Klinik für Forensische Psychiatrie

Die Klinik für Forensische Psychiatrie führt die hoheitliche Aufgabe des Maßregelvollzugs für die Freie und Hansestadt Hamburg aus. Hierzu stehen Therapieplätze in 18 stationären Behandlungseinheiten sowie eine Fachambulanz zur Verfügung.

In der forensisch-psychiatrischen Abteilung werden Menschen behandelt, die aufgrund einer bestehenden psychiatrischen Erkrankung straffällig wurden. Die Kernaufgabe des Maßregelvollzugs liegt in der Besserung und Sicherung psychisch kranker und entwöhnungsbedürftiger Straftäter zum Schutz der Allgemeinheit. Die rechtliche Behandlungsgrundlage ergibt sich aus dem Hamburger Maßregelvollzugsgesetz.

Der Behandlungsverlauf gliedert sich in Aufnahme und Erstdiagnostik, berufsgruppenspezifische Behandlungsplanung und -durchführung, Risikoanalyse und Rehabilitationsmaßnahmen.

Leistungsangebote

Unterbringung im psychiatrischen Krankenhaus (§ 63 StGB) (plus §§20,21 StGB)

§ 63 StGB, § 20 StGB, § 21 StGB

§ 63 StGB Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus

Hat jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit (§ 20 StGB) oder der verminderten Schuldfähigkeit (§ 21 StGB) begangen, so ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und seiner Tat ergibt, dass von ihm infolge seines Zustandes erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten sind und er deshalb für die Allgemeinheit gefährlich ist.

§ 20 StGB Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen

Ohne Schuld handelt, wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln.

§ 21 StGB Verminderte Schuldfähigkeit

Ist die Fähigkeit des Täters, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln, aus einem der in § 20 StGB bezeichneten Gründe bei Begehung der Tat erheblich vermindert, so kann die Strafe nach § 49 Abs. 1 StGB gemildert werden.

Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB)

§ 64 StGB Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Hat eine Person den Hang, alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen und wird sie wegen einer rechtswidrigen Tat, die sie im Rausch begangen hat oder die auf ihren Hang zurückgeht, verurteilt oder nur deshalb nicht verurteilt, weil ihre Schuldunfähigkeit erwiesen oder nicht auszuschließen ist, so soll das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt anordnen, wenn die Gefahr besteht, dass sie infolge ihres Hanges erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird. Die Anordnung ergeht nur, wenn eine hinreichend konkrete Aussicht besteht, die Person durch die Behandlung in einer Entziehungsanstalt zu heilen oder über eine erhebliche Zeit vor dem Rückfall in den Hang zu bewahren und von der Begehung erheblicher rechtswidriger Taten abzuhalten, die auf ihren Hang zurückgehen.

Einstweilige Unterbringung (§ 126 a StPO)

§ 126 a StPO Einstweilige Unterbringung

  1. Sind dringende Gründe für die Annahme vorhanden, dass jemand eine rechtswidrige Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldfähigkeit (§§ 20, 21 StGB) begangen hat und dass seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt angeordnet werden wird, so kann das Gericht durch Unterbringungsbefehl die einstweilige Unterbringung in einer dieser Anstalten anordnen, wenn die öffentliche Sicherheit es erfordert.
  2. Für die einstweilige Unterbringung gelten die §§ 114 bis 115 a, 116 Abs. 3 und 4, §§ 117 bis 119, 123, 125 und 126 StPO entsprechend. Die §§ 121, 122 StPO gelten entsprechend mit der Maßgabe, dass das Oberlandesgericht prüft, ob die Voraussetzungen der einstweiligen Unterbringung weiterhin vorliegen.
  3. Der Unterbringungsbefehl ist aufzuheben, wenn die Voraussetzungen der einstweiligen Unterbringung nicht mehr vorliegen oder wenn das Gericht im Urteil die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus oder einer Entziehungsanstalt nicht anordnet. Durch die Einlegung eines Rechtsmittels darf die Freilassung nicht aufgehalten werden. § 120 Abs. 3 StPO gilt entsprechend.
  4. Hat der Untergebrachte einen gesetzlichen Vertreter oder einen Bevollmächtigten im Sinne des § 1906 Abs. 5 BGB, so sind Entscheidungen nach Absatz 1 bis 3 auch diesem bekannt zu geben.

Akutbehandlungen und Gesundheitsfürsorge (§ 45 (2) HmbUVollzG / § 63 (3) HmbStVollzG)

§ 45 (2) HmbUVollzG / § 63 (3) HmbStVollzG

§ 45 (2) HmbUVollzG Überstellung, Verlegung und Ausführung zum Zweck der Behandlung

Erforderlichenfalls können Untersuchungsgefangene zur medizinischen Behandlung ausgeführt oder in ein Krankenhaus außerhalb des Vollzugs gebracht werden.

