Adipositastherapie

Was ist Adipositas?

Adipositas (krankhaftes Übergewicht) ist ein weltweit zunehmendes Krankheitsbild. Männer und Frauen aller Altersklassen und Bevölkerungsschichten sind betroffen. Weltweit sind aktuell ca. 300 Millionen Menschen betroffen (WHO). Auch in Deutschland tritt die Adipositas immer häufiger auf. Zwischen 35% (Frauen) und 50% der erwachsenen Deutschen sind übergewichtig (BMI > 24,9 kg/m2). Etwa 20% der erwachsenen Deutschen sind krankhaft übergewichtig (BMI >29,9 kg/m2). Extreme Adipositas Grad III (z.B. 170cm/118kg, BMI 41 kg/m2) betrifft in Deutschland etwa 2% der Bevölkerung, das entspricht ca. 1,6 Millionen Menschen.

Meist ist die Ursache für das Auftreten einer Adipositas eine langfristige positive Energiebilanz durch fehlgesteuerte Nahrungsaufnahme (=zuviel Kalorien im Verhältnis zum Verbrauch) verbunden mit einem durch den heutigen Lebensstil bedingten Bewegungsmangel. Genetische (familiäre) Faktoren können eine Rolle spielen.

Von der WHO wird die Adipositas seit 1997 als chronische Krankheit bezeichnet.

Woran kann ich erkennen, ob ich krankhaftes Übergewicht habe?

Grafik Adipositas BMI 01

Zur Einschätzung des Übergewichtes kommt der sog Body Mass Index (BMI) zum Einsatz. In einer Formel wird das Körpergewicht zur Körperlänge ins Verhältnis gesetzt. Es resultiert eine Zahl. Anhand dieser Zahl kann das Gewicht eingeteilt und das Risiko abgelesen werden. Hier geht es zum Rechner. https://www.bmi-rechner.net/

 

Grafik Adipistas BMI02

Der BMI berücksichtigt nicht die Zusammensetzung des Körpers aus verschiedenen Geweben, so könnte ein kleiner, muskulöser Bodybuilder durchaus einen BMI von 40 erreichen, ohne auch nur ein Gramm Fett am Leib zu haben. Daher wird zur Einschätzung des Bauchfettes zusätzlich der Taillenumfang gemessen. Mit diesen beiden Werten kann das Risiko für Begleiterkrankungen selbst bei noch gesunden, jungen Patienten gut eíngeschätzt werden. Bei vielen adipösen Menschen haben sich aber zum Zeitpunkt des Erstkontakts mit dem Arzt bereits Beeinträchtigungen der Gesundheit eingestellt.

Warum ist Adipositas eigentlich ein Problem?

Krankhaftes Übergewicht ist in hohem Maße gesundheitsschädigend und mit verantwortlich für fast alle bedeutenden „Zivilisationskrankheiten“ wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, Schäden an den Bewegungsorganen und einige der häufigsten Krebserkrankungen.

Oft entsteht ein negatives Selbstbild mit Selbstzweifeln und Rückzug aus dem Sozialleben. Psychische Erkrankungen können Folge, aber auch mitverursachend für eine Adipositas sein.

Wie kann das Gewicht reduziert werden?

Eigentlich ist das Abnehmen keine Zauberei: Weniger Kalorien aufnehmen, mehr Bewegung. Das hat so gut wie jeder Mensch schon einmal ausprobiert. Fast alle Diäten funktionieren in unterschiedlichem Ausmaß, zumindest am Anfang. Allerdings stellt sich bei den meisten Menschen nach Ende der Diät leider bald wieder mindestens das Ausgangsgewicht ein (sog. Jojo-Effekt). Auch Medikamente führen meist nicht zu dauerhaftem Gewichtsverlust. Und: je größer das Übergewicht zu Beginn der Bemühungen, um so schwerer fällt der Verzicht auf Kalorien und um so mühseliger gestaltet sich ein mehr an Bewegung.

Wie kann das Adipositas-Therapienetzwerk helfen?

Ein gut ausgebildetes Team aus Ernährungsmedizinern, ErnährungsberaterInnen, PsychotherapeutInnen, Diabetologen, Gastroenterologen und Viszeralchirurgen berät und begleitet mit fachkundigem Rat die Bemühungen zur Gewichtsreduktion. Eine Selbsthilfegruppe (SHG Adipositas Bad Tölz) trifft sich einmal im Monat in der Stadtklinik. Wenn nach sechs bis zwölf Monaten durch gut dokumentierte Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie keine ausreichende, anhaltende Gewichtsreduktion erreicht wird, kann nach Diskussion in der Expertenrunde (Adipositasboard) die medizinische Indikation zu einer operativen Behandlung gestellt werden. Wenn bereits ernsthafte, schwere medizinische Komplikationen durch das Übergewicht vorliegen, kann der Prozess auch schneller ablaufen.

Die Möglichkeiten einer Operation

Die Indikation zur Operation kann dann in Erwägung gezogen werden, wenn zum einen die oben genannten Maßnahmen zur Gewichtsreduktion keinen Erfolg erbracht haben, zum anderen individuelle Kontraindikationen für einen solchen Eingriff ausgeschlossen wurden.

In Frage kommen Menschen mit einem BMI größer 40 kg/m2 ohne schwere Begleiterkrankungen oder solche mit einem BMI zwischen 35 und 40 kg/m2 mit einer oder mehreren mit dem Übergewicht zusammenhängenden Begleiterkrankungen (z.B. Diabetes Typ 2, koronare Herzkrankheit etc.)

Welches der folgenden operativen Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von individuellen Faktoren ab. Da die oben genannten Voraussetzungen erfüllt sein müssen ist der erste Schritt ein ausführliches Gespräch und eine Untersuchung.

Und danach?

Nach einer Operation schließt sich eine lebenslange ernährungsmedizinische, chirurgische und evtl. auch psychologische Nachsorge an. Trotz der Operation ist eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten und des Verhaltens notwendig. Bestimmte Laboruntersuchungen müssen regelmäßig durchgeführt und abhängig vom durchgeführten Eingriff auch täglich Nahrungsergänzungsprodukte (Vitamine, Eisen etc.) eingenommen werden, da sonst auch bedrohliche Mangelzustände eintreten können. Die Nachsorge stellt daher einen ganz bedeutenden Bestandteil der Behandlung des Übergewichts dar.

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Adipositas Sprechstunde

Adipositas Selbsthilfegruppe Bad Tölz

Bild Adipositas Selsbthilfegruppe

Jeden ersten Mittwoch im Monat, 18.00 Uhr,
Konferenzraum der Verwaltung der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz, Ostbau 1. OG, Zimmer 64.

Mehr Informationen zur Gruppe erhalten Sie hier.

Bild Adipositas CHR

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