Kopf- und Gesichtsschmerzerkrankungen

Gesichtsschmerz (Trigeminusneuralgie), einseitige Verkrampfung der Gesichtsmuskulatur (Hemispasmus facialis)

Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um äußerst starke Schmerzen, die blitzartig in den Unterkiefer und/ oder Oberkiefer, selten auch in die Stirn einschießen. Ausgelöst werden diese oftmals durch Kauen oder Zähneputzen.

Trotz der typischen Symptomatik wird die Trigeminusneuralgie oft nicht erkannt und eine Behandlung erst spät eingeleitet. Unsere Experten verfügen in Bezug auf Diagnose und Behandlung über umfassende Erfahrungswerte.

Die Ursache der Schmerzen ist der Druck eines Gefäßes auf den Trigeminusnerv. Anfangs kann dies oft mit für Epileptiker entwickelten Medikamenten effektiv kontrolliert werden. Über die Jahre stellt sich allerdings ein Wirkungsverlust ein. In diesem Fall und auch bei inakzeptablen Nebenwirkungen der Mittel ist eine Operation notwendig. Dabei wird der Trigeminusnerv mikrochirurgisch vom Gefäß abgepolstert – ein sehr sicheres und wirksames Verfahren, das ca. eine Stunde dauert und in unserer Klinik reine Routine ist.

Alternativ kommt eine sogenannte Thermoläsion des Trigeminusumschaltknotens (Ganglion Gasseri) infrage. Hierbei wird der Nerv mit Wärme verödet, sodass er keine Schmerzsignale mehr aussenden kann.

Trigeminusneuralgie – Gesichtsschmerzen

Bei der Trigeminusneuralgie kommt es zu blitzartig einschießenden Schmerzen im Gesicht – meist in die Ober- und Unterkieferregion. Der Schmerz ist triggerbar, also auslösbar, etwa durch Berührung, Sprechen, Essen, Zähneputzen, manchmal genügt auch schon ein Windzug. Ursache ist ein Kurzschluss zwischen den Berührungsfasern und den Schmerzfasern des Gesichtsnerven (Nervus trigeminus). Verantwortlich für diesen Kurzschluss ist ein Druckschaden des Nervens, meistens aufgrund einer Gefäßschlinge. Die Trigeminusneuralgie lässt sich anfangs meist erfolgreich mit Medikamenten behandeln, die auch bei epileptischen Anfällen eingesetzt werden. Leider nimmt jedoch über die Jahre die Wirksamkeit dieser Medikamente ab, die Nebenwirkungen erhöhen sich. Wenn diese Behandlung nicht mehr ausreicht, wird eine neurochirurgische Behandlung erwogen.

Auf diese Behandlung haben wir uns besonders spezialisiert.

Wir helfen Ihnen

Sollte sich der Trigeminusschmerz nicht mehr mit Medikamenten behandeln lassen, erhalten Sie bei uns Unterstützung.

Der erste Schritt: die richtige Diagnostik

Zunächst erfolgen ein ausführliches Gespräch zu Ihrem Krankheitsbild und eine exakte neurologische Untersuchung. Die Diagnose stützen unsere Experten mit einer Kernspintomografie (MRT: röntgenstrahlenfreies Bildgebungsverfahren mittels Magnetfeldes). Mit diesem MRT können auch andere Ursachen wie zum Beispiel entzündliche Erkrankungen oder ein Geschwulst ausgeschlossen werden. Zudem soll die Gefäßschlinge festgestellt werden, die auf den Trigeminusnerven drückt. Hierfür sind Spezialaufnahmen mit sogenannten T2-Dünnschichten beziehungsweise CISS erforderlich. Ihr Radiologe nimmt diese Spezialuntersuchung vor, wenn er die entsprechende Fragestellung bekommt.

