Narkose bei älteren Erwachsenen

Narkosen bei älteren Patienten stellen im Gegensatz zu jüngeren Menschen eine besondere Herausforderung dar. Da wichtige Körperfunktionen sich im Laufe der Jahre verändern, sprechen Narkosemedikamente im hohen Alter deutlich stärker an. Diese müssen daher angepasst und individuell dosiert werden, um eine Überdosierung zu verhindern.

Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko von Verwirrtheitszuständen nach einer Operation, dem sogenannten postoperativen Delir oder Durchgangssyndrom. Deshalb werden ältere Patienten bei uns während einer Narkose besonders intensiv überwacht. Körperfunktionen wie Wärme, Kreislauf und Sauerstoffgehalt müssen stabil bleiben und es kommen besonders kurzwirksame Medikamente zum Einsatz.

Postoperatives Delir

Es kann vorkommen, dass Patienten nach einer Operation oder einem längeren Aufenthalt auf der Intensivstation unruhig und verändert wieder aufwachen. Die Symptome sind dabei oft sehr unterschiedlich und reichen von apathisch oder halluzinierend bis hin zu ängstlich oder aggressiv. Häufig wechseln sich diese Phasen auch ab.

Abhängig vom operativen Eingriff sowie von anderen Risikofaktoren wie Alter, Demenz oder Alkoholgebrauch tritt das postoperative Delir bei jedem zweiten Patienten auf.

Die Ursachen hierfür sind noch nicht abschließend erforscht. Bekannt ist, dass das Gleichgewicht von Botenstoffen im Zentralen Nervensystem (cholinerge und dopaminerge Neurotransmitter) durcheinandergerät. Beschrieben sind jedoch auch entzündliche Reaktionen des Körpers (Inflammation).

Die Symptome eines postoperativen Delirs können durch verschiedene Medikamente gelindert werden. Prävention ist jedoch besser als Therapie. Gemeinsam mit unseren operativen Partnern setzen wir daher folgende Maßnahmen zur Prävention des postoperativen Delirs ein:

  • Kurzwirksame Medikamente
  • Adäquate Flüssigkeitszufuhr
  • Wärmeerhalt während der Operation
  • Blutsparende Techniken
  • Reduktion der Anästhesie-Dauer
  • Postoperative Schmerztherapie
  • Aufrechterhaltung der Homöostase
  • Frühe Mobilisation
  • Frühe Verfügbarkeit von Seh- und Hörhilfen

Das postoperative Delir kann wenige Stunden bis zu einigen Tagen andauern. Die Symptome treten dabei relativ schnell auf. Danach ist der Verlauf sehr variabel. Phasen mit sehr ausgeprägten Symptomen können sich mit symptomfreien Phasen abwechseln. In den meisten Fällen klingen die Symptome innerhalb der ersten Woche wieder folgenlos ab.

Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie nach einer Operation unter bedrohlichen Gefühlen oder merkwürdigen Erscheinungen leiden. Wir lassen Sie in dieser Situation nicht alleine und stehen Ihnen mit einer entsprechenden Therapie zur Seite.

Ein ruhiges und vertrauensvolles Umfeld ist für die Genesung sehr wichtig. Sie als Angehöriger können hierzu einen wichtigen Beitrag auf unserer Intensivstation leisten, indem Sie zum Beispiel  Bilder und Fotos von sich, dem Zuhause oder von Verwandten und Bekannten neben dem Bett aufstellen. Oder Sie bringen die Lieblingsmusik Ihres Angehörigen mit. Ihre regelmäßigen Besuche halten wir für wichtig. Beachten Sie dabei bitte nur Folgendes:

  • Reden Sie mit Ihren Angehörigen ruhig und beruhigend.
  • Nehmen Sie beleidigende oder unsinnige Äußerungen nicht persönlich.
  • Geben Sie Orientierungshilfen.
  • Wenn Ihr Angehöriger auf einer Illusion beharrt, akzeptieren Sie dies. Halten Sie sich gesprächsbereit.
  • Bleiben Sie gelassen. Die Störung ist in den allermeisten Fällen vorübergehend und wird ausheilen.

Selbstverständlich stehen wir Ihnen beratend zur Seite. Bitte sprechen Sie uns an.

Nachdem die Symptome Ihres Angehörigen abgeklungen sind, könnten Sie immer noch verunsichert oder irritiert über sein Verhalten während des Delirs sein. Da es oft schwerfällt, diese Dinge selbst einzuordnen, haben wir gern ein offenes Ohr in dieser Phase für Sie. Sprechen Sie uns einfach an.

Waren Sie selbst als Patient schon einmal von einem Delir betroffen, heißt das nicht zwangsläufig, dass Ihnen das auch bei zukünftigen Operationen oder Aufenthalten auf einer Intensivstation widerfahren muss. Wichtig ist in jedem Fall, dass Sie die behandelnden Ärzte vor einem anstehenden Eingriff über das Erlebte informieren.

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