Herzrhythmusstörungen – Was bedeutet das?

Die Herzfrequenz wird normalerweise vom Sinusknoten bestimmt. Dieser liegt am rechten Vorhof und gibt elektrische Impulse ab, die zu einem Herzschlag führen. Hierbei wird die Herzfrequenz an den Bedarf im Körper angepasst. So schlägt unser Herz bei körperlicher oder seelischer Belastung schneller, im Schlaf dagegen weitaus langsamer. Die Impulse vom Sinusknoten werden von den Vorhöfen des Herzens über den atrioventrikulären Knoten, einer elektrischen Verbindung, auf die Herzkammern übergeleitet.

Sprechstunde Herzrythmusstörungen

Wenn sich der Herzschlag unregelmäßig anfühlt, können Extraschläge aus dem Vorhof oder der Herzkammer die Ursache sein. Diese Extraschläge funken zwischen dem Grundrhythmus des Sinusknotens und werden als Stolpern, Ruck, Aussetzer oder Klopfen unterschiedlich wahrgenommen. Wenn der Sinusknoten komplett durch Extraschläge aus den Vorhöfen des Herzens abgelöst wird, nennt man dies „Vorhofflimmern“. Bei diesem Phänomen ist die Überleitung auf die Herzkammern ganz unregelmäßig und wird als „Arrhythmia absoluta“ bezeichnet.

Besonders aufmerksam sollten Sie sein, wenn durch die Rhythmusstörungen der gemessene Puls häufig unter 60 Schlägen pro Minute oder über 120 Schlägen pro Minute liegt. Rhythmusstörungen sollten möglichst mit einem Elektrokardiogramm (EKG) – also der Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten der Herzmuskelfasern – dokumentiert werden. Aus der Herzkammer resultierend sind die Rhythmusstörungen grundsätzlich gefährlicher als aus den Vorhöfen.

Diagnostik und Behandlung von Herzrhythmusstörungen sind ein wichtiger Schwerpunkt unserer Abteilung.

Herzrhythmusstörungen: 3 Fragen 3 Antworten

Wenn das Herz zu langsam, zu schnell oder zu unregelmäßig schlägt, dann handelt es sich um Herzrhythmusstörungen. Dr. Sebastian Deiß erklärt, welche Formen unbedingt behandelt werden müssen, spricht über die Ursachen von Herzrhythmusstörungen und gibt Tipps, was Betroffene dagegen tun können.

Experteninterview: Vorhofflimmern

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Symptome können Luftnot, Herzrasen oder “Herzstolpern” sein. Im schlimmsten Fall kann sogar ein Schlaganfall ausgelöst werden. Sektionsleiter Dr. Sebastian Deiß spricht über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel die sogenannte Cryoablation und ab wann ein Patient therapiert werden sollte.

Ursachen

Ursache von Herzrhythmusstörungen kann eine Ermüdung des Sinusknotens oder der Reizleitung am atrioventrikulären Knoten sein. Manchmal kommt es auch nach einem Herzinfarkt dazu – etwa weil der Blutdruck sehr hoch ist oder die Vorhöfe oder Herzkammern vergrößert sind. Veränderungen der Hormone, zum Beispiel der Schilddrüsenhormone, oder der Blutsalze (Elektrolyte) können ebenfalls den Herzschlag aus dem Takt bringen. Insgesamt sind die möglichen Ursachen sehr vielfältig. Daher ist es wichtig, dass unsere Expert:innen Ihren Beschwerden auf den Grund gehen.

Symptome

Manchmal sind Herzrhythmusstörungen nicht zu spüren, manchmal werden sie aber auch als Stolpern oder Rasen direkt wahrgenommen.

Indirekte Hinweise können sein:

  • Abnahme der körperlichen Belastbarkeit
  • Schwindel
  • Luftnot, Kurzatmigkeit, Atemnot
  • Bewusstseinsverlust (Kollaps, Synkope)

Wenn der Herzschlag bei der Blutdruckmessung oder als Pulsmessung direkt gemessen wird, können eine geringe (unter 60 Schläge pro Minute), sehr hohe Herzfrequenz (über 100 Schläge pro Minute) oder ein unregelmäßiger Herzschlag (Arrhythmie) auf Rhythmusstörungen hindeuten.

Wann muss ich eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen?

Wenn es bei Ihnen zu den erwähnten Beschwerden oder ähnlichen Symptomen kommt, sollten Sie einen Arzt konsultieren. Wichtig ist es, die Rhythmusstörung zu dokumentieren, um sie als gefährlich oder unbedenklich einschätzen zu können. Neben der eigenen Pulsmessung kann Ihr Hausarzt oder der Kardiologe ein Elektrokardiogramm (EKG: Aufzeichnung der elektrischen Aktivitäten des Herzens), Belastungs-EKG oder Langzeit-EKG anfertigen.

Für eine weitere stationäre Abklärung stehen wir Ihnen natürlich immer gerne zur Verfügung.

