Operationen am Kniegelenk

Das Kniegelenk mit seinen Bändern und der umgebenden Muskulatur ist das größte Gelenk des Körpers. Es verbindet den Oberschenkelknochen und das Schienbein miteinander. Als Scharniergelenk kann es sich beugen und strecken. Die Knie sind von entscheidender Bedeutung für das Stehen, Gehen, Laufen, Springen, Klettern oder Tanzen. In gebeugter Stellung ermöglichen sie das Sitzen. Bei Knieverletzungen sind wir für Sie da – versiert und kompetent.

Unsere Abteilung bietet Ihnen die operative Behandlung verschiedener Knieverletzungen:

Meniskusschäden

Jedes Kniegelenk beinhaltet einen Innen- und einen Außenmeniskus. Der Meniskus ist eine in der Aufsicht halbmondförmige Faserknorpelscheibe, die im Querschnitt keilförmig ist. Der Meniskus füllt im Kniegelenk die Lücke zwischen der runden Gelenkfläche des Oberschenkelknochens und der nahezu ebenen Gelenkfläche des Schienbeins aus. Er vergrößert damit die Kraftübertragungsfläche, vermindert die Druckbelastung und trägt zur Stabilität des Kniegelenks bei.

Man unterscheidet verletzungsbedingte (traumatische) Meniskusrisse von verschleißbedingten (degenerativen) Rissen. Wie andere Gewebe des Körpers ist auch der Meniskus Alterungsprozessen unterworfen. So sind Meniskusrisse bei älteren Menschen häufig degenerativer Natur, während bei jüngeren Menschen traumatische Risse überwiegen.

Bei traumatischen Rissen führen wir nach Möglichkeit eine Meniskusnaht durch, um die druckverteilende und stabilisierende Funktion des Meniskus für das Kniegelenk zu erhalten. Dabei kommen spezielle Nahtkanülen und Nahtanker (kleine, vom Körper abbaubare „Dübel“) zum Einsatz.

Bei nicht nahtfähigen Rissformen und bei Rissen aufgrund von Verschleißerscheinungen entfernen wir die verletzten Meniskusanteile sparsam. Hierfür stehen uns eine Vielzahl mechanischer arthroskopischer Instrumente, motorgetriebene rotierende kleine Messer (Shaver) und bipolare Elektroresektionssonden zur Verfügung. Letztere lassen sich aufgrund ihrer schlanken und gekrümmten Form sehr schonend auch im schlecht zugänglichen Hinterhornbereich des Meniskus einsetzen, ohne den Gelenkknorpel zu beschädigen. Unsere Experten verfügen in allen Behandlungsformen über vieljährige Erfahrungswerte.

Knorpelschäden

Gelenkknorpel besteht aus hyalinem (gläsernem) Knorpel. Dieser setzt sich aus säulenartig angeordneten Knorpelzellen zusammen, die in ein spezielles Geflecht aus kollagenen Fasern integriert sind. Zellen und Fasern sind eingebettet in eine Grundsubstanz aus Proteoglycanen (extrazelluläre Matrix). Die Oberfläche gesunden Gelenkknorpels ist extrem glatt (glatter als Eis) und garantiert eine reibungsarme Bewegung. Knorpel ist gut belastbar auf Druck, jedoch empfindlich gegen Scherbelastungen. So kann es im Rahmen von Unfällen zu Knorpeldefekten kommen.

Auch am Knorpel gibt es Alterungsprozesse, die seine Regeneration und Belastbarkeit vermindern. Insbesondere bei gleichzeitig erhöhtem Körpergewicht und ungünstiger Gelenkbelastung durch Achsabweichungen (O- oder X-Bein) kommt es, beginnend am Knorpel (degenerativer Knorpelschaden), häufig zu Kniegelenksverschleiß (Arthrose).

Am besten lassen sich traumatische Knorpelschäden behandeln:

  • Kleine Defekte können wir durch die sogenannte Mikrofrakturierung behandeln: Hierbei werden mit einem feinen Instrument winzige Löcher in die Knochenoberfläche eingebracht. So entsteht eine Verbindung zum darunterliegenden Knochenmark, aus dem Stammzellen austreten, die wiederum neues Knorpelgewebe bilden.
  • Für Defekte mittlerer Größe eignet sich die Umsetzung von Knorpel-Knochen-Zylindern. Diese werden mit speziellen Stanzen aus einem unbelasteten Bereich des Kniegelenks entnommen und mosaikartig in den Defekt eingesetzt (Mosaikplastik/OATS).
  • Große traumatische Knorpeldefekte behandeln wir mit einer Knorpelzelltransplantation. Hierzu werden arthroskopisch mehrere reiskorngroße Knorpelteile aus unbelasteten Gelenkbereichen entnommen. Die entnommenen Knorpelzellen werden dann in einem Speziallabor über vier Wochen in der Zellkultur vermehrt und in einem abbaubaren Gewebe (Matrix) angereichert. Die matrix-gebundenen Knorpelzellen implantieren wir anschließend in einem zweiten Eingriff in den Knorpeldefekt.

