Angststörungen

Angst ist grundsätzlich eine gesunde Empfindung. Ohne sie würden wir beispielsweise gar nicht in Erwägung ziehen, vor einem gefährlichen Tier zu flüchten, oder es zu unterlassen, gefährliche Gegenstände wie eine glühende Herdplatte anzufassen.

Diesen sogenannten Realängsten stehen die Angststörungen gegenüber. Hierbei reagiert der Betroffene unangemessen intensiv auf bestimmte Situationen oder Objekte. Diese Ängste entwickeln sich oftmals bereits im Kindes- und Jugendalter und gehen mit seelischen und körperlichen Beschwerden einher.

Angststörungen haben viele Gesichter. Sie können sich auf konkrete Objekte beziehen, panikartig auftreten oder als permanenter Zustand das Leben beeinträchtigen.

Deshalb sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen, wenn Sie unter unkontrollierbaren Ängsten leiden. Denn Angststörungen können wir heute sehr gut und erfolgreich behandeln.

Welche Anzeichen können auf eine Angststörung hinweisen?

Die Symptome einer Angststörung sind sehr unterschiedlich und können Körper und Seele betreffen. Betroffene klagen häufig nicht über das Gefühl der Angst an sich, sondern über die körperlichen Beschwerden, die damit einhergehen.

Die häufigsten Symptome sind:

  • Nervosität und Müdigkeit
  • Kopf- und Magenschmerzen, Übelkeit und Darmprobleme
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen
  • Muskelverspannungen
  • Hyperventilation
  • Schwindel, Herzrasen, Zittern, Schwitzen, Erröten
  • Atemnot, Ohnmacht
  • Schweißausbrüche
  • Druckgefühl in der Brust

Typisch für Angsterkrankungen ist das Vermeidungsverhalten. Aus Angst vor der Angst meiden die Betroffenen beispielsweise bestimmte Orte, Sachen oder Menschen.

Wie entsteht eine Angststörung?

Wie bei vielen seelischen Erkrankungen gibt es auch bei den Angststörungen nicht die eine bekannte Ursache. Stattdessen wirken hier mehrere biologische, neurobiologische und psychologische Faktoren zusammen.

Psychologische Ursachen

Psychologen gehen davon aus, dass Angstgefühle von einem inneren, ungelösten Konflikt aus der Kindheit ausgelöst werden. Der Konfliktinhalt wurde im Laufe der Jahre verdrängt. Deshalb kann der Betroffene nicht nachvollziehen, warum er diese Angst empfindet. Bei der generalisierten Angst äußert sich die Angst unbestimmt. Bei Phobien verknüpft der Patient die zunächst unbestimmte Angst nachträglich mit einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation.

Lerntheorie

Die Lerntheorie beschreibt die Angst als einen Teufelskreis – Angst ist dabei eine erlernte Reaktion. Eine Frau, die immer gerne mit dem Flugzeug gereist ist, erlebt auf einem Flug plötzlich Turbulenzen. Ab jetzt ist die Situation des Fliegens mit Angst verbunden. Sobald sich die Frau einem Flugzeug nähert, wird der Atem schnell und das Herz rast. Diese Angst hält sie vor weiteren Flügen ab. Und so kann sie nicht die Erfahrung machen, dass Fliegen eigentlich ungefährlich ist.

Biologische Ursachen

Erkrankungen wie eine Über- oder eine Unterfunktion der Schilddrüse können Angstzustände auslösen.

Neurobiologische Ursachen

Unser autonomes Nervensystem kontrolliert lebensnotwendige Funktionen wie Atmung, Herzschlag oder Verdauung. Angstpatienten scheinen über ein labiles autonomes Nervensystem zu verfügen, das also leichter erregbar ist. Dadurch können sich Angstsymptome schneller ausbreiten.