Wann muss ich den Rettungsdienst rufen?

Wenn die Beschwerden durch neu aufgetretene Herzrhythmusstörungen sehr stark sind, bei Schwäche oder plötzlicher Bewusstlosigkeit muss der Rettungsdienst (112) kommen. Bis dieser allerdings eingetroffen ist, verstreichen mitunter lebenswichtige Minuten. In dieser Zeit ist Ihre Mithilfe gefragt: Bei einem Ohnmächtigen, dessen Puls Sie vermutlich schon nicht mehr spüren können, sollten sie unverzüglich Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Herzdruckmassage zur Wiederbelebung ergreifen. Machen Sie in Notfällen auch andere auf sich aufmerksam und fordern Sie zur Hilfe auf.

Der Rettungsdienst und Notarzt bringen Sie in unsere Zentrale Notaufnahme zur weiteren Behandlung.

Im Zweifel immer:  112

Was tun wir für Patient:innen mit Herzrhythmusstörungen?

Die Behandlung von Patient:innen mit Herzrhythmusstörungen bildet einen besonderen Schwerpunkt unserer Klinik. Wir helfen Ihnen, dieses Problem zu verstehen und einzuschätzen. Zusätzlich zu herkömmlichen Methoden wie dem Elektrokardiogramm (EKG), Belastungs-EKG und Langzeit-EKG können wir auch auf unserer Monitorstation akute Rhythmusstörungen dauerhaft überwachen. Eine medikamentöse Behandlung kann unter Monitorkontrolle begonnen werden.

Falls erforderlich, lassen sich Rhythmusstörungen, zum Beispiel neu aufgetretenes Vorhofflimmern, durch die Abgabe eines elektrischen Impulses von außen (elektrische Kardioversion) beenden. Darüber hinaus können wir anhand von Untersuchungen mit Herzkatheter, Herzecho (Ultraschall-Untersuchung des Herzens) und Kardio-MRT (Darstellung des Herzens mittels Magnetfeldern und Radiowellen) feststellen, ob eine Durchblutungsstörung oder funktionelle Herzerkrankung vorliegt. 

Bei bestimmten Rhythmusstörungen ist die Kontrolle mit speziellen Kathetern am Herzen sinnvoll, die sogenannte elektrophysiologische Untersuchung (EPU). In manchen Fällen erfolgt eine Verödung (Ablation) zusammen mit der EPU, um einen gleichmäßigen Herzschlag nachhaltig zu sichern.

EPU: Herzrhythmusstörungen dank EKG direkt aus dem Herzen analysieren

Was ist eine Elektrophysiologische Untersuchung (EPU)?

Sollten unsere Expert:innen oder Ihre niedergelassenen Ärzt:innen bei Ihnen eine Herzrhythmusstörung vermuten, wird zunächst ein EKG (Elektrokardiogramm) angefertigt. Ist dieses nicht aussagekräftig genug, kann eine EPU – also eine Elektrophysiologische Untersuchung – notwendig sein. 

Bei einer EPU (Elektrophysiologische Untersuchung) punktieren unsere Kardiolog:innen Ihre Leiste und schieben über diesen Zugang verschiedene Katheter zum Herzen. Über diese Katheter können Herzrhythmusstörungen zweifelsfrei festgestellt werden, beispielsweise wenn unklar ist, welche Form der Herzrhythmusstörung unsere Patient:innen haben. Denn die Elektroden der Katheter leiten ein EKG aus dem Inneren Ihres Herzens ab.

Sollten während der Untersuchung keine Herzrhythmusstörungen auftreten, können unsere Expert:innen diese auch direkt über die Elektroden auslösen, um Sie im Anschluss zu analysieren. 

Die Patient:innen schlafen während des Eingriffs, der ein bis zwei Stunden dauert.

Sollte über die EPU eine Herzrhythmusstörung nachgewiesen werden, kann diese während desselben Eingriffs auch behandelt werden – mit Hilfe einer Ablation.

Was ist eine Ablation?

Mit einer Ablation können unsere Kardiolog:innen Ihre Herzrhythmusstörungen behandeln und oft sogar heilen – beispielsweise wenn Sie unter Herzrasen oder Herzstolpern leiden. Genauso wie Vorhofflimmern: Also, wenn Ihr Herz zu schnell und eventuell sogar unregelmäßig schlägt.

Das gelingt über Hochfrequenzstrom, mit dem über einen Katheter Erregungsherde oder Leitungsbahnen am Herzen durch Hitze oder Kälte „verödet“ werden. So normalisiert sich Ihr Herzschlag wieder, denn störende Muskelerregungen werden auf diesem Weg gestoppt. 
 

Herzrhythmusstörungen sollten gelegentlich und je nach eingeschätztem Risiko auch ohne Behandlung weiter beobachtet werden. Manchmal muss die Wirkung von Medikamenten über einen längeren Zeitraum beurteilt werden. Bei gefährlichen Rhythmusstörungen führen wir die Implantation eines Herzschrittmachers oder Defibrillators durch. Wir beraten Sie ausführlich zu Ihrer individuellen Therapie.

