Hydrocephalus

Der Begriff "Hydrocephalus" (Wasserkopf) beschreibt eine vermehrte Ansammlung von Hirn- oder Nervenwasser (Liquor).

Einführung

In den inneren Hirnkammern (Ventrikel) werden pro Tag ca. 500 ml Liquor gebildet, der über mehrere Abflußwege zu Oberfläche des Gehirns und Rückenmarks abfließt. Die Hirn- und Rückenmarkshäute sind in der Lage den Liquor wieder aufzunehmen(resorbieren), so dass eine Art Kreislauf stattfindet. Kommt es zu einem Ungleichgewicht zwischen Bildung und Wiederaufnahme staut sich der Liquor in den Hirnkammern und ein Hydrocephalus entsteht. Beim  Verschluss-Wasserkopf sind die Abflußwege der inneren Hirnkammern  meist durch Tumore oder Zysten verlegt, beim Nichtresorptions-Wasserkopf sind die Hirn- oder Rückenmarkshäute durch Blutungen oder Infektionen verklebt, sodass der Liquor an der Oberfläche nicht mehr aufgenommen wird. Ein Hydrocephalus kann in jedem Lebensalter vorkommen.

Symptomatik

Bei Säuglingen und Kleinkindern fällt ein Hydrocephalus oftmals durch Zunahme des Kopfumfanges und dem Hervortreten der vergrößerten Fontanellen auf.

Im Jugend- und Erwachsenenalter können als Symptome des erhöhten Hirndruckes Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen,  aber auch vermehrte Müdigkeit und Bewusstseinsstörungen auftreten.

An weiteren Symptomen können Sehstörungen, Gangunsicherheit,  Blasenentleerungsstörungen und Vergesslichkeit beobachtet werden.

Diagnostik

Neben der körperlichen Untersuchung spielen bildgebende Verfahren eine Hauptrolle. Die Computertomographie (CT) und die Kernspintomographie (MRT) sind hierbei am wichtigsten. Sie geben Aufschluss über Ausmaß und Ursache des Hydrocephalus.

Behandlungsangebot

Eine langfristig erfolgreiche medikamentöse Behandlung des Hydrocephalus gibt es nicht. Hingegen können verschiedene Operationsverfahren angewandt werden.

Üblicherweise kann ein Hydrocephalus mit einem sogenannten Hirnwasserableitungssystem (Liquorshunt) operativ versorgt werden. Das überschüssige Hirnwasser wird durch ein dünnes Schlauchsystem von den inneren Hirnkammern über ein druckreguliertes Ventilsystem unter der Haut in den Bauchraum (VP-Shunt) oder aber in eine herznahe Vene (VA-Shunt) abgeleitet. Dort kann das überschüssige Hirnwasser problemlos aufgenommen werden. Diese Verfahren werden meist beim Nichtresorptions-Wasserkopf angewandt.

Eine Alternative stellt die endoskopische Operation dar, hierbei wird mit Hilfe eines Endoskopes eine Verbindung zwischen inneren und äußeren Liquorräumen (Ventrikulostomie) hergestellt. Dieses Verfahren wird fast immer beim Verschluss-Wasserkopf eingesetzt.

Prognose

Bei früher Erkennung des Wasserkopfes können mit den verschiedenen Operationen sehr gut Erfolge erzielt werden und die meisten Patienten ein normales Leben führen. Die regelmäßige Kontrolle der Funktionstüchtigkeit der Hirnwasserableitungssysteme erfolgt in unserem MVZ durch körperliche Untersuchung und durch bildgebende Verfahren.

Normaldruckhydrozephalus (Altershydrozephalus)

Eine Sonderform des Hydrozephalus ist der sog. Normaldruckhydrozephalus. Dieser tritt im höheren Lebensalter auf und wird häufig als Demenz verkannt. Wie der Name bereits sagt, ist bei dieser Erkrankung der Druck im Kopf nur leicht erhöht, so dass es sich um eine schleichend beginnende chronische Erkrankung handelt.

Patienten mit Normaldruckhydrozephalus haben führend eine Gangstörung mit breitbeinig unsicherem Gang. Auch treten Gedächtnisstörungen wie bei Demenz auf und auch Blasenstörungen (Inkontinenz).

Typischerweise bessern sich die Symptome nach einer Entlastungspunktion des Nervenwassers am Rücken. Bei positivem Effekt kann auch hier eine Nervenwasserableitung einen dauerhaften Erfolg bringen. Eine endoskopische Operation ist jedoch nicht hilfreich.

Unsere Therapie richtet sich nach den interdisziplinär erarbeiteten Leitlinien der an der Behandlung beteiligten Fachgesellschaften.

Leitlinie 16  Normaldruckhydrocephalus; DGN;  gültig seit September 2012;  AWMF-Registernummer: 030/063

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