Hanseatisches Cochlea Implantat Zentrum

Das Hanseatische Cochlea Implantat Zentrum, kurz HCIZ, ist eine gemeinsame Einrichtung der HNO-Abteilungen der Asklepios Kliniken Hamburg am Standort Nord - Heidberg. Im Sinne der bestmöglichen Cochlea Implantat-Versorgung unserer Patient:innen haben wir im HICZ unser Wissen und Können gebündelt, die Diagnostik an allen Standorten vereinheitlicht sowie in Nord - Heidberg die notwendige Infrastruktur für die Implantation und Nachsorge geschaffen und sind heute das größte CI-Zentrum in Hamburg mit zuletzt 85 Implantationen im Jahr 2020.

Was ist ein Cochlea-Implantat?

Ein Cochlea Implantat ist eine funktionelle elektronische Sinnesprothese, die immer dann indiziert ist, wenn durch die Implantation absehbar ein besseres Hören und Sprachverstehen als mit Hörgeräten erreicht werden kann. Der akustische Schall wird mit einem Mikrofon an einem äußeren, magnetisch gehaltenen Audioprozessor aufgenommen und in diesem Sprachprozessor zu elektrischen Signalen verarbeitet.

Über die Induktionsspule gelangen diese Impulse dann durch die intakte Haut zum inneren implantierten Anteil des Implantates. Das dazugehörige Elektrodenträgerkabel wird operativ in die Scala tympani der Cochlea (Hörschnecke) eingebracht. Durch verschiedene Elektroden, die perlenkettenartig an den unterschiedlichen Lokalisationen der Schnecke positioniert werden ist dann eine tonotopische, also nach Frequenzen (Tonhöhen) differenzierte Stimulation des Hörnervs möglich. Durch diese Nachbildung der Frequenzorganisation können komplexe Schallsignale wie Sprache in ein differenziertes Reizmuster umgesetzt werden, welches ein Sprachverstehen und eine Klangwahrnehmung ermöglicht.

Wissenswertes

Für wen kommt ein Cochlea-Implantat in Frage?

Insbesondere PatientInnen mit einer beidseitigen hochgradigen oder an Taubheit grenzenden sensorischen Schwerhörigkeit, aber auch bei einseitiger Ertaubung. Hier besteht der wesentliche Vorteil im besseren Richtungshören und Verstehen im Störschall sowie im Wegfall des Kopfschatteneffektes. Bei PatientInnen mit einem noch vorhanden Restgehör im Tieftonbereich und mit einer an Taubheit grenzenden Hochtonschwerhörigkeit ist eine alleinige Hörgeräteversorgung häufig nicht zielführend. Es besteht daher bei dieser PatientInnengruppe zunehmend die Möglichkeit einer Implantation durch neue hörerhaltende Implantationstechnik. Hierbei wird die konventionelle HG-Technik (für die Tieftonschwerhörigkeit) mit der CI-Technik (für den Hochtonbereich) kombiniert. Man spricht hierbei von einer Hybridversorgung oder einer Elektro-Akustischen Stimulation (EAS).
Als generelles audiologisches Indikationskriterium gilt ein Einsilberverstehen (mit HG) von <60% im Freiburger Sprachtest bei 65 dB Schalldruck (SPL). Das Ziel besteht dann in einer Verbesserung des Einsilberverstehens um mindestens 20 %-Punkte nach erfolgter Anpassung. Durchschnittlich erreichen PatientInnen mit einem CI ein Einsilberverstehen von ca. 75%.
Bei Säuglingen mit einer angeborenen, also prälingualen Schwerhörigkeit oder Ertaubung erfolgt die Bestimmung der objektiven Hörschwelle durch die frequenzspezifischen BERA (brain evoked response audiometry). Die Indikation zum CI besteht ab einer gemittelten Hörschwelle von > 70 dB. Durch das etablierte Neugeborenenhörscreening liegt in der Regel sehr frühzeitig ein Hinweis auf eine Hörminderung vor. Nach weiterer Diagnostik kann dann bei entsprechender Indikation die Implantation im ersten Lebensjahr ab dem 6. Monat erfolgen. 

Wie und wo findet die Voruntersuchung statt?

Interessierte PatientInnen stellen sich bitte zunächst im Rahmen eines unverbindlichen Beratungsgesprächs (möglichst mit alten Befunden, z.B. dem letzten aktuellen Tonaudiogramm („Hörtest“) oder dem Anpassbericht des Hörakustikers) bei uns am Standort Heidberg vor. Die Terminvereinbarung erfolgt unter 040-1818873055. Kommen Sie für ein Cochlea Implantat in Frage, führen wir alle dafür notwendigen Untersuchungen im Rahmen eines zweiten ambulanten Termins durch (CI-Diagnostik Termin). Dabei werden verschiedene Röntgenuntersuchungen durchgeführt (Computertomographie, Magnetresonanztomographie). Außerdem erfolgen umfangreiche Tests des Hörens und Verstehens sowie eine Überprüfung des Hörnervs, um sicherzugehen, dass eine Implantation erfolgreich durchgeführt werden kann. Darüber hinaus informieren wir Sie über die unterschiedlichen Implantattypen und den Ablauf der Rehabilitation.
Das ausführliche Abschlussgespräch führt mit Ihnen in der Regel der Leiter des Zentrums, Herr Dr. Niclaus. Sie bekommen alle Befunde und Ergebnisse erläutert und können direkt noch Ihre offenen Fragen stellen. Sind alle beantwortet, vereinbaren wir mit Ihnen einen OP-Termin. Eltern mit betroffenen Kindern melden sich bitte direkt in der Asklepios Klinik Nord - Heidberg an. Bei Bedarf können wir die dortigen Spezialisten für Kinder- und Jugendmedizin und Neurologie auf kurzem Wege zu Rate ziehen.

