Man wächst mit seinen Aufgaben: Projekt "Auszubildende leiten eine Station" fördert Pflegenachwuchs

Die generalistische Pflegeausbildung dauert in der Regel drei Jahre - während dieser Zeit durchlaufen die Schülerinnen und Schüler sowohl theoretischen Unterricht als auch praktische Unterweisungen. Vor über 20 Jahren rief man bei Asklepios das Projekt „Schüler leiten eine Station“ ins Leben, um das Gelernte im realen Alltag umzusetzen. Etwa ein halbes Jahr vor ihrer Abschlussprüfung übernehmen die Auszubildenden seither für drei Wochen die Organisation einer Pflegestation in eigener Verantwortung.

Der Oberkurs, Lehrerkräfte des Bildungszentrums, Praxisanleiter sowie die Pflegekräfte der Station ziehen eine positive Bilanz des Projekts „Auszubildende leiten eine Station“.

Am Asklepios Bildungszentrum für Gesundheitsfachberufe Nordhessen, Ausbildungsstandort Schwalmstadt, sowie mehreren Praktika auf unterschiedlichen Stationen haben die 19 angehenden Pflegefachkräfte des Oberkurses bereits den Großteil ihres Rüstzeugs erhalten – mit der Aufgabenstellung „Leitung einer Station“ wurden sie nun herausgefordert, die gelernten Einzelteile zu einem Ganzen zusammenzufügen. Auf Station 5 des Asklepios Klinikums Schwalmstadt waren sie nun dafür zuständig, die Aufgaben rund um acht Zimmer mit 16 Patienten zu organisieren. „Wir teilen die eine Hälfte der Gruppe für die Früh- und die andere für die Spätschicht ein“, erklärt Stationsleitung Dorothee Zulauf, die selbst auf vier Jahrzehnte Erfahrung im Ziegenhainer Krankenhaus zurückblicken kann. Gemeinsam mit, Lehrkräften, zwei Pflegekräften der Station sowie freigestellten Praxisanleiterinnen wird der Nachwuchs zwar begleitet, doch die eigentliche Organisation obliegt den Auszubildenden selbst – dazu müssen zur Vorbereitung im Theorieblock einen Dienstplan erstellen. In der Schichtleitung wird sich täglich abgewechselt, sodass jede und jeder mal die Führungsposition innehat. „Die jeweils Tagesverantwortlichen müssen ihre Mitschüler einteilen, die notwendigen Aufträge ausgeben und haben zudem das Diensthandy in der Tasche, das regelmäßig klingelt“, beschreibt Zulauf die gewollte Selbständigkeit. Mit Blick auf den Tagesdienstplan muss geprüft werden, welches Personal tatsächlich zur Verfügung steht, ob es Neuaufnahmen oder Entlassungen gibt, wer den Patiententransport übernimmt und wer das Mittagessen verteilt. Diese und zahlreiche andere Aufgaben gilt es für die „Stationsleitungen auf Zeit“ zu verteilen und etliche weitere Rahmenbedingungen auf dem Schirm zu haben. „Sie sind hochmotiviert und mit ihren Aufgaben gewachsen“, freut sich Zulauf über das sichtbare Engagement, „in dieser besonderen Herausforderung sind alle konzentriert aber trotzdem mit Spaß bei der Sache“

Azubis leiten Station
Konzentriert aber mit Spaß bei der Sache: Jaline-Lea Schuhmacher (li.) und Melissa Henisch erfassen die aktuellen Patientendaten.

So auch Melissa Henisch und Jaline-Lea Schuhmacher, die mit einem fahrbaren Computer die aktuellen Patientendaten erfassen. „Im Unterricht gab es Schwerpunktthemen für unseren praktischen Einsatz hier, unter anderem Schulungen zur korrekten Dokumentation“, blickt Melissa auf die Vorbereitungen zurück, auf der Station hat man uns dann gut aufgenommen und wir werden von allen Seiten unterstützt“, ergänzt Mitschülerin Jaline die Wohlfühlatmosphäre. „Wir kennen uns zwar alle von der Schule, aber erst hier wachsen wir als Team zusammen“, so die einhellige Meinung. „Alle sind aufeinander angewiesen, damit es klappt, schließlich arbeiten wir hier mit echten Menschen“, sind sie sich ihrer Verantwortung bewusst. Dies bestätigt auch die Kursleitung Nadine Stephan, die noch den hohen Lernzuwachs, die hohe Eigenmotivation und das Engagement eines jeden einzelnen am Projekt Beteiligten lobend erwähnt.

Die Zeiten der Früh- und Spätschicht überlappen sich für 40 Minuten – in dieser Zeit erfolgt die Übergabe, einschließlich dem Austausch aller wichtigen Patientendaten und sonstigen Informationen für den weiteren Tagesablauf. „Mit den Lehrkräften und den examinierten Pflegefachkräften wird direkt im Anschluss die jeweilige Schicht zusammen reflektiert, eventuelle Fehler aufgezeigt und korrigiert“, berichtet Nadine Stephan von der regelmäßigen Manöverkritik. „Die Zuteilung der Zimmer erfolgt täglich und in jeder Schicht neu. Dadurch hat man es immer wieder mit neuen, ganz unterschiedlichen Menschen und ihren Bedürfnissen zu tun“, betonen die Schülerinnen die Abwechslung, die sich auch durch das Alter der Patienten und das jeweilige Krankheitsbild ergibt. „Die Patienten sind durchweg zufrieden mit unserer Betreuung“, freuen sich die Auszubildenden über das positive Feedback. Am Ende sind sich Auszubildende, Lehrkräfte und potenziell künftige Kollegen einig: Dieses Projekt fördert frühzeitig den Blick für eine herausfordernde aber erfüllende berufliche Zukunft.

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