§ 63 (3) HmbStVollzG Überstellung, Verlegung zum Zweck der Behandlung

Kranke Gefangene können in das Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt überstellt oder in eine für die Behandlung ihrer Krankheit besser geeignete Anstalt verlegt werden.
Kann die Krankheit der Gefangenen in einer Anstalt oder im Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt nicht erkannt oder behandelt werden oder ist es nicht möglich, die Gefangenen rechtzeitig in das Zentralkrankenhaus zu überstellen, sind sie in ein Krankenhaus außerhalb des Vollzuges zu bringen.

Wird während des Aufenthaltes der Gefangenen in einem Krankenhaus außerhalb des Vollzuges die Strafvollstreckung unterbrochen, so tragen die Vollzugsbehörden die bis zum Beginn der Strafunterbrechung angefallenen Kosten.

Stationäre Begutachtung (§ 81 StPO)

§ 81 StPO Unterbringung zur Beobachtung des Beschuldigten

  1. Zur Vorbereitung eines Gutachtens über den psychischen Zustand des Beschuldigten kann das Gericht nach Anhörung eines Sachverständigen und des Verteidigers anordnen, dass der Beschuldigte in ein öffentliches psychiatrisches Krankenhaus gebracht und dort beobachtet wird.
  2. Das Gericht trifft die Anordnung nach Absatz 1 nur, wenn der Beschuldigte der Tat dringend verdächtig ist. Das Gericht darf diese Anordnung nicht treffen, wenn sie zu der Bedeutung der Sache und der zu erwartenden Strafe oder Maßregel der Besserung und Sicherung außer Verhältnis steht.
  3. Im vorbereitenden Verfahren entscheidet das Gericht, das für die Eröffnung des Hauptverfahrens zuständig wäre.
  4. Gegen den Beschluss ist sofortige Beschwerde zulässig. Sie hat aufschiebende Wirkung.
  5. Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus nach Absatz 1 darf die Dauer von insgesamt sechs Wochen nicht überschreiten.

Krisenintervention (§ 67 h StGB)

§ 67 h StGB Befristete Wiederinvollzugsetzung; Krisenintervention

  1. Während der Dauer der Führungsaufsicht kann das Gericht die ausgesetzte Unterbringung nach § 63 StGB oder § 64 StGB für eine Dauer von höchstens drei Monaten wieder in Vollzug setzen, wenn eine akute Verschlechterung des Zustands der aus der Unterbringung entlassenen Person oder ein Rückfall in ihr Suchtverhalten eingetreten ist und die Maßnahme erforderlich ist, um einen Widerruf nach § 67 g StGB zu vermeiden. Unter den Voraussetzungen des Satzes 1 kann es die Maßnahme erneut anordnen oder ihre Dauer verlängern; die Dauer der Maßnahme darf insgesamt sechs Monate nicht überschreiten. § 67 g Abs. 4 StGB gilt entsprechend.
  2. Das Gericht hebt die Maßnahme vor Ablauf der nach Absatz 1 gesetzten Frist auf, wenn ihr Zweck erreicht ist.

Sicherungshaftbefehl (§ 453 c StPO)

§ 453 c StPO Sicherungshaftbefehl

  1. Sind hinreichende Gründe für die Annahme vorhanden, dass die Aussetzung widerrufen wird, so kann das Gericht bis zur Rechtskraft des Widerrufsbeschlusses, um sich der Person des Verurteilten zu versichern, vorläufige Maßnahmen treffen, notfalls, unter den Voraussetzungen des § 112 Abs. 2 Nr. 1 oder 2 StPO, oder, wenn bestimmte Tatsachen die Gefahr begründen, dass der Verurteilte erhebliche Straftaten begehen werde, einen Haftbefehl erlassen.
  2. Die aufgrund eines Haftbefehls nach Absatz 1 erlittene Haft wird auf die zu vollstreckende Freiheitsstrafe angerechnet. § 33 Abs. 4 Satz 1 StPO sowie die §§ 114 bis 115 a StPO und § 119 StPO gelten entsprechend.