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Ausgangspunkt für die Diagnose einer Angststörung ist das ausführliche Gespräch mit Ihnen. Dabei klären wir, wie Ihre Ängste entstanden sind, wie lange sie andauern, ob sie sich rational erklären lassen, ob Sie sie bewusst beeinflussen können oder ob die Ängste Ihr Leben einschränken.

Ergänzend führen wir eine gründliche körperliche Untersuchung durch. So schließen wir aus, dass Angststörungen und deren Symptome eine organische oder neurologische Ursache haben.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

Wenn Sie unter einer Angststörung leiden, behandeln wir Sie mit psychotherapeutischen Maßnahmen. Dabei erfahren Sie, wie Sie Ängste aushalten und ihnen widerstehen können. Gleichzeitig gehen Sie Ihren Ängsten auf den Grund und setzen sich mit ihnen bewusst auseinander. Nur selten, bei besonders schweren Angststörungen, raten wir dazu, zusätzlich Psychopharmaka einzusetzen:

Psychotherapie

Eine stützende Psychotherapie kann helfen, Ihre Abwehrkräfte gegen die Angst zu erhöhen und gibt Ihnen Handlungsanweisungen mit auf den Weg, mit denen Sie akute Angstattacken in den Griff bekommen.

Bei der Behandlung wenden wir die Methode der Verhaltensanalyse und die Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie an. Dies beinhaltet folgende Schritte:

  • Analyse der eigenen Angststörung durch Gespräche
  • Informationen zum Thema Angst weitergeben und Einbeziehen von eigenen Erfahrungen
  • gemeinsames Überprüfen des Wahrheitsgehaltes und der Wahrscheinlichkeit der Gedanken, dass das befürchtete Ereignis tatsächlich eintritt
  • gemeinsames Gespräch über die Möglichkeiten, die helfen, mit der Angstsituation besser umgehen zu können
  • verschiedene Behandlungsmaßnahmen zur Verminderung der Angst (altersabhängig): beispielsweise Rollenspiele, Verhaltensübungen, Erlernen und Anwenden eines Entspannungsverfahrens
  • Ermutigung, sich der Angst zu stellen und Furcht einflößende Situationen nicht mehr zu vermeiden

Ein weiterer Therapiebaustein ist die Gruppenpsychotherapie. Mithilfe der Gruppenarbeit können die der Angst zugrundeliegenden Beziehungskonflikte verdeutlicht werden. Zudem unterstützen sich die Gruppenmitglieder gegenseitig. Sie lernen voneinander, indem sie sich gegenseitig Feedback geben. Gleichzeitig motivieren sie sich, in der Gruppe neue Verhaltensweisen auszuprobieren.

Kommunikative Bewegungstherapie

Die Kommunikative Bewegungstherapie ist eine hervorragende körpertherapeutische Ergänzung zur Gruppengesprächstherapie.

Entspannungsverfahren

Entspannungsverfahren wie Autogenes Training helfen, akute Angstattacken in den Griff zu bekommen.

Medikamente

Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, mit denen Angststörungen behandelt werden können. Wir setzen sie allerdings nur in schweren Fällen ein, denn die Medikamente haben zum Teil starke Nebenwirkungen.

So können Sie einem Rückfall vorbeugen

Viele Ängste entwickeln sich im Kindesalter. So kann zum Beispiel ein überbehütender Erziehungsstil die Entwicklung von Angststörungen begünstigen.

Kinder lernen von ihren Eltern, wie diese mit Ängsten umgehen und innere Konflikte lösen. Hier ist ein gutes Vorbild Gold wert.

Manchmal kommt es nach der Behandlung zu Rückfällen. Doch es gibt mehrere Techniken zur Vorbeugung von Rückfällen. In akuten Situationen helfen Entspannungstechniken, Visualisierungstechniken oder kleine psychotherapeutische Übungen.

Grundsätzlich sollten sich Betroffene mit ihren Ängsten bewusst auseinandersetzen, zum Beispiel beim Verfassen eines Tagebuchs. Wichtig ist auch, dass Sie die Frühwarnzeichen einer Angstattacke kennen und im Notfall rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen.

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