Zweite Meinung

Grundsätzlich prüfen wir alle Befunde mehrfach, bevor wir die Implantation eines CI empfehlen. Im Sinne maximaler Sicherheit bieten wir unseren Patienten zusätzlich die Möglichkeit, eine zweite Expertenmeinung einzuholen. Nach abgeschlossener Diagnostik können sich unsere PatientInnen auf Wunsch ganz einfach mit den Befunden an einer anderen Klinik ihrer Wahl zum Beratungsgespräch vorstellen.

Wie verläuft der stationäre Aufenthalt?

Zirka zehn Tage vor der geplanten Operation bestellen wir unsere Patienten nochmals ambulant ein. An diesem Termin erfolgen die Aufklärungsgespräche mit dem Narkosearzt und einem Chirurgen. Die Untersuchungsergebnisse werden nochmals geprüft, ggf. ergänzt und die stationäre Aufnahme  vorbereitet.
 
Patienten, die einen längeren Anfahrtsweg haben, kommen bereits am Abend vor der Operation, ansonsten nüchtern am Morgen des Operationstages. Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose und dauert circa zwei Stunden. Nach der OP bleiben die Patienten in der Regel fünf Tage bei uns. In dieser Zeit findet auch der sogenannte Probeton statt, bei dem das Implantat in Betrieb genommen und ein erster Eindruck von der Funktion des CI vermittelt wird.

Was kommt nach der OP? Individuelle Hör-Rehabilitation

In den ersten Tagen nach dem stationären Aufenthalt erfolgt eine antibiotische Therapie, um einer möglichen Wundinfektion vorzubeugen. Nach ca. zehn Tagen entfernen wir das Fadenmaterial. 
Um ein optimales Sprachverstehen mit dem Implantat zu erreichen ist eine intensive interdisziplinäre audiologische Anpassung und logopädische Hörtherapie über mehrere Monate nötig. Diese beginnt mit der ca. dreitägigen, in der Regel ambulanten Basistherapie, in der die Erstanpassung des Audioprozessors erfolgt. In der anschließenden Folgetherapie oder CI-Rehabilitation werden die Hör- und Sprechergebnisse weiter optimiert. Diese erfolgt in der Regel intermittierend in größer werdenden Abständen ambulant, kann aber – nach entsprechender Beantragung bei der Krankenkasse - auch im Rahmen einer stationären Rehabilitation erfolgen. Unterstützend erhalten unsere PatientInnen Materialien zum selbstständigen Hörtraining zu Hause. So haben wir unter anderem eine Trainings-App entwickelt, in der sogar das Verstehen der Hamburger Mundart geübt werden kann. 
Über eine lebenslange Nachsorge in der behandelnden Klink wird der audiologische Erfolg und auch die technische Betreuung gesichert. Dabei wird das Implantat durch unsere AudiologInnen am Standort Heidberg optimal an die Bedürfnisse der PatientInnen angepasst. Im Rahmen der Erstanpassung wird die komplette ambulante Rehabilitation und Nachsorge direkt bei uns im HCIZ geplant und im Nachsorgepass dokumentiert. Diese setzt sich bei uns aus ärztlicher Untersuchung, technischer Anpassung, Audiometrie und Hörtraining durch unsere TherapeutInnen zusammen.

Wer bezahlt die Behandlung?

Die Behandlung wird sowohl von den gesetzlichen als auch von den privaten Krankenkassen übernommen, wenn die Implantation nach ausführlicher Untersuchung von uns verordnet wird. Im Einzelfall kann dennoch vor der Behandlung eine Genehmigung durch die Krankenkasse notwendig sein. Dann führen wir zunächst alle erforderlichen Untersuchungen durch und stellen anschließend mit Ihnen gemeinsam alle erforderlichen Unterlagen für eine Beantragung der Kostenzusage zusammen. 

Asklepios Gesundheitssendung: Cochlea Implantat

Asklepios Gesundheitssendung: Cochlea Implantat

Es gibt verschiedene Ursachen, wenn das Hören immer schlechter wird. Betroffen sind oft auch junge Menschen. Die meisten bekommen vorerst Hörgeräte. Oft reichen diese nicht aus oder der Zustand verschlechtert sich wieder. Meistens hilft dann ein Cochlea Implantat. Voraussetzung ist, dass der Betroffene früher schon einmal gehört hat. Dr. Oliver NIclaus, Oberarzt und Leiter des Hanseatischen Cochlea Implantat Zentrums in der Asklepios Klinik Nord - Heidberg erklärt, wer für ein Cochlea Implantat geeignet ist, wie es operativ eingesetzt wird und wie das Leben mit einem Implantat weiter geht.

HÖRGERÄTE - 3 FRAGEN, 3 ANTWORTEN

Rund 30 000 Menschen hören heute mit einem Cochlea-Implantat. Gerade hochgradig hörgeschädigte bis völlig ertaubte Menschen profitieren von dem künstlichen Innenohr. Dr. Oliver Niclaus, Oberarzt und Leitung des Hanseatischen Cochlea Implantat Zentrums an der Asklepios Klinik Nord – Heidberg erklärt, bei welchen Menschen diese Implantate zum Einsatz kommen und wie man mit ihnen hört.

Weitere Informationen rund um die Themen CI, Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit?

Hier finden Sie einige Selbsthilfe-Verbände, mit denen wir in Kontakt stehen:
www.dcig.de
www.schnecke-online.de
www.bds-hh.de
www.taubenschlag.de
www.ertaubt.de
www.bundesjugend.de

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