Demenz und andere neurodegenerative Erkrankungen

Hauptmerkmal von neurodegenerativen Erkrankungen ist der fortschreitende Verlust von Nervenzellen („Neurodegeneration“). Dies kann je nach Region der Degeneration innerhalb des zentralen Nervensystems zu verschiedenen neurologischen Krankheitsbildern mit kognitiven Einschränkungen (dementielle Symptomatik) und/oder Bewegungsstörungen führen. Die neurodegenerativen Erkrankungen werden nach ihrer Ursache, welche häufig Ablagerung von nervenschädigenden Proteinen sind, eingeteilt:

  • Alzheimer-Krankheit verantwortlich für ca. 60% der Demenzerkrankungen, charakterisiert durch zunehmende Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit mit konsekutiver Einschränkung der Aktivitäten des täglichen Lebens, sowie  weitere seltenere neuropathologisch verwandte Erkrankungen wie progressive supranukleäre Blickparese, kortikobasale Degeneration oder bestimmte Unterformen der frontotemporalen Demenz.
  • Parkinson-Krankheit charakterisiert durch Minderbeweglichkeit, Steifigkeit und Zittern; kann im Verlauf mit einer dementiellen Entwicklung einhergehen sowie ca. 20% der Demenzerkrankungen; neben Parkinson-Symptomatik dominieren hier progrediente kognitive Leistungseinschränkungen.
  • Frontotemporale Demenz ca. 20% der Demenzfälle mit frühem Beginn, charakterisiert durch Verhaltensauffälligkeiten wie Enthemmung, Apathie und Impulskontrollstörung sowie durch Sprachstörung] assoziiert mit Amyotrophe Lateralsklerose häufigste degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, charakterisiert durch Muskelschwäche, -schwund und Steifigkeit; langsamer verlaufende Unterformen: primäre Lateralsklerose (PLS) und progressive Muskelatrophie (PMA)

Diagnostik

Zur Diagnostik von Patienten mit neurodegenerativer Erkrankungen arbeiten wir eng mit speziell ausgebildeten Neuropsychologinnen zusammen; außerdem stehen uns diverse apparative Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Laborchemische Untersuchungen einschließlich der Untersuchung der Liquorflüssigkeit („Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit“) inklusive der Bestimmung der Nervenzerfallsmarker
  • Bildgebende Verfahren zur Darstellung des Gehirns: hierfür stehen uns mehrere MRT-Geräte (3 Tesla Feldstärke!) in unserer radiologischen Abteilung zur Verfügung
  • Elektrophysiologische Untersuchungen mittels Hirnstrommessung (EEG), evozierte Potentiale sowie Elektroneurographie/-myographie
  • Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Gefäße sowie des Hirngewebes mittels Doppler-/Duplex-Sonographie

Die Diagnostik dient v. a. der differentialdiagnostischen Einordnung des Krankheitsbildes jedes individuellen Patienten. Dabei werden neben den neurodegenerativen Erkrankungen auch nicht-neurodegenerative Erkrankungen bedacht, die mit ähnlicher Symptomatik einhergehen können, wie z. B. vaskuläre Enzephalopathie (charakterisiert durch Summierung vieler häufig kleiner Schlaganfälle in der Vorgeschichte), bestimmte entzündlich-infektiöse Erkrankungen, Depression, hormonelle Erkrankungen oder Vitaminmangelzustände.

Unser Behandlungsangebot

Nach ausführlicher Information über die erhobenen Befunde werden wir ein ganz auf Sie abgestimmtes Behandlungsangebot zusammen mit Ihnen erstellen. Dabei spielen neben medikamentösen Therapieoptionen physio- und ergotherapeutische Maßnahmen zusammen mit Logopädie sowie neuropsychologische und sozialmedizinische Betreuung eine wichtige Rolle.

Im Rahmen der Akutbehandlung von Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen bieten wir eine zweiwöchige geriatrische Komplexbehandlung im Sinne einer „Frührehabilitation“ in unserer Klinik an. Im Rahmen dieser „Frührehabilitation“ können wir die oben erwähnte Diagnostik sowie die erforderlichen therapeutischen Maßnahmen zusammen mit speziell ausgebildeten Pflegekräften, Therapeuten (Physio- und Ergotherapie, physikalische Therapie und Logopädie), Neuropsychologen und Angestellten im Sozialdienst durchführen. Direkt im Anschluss an die „Frührehabilitation“ kann bei Bedarf eine rehabilitative Behandlung in der Rehaklinik unseres neurologischen Zentrums erfolgen.

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