Schizophrenie und andere Psychosen

Zu den Psychosen gehören neben der Schizophrenie auch andere Wahnerkrankungen, schizoaffektive Psychosen, drogeninduzierte Psychosen und Psychosen, die durch körperliche Erkrankungen oder Erkrankungen des Gehirns ausgelöst werden. Etwa 1% aller Bundesbürger erkranken jährlich an einer Psychose. Um diese erfolgreich behandeln zu können, ist eine rasche und umfassende Diagnostik erforderlich.

Woran erkennen Sie eine Schizophrenie

Wie bei vielen anderen seelischen Erkrankungen, gibt es kein einheitliches Erscheinungsbild der Psychosen des schizophrenen Formenkreises. Auch wenn Schizophrenie-Episoden wiederholt bei der gleichen Person auftreten, kann diese jedes Mal unter anderen Symptomen leiden. Typische Gemeinsamkeiten gibt es dennoch.

Frühe Warnzeichen

Man weiß heute, dass es Frühwarnzeichen einer psychotischen Erkrankung gibt. Damit sind Beschwerden gemeint, die vor dem Auftreten von so genannten Positivsymptomen zu beobachten sind.

Solche Frühsymptome können sein:

  • Unruhe
  • Schlafstörungen und Anspannung
  • Verstärkte Konflikte mit Bezugspersonen, Freunden und Familienangehörigen
  • Ein stark nachlassendes Interesse an Hobbies oder der Ausbildung
  • Eine als fremd und verändert wahrgenommene Umwelt
  • Eine Unordnung der Gedanken mit Verwirrung und Ratlosigkeit
  • Ein Rückzug von der Welt
  • Abreißen von Gedanken
  • Umständlichkeit im Denken

Die Symptome der Psychosen des schizophrenen Formenkreises kann man in 2 Gruppen einteilen – in Positivsymptome und Negativsymptome.

Positivsymptome (Plussymptome)

Unter Positivsymptomen versteht man eine Symptomatik, bei der die Betroffenen über Erlebnisse berichten, die für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind, d. h. zusätzlich zum üblichen Durchschnittserleben kommt noch etwas hinzu.

Zu den Positivsymptomen gehören:

  • Halluzinationen: Halluzinationen sind Sinneseindrücke, die ohne einen entsprechenden Außenreiz entstehen. Dies kann alle Sinnesbereiche betreffen, am häufigsten kommt jedoch „Stimmenhören“ vor. Dabei nehmen die Betroffenen eine oder mehrere Stimmen wahr, die auf sie einreden, Anweisungen erteilen, eine Unterhaltung führen oder Handlungen kommentieren.
  • Denkstörungen: Die Betroffenen wechseln im Gespräch von einem Gedanken zum anderen, so dass der Sinnzusammenhang einer Rede oder eines Satzes verloren geht. Mitunter ist auch das abstrakte Denken gestört. Die Betroffenen haften an konkreten Dingen und können u.a. den übertragenen Sinn von Sprichwörtern nicht mehr oder nur sehr schwer erkennen und erklären. Manchmal kommt es auch zu einem gesteigerten Gedankendrängen. Das heißt: Es drängen sich sehr viele Gedanken, oft ungeordnet, gleichzeitig ins Bewusstsein. Das Denken wird oft auch umständlich.
  • Wahnstimmung und Wahnerlebnisse: Schizophrenie-Erkrankten kann plötzlich die Gewissheit übermannen, dass etwas Unheimliches im Gange sei. Sie beziehen zufällige oder belanglos wirkende Verhaltensweisen anderer auf sich und werten diese z.B. als Beweis einer Verschwörung. Betroffene überprüfen ihre Beobachtung nicht mehr und halten an ihrem verzerrten Weltbild fest.
  • Erregung und Anspannung: Manche Betroffene wirken auf den ersten Blick sehr ruhig und nur mit sich selbst beschäftigt. Sie scheinen die Umwelt nur wenig wahrzunehmen. Oftmals sind sie aber innerlich deutlich angespannt und von Angst und allgemeiner Ratlosigkeit geplagt. Dieser Zustand innerer Erstarrung kann plötzlich in große Unruhe bis hin zu einer massiven Erregung umschlagen.
  • Ich-Störungen und Fremdbeeinflussung: Viele Erkrankte haben das Gefühl, von außen beeinflusst, gelenkt oder gesteuert zu werden. Sie bilden sich ein, dass die eigenen Gedanken von anderen gelesen oder aus dem Gehirn entfernt werden. Manchmal haben sie auch das untrügliche Gefühl, dass fremde Gedanken in den eigenen Kopf hineingeschleust werden. Es kommt auch vor, dass sie vermeinen, die Gedanken anderer lesen oder ihre eigenen Gedanken als inneres Echo im Kopf hören zu können.