Behandlung der Trigeminusneuralgie

Nach der Untersuchung und Beurteilung der Bilder besprechen wir mit Ihnen gemeinsam die weitere Behandlung. Zuerst stellt sich immer die Frage, ob die medikamentöse Behandlung ausgereizt ist. Ist dieses der Fall, gibt es folgende Optionen:

  • die mikrochirurgische Lösung der Gefäßschlinge vom Trigeminusnerven hinter dem Ohr  (Jannetta-Operation)
  • die Verödung der Schmerzfasern des Trigeminusnervens in Kurznarkose
  • die gezielte (stereotaktische) Bestrahlung

Die Jannetta-Operation (benannt nach ihrem Entwickler) ist ein Routineeingriff und bedeutet in den meisten Fällen Heilung. Über eine kleine Schädelöffnung hinter dem Ohr wird die Ursache der Trigeminusneuralgie behoben: ein Gefäß-Nerven-Konflikt. Damit es nicht wieder zu neuen Schmerzen kommt, wird das Gefäß mit einem Polster vom Nerven ferngehalten. Die Erfolgsquote liegt bei 90 %.

Die Verödung (in der Fachsprache „Thermoläsion des Ganglion Gasseri“) kann unter Kurznarkose geschehen. Hier ist die Erfolgsquote ebenfalls sehr hoch. Nachteil ist jedoch, dass der Schmerz häufig nach 1 bis 3 Jahren wiederkommt. Dann könnte die Verödung wiederholt werden.

Die gezielte Bestrahlung hat deutlich schlechtere Ergebnisse und die Schmerzbesserung tritt häufig erst nach Wochen ein. Und auch hier muss man damit rechnen, dass der Schmerz zurückkehrt. Daher ist die Bestrahlung nur in Ausnahmefällen anzuwenden.

Ob eine Operation bei Ihnen notwendig ist und welche für Sie die geeignete ist, besprechen und entscheiden wir mit Ihnen gemeinsam. Die Risiken und die Heilungsaussichten legen wir Ihnen vor der Entscheidung genau dar.

Sollte es zur Operation kommen, rechnen Sie bitte bei der Jannetta-Operation mit 5 bis 7 Tagen Krankenhausaufenthalt, bei der Thermoläsion mit 2 bis 3 Tagen.

Nachbehandlung

Ihr weiterbehandelnder Arzt erhält von uns einen Arztbrief mit den weiteren Empfehlungen. In den meisten Fällen können die Medikamente langsam abgesetzt werden. Die Fäden nach der Jannetta-Operation verbleiben 14 Tage und können dann von Ihrem Hausarzt oder von uns gezogen werden. Höchstwahrscheinlich können Sie 1 bis 2 Wochen nach dem Eingriff wieder Ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen. Bei anhaltender Schmerzfreiheit ist die Behandlung abgeschlossen.

Sollte es während des Heilungsverlaufs doch einmal Probleme geben, sind wir selbstverständlich immer gerne für Sie da.

Weiterführende Informationen

Interview mit Prof. Dr. Kehler

Prof. Dr. Uwe Kehler ist Chefarzt der Neurochirurgie und erklärt, was es mit der Trigeminusneuralgie auf sich hat. Wann auch immer die Rede von dieser Erkrankung ist – fast immer berichten die Betroffenen von schlimmsten vorstellbaren Schmerzen. Auf einer Skala von 0 bis 10 rangieren diese bei nahezu allen Patienten auf höchster Stufe. Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung des gleichnamigen Nervs und auch als „Tic douloureux“ bekannt. Sie führt zu blitzartig einschießenden, heftigen Gesichtsschmerzen, die meist einseitig im Bereich der Kaumuskulatur, der Wangen, Lippen oder Zunge auftreten. Es handelt sich um ein relativ seltenes Phänomen, an dem – hochgerechnet an 100.000 Menschen – jährlich etwa 3 bis 13 Patienten erkranken. Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko dieses Leidens. Etwa 70 % der Patienten sind bei Beginn älter als 60 Jahre, wobei Frauen wegen höherer Lebenserwartung etwas häufiger betroffen sind als Männer. Prof. Dr. Uwe Kehler erklärt die Krankheit und wie man sie behandeln kann.

Spasmus hemifacialis (“Gesichtszuckungen”)

Zuckungen im Gesicht müssen nicht schlimm sein. Häufig geht dieses Zucken auch wieder weg. Wenn es aber regelmäßig auftritt oder sogar schmerzhaft wird, kann es sich um “Spasmus hemifacialis” handeln. Prof. Dr. Uwe Kehler, Chefarzt der Neurochirurgie in der Asklepios Klinik Altona spricht über Symptome und verschiedene Therapiemöglichkeiten.

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