Behandlung von Verletzungen des Beckens

Das Becken ist ein aus vier Segmenten zusammengesetzter Knochenring, der zum Rumpf hin Anschluss an die Wirbelsäule hat und andererseits über die Hüftgelenke die Kraftübertragung auf die Beine übernimmt. Die umfangreiche Rücken-Rumpf- und Hüftmuskulatur setzt am Beckenknochen an. Ihre Funktion bestimmt die Körperhaltung und wichtige Bewegungsabläufe. Das knöcherne Becken bildet zusammen mit der Beckenbodenmuskulatur den unteren Abschluss des Rumpfes und hat damit eine wichtige Stütz- und Schutzfunktion für die Eingeweide.

Bruchformen

Verletzungen des Beckens treten häufig infolge eines Unfalls oder Sturzes auf, wobei in vielen Fällen, besonders nach Verkehrsunfällen, das Hüftgelenk betroffen ist. Brüche des Beckens machen nur 4 % aller Fälle aus.

Am Becken kommen drei verschiedene Bruchformen vor:

Beckenrandfrakturen:

Hierbei ist der knöcherne Ring nicht durchbrochen, es handelt sich um Abbrüche an der Beckenschaufel oder um knöcherne Ausrisse von Muskelansätzen.

Beckenringfrakturen:

Analog zu einem durchtrennten und aufgebogenen Fingerring liegt auch bei einem Bruch des Beckenringes immer eine Verletzung an zwei Seiten des Ringes vor. Wenn die Verletzung der Gegenseite nur geringfügig ist, leidet die Stabilität des Beckenringes kaum und man spricht von einem „stabilen“ Beckenringbruch. Bei einer höhergradigen Verletzung der Gegenseite resultieren „rotationsinstabile“ Brüche (wie ein offenes Buch/„open book“) oder sogar „vertikal instabile“ Brüche (unter Belastung tritt eine Beckenhälfte höher). Die instabilen Beckenbrüche erfordern häufig eine operative Stabilisierung, zumeist mit anatomisch angepassten Osteosyntheseplatten.

Brüche der Hüftgelenkspfanne – Acetabulumfrakturen:

Brüche der Hüftgelenkspfanne sind ein besonderes Problem, da verletzungsbedingte Stufen in der Gelenkoberfläche im weiteren Verlauf unweigerlich zur Ausbildung eines vorzeitigen schmerzhaften Hüftgelenksverschleißes führen. Um dieses Risiko genau einzuschätzen und unsere Patienten entsprechend beraten zu können, führen wir bei jeder dieser Frakturen eine detaillierte Schnittbilddiagnostik (Computertomografie) durch.

Sobald uns die genaue Fraktursituation sowie Ihr Alter und eventuell vorhandene Begleiterkrankungen bekannt sind, entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen unter Nutzen-/Risiko-Abwägung über eine operative Wiederherstellung des verletzten Hüftgelenks. Dabei handelt es sich um einen großen operativen Eingriff, bei dem die Bruchstücke der Hüftpfanne zusammengesetzt und mit an den Knochen exakt angepassten Metallplatten und Schrauben stabilisiert werden.

Die Belastbarkeit nach der Operation hängt individuell vom Ausmaß Ihrer Fraktur und von Ihrer Knochenqualität ab. Unser Operateur erstellt nach dem Eingriff einen individualisierten Behandlungsplan für Ihre anschließende Rehabilitation.

Die Nachbehandlung

Unsere geschulten Physiotherapeuten beginnen bereits am ersten Tag nach dem Eingriff mit einer abgestuften Bewegungstherapie unter Einsatz von motorgetriebenen Bewegungsschienen. Es folgt die aufrechte Mobilisation unter Entlastung des betroffenen Hüftgelenkes, zunächst im Gehwagen, dann an Unterarmgehstützen. Im weiteren Verlauf veranlassen wir für Sie die Rehabilitationsbehandlung in einer dafür geeigneten Klinik.

 

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