 

Negativsymptome (Minussymptome)

Negativsymptome bezeichnen die Einschränkungen, unter denen der Betroffene leidet. Sie beschreiben einen Mangel, nämlich die Persönlichkeitsmerkmale, die der Schizophrenie-Patient durch seine Erkrankung verloren hat.

Dazu gehören u.a. die Verarmung des Gefühlslebens, innere Leere, Niedergeschlagenheit und Depression, Mut- und Hoffnungslosigkeit, Minderwertigkeitsgefühl, Antriebslosigkeit, fehlende Spontanität, Rückzugsverhalten und Kontaktverarmung, Unfähigkeit, Freude zu empfinden sowie ein Mangel an Energie.
 
Sehr häufig bestehen Positiv- und Negativsymptome gleichzeitig. Während der Akutphase einer psychotischen Erkrankung kommt es meistens zu sehr ausgeprägten Positivsymptomen. Die zumeist gleichzeitig vorhandenen Negativsymptome können wegen der massiven Halluzinationen oder Wahnerlebnisse anfangs gar nicht wahrgenommen werden. Erst mit dem Abklingen der Akutphase treten die Negativsymptome mehr in den Vordergrund. Nicht selten schließt sich an eine akute Erkrankungsphase eine Zeit mit Niedergeschlagenheit und Erschöpfung an, die man als postpsychotische Depression bezeichnet.

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Wir wissen: Wenn Sie unter Symptomen wie Konzentrations- und Denkschwierigkeiten, Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Trugwahrnehmungen oder depressiven Verstimmungen leiden, machen Sie sich große Sorgen. Sie fragen sich, was Ihnen fehlt und was Sie dagegen tun können. Diese Ängste nehmen wir ernst. Die Grundlage unserer Diagnose ist das Gespräch mit Ihnen und die ausführliche psychiatrische Untersuchung.  

Gemeinsam erarbeiten wir Ihre Krankheitsgeschichte (Anamnese). Manchmal kann es sein, dass wir dazu auch die Einschätzung Ihres Partner oder Freundes brauchen – er hat Sie im Alltag erlebt und kann die Diagnostik um wertvolle Einsichten ergänzen. Selbstverständlich brauchen wir dazu Ihr Einverständnis.

Da psychotische Symptome auch im Rahmen von körperlichen Erkrankungen wie z. B. Durchblutungsstörungen des Gehirns, Gehirntumoren, Hirnverletzungen, Epilepsien, Entzündungen des Gehirns, Hormonstörungen, Vergiftungen nach Drogenkonsum und anderem auftreten können, müssen diese Erkrankungen ausgeschlossen werden, ehe die Diagnose einer Psychose des schizophrenen Formenkreises gestellt werden darf.

Deshalb führen wir eine umfassende körperliche Untersuchung mit Labordiagnostik und anderen Untersuchungen des Gehirns, wie z.B. CT oder MRT und EEG durch.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

Die Behandlung von Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis muss mehrdimensional erfolgen. Damit ist gemeint, dass verschiedene Verfahren und Maßnahmen in der Behandlung kombiniert und angewendet werden. Neben einer medikamentösen Behandlung sind immer auch psychotherapeutisch/psychoedukative sowie soziotherapeutisch-rehabilitative Maßnahmen notwendig. Die Behandlung der Psychosen des schizophrenen Formenkreises erfolgt in verschiedenen Phasen. Entsprechend der Behandlungsphase und abgestimmt auf den jeweiligen speziellen Krankheitsverlauf gehen die unterschiedlichen Behandlungsverfahren anteilsmäßig verschieden in den Therapieplan ein.

