Schmerz muss man nicht aushalten: Multimodale Schmerztherapie an der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen

Chronische Schmerzen gehören für viele Menschen zum Alltag. Oft leiden sie sogar jahrelang unter Beschwerden, die einen normalen Alltag nahezu unmöglich machen. Hilfe bietet in dieser Situation die Multimodale Schmerztherapie, die an der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen stationär angeboten wird: Hier werden Schmerzpatienten ganzheitlich begleitet, um nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern ein grundsätzliches Verständnis für Schmerz zu vermitteln. Im Interview erklärt Heike Deutsch, Ärztliche Leitung der Abteilung und Fachärztin für Anästhesie, was das stationäre Behandlungskonzept von anderen Therapien unterscheidet.

Die Multimodale Schmerztherapie kombiniert verschiedene Behandlungsmaßnahmen, um Schmerzen zu lindern. (Foto: Adobe_Stock / Olga Yastremska, New Africa, Africa Studio)

Frau Deutsch, an der Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen wird eine Multimodale Schmerztherapie angeboten. Was versteht man darunter?

Die Behandlung chronischer Schmerzen erfordert oft einen Mix verschiedener Behandlungsmaßnahmen. Daraus leitet sich der Begriff „multimodal“ ab. Ziel der Therapie ist es, die Lebensqualität von Schmerzpatienten nachhaltig zu verbessern. Dazu gehören die Steigerung der körperlichen Belastbarkeit und der Fitness, aber auch eine veränderte Selbstwahrnehmung. Denn ein Verhalten, das aufgrund der Beschwerden nur auf Ruhe und Schonung ausgerichtet ist, kann die Symptome verschlimmern.

Und welche Krankheitsbilder werden behandelt?

Die Krankheitsbilder sind sehr vielfältig. Dazu gehören beispielsweise anhaltende Rücken- und Gelenkschmerzen, Schmerzen nach Operationen oder Unfällen, Nervenschmerzen sowie wiederkehrende Kopfschmerzen oder Migräne. Aber auch Patienten mit sogenannten funktionellen oder psychosomatisch beeinflussten Schmerzen können von diesem ganzheitlichen Ansatz profitieren.

Wann ist eine stationäre Behandlung sinnvoll?

Eine stationäre Behandlung ist sinnvoll, wenn Schmerzen länger als drei Monate bestehen, sich zunehmend auf den Alltag auswirken und bisherige ambulante oder andere Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. In der Stadtklinik betrachten wir dabei nicht nur die Symptome, sondern beziehen auch weitere Einflussfaktoren mit ein, die den Schmerz verstärken können. Unser Ansatz vermittelt den Patienten von Anfang an: Schmerz muss man nicht aushalten. Vielmehr geht es darum, Strategien zu erlernen, die Schmerzen aktiv zu lindern, die körperliche Belastbarkeit zu steigern und den Alltag wieder selbstbestimmt zu gestalten. Patienten sollten daher offen für unterschiedliche Therapieansätze sein – sowohl körperliche als auch unterstützende psychologische Verfahren – und über eine ausreichende körperliche Belastbarkeit verfügen. Das bedeutet zum Beispiel, dass sie problemlos eine Etage Treppen steigen oder etwa 100 Meter zu Fuß gehen können, um aktiv am Therapieprogramm teilnehmen zu können.

Aroma in der Schmerztherapie
Bei der Behandlung wird auch Aromatherapie eingesetzt. Unser Foto zeigt die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Jennifer Günther (Initiatorin und Verantwortliche der Aromatherapie) sowie ihre Stellvertreterin Carina Kögel.

Bei einer stationären Therapie verbringen Patienten 16 Tage bei Ihnen. Wie werden sie während ihres Aufenthaltes begleitet?

Schmerztherapie kann nur im Team gelingen und erfordert einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen – mit seinem Körper, seinem Geist und seiner Seele. Betroffene sollen sich ernst genommen und gesehen fühlen. Für jeden Patienten entwickeln wir daher einen fachübergreifenden, individuellen Behandlungsplan, der neben der medizinischen Therapie physiotherapeutische Maßnahmen und eine unterstützende psychologische Betreuung umfasst. Einen bedeutenden Beitrag zur Therapie leistet auch unser speziell geschultes Pflegeteam, das sich den Patienten zum Beispiel mit wohltuender Aromatherapie und Akupunktur zuwendet. Demnächst soll eine Klangschalentherapie das Angebot ergänzen.

Wie sind die Räumlichkeiten für die Schmerztherapie ausgestattet?

Die Räumlichkeiten, in denen sich unser Schmerzzentrum befindet, wurden im vergangenen Jahr aufwendig modernisiert. Mit einer komplett erneuerten Ausstattung, modernen Therapiegeräten und innovativen Trainingsmöglichkeiten haben wir die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche interdisziplinäre Behandlung geschaffen.

Wie können Betroffene mit Ihnen und Ihrem Team Kontakt aufnehmen?

Wer unter Schmerzen leidet, findet bei uns zeitnah Unterstützung. Neu ist, dass sich Betroffene nun direkt telefonisch an uns wenden können – möglichst mit Vorbefunden. Aufgrund unserer Erfahrung können wir schnell abschätzen, ob eine Aufnahme in die stationäre Schmerztherapie sinnvoll ist. Mit dieser Strategie entlasten wir auch die Hausärzte. Denn die Einordnung von Schmerz, der in den meisten Fällen von psychosomatischen Faktoren begleitet wird, ist zeitaufwendig. Natürlich können sich auch niedergelassene Kollegen jederzeit an uns wenden – sei es, um Patienten an uns zu überweisen oder um sich fachlichen Rat einzuholen.

Zur Person

Heike Deutsch ist Fachärztin für Anästhesie und Leitende Ärztin des Asklepios Schmerzzentrums Bad Wildungen. Dort organisiert und koordiniert sie die schmerztherapeutischen Einrichtungen am Standort – neben der Multimodalen Schmerztherapie auch die Schmerzpraxis und den Konsiliar-Schmerzdienst.

 

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