Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen

Wir helfen Ihnen bei

Bandscheibenschäden

Eines vorneweg: Nicht jeder Bandscheibenschaden muss operiert werden! Ein gewisses Maß an Veränderung der Bandscheiben gilt als natürliche Entwicklung im Alter. Eine nötige Therapie muss immer von der entstandenen Beschwerdesymptomatik abhängig gemacht werden – nicht jeder Bandscheibenvorfall hat einen entsprechenden Krankheitswert. Bandscheibenschäden zählen zu den häufigsten Rückenproblemen unserer Zeit. Man unterscheidet zwischen der Bandscheibenvorwölbung (Protrusion), bei der sich der Gallertkern unter Druck verschiebt, und dem Bandscheibenvorfall (Prolaps), bei dem der Kern aus der Bandscheibe austritt. Oftmals entsteht ein Bandscheibenverschleiß infolge von Bewegungsmangel, Übergewicht oder langer einseitiger Belastung der Wirbelsäule, beispielsweise bei falschem Sitzverhalten sowie zu langem Stehen. Diese Belastungen stören die komplexe Bewegungsharmonie der Wirbelsäule und führen zu Muskelverspannungen und damit verbundenen Schmerzen. Fehlt in den Belastungssituationen die nötige Entlastung, können Ernährungsstörungen der Bandscheibe auftreten.

Sie führen dazu, dass die Bandscheibe ihre natürliche Pufferfunktion verliert und sich mit der Zeit abnutzt. Ein ständiger Wechsel von Be- und Entlastung ist für den Stoffwechsel und somit für den Erhalt der Bandscheibenfunktion von großer Bedeutung. Wenn die Bandscheibe nicht genug Flüssigkeit aufnehmen kann, trocknet sie aus und wird brüchig. Es entstehen irreparable Risse im Faserring. Auf diese Weise kann das weiche Gewebe des Bandscheibenkerns unter Druck nach außen treten. Durch das verlagerte Bandscheibengewebe kann der dahinter liegende Nerv eingequetscht werden. Die Reizung des Nervs verursacht starke Schmerzen und/oder Gefühlsstörungen. In schweren Fällen kann sie zu Lähmungserscheinungen im Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven führen.

In folgenden Bereichen treten Bandscheibenvorfälle auf: meist in der Lendenwirbelsäule (lumbal), gefolgt von der Halswirbelsäule (zervikal) und  nur selten in der Brustwirbelsäule. Bandscheibenschäden werden abhängig von ihrem Schweregrad behandelt, zunächst meist konservativ mit Hilfe von Physiotherapie und Medikamenten. Treten Lähmungserscheinungen auf oder sind die Probleme auf konservativem Weg nicht ausreichend behandelbar, kann eine operative Behandlung nötig sein.

Allerdings muss bei vorliegenden Lähmungserscheinungen nicht immer zwangsläufig eine OP erfolgen. Die Notwendigkeit einer Operation ist abhängig vom Ausmaß sowie dem zeitlichen Verlauf der Lähmungserscheinung. Im Fall einer bereits bestehenden Blasenlähmung oder eines Reithosenphänomens (Gefühlsstörung im Bereich der Oberschenkelinnenseiten) muss dagegen eine rasche Operation durchgeführt werden.

Konservative Therapie:

Die konservative Therapie des Bandscheibenschadens beinhaltet zunächst die adäquate Schmerzmittelgabe, um den Akutschmerz zu durchbrechen. Wir bieten Ihnen zur weiteren Behandlung ein breites Spektrum an Physiotherapie und physikalischen Maßnahmen. Je nach Fall können Infiltrationen an der Wirbelsäule durchgeführt werden (meist unter Bildwandlerkontrolle), oder es kann eine vorübergehende intravenöse Kortisontherapie sinnvoll sein.

Operative Therapie:

Die operative Therapie des Bandscheibenvorfalls  bedeutet meist, die nervenbedrängenden Anteile der Bandscheibe zu entfernen. Dabei genügt oftmals ein kleiner Hautschnitt von wenigen Zentimetern. Anschließend wird die Muskulatur mit speziellen Instrumenten auf der Seite gehalten, sodass der Zugang zur Wirbelsäule frei ist. Nun kann der Bandscheibenvorfall unter dem Mikroskop entfernt werden.

Nachbehandlung:

Die Nachbehandlung besteht hauptsächlich aus krankengymnastischen Übungen. Bei komplikationslosem Verlauf können und sollen Sie bereits am ersten Tag wieder auf den Beinen sein.

