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Psychische und neurologische Beschwerden infolge der Corona-Pandemie

PSYCHISCHE UND NEUROLOGISCHE BESCHWERDEN (LONG/ POST COVID) - WIE UND WO BEKOMME ICH HILFE?

Psychische und neurologische Beschwerden nach einer Corona-Infektion („Long COVID“ / „Post COVID“): - wie und wo bekomme ich Hilfe bei der Diagnostik und Behandlung?

Anhaltende Riech-und Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen und Nervenschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, mehr depressive Erkrankungen und Angststörungen; ein subjektiv erhöhtes Stresslevel bei vielen Menschen, angespannte und / oder gedrückte Stimmung, Ein- und Durchschlafstörungen, „Fatigue“ (also Erschöpfbarkeit, verminderte geistige Leistungsfähigkeit und Abgeschlagenheitsgefühl): die Corona-Pandemie hat einen negativen Einfluss auf die psychische Gesundheit. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Publikationen in deutschen und internationalen Fachzeitschriften, so zuletzt etwa im deutschen Ärzteblatt im März 2022. Es wurde auch bereits eine erste deutschsprachige, interdisziplinäre medizinische Leitlinie zu diesem Thema veröffentlicht, die sich mit Folgebeschwerden aus den verschiedensten Fachgebieten der Medizin befasst (AWMF). In der derzeitigen medizinischen Definition wird das sogenannte „Long-COVID-Syndrom“ (das umfasst zuvor nicht vorhandene Beschwerden, die länger als 4 Wochen nach dem Beginn der COVID-Infektion fortbestehen) vom sogenannten „Post-COVID-Syndrom“ mit einem Weiterbestehen der Beschwerden (dann sogar über mehr als 12 Wochen) unterschieden.

Für die psychischen und neurologischen Störungen nach einer Corona-Infektion spielen offensichtlich mindestens 3 verschiedene auslösende Faktoren eine Rolle:

  1. Einerseits scheint es bei Menschen, die selbst an COVID-19 erkrankt waren, gehäuft zu Depressionen und Angststörungen, möglicherweise auch zu einer anhaltenden Einschränkung in der psychischen Belastbarkeit zu kommen. Dies wurde im April 2021 in einer Studie, die in der renommierten Zeitschrift „Lancet Psychiatry“ veröffentlicht wurde, nachgewiesen. Hier muss man von einem direkten biologischen Effekt auf das Gehirn als Folge der durchgemachten Viruserkrankung ausgehen, dafür spricht auch das in der angeführten Studie ebenso erhöhte Auftreten von Schlaganfällen und Hirnblutungen sowie von Demenzen nach einer durchgemachten COVID-19-Erkrankung.
  2. Andererseits verursachen die Corona-Pandemie-bedingten Einschränkungen und Widrigkeiten bei vielen Menschen ein deutlich erhöhtes Maß an emotionalem Stress. Hier scheint gerade die Pandemie-bedingte Einschränkung sozialer Kontakte eine besondere Rolle zu spielen, sei es durch Einschränkung von Kontakten in der Schule oder im Beruf oder z.B. auch durch die zeitweise deutliche Einschränkung der Möglichkeiten, z.B.  Familienfeiern oder Geburtstagsfeiern mit Freunden in dem bisher gewohnten Rahmen zelebrieren zu können. Kommunikation erfolgt derzeit vielfach über videogestützte Medien – das ist eine prima Sache, andererseits ist in einem Videogespräch im Gegensatz zum direkten, persönlichen Treffen die sogenannte Nonverbale Kommunikation eingeschränkt, das (oft unbewusste) Erfassen der Signale aus Mimik und Gestik fällt bei einem Gespräch am Bildschirm schwerer als im direkten Beisammensein mehrerer Personen. Vielfach waren während der Hochphasen der Pandemie bisher gewohnte – und für die Gesundheit so wichtige – sportliche Aktivitäten nur noch in abgewandelter Form oder gar nicht möglich. Aber auch eine gereizte Stimmung anderer Menschen beim Einkaufen, der Ärger im Kiosk über eine auf „Halbmast“ getragene Gesichtsmaske eines anderen Kunden trägt dazu bei.
  3. Und schließlich besteht als dritter Faktor nach wie vor bei vielen Menschen die Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus, wobei diese Angst in dem einen Fall die eigene Ansteckung, in anderen Fällen die Ansteckung von Menschen, die einem nahestehen oder mit denen man beruflich zu tun hat, betreffen kann. Diese Angst entspricht einer realen Bedrohung und diese Bedrohung bestimmt ja nun seit Anfang 2020 durchgehend einen Teil unseres Lebens.