Bei der Akutbehandlung stellen die Medikamente den wichtigsten Baustein dar. Deren Einsatz ermöglicht oft erst die Anwendung weiterführender psycho- und soziotherapeutischer Maßnahmen. Ziel der medikamentösen Behandlung, die mit so genannten „Neuroleptika“ erfolgt, ist es, die teilweise quälenden psychotischen Symptome wie z. B. Verfolgungsangst, psychomotorische Erregung, Halluzinationen oder Denkstörungen zu bessern. Daneben haben Neuroleptika einen allgemein beruhigenden, dämpfenden und entspannenden Effekt, wobei Bewusstsein und seelische Wachheit erhalten bleiben. Neuroleptika sind Medikamente, die in den Stoffwechsel der Botenstoffe zwischen den Nervenzellen eingreifen und insbesondere den Dopaminstoffwechsel normalisieren.

In der sich anschließenden postakuten Stabilisierungsphase kommen dann zusätzlich psychoedukative, psychotherapeutische und soziotherapeutische Behandlungsverfahren zur Anwendung. Therapieziel dieser Behandlungsphase ist die Stabilisierung, Verbesserung der psychotischen Symptomatik und die Behandlung der Negativsymptomatik. Wenn sich im Anschluss an die akute Erkrankungsphase eine depressive Symptomatik entwickelt, kann eine Behandlung mit Antidepressiva sinnvoll sein. Neben der Fortsetzung der medikamentösen Behandlung erfolgt zudem eine intensivierte Aufklärung über die Erkrankung, deren Behandlungsmöglichkeiten und die Notwendigkeit einer Rückfallprävention (Psychoedukation).

Ein weiteres Hauptaugenmerk wird auf die Früherkennung drohender Rückfälle gelegt. Da Stressfaktoren einen ungünstigen Einfluss auf Psychoseerkrankungen haben, werden aktuelle Konflikte in der Umwelt, der Familie oder im Berufsleben thematisiert und besprochen.

In der sich anschließenden Remissionsphase stehen neben der medikamentösen Behandlung die soziale und berufliche Rehabilitation sowie Wiedereingliederung in den Lebensalltag im Vordergrund der Therapie.

Neben der medikamentösen Behandlung finden in unserem Klinikum folgende weitere therapeutische Verfahren Anwendung:

  • Psychoedukation
  • Verhaltenstherapeutische Maßnahmen
  • Beratung von Angehörigen
  • Training sozialer Fertigkeiten und sozialer Aktivitäten
  • Kognitives Training
  • Metakognitive Therapie
  • Ergotherapie
  • Sporttherapie
  • Kunsttherapie

Immer werden mehrere Therapieverfahren in Kombination angewandt.


Schizophrene Psychosen können ambulant oder stationär behandelt werden. Eine Behandlung im Krankenhaus empfehlen wir dann, wenn ambulante Behandlungsversuche nicht ausreichend wirksam waren, wenn die Schwere der Symptome eine kontinuierliche Betreuung notwendig macht, wenn Suizidgedanken oder Fehlhandlungen auftreten und wenn Konflikte im unmittelbaren Lebensumfeld einer Besserung der Erkrankung entgegenstehen.

Das können Sie gegen einen Rückfall tun

Die Rückfallquote nach einer Behandlung der Schizophrenie ist groß; sie beträgt nach Absetzen der Medikamente 70-80% innerhalb des ersten Jahres. Durch die Einnahme von Neuroleptika als Rückfallschutz kann das Risiko auf 20% gesenkt werden.

Bisher gibt es leider keine verlässlichen Hinweise, welche Patienten ein höheres oder ein geringeres Wiedererkrankungsrisiko haben. Aus diesem Grund raten wir dazu, bereits nach der ersten Erkrankung für ein Jahr die medikamentöse Behandlung fortzusetzen. Nach einer Wiedererkrankung sollte die medikamentöse Behandlung kontinuierlich für zwei bis fünf Jahre, bei besonders schwerem Krankheitsbild und häufigen Wiedererkrankungen lebenslang erfolgen.

Zudem empfehlen wir Ihnen, auf Frühwarnzeichen der Schizophrenie zu achten und dann rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen.

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