Verengung des Wirbelsäulenkanals (Spinalkanalstenose)

Bei der Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung des Wirbelsäulenkanals (Spinalkanal). Die Ursachen können vielfältig sein und reichen von angeborenen Veränderungen über Abnutzungserscheinungen, wie dem Verschleiß der Facettengelenke, bis hin zu rheumatischen Veränderungen oder Verletzungsfolgen. Eine zunehmende Einengung des Spinalkanals im Alter lässt sich folgendermaßen beschreiben: Im Zuge des Alterungsprozesses verändern sich meist Gelenke und Statik der Wirbelsäule. Durch den Verschleiß der Bandscheiben und der damit verbundenen Veränderung der Druckbelastung kommt es an den knöchernen Strukturen der Wirbel zur Anlagerung neuer Knochensubstanz. Die Veränderung der Wirbelkörper und -gelenke führt dazu, dass Rückenmark und Nervenwurzeln nicht mehr genug Platz im  Wirbelsäulenkanal haben. Die Verlagerung von Bandscheibenanteilen in Richtung Wirbelsäulenkanal kann für eine zusätzliche Einengung des Rückenmarks und der Nerven sorgen. Schmerzen und Gefühlsstörungen werden dabei durch den Druck ausgelöst, der nun auf die sensiblen Nerven besteht. Betroffene klagen häufig über Schmerzen, die beim Gehen in die Beine ausstrahlen. Oft mit Schwäche in den Beinen verbunden, sind die Patienten zu Gehpausen gezwungen, in denen sich die Symptomatik zurückbildet. Deshalb ist die Gehstrecke, die bewältigt werden kann, entsprechend verkürzt. Dieses Phänomen wird von Medizinern auch als „Claudicatio spinalis“ bezeichnet. Wichtig ist es, andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen, zum Beispiel eine arterielle Verschlusskrankheit.

Prinzipiell kann eine Spinalkanalstenose in allen Abschnitten der Wirbelsäule auftreten. Ähnlich wie der Bandscheibenvorfall kommt sie überwiegend im Bereich der unteren Hals- und der Lendenwirbelsäule vor, weil die Belastung in diesen Bewegungssegmenten am größten ist. Meist tritt eine kombinierte knöcherne und weichteilige Verengung des  Wirbelsäulenkanals auf. Bei ausgeprägter Einengung kann oft nur eine Operation helfen, die Enge und damit verbundenen Beschwerden zu beseitigen.

Konservative Therapie:

Bei einer konservativen Therapie kommen intensive Krankengymnastik und eine individuell angepasste Schmerzmedikation für Sie zur Anwendung. Injektionen an der Wirbelsäule können dabei auch eine Besserung der Beschwerden bewirken. Je nach Fall ist es möglich, Orthesen und Hilfsmittel anzupassen.

Operative Therapie:

Ziel der operativen Versorgung ist die Erweiterung des zu engen Spinalkanals, sodass Nerven und Rückenmark wieder genug Platz haben. Durch das Abtragen von Knochen, Bandscheiben- und sonstigem Gewebe wird der Spinalkanal entsprechend der Ursache der Einengung erweitert. Oftmals ist eine Versteifung der jeweiligen Wirbelsegmente nötig, um eine Instabilität zu vermeiden, die aufgrund abgetragener Wirbelanteile entstehen kann. Bei diesem Eingriff werden die betroffenen Wirbel über ein Schrauben-Stab-System sowie Cages miteinander verbunden. Die Anlagerung von Knochen und Knochenersatzmaterial soll schließlich eine natürliche Verblockung der Wirbel bewirken.

Nachbehandlung:

Die Nachbehandlung hat zum Ziel, Ihre Mobilität und Selbsthilfefähigkeit möglichst schnell wieder herzustellen. Nach der Operation ist mit einem weiteren Krankenhausaufenthalt von ein bis zwei Wochen zu rechnen. Daran schließt sich im Normalfall eine stationäre Anschlussheilbehandlung an.

Arthrose der „kleinen“ Wirbelgelenke (Facettensyndrom)

Beim Facettensyndrom handelt es sich um eine verschleißbedingte Erkrankung der „kleinen“ Wirbelgelenke (Facettengelenke). Aufgrund verschiedener Ursachen, wie z. B. der Abnutzung der Bandscheiben, kann es zu einer Fehlbelastung und Überbeanspruchung der Wirbelgelenke kommen. Sie verschleißen dadurch ebenfalls.

Bei der Gelenkarthrose kommt es durch frühzeitigen und verstärkten Knorpelabrieb zu einer Schwellung und Verdickung der Gelenkkapsel. Weil die Kapsel der Wirbelgelenke viele Nervenenden enthält, können diese Nerven chronisch werden und dauerhaft Schmerzen auslösen. In allen Abschnitten der Wirbelsäule kann der Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke entstehen. Vermehrt ist er jedoch im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule zu beobachten – dort ist die Belastung am größten.

Häufig tritt das Facettensyndrom in Kombination mit anderen verschleißbedingten Wirbelsäulenerkrankungen auf, wie zum Beispiel einer Bandscheibenveränderung oder einem Wirbelgleiten.

Konservative Therapie:

Zur konservativen Therapie gehören Krankengymnastik und physikalische Maßnahmen. Daneben werden Schmerzmittel mit einer entzündungshemmenden Wirkung eingesetzt, sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Diese sollen die Schmerzen und den Reizzustand lindern. Zur lokalen Bekämpfung der Beschwerden lassen sich gute Erfolge mit einer Infiltration an den betroffenen Facettengelenken erzielen. Ein lokales Betäubungsmittel wird dabei in Verbindung mit Kortison (als entzündungshemmende Komponente) unter Bildwandlerkontrolle direkt an die Gelenke gespritzt.

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