Degenerative Knorpelschäden neigen zu einem fortschreitenden Abrieb mit Reizergussbildung im Kniegelenk. Um die aufgeraute Knorpeloberfläche zu glätten und damit Ergussneigung und Schmerzen zu mindern, führen wir in geeigneten Fällen eine Knorpelglättung durch. Wir verwenden sogenannte Coblationssonden. Dabei handelt es sich um bipolare Elektrosonden, die bei geringer Hitze ein Plasma erzeugen und Gewebe bei Kontakt in Ionen zerlegen. Das Verfahren entwickelt wenig Hitze und hat daher nur eine geringe Tiefenwirkung, sodass eine schonende Entfernung erkrankter Knorpelanteile möglich ist. Außerdem können unsere Experten lose Randbereiche des geschädigten Bereiches mit der Sonde stabilisieren.

Bandverletzungen des Kniegelenkes

Bandverletzungen am Kniegelenk kommen oftmals als Folge von Sportunfällen (zum Beispiel beim Fußballspielen oder Skifahren) vor. Sehr häufig sind Verletzungen des vorderen Kreuzbands, Verletzungen des hinteren Kreuzbands treten hingegen seltener auf. Kreuzbandrisse gehen nicht selten mit Seitenband- und Meniskusverletzungen einher. Die Untersuchung der Kniestabilität lässt meist schon die Diagnose einer Kniebandverletzung zu. Die Kernspintomografie erlaubt weitere Rückschlüsse auf Begleitverletzungen an Gelenkoberflächen und Menisken.

Beim Riss des vorderen Kreuzbands wird die Kniestabilität durch ein Sehnentransplantat wiederhergestellt. Wir verwenden die Semitendinosus-Sehne als Vierfach-Transplantat. Der Semitendinosus ist einer der hinteren Skelettmuskeln des Oberschenkels – die Entnahme der Sehne verursacht keine nennenswerten Beschwerden und löst kein merkliches funktionelles Defizit aus. Die stabile Befestigung des Sehnentransplantats im Knochenkanal ist entscheidend für den Erfolg der Operation. Wir verwenden für die Befestigung des Transplantats am Oberschenkelknochen einen länglichen Knopf, der bereits mit einer sehr stabilen Kunststoffschlinge für die Aufnahme des Transplantats versehen ist. Der Fixationsbutton wird durch den Bohrkanal zur Außenseite des Knochens gezogen und dort gekippt. Die Gegenseite des Transplantats wird im Bohrkanal des Schienbeinkopfs mit einer sogenannten Interferenzschraube verklemmt. Die Schraube ist aus einem vom Körper langfristig abbaubaren Material. Nach Einheilung des Transplantats löst sich die Schraube vollständig auf.

Eine Kreuzbandersatzoperation erfordert eine abgestufte Nachbehandlung über drei Monate:

  • Zum Schutz des Sehnentransplantats und der häufig mitverletzten Seitenbänder versorgen wir unsere Patienten mit einer gelenkstabilisierenden Schiene (Orthese), die ein voreingestelltes Bewegungsausmaß erlaubt. Diese Schiene liegt, um die Körperwahrnehmung (Propriozeption) zu verbessern, mit einem elastischen Gewebe großflächig an der Haut an und ist seitlich mit Aluminiumstreben mit integriertem Gelenk verstärkt.
  • Sofort nach der Operation wird die volle Kniestreckung trainiert. Die Kniebeugung wird dagegen für sechs Wochen auf 90° beschränkt.
  • In den ersten vier Wochen nach der Operation dürfen unsere Patienten das operierte Bein mit 20 kg teilbelasten, danach ist die volle Belastung ohne Gehhilfen erlaubt.
  • Die Orthese sollte bis zum Ende der zwölften Woche nach der Operation getragen werden.
  • Nach acht Wochen beginnt ein intensiviertes Rehabilitationsprogramm mit Muskelaufbau- und Koordinationstraining. Die Fähigkeit, Sport zu betreiben, erreichen unsere Patienten vier bis sechs Monate nach dem Eingriff.