Alle drei Faktoren können subjektive oder objektive Erschöpfung, Schmerzsyndrome und psychische Erkrankungen, insbesondere Angsterkrankungen und depressive Spektrumserkrankungen, aber auch Mattigkeit und Denkstörungen verursachen, andererseits können die Faktoren aber auch dazu beitragen, dass sich eine zuvor schon vorhandene psychische oder neurologische Krankheit oder Belastung verschlechtert.


SYMPTOME, die auf eine psychische Störung oder Belastung hinweisen können sind z. B.:

  • Gefühle von innerer Unruhe und Getriebenheit
  • ein subjektives Gefühl von „alles ist mir jetzt zu viel“
  • Angst- und Panikgefühle
  • eine übermäßig ängstliche Beobachtung von körperlichen Auffälligkeiten
  • Ein- und Durchschlafstörungen, aber auch ein erhöhtes Schlafbedürfnis
  • Reizbarkeit und das Gefühl innerer Anspannung
  • ein erhöhtes inneres Aggressionspotential und ggf. schnell auslösbare Wutgefühle
  • niedergedrückte Stimmung
  • ein zunehmender Verlust der Freude an eigentlich schönen Beschäftigungen
  • ein Gefühl von innerer Mattigkeit und Antriebslosigkeit
  • Appetitstörungen im Sinne von entweder Appetitlosigkeit oder „Frustfressen“
  • ein Verlust von Freude an der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte
  • Tagesmüdigkeit und Erschöpfungsgefühl
  • das Gefühl von Gefühllosigkeit
  • katastrophisierende, negative Phantasien und Träume
  • Ideen von „das kann nie wieder besser werden“

 
WAS KÖNNEN SIE TUN, WENN SIE VON SOLCHEN SYMPTOMEN BETROFFEN SIND?
 
An der ersten Stelle steht die eigene Bewertung der Schwere und Dauer der Symptome:


Treten Symptome, wie die oben genannten einmalig, kurz oder nur sehr selten auf, wäre das eine normale Reaktion der Psyche auf Anstrengungen. Oft hilft dann z.B. (wenn möglich) das regelmäßige Einlegen eines Tages, an dem man die Dinge ruhiger angehen läßt oder eine Intensivierung der täglichen Bewegung, etwa ein regelmäßiges Ausdauertraining, das nach dem derzeitigen Erkenntnisstand mindestens zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche von mindestens 30 min Dauer bei einer moderaten körperlichen Belastung nicht unterschreiten sollte. Aber auch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation, Yoga, Tai Chi oder einfachere Achtsamkeits- und Meditationsübungen können hilfreich sein.


Wenn einzelne oder mehrere der oben genannten Symptome häufig auftreten oder nicht mehr weggehen oder wenn Sie sich durch diese Symptome merklich belastet fühlen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Das kann und sollte bei leichteren Symptomen der Hausarzt sein, der eine erste Auswertung mit Ihnen vornimmt, möglichen körperlichen Ursachen nachgeht und Sie gegebenenfalls in eine psychiatrisch- oder psychosomatisch-psychotherapeutische, neurologische bzw. nervenärztliche oder psychologisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung vermittelt, das kann aber auch primär ein Neurologe bzw. Nervenarzt, ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder ein Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie oder eine psychiatrische Institutsambulanz sein.


