Erkrankungen des Enddarms

Der letzte Abschnitt des Verdauungstraktes wird als End- oder Mastdarm bezeichnet. Der Analkanal und der Schließmuskel bilden den Abschluss des Dickdarms. Hier finden sich viele häufige Krankheitsbilder, unter anderem Hämorrhoiden, Abszesse und Fisteln. Aber auch sogenannte Tabuthemen sind in diesem Bereich angesiedelt, so zum Beispiel die Stuhlinkontinenz. In unserer Spezialsprechstunde erhalten Sie fundierte Beratung und eine stadiengerechte Therapie, auch wenn keine operativen Maßnahmen notwendig sind.

Wir helfen Ihnen bei

Hämorrhoiden

Am unteren Ende des Mastdarms befindet sich ein aus Arterien und Venen gebildeter Schwellkörper. Er liegt etwas oberhalb der Schließmuskeln des Afters (Anus) und dichtet gemeinsam mit ihnen den Darmausgang ab. Diese Schwellkörper werden auch als "Hämorrhoiden“  bezeichnet. Härmorhoiden sind im Körper jedes Menschen zu finden.  Unter bestimmten Umständen können diese Schwellkörper Beschwerden verursachen. Auch bei einem „Hämorrhoidalleiden“ sind Sie bei uns in guten Händen.

Während die konservative, also nicht operative Behandlung dieses weitverbreiteten Leidens in den Händen der niedergelassenen Kollegen verbleibt, werden in der Klinik stadienadaptierte, operative Therapien der fortgeschrittenen Stadien dieser Erkrankung durchgeführt.

Eine Operation wird empfohlen bei störender oder unangehmer Symptomatik, nach wiederholter erfolgloser Anwendung der Gummibandligatur oder der Sklerosierung, bei ausgeprägtem Vorfall von Hämorrhoiden oder bei starken Schmerzen durch Thrombosierung der vorgefallenen Hämorrhoiden.

Bei stark schmerzhaften, eingeklemmten Hämorrhoiden können vor der Operation zunächst schmerzstillende und abschwellende Massnahmen die Voraussetzungen für die Operation verbessern.

Hierzu stehen eine Reihe von modernsten, größtenteils schmerzarmen- bis schmerzfreien Behandlungsmethoden zur Verfügung; Diese ermöglichen einen frühen Wiedereintritt ins tägliche Leben:

  • Bei einzelnen Hämorrhoiden Grad 2 u. 3.oder Patientenwunsch nach einer Behandlung ohne „Schneiden“: Gezielte Unterbindung der Hämorrhoidenspeisenden Schlagader (Dopplersonographisch gesteuerte HAL-Methode (HAL=Haemorrhoidal-Arterien-Ligatur) über ein Spezial-proktoskop,  kombiniert mit der „Raffung“ und „Anheftung“ der vorgefallenen Hämorrhoidenpolster, der sog.Mucopexie (o. RAR = RektoAnalRepair)
     
  • Bei zirkulären, also kreisförmig angeordneten Hämorrhoiden Grad 2 u. 3.: Die sogenannte „Staplermethode“, eine maschinelle, transanale Schleimhautmanschettenresektion nach LONGO oder in sehr schweren Fällen
     
  • Bei Hämorrhoiden Grad 4, also nicht mehr zurückdrängbaren Polstern: Operation nach FERGUSON (halboffene, blutarme Entfernung nur der betroffenen, geschwürartigen Hämorrhoide in schweren, hochakuten Fällen mit nicht mehr wegdrückbaren, oft bereits geschwürsartigen äußerlichen Knoten)

Alle Operationen werden in kompletter Schmerausschaltung durchgeführt. Sollte nach der Operation eine Schmerztherapie nötig sein, wird diese selbstverständlich zunächst stationär durchgeführt.

Akuten und chronischen Fissuren

Durch kleine Einrisse im Übergangsbereich zwischen Haut und Schleimhaut des Analkanals kann es zu schmerzhaften,  blutenden Hautveränderungen kommen.  Werden diese  nicht rechtzeitig behandelt können diese chronisch werden. Wir sorgen dafür, dass es nicht so weit kommt und bieten Ihnen je nach Schwere der Fissur die richtige Behandlungsmetode an.

