Therapie und tägliches Leben im Einklang

Die Asklepios-Tagesklinik für Psychiatrie in Pößneck schließt die Lücke zwischen vollstationärer Krankenhaus-Behandlung und ambulanter Therapie

Pößneck/Stadtroda, den 12.2.2018. Tagsüber profitieren die Patienten vom therapeutischen Angebot, die Abende, Nächte und Wochenenden aber verbringen sie zu Hause. Das Angebot der zum Asklepios Fachklinikum Stadtroda gehörenden Psychiatrischen Tagesklinik in Pößneck, die 2016 ihr zehnjähriges Jubiläum hatte, schließt die Lücke zwischen vollstationärer Krankenhaus-Behandlung und ambulanter Therapie. „Die Patienten unserer Tagesklinik kommen aus Pößneck, Schleiz, Lobenstein, Hirschberg, Neustadt sowie dem gesamten Saale-Orla-Kreis, aber auch aus den Regionen Kahla, Saalfeld oder Zeulenroda“, sagt Dr. Ina Uhde, Leiterin der Tagesklinik.

„Das teilstationäre Setting ist ein integraler Bestandteil des psychiatrischen Versorgungssystems. Es ist ein wichtiger Aspekt bei der Versorgung psychiatrischer Patienten, die – beispielsweise im Anschluss an einen vollstationären Aufenthalt – weiter behandelt werden sollen, die aber in einem solchen Rahmen die Aspekte des täglichen Lebens besser in eine Therapie einfließen lassen können“, erklärt Dr. Udo Polzer, Ärztlicher Direktor des Asklepios Fachklinikums Stadtroda. Umgekehrt sei das innerhalb der Therapie Erlernte gleich zu Hause anwendbar.

„Patienten, die einer Komplexbehandlung bedürfen, und bei denen es mit einer ambulanten Therapie nicht richtig vorwärtsgeht, sind in der Tagesklinik bestens aufgehoben“, sagt Dr. Ina Uhde. „Dass sie nicht über Nacht bleiben müssen, genießen vor allem die Mütter“, weiß sie. Die Patienten der Tagesklinik profitieren von einem erfahrenen und multiprofessionellen Team aus Ärztin, Pflegern, Psychologen, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern. Zum Selbstverständnis gehören sowohl eine moderne psychologische und psychotherapeutische Diagnostik als auch eine medikamentöse Therapie nach neuesten Standards. Die einzelnen Komponenten der Behandlung werden individuell auf den Patienten abgestimmt.

Gestartet war die Tagesklinik mit 12 Plätzen in einer Villa in der Marienstraße. Aufgrund der hohen Nachfrage zog das Team um Frau Dr. Uhde 2010 in den vakanten Teil eines Neubau-Komplexes in der Kurzackerstraße mit großzügigem Garten um, der von den Patienten gern genutzt wird. Hier können 31 Plätze vorgehalten werden. Im selben Gebäude befinden sich zudem eine Psychiatrische Institutsambulanz und ein Medizinisches Versorgungszentrum des Asklepios Fachklinikums Stadtroda. In der Tagesklinik Pößneck bildet sich das gesamte Behandlungsspektrum einer Klinik für Psychiatrie ab, von Depression, über Schizophrenie, Angsterkrankungen oder Burn-Out bis hin zur Bipolaren Störung. Der Altersdurchschnitt der Patienten ist gemischt: Die jüngsten Patienten sind 18, die älteste Patientin war 86 Jahre alt.

Besonders spezialisiert hat sich das Team auf die von der US-amerikanischen Psychologin Prof. Marsha Linehan entwickelte und in Deutschland maßgeblich durch den Mannheimer Psychiatrie-Professor  Martin Bohus fortgeschriebene Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Der Borderline-Persönlichkeitsstörung liegt eine Störung der Emotionsregulation zugrunde. „Die – überwiegend weiblichen – Betroffenen fühlen viel intensiver, das heißt auch, sie fühlen häufiger schneller anflutend und länger anhaltend Angst oder Ärger oder Scham als der Durchschnitt. Sie leiden oft unter extrem hoher Anspannung und versuchen, die Emotionen zu regulieren, indem sie sich selbst verletzen (z.B. durch Ritzen der Haut), sich risikoreich verhalten oder das Essverhalten verändern“, erklärt Dr. Ina Uhde. Die meisten Patienten mit Borderline-Störung haben in der Kindheit ein Trauma erlitten, oft durch Misshandlungen oder sexuelle Übergriffe.

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie ist eine Komplexbehandlung, die aus mehreren Bausteinen besteht, wie dem zweimal wöchentlich stattfindenden Skillstraining. Hier bekommen die Patienten zum einen den Auftrag, sich mit Hilfe eines Fragebogens mit Verhaltensweisen auseinanderzusetzen, die verändert werden sollten, weil sie vielleicht auch im Alltag schon hinderlich waren oder hinderlich werden könnten. „Die Auswertung erfolgt dann in der Gruppe, sodass sich die Patienten untereinander austauschen können“, sagt Frau Dr. Uhde. Hinzu kommt eine Theorie-Sequenz, die Wissen zum Umgang mit Stress oder extremen Gefühlen vermittelt. Die Stresstoleranzgruppe und Einzelgespräche sind weitere Bausteine der Therapie.

Es gebe mehr und mehr Betroffene, die erkennen, „dass es ihnen bessergeht, wenn sie sich trauen in Behandlung zu gehen“, sagt die Leiterin der Tagesklinik. Ein hoher Prozentsatz der Patienten, die das DBT-Programm durchlaufen haben, weisen Studien zufolge nach drei Jahren Therapie nicht mehr die Merkmale einer Borderline-Persönlichkeitsstörung auf.

„Die Patienten unserer Tagesklinik in Pößneck profitieren
insgesamt von sehr erfahrenem Fachpersonal, von kleinen Gruppen und einem offenen und freundlichen Miteinander“, fasst Chefarzt Dr. Udo Polzer zusammen.

 

Kontakt

Dr. Udo Polzer
Ärztlicher Direktor
Chefarzt der Klinik für Allgemeine Psychiatrie/-Psychotherapie, Gerontopsychiatrie und Suchterkrankungen
Tel.: (036428) 56 1200
E-Mail:
u.polzer@asklepios.com

Dr. Ina Uhde
Leiterin der Tagesklinik Pößneck
Tel.: (03647) 449190
E-Mail:
i.uhde@asklepios.com

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