Autoimmunerkrankungen des Nervensystems

Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose oder auch Encephalomyelitis disseminata ist eine chronische Entzündung des Hirns (dazu gehört auch der Sehnerv) und/oder des Rückenmarks, deren Ursache bisher nicht eindeutig geklärt ist.

Bei der Multiplen Sklerose entstehen in den Leitungsbahnen von Hirn und Rückenmark verstreut über Monate und Jahre vielfache (multiple) entzündliche Herde (Sklerose), die durch den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die Markscheiden der Nervenzellfortsätze verursacht werden. Da diese Entzündung gegen das eigene Hirngewebe im gesamten zentralen Nervensystem auftreten kann, ist eine vielfältige neurogische Symptomatik möglich.

Die Entzündung ist nicht ursächlich behandelbar, jedoch kann der Verlauf durch verschiedene Maßnahmen wie entzündungshemmende Medikamente und direkte Behandlung der Entzündungsfolgen oft günstig beeinflusst werden. Auch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung bleibt die Mehrzahl der Patienten gehfähig.

Gesicherte Diagnose

Magnetresonanztomogram mit entzündlichem Herd (weiße Flecken im weißen Kreis) im Halsabschnitt des Rückenmarkes (links) und mehreren Herden im Grosshirn in der Region der sog. Balkenstrahlung (rechts).

In unserer Abteilung werden Patienten stationär aufgenommen zur Sicherung der Diagnose einer MS und Zuordnung zum jeweiligen Verlaufstyp. Daneben erfolgt eine umfassende differenzialdiagnostische Abklärung gegenüber anderen entzündlichen Erkrankungen. Hierzu stehen Untersuchungen der Nervenflüssigkeit (Liquor) einschließlich eines neuropathologischen und serologischen Labors, die Neuroradiologie mit Schnittbilduntersuchung des Hirns (MRT) sowie ein neurophysiologisches Labor zur Verfügung. Es besteht eine enge Kooperation mit der Augenabteilung zur Diagnostik von Sehnervenentzündungen und anderen Sehstörungen.

Individuelle Therapie

Neben der Diagnosestellung werden in unserer Abteilung entzündunghemmende Behandlungen durchgeführt. Zur Kortikosteroidtherapie können Patienten mit akutem Schub auch ohne Anmeldung über die Zentrale Notaufnahme oder durch Direktüberweisung aufgenommen werden. Die Therapie eines Schubes erfolgt nach den aktuellen Richtlinien der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft. Darüber hinaus kann eine individuelle Einstellung auf eine immunmodulatorische und immunsuppressive Therapien durchgeführt werden. Die Behandlung umfasst neben der Hochdosis-Kortisontherapie auch die Möglichkeit der Therapie-Eskalation mit z.B. Mitoxantron, Natalizumab oder Fingolimod. Darüber hinaus kann nach sorgfältiger Prüfung die Einbringung von kristallinen Kortikosteroiden in den Spinalkanal (intrathekale Triamcinolon-Injektion) durchgeführt werden. Für Patienten mit ausgeprägter Spastik besteht nach umfassender Testung die Möglichkeit der Anlage einer Baclofen-Pumpe durch Kooperation mit der Neurochirurgie unseres Krankenhauses. Nach der stationären Dosisanpassung können die Patienten ambulant weiterbetreut werden. Zur physikalischen Therapie stehen Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Schmerztherapeuten hilfreich zur Seite.

 

Es besteht eine Mitgliedschaft im MS-Netz Hamburg sowohl im Plenum als auch in der Ärzte-AG zur Intensivierung der Zusammenarbeit der verschiedenen sich mit der Krankheit befassenden Berufsgruppen und der Betroffenen.

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