Sollten die oben genannten Symptome bei Kinder und Jugendlichen auftreten ergibt sich auch die Möglichkeit, die entsprechende Beratung und Abklärung über unsere Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik und deren Ambulanzen (siehe unten) zeitnah durchführen zu lassen.  


Sollten Symptome wie die oben genannten eine erhebliche Belastung für Sie darstellen, können Sie entweder per Überweisung durch Ihren Hausarzt oder auch direkt einen Termin zur diagnostischen Einschätzung, Beratung und Weiterbehandlung in einer unserer psychiatrischen Institutsambulanzen für Erwachsene („PIA’s“) an den Standorten Brandenburg a.d.H., Rathenow, Teltow oder Werder vereinbaren. 
Für Kinder und Jugendliche halten wir an den Standorten Brandenburg, Rathenow und Potsdam eine entsprechende Institutsambulanz vor. Hier können Sie sich beim Auftreten der oben genannten Symptome entsprechend beraten lassen und einen Vorstellungstermin zur weiteren Abklärung vereinbaren. Zur somatischen Abklärung stehen wir in enger Kooperation mit den Kinderkliniken in Brandenburg/Havel, Rathenow, Nauen und Potsdam. 
Je nach der im Vordergrund stehenden Symptomatik macht möglicherweise auch eine primäre Vorstellung in unserer neurologischen Klinik Sinn. Primäre Anlaufstelle dafür ist unsere Zentrale Aufnahme Neurologie (ZAN), hier kann telefonisch vorab ein Termin für eine geplante, kurze stationäre Abklärung mittels umfassender neurologischer Diagnostik erfolgen. Hierfür wird ein Einweisungsschein vom Hausarzt benötigt.


Sofern die Symptome so ausgeprägt sind, dass Sie Ihrer Arbeit nicht mehr nachkommen können oder es bereits krankheitsbedingte Einschränkungen bei der Versorgung Ihrer üblichen täglichen Hausarbeiten gibt, ist eine Behandlung in einer unserer Tageskliniken, die sich ebenfalls an den genannten Standorten finden, möglich. Eine tagesklinische Behandlung findet üblicherweise werktags in der Zeit von 08-16:00 Uhr statt, sie wohnen dabei weiter zuhause.


Sofern eine ganz erhebliche Symptomatik, ggf. mit Auftreten von Selbsttötungsgedanken, einer tiefgehenden Verzweiflung oder anderen Hinweise für einen schwer ausgeprägten Krankheitsverlauf vorliegen, können Sie jederzeit (am besten mit Einweisung durch den Hausarzt, im Notfall aber selbstverständlich auch ohne Einweisung) in unsere vollstationäre Behandlung aufgenommen werden.


Die gute Nachricht: all die voranstehenden Möglichkeiten eröffnen Ihnen sehr gute Chancen, dass sich innerhalb einer gewissen Zeit unter der Behandlung eine deutliche Besserung oder gar ein Verschwinden der Symptome auftritt. Sprechen Sie uns an!
 
Sie erreichen unsere Klinik in diesen Fragen unter den folgenden Telefonnummern:

Zentrale Aufnahmen:

  • Zentrale Aufnahme Psychiatrie/Psychosomatik: 03381 78-1234
  • Zentrale Aufnahme Kinder- und Jugendpsychiatrie: 03381 78-1515
  • Zentrale Aufnahme Neurologie (ZAN): 03381 78-1798

Ambulanzen

  • Psychiatrische Institutsambulanz Erwachsene Brandenburg: 03381-78-2218
  • Psychiatrische Institutsambulanz Erwachsene/Kinder/Jugendliche Rathenow: 03385-55580-70
  • Psychiatrische Institutsambulanz Erwachsene Werder: 03327-73172-20
  • Psychiatrische Institutsambulanz Erwachsene Teltow: 03328-936060-0
  • Psychiatrische Institutsambulanz Kinder/Jugendliche Brandenburg: 03381-78-2383
  • Psychiatrische Institutsambulanz Kinder/Jugendliche Potsdam: 0331-601506-10

 Zentrale Information: 03381-78-0

Ansprechpartner psychische Folgen der Corona-Pandemie

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