Psychiatrische, psycho- und sozialtherapeutische Nachsorge (§ 68 b StGB)

Behandlungsangebote

Die Einzel und Gruppenangebote haben einen kriminaltherapeutischen Schwerpunkt und finden in einem konstruktiv- therapeutischen Klima statt. Es handelt sich um Langzeittherapien komorbider Störungen, Langzeitpsychotherapien und standardisierte Therapieprogramme wie z.B.:

  • Sex Offender Treatment Programme (SOTP)
  • Dialektisch-Behaviorale Therapie - Forensik (DBT-F)
  • Metakognitives Training (MKT)
  • Reasoning  Rehabilitation Programm (R&R)
  • Akupunktur (NADA)
  • Psychoedukation
  • Sozialpädagogischer Fachdienst

Prognosen und Lockerungen

Regelmäßig werden im Maßregelvollzug prognostische Einschätzungen getroffen, um Lockerungsentscheidungen abzuleiten und zu begründen. Mögliche Lockerungsstufen sind:

  • begleitete oder unbegleitete Geländeausgänge
  • Stadtausgänge
  • Beurlaubungen
  • Entlassungen

Für die individuelle Kriminalprognose stehen Checklisten und Prognoseinstrumente zur Verfügung. Dabei gehören die Lebens- und Delinquenzgeschichte des Patienten, die aktuelle klinische Symptomatik und die Zukunftsperspektive zu den spezifisch zu gewichtenden Aspekten. Entscheidungen werden dann abhängig von der Fragestellung durch eine operationalisierte Risikoeinschätzung (HCR-20, PCL-R, SVR-20) erleichtert.

Forensische Ambulanz

Die 2004 eingerichtete Fachambulanz ist eine Anlaufstelle für entlassene, aber auch präforensische Patienten und deren Angehörige. Sie stellt eine wichtige Stütze für die erfolgreiche Reintegration der Patienten dar.

Kontakt
Oberarzt Dr. Oliver Eschenbach: (040) 1818 87 1627

Forensisches Therapiezentrum (FTZ)

Die Beschäftigung im Rahmen der Arbeitstherapie und die Vorbereitung auf eine Arbeit nach der Unterbringungszeit sind sehr bedeutsam für eine erfolgreiche Resozialisierung der untergebrachten Patienten.

Weitere Informationen

Weiterbildungsmöglichkeiten

Für Ärzte:
Die Abteilung verfügt über eine volle Weiterbildungsberechtigung für den Schwerpunkt Forensische Psychiatrie (Ärztekammer)

Für Psychologen:
Es besteht eine Weiterbildungsmöglichkeit zum Fachpsychologen für Rechtspsychologie.

Für Ärzte und Psychologen:
In der hiesigen Abteilung ist eine Nebentätigkeit als Gutachter möglich. Diese gerichtliche Sachverständigentätigkeit wird von erfahrenen Gutachtern fachlich eng begleitet.

Für Gesundheits- und Krankenpfleger:

  • Gesundheits- und Pflegeassistenz
    Für die in der forensisch-psychiatrischen Abteilung tätigen Pflegehelfer besteht die Möglichkeit, einen berufsbegleitenden Kurs zum Gesundheits- und Pflegeassistenten zu absolvieren. Diese 16 monatige Weiterbildung findet in Kooperation mit staatlich anerkannten Bildungsträgern statt und umfasst 960 Stunden theoretischen Unterricht sowie verschiedene Praxiseinsätze

  • Sozialpsychiatrische Zusatzausbildung
    Diese berufsbegleitende Fachweiterbildung für Gesundheits- und Krankenpfleger der Klinik für Forensische Psychiatrie umfasst 740 Stunden theoretischen Unterricht sowie eine praktische Ausbildung in verschiedenen Einsatzgebieten. Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit den Inhalten und Werten einer modernen patientenorientierten Psychiatrie mit dem Ziel der Qualitätssteigerung der forensisch-psychiatrischen Pflege.

  • Für alle Berufsgruppen steht ein Budget für Fortbildungen, fachspezifische Weiterqualifizierungen und die Teilnahme an Fachtagungen zur Verfügung

  • Innerbetriebliches Fortbildungsprogramm (link)

  • Regelmäßige Supervisionen im klinischen Setting

Informationen für Angehörige

Sollten Sie als Angehörige das Bedürfnis nach Beratung, Entlastung und Unterstützung haben, gibt es die Möglichkeit der Teilnahme an einer Angehörigengruppe.

Inhalte:

  • Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen
  • Informationen über psychische Erkrankungen und therapeutische Interventionen
  • Entlastung durch Gespräche über die eigene Befindlichkeit
  • Stützung durch andere Angehörige

Termin:               

  • einmal im Monat, mittwochs in der Zeit von 17.00 bis 18.30 Uhr.
  • Telefonischer Erstkontakt über das Sekretariat: (040) 1818 87 2513

Die Teilnahme an der Angehörigengruppe ist erst nach erfolgtem Vorgespräch möglich.

Informationen für Besucher

Besucherinformation Forensische Psychiatrie

Aktuelles

Fotoausstellung: "altundneu - Eine Zeitreise durch die Klinik Ochsenzoll"

Artikel aus der "Hinz und Kuntz" über Maßregelvollzug Ochsenzoll

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