Fusionsbiopsie: Punktgenaue Prostatadiagnostik

Die Urologie der Asklepios Klinik Barmbek bietet für Patienten mit Verdacht auf Prostatakrebs die sogenannte Fusionsbiopsie an. Die Kombination aus Magnetresonanztomographie (MRT) und ultraschallgesteuerter Biopsie ermöglicht es den Medizinern, Gewebeproben gezielt und präzise zu entnehmen. Dieser Schritt ist entscheidend für eine sichere Diagnose und individuelle Therapieplanung.

BILD: Bildschirmfotografie einer Fusionsbiopsie
Bildschirmaufnahme während einer Fusionsbiopsie: Die Biopsien (weiße Stichkanäle) können zielgerichtet aus dem verdächtigen Bereich (rot markiert) entnommen werden

Der Schlüssel zur Fusionsbiopsie ist die digitale Kombination zweier Verfahren: In einem ersten Schritt werden durch eine speziell auf die Prostata abgestimmte Magnetresonanztomographie (multiparametrische MRT) hochauflösende Bilder gewonnen. Erfahrene Radiologen können hier krebsverdächtige Stellen identifizieren – auch solche, die im Rahmen einer regulären Gewebeprobenentnahme nicht erreicht werden. In einem zweiten Schritt werden die Bilder mit Hilfe eines Computerprogramms mit den Echtzeitbildern des Ultraschalls während der Gewebeprobenentnahme überlagert. Das erlaubt eine genaue Zuordnung der verdächtigen Bereiche und somit eine deutlich gezieltere Entnahme von Gewebeproben.

„Die Fusionsbiopsie ist ein hervorragendes Beispiel einer digitalen Diagnostik, um die Sicherheit der Medizin zu erhöhen und eine bessere Behandlung zu bieten. Das ist die Urologie der digitalen Generation“, erläutert Prof. Dr. Andreas Gross, Chefarzt der Urologie in der Asklepios Klinik Barmbek. Konsequenterweise hat er die Einführung der Fusionsbiop-sie in seiner Abteilung einem „Digital Native“ übergeben. Assistenzarzt Daniel Scholz ist seit 2017 in Barmbek.

FoO: Aufnahme des Arztes während einer Fusionsbiopsie
Assistenzarzt Daniel Scholz während einer Fusionsbiopsie

Scholz ist von den Vorteilen des neuen Biopsie-Verfahrens überzeugt: „Die Fusionsbiopsie verschafft uns präzise Informationen und ermöglicht damit eine sicherere Diagnose und eine bessere Behandlungsplanung.“ Denn bei einer Standard-Biopsie bleibt das Risiko, dass sich trotz krebsfreier Gewebeproben ein Tumor in der Prostata befindet – an Stellen, die nicht durch die Probenentnahme getroffen wurden. Dieses Risiko wird durch das kombinierte Verfahren deutlich verringert, wie eine internationale Studie belegen konnte (PRECISION-Studie)

Zudem benötigen nach der PROMIS-Studie weniger Männer eine Biopsie, da die MRT-Untersuchung in ca. 30 % die Verdachtsfälle aus einer Vorsorgeuntersuchung ausräumen kann. Zusätzlich wird eine Überdiagnose insignifikanter Tumore um ca. 5 % reduziert.

Die eigentliche Probenentnahme erfolgt in den allermeisten Fällen minimalinvasiv. Jede Probenentnahme wird exakt dokumentiert, die Bilddaten für Therapie und Nachsorge archiviert. „Bestätigt die Biopsie den Krebsverdacht, können wir Patienten je nach individueller Situation alle Therapiemöglichkeiten anbieten: Von der Entfernung der Prostata in offener oder minimalinvasiver Operation bis zur besonders schonenden HIFU-Therapie“, erläutert Chefarzt Prof. Gross. Das HIFU-Verfahren verwendet hochenergetische Ultraschallwellen, deren Hitze Tumorgewebe gezielt und dauerhaft zerstört. Die Urologie der Asklepios Klinik Barmbek ist das größte HIFU-Zentrum Norddeutschlands und kann auf mehr als 600 Eingriffe zurückblicken. Dank der Daten aus der Fusionsbiopsie kann die HIFU Therapie häufig fokal, also exakt auf den Tumor begrenzt, erfolgen – das gesamte umliegende Prostatagewebe wird dabei geschont. Sogar eine Nerverhaltung zum Schutz der Erektionsfähigkeit kann möglich sein.

Prostatakrebs: Hintergrund

Prostatakrebs ist in der westlichen Welt der häufigste bösartige Tumor beim Mann; allein in Deutschland erkranken jährlich ca. 65.000 Männer. Da er im Frühstadium keinerlei Beschwerden verursacht, haben regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie die Tastuntersuchung, der Ultraschall sowie die Bestimmung des PSA-Wertes eine enorme Bedeutung. 

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