Bandscheibenvorfall

Die Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring und einem inneren Gallertkern, der Bewegung und Stoßdämpfung ermöglicht. Durch Verschleißerscheinungen können Einrisse des Faserrings entstehen, was zu einer Vorwölbung der Bandscheibe und bei fortschreitendem Einriss des Faserrings zu einem Bandscheibenvorfall führen kann.

Am häufigsten treten Bandscheibenvorfälle im unteren Lendenwirbelsäulenbereich auf. Wenn sie dort auf Nervenwurzeln drücken, führt dies zu Reizerscheinungen oder Ausfallssymptomen der Nervenwurzeln. Diese äußern sich als Kreuz- oder Beinschmerzen (Ischias-Schmerz), Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen. Tritt ein größerer Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelsäulenbereich auf, so kann dies zu Blasen- und Mastdarmfunktionsstörungen führen, dem sog. Cauda-Syndrom, was eine sofortige operative Behandlung erfordert.

Bandscheibenvorfälle im Brust- und Halswirbelsäulenbereich können Nervenwurzeln oder sogar das Rückenmark schädigen, was Symptome einer Querschnittslähmung hervorrufen kann.

Konservative Behandlung

Ist es nach der klinischen Symptomatik vertretbar sollte zunächst ein konservativer Behandlungsversuch erfolgen. Führt dieser Weg nach einer Behandlungsdauer von 4-6 Wochen nicht zu ausreichender Symptom-Besserung, sollte die Indikation für eine operative Behandlung erneut überprüft werden.

Operative Behandlung

Wann ein Bandscheibenvorfall operativ behandelt werden muss hängt davon ab, wie ausgeprägt und wie lang dauernd die Beschwerdesymptomatik ist. Eine klare und dringende Operationsindikation besteht bei dem sog. Cauda-Syndrom, bei dem noch am gleichen Tag des Auftretens operiert werden sollte, sowie bei sog. funktionsrelevanten Lähmungserscheinungen, d.h. wenn die Funktion des Beines oder Armes durch eine vom Bandscheibenvorfall ausgelöste Muskellähmung stark beeinträchtigt ist oder aber wenn die vom Bandscheibenvorfall ausgelösten Schmerzen nicht zu lindern sind. In allen anderen Fällen kann und sollte zunächst ein konservativer Behandlungsversuch erfolgen. Führt dieser Weg nach einer Behandlungsdauer von 4-6 Wochen nicht zu ausreichender Symptom-Besserung, sollte die Indikation für eine operative Behandlung erneut überprüft werden. Auf die verschiedenen Behandlungsmethoden bei Bandscheibenvorfällen wird im nächsten Kapitel eingegangen.

  • Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

Die Behandlung des lumbalen Bandscheibenvorfalls erfolgt in der Regel in Vollnarkose, nur in Ausnahmefällen in Spinalanästhesie. Bei der Operation des lumbalen Bandscheibenvorfalls sind offene Operationsverfahren von perkutanen Verfahren zu unterscheiden. Die perkutanen Verfahren sind nur bei einem sehr geringen Prozentsatz der Bandscheibenvorfälle angezeigt, nämlich dann, wenn keine zusätzlichen degenerativen Veränderungen im Wirbelkanal vorliegen, so dass durch Einspritzung chemischer Substanzen oder mit dem Laser innerhalb der Bandscheibe das Material abgetragen werden könnte. In den meisten Fällen wird eine offene Operation empfohlen, die in der Regel unter mikroskopischer Vergrößerung oder auch endoskopisch assistiert vorgenommen wird. Über einen ca. 3 cm langen Schnitt auf Höhe des betroffenen Wirbelsäulensegmentes werden nach Verdrängung der Muskulatur die Wirbelbögen dargestellt und der Wirbelkanal durch Entfernung der ihn überdeckenden Bänder und kleinerer Knochenanteile eröffnet. Für die Entfernung des Knochens und des darunterliegenden Bandscheibenmaterials stehen entsprechende Spezialinstrumente zur Verfügung, um schonend für Nervenwurzel und Caudasack das raumfordernde Bandscheibengewebe zu beseitigen. Es wird so zum einen das in den Wirbelkanal vorgedrungene Material entfernt, zum anderen aber auch aus der Bandscheibe noch weiteres degeneriertes Material mit entfernt. Durch die Entlastung der Nervenwurzel wird dieser die Möglichkeit gegeben, sich von der Schädigung zu erholen. Während die Nervenschmerzen in der Regel nach der Operation sofort verschwunden sind, kann die Erholung von Sensibilitätsstörungen und Lähmungen mehrere Wochen dauern.

  • Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule

Die meisten Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule werden über einen kleinen Hautschnitt an der Vorderseite des Halses operativ behandelt. Dabei wird die komplette Bandscheibe zwischen zwei Wirbeln entfernt und danach der vorliegende Bandscheibenvorfall aus dem Wirbelkanal beseitigt. In das ausgeräumte Bandscheibenfach wird in der Regel ein Platzhalter aus künstlichem Material (sog. Cages) eingebracht. Jeder der beschriebenen Platzhalter hat Vor- und Nachteile. Die individuelle Entscheidung sollte nach Absprache mit Ihrem Operateur getroffen werden. Nur bei sehr weit seitlich gelegenen Bandscheibenvorfällen ist auch eine Operation von hinten möglich und sinnvoll.

Nachbehandlung

Stationäre Rehabilitation ist nur in Ausnahmen erforderlich. Bei unkompliziertem Verlauf werden die Patienten nach wenigen Tagen nach Hause gelassen. Ggf. kann ambulante Physiotherapie hilfreich sein.

Patientenratgeber

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