD-Systemen erfolgt in der Regel in Vollnarkose, da die Aggregate im Vergleich zu den Herzschrittmachern etwas größer sind und daher die Aggregat-Tasche meist tiefer unter den Brustmuskel präpariert werden muss. Der Rest der OP verläuft bei den transvenösen ICD-Systemen analog zur Implantation eines Herzschrittmachers.

Der S-ICD wird ebenfalls in Vollnarkose implantiert. Für die Aggregattasche wird ein ca. 8-9 cm langer Schnitt in die linke seitliche Brustwand vorgenommen. Für die Elektrode ist ein zweiter kleinerer Schnitt (ca. 1-2 cm) kurz unterhalb des Brustbeins notwendig.

Wie häufig muss ein ICD ausgewechselt werden?

Je nach Programmierung und Häufigkeit einer Therapieabgabe hat ein ICD bei gut implantierten Sonden eine Laufzeit von ca. 6-8 Jahren. Zum „Batteriewechsel“ ist erneut ein kleiner operativer Eingriff nötig, in dem aber nur das alte gegen ein neues Aggregat ausgetauscht wird. Die alten Sonden werden, bei intakter Funktion, belassen und einfach an das neue Aggregat angeschlossen.

Wie erfolgt die Nachsorge von Patienten mit einem ICD?

Nach der erfolgreichen Implantation erfolgt die erste ICD-Kontrolle am Folgetag nach der OP in unserer Herzschrittmacher-Ambulanz. Dort erfolgt die Ersteinstellung, sowie Programmierung nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Die erste Kontrolle nach Entlassung erfolgt dann nach 3 Monaten und bei unauffälliger Funktion schließlich alle 6 Monate. Diese Kontrollen können entweder bei einem niedergelassenen Kardiologen oder in unserer Herzschrittmacher-/ICD-Ambulanz durchgeführt werden.  Ist der ICD auf primär-prophylaktischen Gründen implantiert worden oder hat lediglich ein Aggregatwechsel stattgefunden, besteht für 1 Wochen nach der OP ein Verbot für aktive Teilnahme am Straßenverkehr (PKW). Wurde der ICD aus sekundär-prophylaktischen Gründen implantiert besteht ab dem OP-Tag ein Fahrverbot für 3 Monate. Bezüglich Fahrtüchtigkeit nach ICD-Implantation für Berufsfahrer berät unser Ärzte-Team Sie gerne in unserer Sprechstunde.

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