Multiple Sklerose und andere immunvermittelte Entzündungen

In unserer Neurologischen Abteilung untersuchen und behandeln wir etliche Patienten mit Multipler Sklerose (MS) stationär. Aufgrund unserer sehr engen Zusammenarbeit mit führenden Forschungszentren ist unser diagnostisches und therapeutisches Vorgehen immer auf erstklassigem Niveau.

Bei Multipler Sklerose (MS) handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Sie kann völlig unterschiedlich verlaufen macht sich meist im frühen Erwachsenenalter bemerkbar. Unser Gehirn kann man sich als eine Art Schaltzentrale vorstellen, in der Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden. Verschiedene Nervenfasern leiten diese Signale, ähnlich wie elektrische Kabel sind sie von einer Schutz- beziehungsweise Isolierschicht umhüllt. Entsteht an dieser Schutzhülle ein Entzündungsherd, können die Botschaften nicht fehlerfrei übermittelt werden. Dies macht sich beim MS-Kranken dann zum Beispiel als Missempfindung bemerkbar, er stolpert vermehrt oder bekommt Schwierigkeiten beim Sehen. Treten solche Entzündungsherde mit entsprechenden körperlichen Störungen und Ausfällen auf, spricht man von einem „Schub“. Ist dieser überwunden, normalisiert sich in der Regel zwar auch wieder die Körperfunktion, im Verlauf kann allerdings das entzündete Nervengewebe vernarben (sklerosieren).

Unabhängig davon, wie die Erkrankung bei Ihnen verläuft: bei unseren erfahrenen Experten sind Sie sehr gut aufgehoben. Sprechen Sie uns auch bei Fragen jederzeit an, wir sind gerne für Sie da.

Der erste Schritt – die richtige Diagnostik

MS hat viele Gesichter. Ihre typischen Entzündungsherde kann eine Kernspintomografie (MRT: Bildgebungsverfahren mittels Magnetfeldern) aufdecken. Um den für das Leiden allerdings typischen Entzündungsprozess nachzuweisen und andere Krankheiten auszuschließen, untersuchen unsere Spezialisten auch das Nervenwasser (Liquor). In der Regel folgen weitere Tests wie zum Beispiel der Sehnerven (VEP-Schachbrettmusteruntersuchung) sowie verschiedene Labor-Checks.

Nachdem wir eine Diagnose stellen konnten, schätzen wir Ihr individuelles Risiko für den weiteren Krankheitsverlauf ab und führen mit Ihnen ein ausführliches Aufklärungsgespräch.

Der tatsächliche Verlauf einer MS ist von Patient zu Patienten sehr unterschiedlich. Viele haben Angst, später einmal auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Doch das muss nicht zwangsläufig der Fall sein. Nichtsdestotrotz ist es genau diese unsichere Prognose der MS, die Kranke und ihre Angehörigen auf eine harte Probe stellt. Gespräche mit Ärzten, Mitarbeitern der Selbsthilfeorganisation Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft oder mit Leidensgenossen können helfen, die Ängste zu reduzieren.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

Man unterschiedet zwischen Therapien, die einen akuten Entzündungsschub lindern (Schubbehandlung) und vorbeugenden Therapien, die die Schubrate reduzieren und ein Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen (Basistherapie). Außerdem zielt die Behandlung auf die Linderung von Beschwerden, die die Krankheit mit sich bringt (symptomatische Therapie), zum Beispiel mithilfe spezieller Krankengymnastik.

Schubtherapien mit Kortison erfolgen stationär und sorgen dafür, dass sich die Folgen der akuten Entzündung schneller zurückbilden. Ist in schweren Fällen eine Blutwäsche (Plasmapherese) notwendig, geschieht dies in Zusammenarbeit mit unseren Onkologen.

Eine Basistherapie mit Interferon, Glatirameracetat (Corazonen) oder anderen Medikamenten erfolgt ambulant und wird von einem niedergelassenen Neurologen verschrieben. Patienten, die zum Beispiel wegen eines Schubes oder zur Diagnosestellung in unsere Klinik kommen, werden umfassend über eine für sie individuell geeignete Therapien beraten.

Seit Kurzem stehen mit Fingoloimod (Gilenya®), Fumarsäure (Tecfidera®) und Teriflumomid (Aubagio®) auch orale Medikamente zur Verfügung, die man also in Tablettenform einnimmt. Über ihren Einsatz informieren wir gern im Rahmen einer stationären Therapie.

Bei schwerer Spastik kann die Gabe von Kortison in den Nervenwasserraum die Muskelverkrampfung lindern (intrathekale Triamcinolon-Therapie). Die nötige Versorgung mit Hilfsmitteln erfolgt über die Ergotherapie. Während des stationären Aufenthalts wird die symptomatische Therapie optimiert.

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