Herzschrittmacher und Defibrillator (ICD) oder CRT

Was ist ein Herzschrittmacher?

Wenn die Herzfrequenz zu langsam ist (Bradykardie) oder bei Belastung nicht ausreichend ansteigt, sind der Taktgeber des Herzens, der Sinusknoten, oder die Überleitung auf die Herzkammern im AV-Knoten verzögert. Ein Herzschrittmacher unterstützt das Herz durch Abgabe elektrischer Impulse über Sonden, die zum Herzen führen. Dadurch kann wieder die normale Herzleistung erreicht werden und die Belastbarkeit zunehmen.

Wenn die Herzfrequenz zu hoch ist und Herzrasen mit einem Puls über 150/min auftritt, kann es sich um Rhythmusstörungen aus der Herzkammer handeln. Diese kommen bei Ptient:innen nach Herzinfarkt und eingeschränkter Pumpleistung besonders häufig vor. Oft führen Kammertachykardien zu Schwindel, Bewusstlosigkeit oder auch notwendiger Wiederbelebung. Bei festgestelltem Risiko für solche Kammertachykardien, die schon aufgetreten sind oder als Risiko erkannt wurden, setzt man implantierbare Cardioverter-Defibrillatoren (ICD) ein. Diese ICD-Geräte können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen nach wenigen Sekunden sicher beenden.

Wenn zusätzlich eine ausgeprägte Herzschwäche (Herzinsuffizienz) vorliegt und ein Linksschenkelblock im EKG besteht, kann ein System zur kardialen Resynchronisation (CRT) und biventrikulären Stimulation eingesetzt werden. Hierbei wird eine dritte Sonde zur Stimulation der linken Herzkammer in den Koronarvenensinus geschoben. Es gibt CRT-Schrittmacher und CRT-Defibrillatoren.

Warum könnten Sie einen Herzschrittmacher brauchen?

Oft kommt es im höheren Alter zu langsamem Herzschlag (Bradykardie) durch Ermüdung der Reizbildung oder Reizleitung. Herzinfarkt, Entzündungen des Herzens oder Medikamente können langsame Rhythmusstörungen bewirken.

Herzrasen durch Kammertachykardien ist oft durch eine strukturelle Herzerkrankung verursacht. Dies können Herzinfarkt bei koronarer Herzkrankheit, Herzmuskelentzündungen, eine stark erweiterte Herzkammer (Dilatative Kardiomyopathie), eine Herzmuskelverdickung und elektrische Erkrankungen der Erregungsausbreitung des Herzens sein.

Bei welchen Symptomen kann ein Herzschrittmacher helfen?

Rhythmusstörungen können sich zum Teil sehr versteckt zeigen. Hinweise können sein:

  • wenn die körperliche Belastbarkeit plötzlich abnimmt und leicht Luftnot auftritt
  • wenn der Herzschlag, Puls, oft unter 60/min gemessen wird
  • wenn der Herzschlag trotz körperlicher Belastung nicht über 90/min ansteigt
  • wenn oft Herzstolpern und Herzrasen mit Puls mehr als 120/min auftritt
  • wenn Schwindel oder Bewusstseinsverlust auftreten
  • wenn jemand plötzlich blass wird, schwer atmet und röchelt, nicht mehr ansprechbar ist

Wie helfen wir Ihnen bei Herzrythmusstörungen?

Die Behandlung von Patient:innen mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren (ICD) ist ein besonderer Schwerpunkt unserer Klinik. Wir führen über 350 Implantationen von Herzschrittmachern und Defibrillatoren im Jahr durch. Über 1.500 Kontrollen der implantierten Geräte finden jährlich in unserer Ambulanz statt. Alle Geräte und Herstellerfirmen weltweit sind uns bekannt.

Mit besonderer Sorgfalt wählen wir für Sie das richtige Schrittmacher- oder Defibrillatormodell aus und programmieren es auf Ihre speziellen Bedürfnisse. Die Implantation ist in lokaler Betäubung in einem eigenen OP-Saal möglich. Wir legen besonders hohen Wert auf ein gutes kosmetisches Ergebnis der Operation.

Neben Herzschrittmachern, Defibrillatoren (ICD) und Geräten zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) werden in unserer Abteilung auch Spezialgeräte zur Therapie der Herzschwäche (Barorezeptorstimulator, CCM), der arteriellen Hypertonie (Barorezeptorstimulator) und der zentralen Schlafapnoe (Phrenicusstimulator) implantiert.

Zur richtigen Beratung Ihrer Behandlung nehmen wir uns Zeit. Eine ausführliche Aufklärung der Patient:innen und ihrer Angehörigen ist unverzichtbar und bei uns selbstverständlich.

Wir sind für Sie da!

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