Abszessen und Fisteln

Abszesse in der Region um den After sind extrem schmerzhaft und müssen umgehend behandelt werden. Ursache ist  eine sogenannte „Analfistel“ ein vom Enddarm ausgehender, entzündeter Gang.

Wir entfernen in der Akutphase das komplette entzündete Gewebe, so dass mit einer schnellen Abheilung zu rechnen ist („Abszessexzision“). Gleichzeitig wird versucht, das in der Regel zugrundeliegende Problem, die Analfistel ausfindig zu machen und diese für eine für eine spätere, endgültige Therapie zu markieren („Vesselloop-Drainage“).

Sollte dies im Rahmen des ersten Eingriffs  aufgrund der ausgeprägten Entzündung nicht möglich sein,  erfolgt  4-6 Wochen nach dem ersten Eingriff eine Folgeuntersuchung, um die Fistel endgültig entfernen zu können. Für diesen Eingriff stehen uns verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • Liegt der Fistelgang direkt unter der Haut und betrifft nur geringe Anteile des Schließmuskels, kann er eröffnet und ausgeschnitten werden („Open-Lay“). Die entstehende kleine Wunde ist wenig belastend und heilt nach wenigen Tagen folgenlos ab.
  • Liegt eine Fistel vor, die den Schließmuskel durchsetzt oder über den Schließmuskel hinweg in den Mastdarm zieht (transspinktere/intersphinktere/extra und suprasphinktere Fisteln), oder handelt es sich um ein komplexes, verzweigtes Fistelgangsystem, kann eine Spaltung des Schließmuskels mit anschließender Rekonstruktion notwendig sein. Diese Eingriffe sind aufwendig und anspruchsvoll, haben aber eine sehr hohe Erfolgsquote. Da hier, abhängig von der Höhe der notwendigen Muskelrekonstruktion, immer einer Gefährdung der Schließmuskelfunktion droht, können im Einzelfall Alternativen zum Einsatz kommen:
  1. „Plugs“: Der Gang und die Öffnung wird mit einem „Stopfen“ aus einem sich selbst im Laufe der Zeit auflösenden Material verschlossen. Es bildet sich anstelle des „Plugs“ eine stabile Narbe. Die Behandlung ist risikoarm, hat aber im Vergleich zur Türflügelplastik eine höhere Rezidivquote.
  2.  Metallklammern zum Verschluss der inneren Öffnung, sog. OVESCO-Clip.
  3. Türflügelplastik (Mucosa- oder Vollwandläppchen, sog. Advancementflap): Nach Ausschneiden der inneren Öffnung wird die Wand des Mastdarms in Form eines „Türflügels“ vor die kleine Öffnung gezogen und festgenäht.

Stuhlinkontinenz

Diese für die Betroffenen sehr schwerwiegende Problematik bedarf einer umfassenden, ganzheitlichen Behandlung.

Das Spektrum der Beschwerden reicht  vom ungewollten Abgang von Winden bis zum ungewollten Verlust von flüssigem oder festem Stuhlgang.

In unserer proktologischen Ambulanz besprechen wir Ihr Problem mit Ihnen und leiten dann erste Analyseverfahren ein, um die Schwere der Erkrankung einschätzen zu können und die möglichen Ursachen zu identifizieren.

Mögliche Gründe für die Beschwerden sind  Schäden des Schließmuskels aufgrund von Geburtstraumata bei Frauen,  Verletzungen des Schließmuskels nach Unfällen oder Operationen oder auch  chronische Infekte. In einigen Fällen sind neurologische Grunderkrankungen oder Schäden des Nervensystems ursächlich.

Konnten wir die Ursache eingrenzen, erstellen wir einen auf Sie zugeschnittenen Behandlungsplan Dieser folgt in der Regel einem Stufenschema, beginnend bei  mit einer Medikamententherapie zur Verlangsamung der Darmtätigkeit und Eindickung des Stuhlgangs, über die Biofeedback-Behandlung bei mittelschweren Fällen zur Verbesserung und Bewusstmachung der Kontrolle des Schließmuskels.

Unter Umständen  kann auch eine Spülbehandlung (Anale Irrigation) für den Mastdarm, die der Patient selbst erlernt, zu festgelegten Zeiten zu einer planbaren Entleerung des Mastdarms führen und so den ungewollten Verlust des Stuhlgangs verhindern.