Kniegelenksverrenkungen (Luxationen)

Hierbei handelt es sich um die schwersten Formen von Kniebandverletzungen. Häufig sind sie kombiniert mit Gefäß-Nervenschäden oder auch knöchernen Verletzungen.

Im Gegensatz zu isolierten Verletzungen des vorderen Kreuzbands sind bei Kniegelenksluxationen mit ansatznahen Kreuzband-Ausrissen auch Refixationen, zum Beispiel mit Nahtankern (kleine, vom Körper abbaubare „Dübel“), erfolgversprechend. Die Nähte sind allerdings bis zur Heilung der Bänder nicht belastungsstabil und müssen durch Verstärkung (Augmentation) mit speziellen vom Körper abbaubaren Kordeln (PDS II) oder aber mit einem an Ober- und Unterschenkelknochen montierten sogenannten Gelenkfixateur geschützt werden.

Ein einheitliches Schema ist aufgrund der vielfältigen Verletzungsmuster bei Kniegelenksluxationen nicht anwendbar. Je nach Ausmaß und Art der Verletzung wenden wir die individuell beste Behandlungsmöglichkeit bei unseren Patienten an. Grundsätzlich gilt, dass alle verletzten Strukturen möglichst in einem Eingriff versorgt werden sollten.

Für Ihre weitergehenden Fragen sind wir stets gerne da – bitte sprechen Sie uns an.

Verrenkung der Kniescheibe (Patellaluxation)/MPFL-Plastik

Eine Patellaluxation beruht meist auf einem Unfallereignis in Kombination mit einer anlagebedingten Fehlform und einer vermehrten Verschieblichkeit (Hypermobilität) der Kniescheibe. Das innere Halteband der Kniescheibe (mediales patellofemorales ligament) ist schwach ausgebildet, überdehnt, gelegentlich auch abgerissen.

Eine sehr effektive Methode, um die Kniescheibe zu stabilisieren und erneute Verrenkungen zu verhindern, ist die Verstärkung des inneren Haltebands mit der aus dem Oberschenkel entnommenen Musculus-gracilis-Sehne (MPFL-Plastik). Der Verlust dieses Muskels führt zu keinem merklichen Funktionsdefizit. Die Sehne können wir über einen kleinen Schnitt am Schienbeinkopf minimalinvasiv entnehmen. Wiederum über kleine Hautschnitte wird die Sehne dann am inneren Kniescheibenrand mit resorbierbaren Schraubankern stabil befestigt. Unter Röntgenkontrolle legen wir am natürlichen Ansatz des Haltebands am Oberschenkelknochen (Femur) einen Bohrkanal, in welchen die Sehne eingezogen und mit einer biologisch abbaubaren Schraube verklemmt wird.  Dabei kontrollieren wir die korrekte Position der Kniescheibe arthroskopisch (durch eine Gelenkspiegelung).

Die Entlastungsfeder für das Kniegelenk (Kinespring)

Gelenkverschleiß (Arthrose) an den innenseitigen Gelenkflächen des Kniegelenks ist häufig. Bei jüngeren Patienten kann durch eine Umstellungsosteotomie (Korrektur des O-Beins) mit Veränderung der Beinachse ein Fortschreiten des Verschleißprozesses verzögert werden.

Bei älteren Patienten entscheidet man sich zumeist für einen Gelenkersatz (Endoprothese), entweder als Schlittenprothese, mit der nur die innere Gelenkfläche ersetzt wird, oder aber als Oberflächenersatzprothese mit Ersatz beider Gelenkflächen. Problematisch ist dabei, dass die Endoprothese einen irreversiblen (nicht rückgängig zu machenden) Defektzustand schafft, der nach 10 bis 15 Jahren (also der durchschnittlichen Haltbarkeit eines Gelenkersatzes) aufwändige Wechseloperationen nach sich zieht. Daher bieten wir ergänzend ein Operationsverfahren an, das das Kniegelenk unberührt lässt und dennoch durch Entlastung des geschädigten Gelenkbereichs den Arthroseschmerz beseitigt und den weiteren Verschleiß verzögert. Das sogenannte KineSpring-Implantat befestigen wir außerhalb des Gelenks mit zwei anatomisch geformten Titanplatten und winkelstabilen Schrauben am Knochen. Die Feder entlastet das Gelenk an der Innenseite um 13 kg bei uneingeschränkter Beweglichkeit. Der Eingriff kann im Falle einer späteren Gelenkersatzoperation rückgängig gemacht werden. Das KineSpring-Implantat stellt somit eine Alternative zur Umstellungsosteotomie und zur Schlittenprothese dar.

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