In schweren bis schwersten Fällen können auch operative Maßnahmen wie die Rekonstruktion des Schließmuskel („Overlapping Spinkter Repair“), die Implantation eines Nervenstimulators für den Schließmuskel („Sakralnervenstimulation“, SNS) bis zum Ersatz des Schließmuskels durch körpereigenes Muskelgewebe oder Fremdmaterial notwendig sein.

Entleerungsstörungen/Chronischen Verstopfungen

Bei vielen Patienten  kommt es zu einem gestörten Entleerungsverhalten des Mastdarms: Der Stuhlgang kommt selten und ist oft nur unter Zuhilfenahme von Hilfsmitteln überhaupt möglich.

Ursächlich ist ein „Ausleiern“ des Beckenbodens mit innerem Mastdarmvorfall oder der Vorfall von Scheide, Gebärmutter oder Dünn-/Dickdarms.

Um die Ursache eindeutig feststellen und den für Sie bestmöglichen Behandlungsweg einleiten zu können führen wir  nach einem ersten Diagnosegespräch verschiedene Untersuchungen durch. Diese bestehen in der Regel aus einer Tastuntersuchung über den After  einer Spiegelung des Mast- und Enddarms, einer Messung des Schließmuskeldruckes sowie einer Ultraschalluntersuchung des Enddarmes.

Zur abschließenden Diagnostik greifen wir zudem auf klassische bildgebende Verfahren wie die Röntgen und Kernspindiagnostik  zurück. Bringt eine medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Behandlungserfolg, kann eine Operation sinnvoll sein. Auch in diesem Fall stehen verschiedene Eingriff zur Wahl. Welcher für Sie in Frage kommt, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen.

Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Morbus Crohn und Colitis ulzerosa

Die Diagnostik und Therapie von funktionellen und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) finden in enger Zusammenarbeit mit Hausärzten und Internisten/Gastroenterologen statt. In der Proktologie ist vor allem die Behandlung der häufigen Komplikationen, wie Fisteln, Stenosen etc. nach den grundlegenden obengenannten Prinzipien möglich.

Mast- und Enddarmkrebs, Analrand/Analkarzinom

Mast- und Enddarmkrebs sind, wenn sie rechtzeitig erkannt werden, gut therapierbare Erkrankungen und können im Frühstadium  durch laparoskopische oder konventionelle Therapie operativ behandelt werden.

 Alle Fälle von bösartigem Krebs werden im wöchentlichen, interdisziplinären Tumorboard besprochen und ein leitlinienkonformer Behandlungsweg festgelegt. Die gegebenenfalls nötige Vor- und Nachbehandlung inklusive Bestrahlung und/oder Chemotherapie findet unter Zusammenarbeit mit der onkologischen Praxis Perker/Sandherr sowie der Strahlentherapiepraxis Dr.Panzer statt.

Zur richtigen Planung der operativen und onkologischen Therapie  führen wir ein ausführliches Diagnoseverfahren durch. Dafür stehen uns verschiedene Untersuchungen zur Verfügung.

Im Rahmen der Spiegelung (Rekto/Proktoskopie) sowie der zur Erkennung der Eindringtiefe und der Lymphknoten ergänzenden Endosonographie mit 3D-Rekonstruktion erfolgt das sog. Staging. So beurteilen wir das lokale Tumorwachstum und bestimmen die Intensität des nötigen operativen Eingriffs. Des Weiteren bestimmt der operierende Arzt vor dem Eingriff die Beschaffenheit des Tumors. Nach dieser Planung erfolgt der operative Eingriff. Auch die Kontrolle nach erfolgreicher Operation und Abschluss der Heilungsphase erfolgt im Rahmen unserer proktologischen Ambulanz.

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Durch die Spezialisierung auf die Coloproktologie können wir Ihnen das komplette Spektrum an Diagnostik und Therapie anbieten: Von der einfühlsamen Beratung über die starre Prokto- und Rektoskopie, die Probengewinnung und digitale anorektalen Endosonographie bis zur Messung des Schließmuskeldruckes und die dynamische Magnetresonanz- Defäkographie. Zu den Therapieoptionen lesen sie Einzelheiten bei den unten erklärten Krankheitsbildern.

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