Akute und chronische Erkrankugen der Bauchspeicheldrüse
Die Bauchspeicheldrüse (medizinisch: Pankreas) liegt unmittelbar hinter der Bauchhöhle und vor der Wirbelsäule. Sie ist in drei Teile –Kopf, Körper und Schwanzteil – gegliedert und spielt eine zentrale Rolle für den Stoffwechsel: Sie produziert Hormone, die den Blutzuckerspiegel regulieren und Verdauungsenzyme, die bei Nahrungsaufnahme ausgeschüttet werden und einen wichtigen Beitrag zur Spaltung einzelner Nahrungsbestandteile leisten.
Wir helfen Ihnen bei
- Akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung (Akute Pankreatitis)
- Chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Chronischer Pankreatitis)
- Gutartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse
- Bauchspeicheldrüsenkrebs
- Verengung des Bauchspeicheldrüsenganges
Bauchspeicheldrüsenerkrankungen haben auf Grund der komplexen Funktion des Organs immer schwerwiegende Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Während sich eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung meist durch plötzlich auftretende, starke Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Fieber und ggf. eine Gelbfärbung der Haut äußert, beginnt die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung häufig schleichend mit geringen Beschwerden. Dies hat zur Folge, dass chronische Bauchspeicheldrüsenentzündungen oft erst spät erkannt werden.
Darüber hinaus können in der Bauchspeicheldrüse verschiedene gut- und bösartige Tumoren entstehen. Insbesondere Bauchspeicheldrüsenkrebs wird häufig erst sehr spät entdeckt, da Symptome wie Gewichtsverlust, Schmerzen oder Gelbsucht erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium auftreten.
Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik
Um Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse wirksam zu behandeln ist eine schnelle und präzise Diagnose sehr wichtig. Neben einem ausführlichen Anamnesegespräch, in dem wir mit Ihnen z.B. über Art und Auftreten Ihrer Schmerzen sprechen, nutzen wir zahlreiche spezialisierte Untersuchungsverfahren. Hierzu zählen die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauches und die Endoskopie mit Ultraschalluntersuchung (Endosonographie) sowie Blutuntersuchungen. Die Endosonographie wird in unserer Klinik hochfrequent zur Diagnostik und Behandlung verschiedener Erkrankungen der Oberbauchorgane eingesetzt. Daher besitzen unsere Ärzte einen sehr hohen Erfahrungsschatz und höchste Expertise in den endosonographischen Untersuchungen.
In Kooperation mit dem radiologie.zentrum.nordharz führen wir außerdem Computer- und Magnetresonanztomographien des Bauchraums durch. Zusätzlich führen wir in bestimmten Fällen die so genannte ERCP (endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie) durch. Hierbei stellen wir endoskopisch mit Hilfe eines Kontrastmittels unter Durchleuchtung mit Röntgenstrahlen die Gallengänge und die Gallenblase sowie bei Notwendigkeit den Ausscheidungsgang der Bauchspeicheldrüse dar. Während der ERCP können wir auch kleinere Eingriffe vornehmen, z.B. eine Papillotomie durchführen, Gewebeproben entnehmen, Steine aus den Gängen entfernen oder einen Stent einsetzen, um verengte Gänge offenzuhalten.
Die häufigste Ursache einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung ist Gallengangstein, welcher die gemeinsame Einmündung des Gallengangs und des Bauchspeicheldrüsengangs in die Papille des Zwölffingerdarmes verstopft. Der Rückstau des Bauchspeicheldrüsensaftes führt konsequenterweise zu einer Selbstverdauung des Organs und akuten Entzündung.
Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot
Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung
Bei einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung kann das Organ seine Funktion nicht mehr erfüllen. Bei etwa 80% der Patienten verläuft die akute Pankreatitis mild, eine medikamentöse Therapie und eine kontrollierte Flüssigkeitstherapie reicht hier völlig aus. Üblicherweise erfolgt auch eine Anpassung der Ernährung, außerdem erhalten Sie eine Schmerztherapie und werden bei uns in der Klinik überwacht, damit wir einen schweren Krankheitsverlauf erkennen oder ausschließen können. Wichtiger Bestandteil der Therapie ist es außerdem, nach Möglichkeit die Ursache der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung zu beseitigen. So können z.B. Steine in der Gallenblase oder den Gallengängen Auslöser für eine Pankreatitis sein, die wir ggf. im Rahmen einer Endoskopie (ERCP) entfernen können. Andere Ursachen können Störungen der Nebenschilddrüsen oder des Fettstoffwechselns sein, die wir medikamentös behandeln können. Grundsätzlich gehört zu Therapie auch eine Beratung zu Ihren Lebensgewohnheiten, da Alkohol, Nikotin, wenig Bewegung und ungesunde Ernährung das Auftreten einer Bauchspeicheldrüsenentzündung begünstigen.
Bei einigen wenigen Patienten nimmt die akute Pankreatitis einen schweren Verlauf an – hier wird das Gewebe der Drüse ganz oder teilweise vernichtet, andere Organe wie Lunge, Herz, Nieren oder Darm werden in Mitleidenschaft gezogen. In diesem Fall ist häufig eine umfassende Überwachung, Diagnostik und Behandlung des Patienten notwendig, welche in der Regel auf unserer interdisziplinären Intensivstation durchgeführt werden.
In seltenen Fällen kommt es zu einem Gewebsuntergang der Bauchspeicheldrüse (nekrotisierende Pankreatitis) und oder zu Flüssigkeitsansammlungen. Diese können sich infizieren und zu einer Blutvergiftung führen. In solchen Fällen müssen die infizierte Flüssigkeiten entfernt werden und der Bauchraum entlastet werden. Hier kommt eine endoskopische Ultraschalluntersuchung zu Einsatz, während dessen wir durch die Magen- oder Dünndarmwand mittels Stents (Plastikstents und Metallstents) eine Verbindung zu der infizierten Höhle herstellen und so für Entlastung sorgen. Im späteren Verlauf kann abgestorbenes Gewebe endoskopisch durch mehrere Sitzungen komplett entfernt werden (endoskopische Nekrosektomie). Die endoskopische Nekrosektomie gehört zu den aufwendigen und technisch anspruchsvollen endoskopischen Eingriffen, die in unserer Klinik mit höchster Sicherheit und Expertise durchgeführt wird.
Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung
Auch eine chronische Pankreatitis versuchen wir hauptsächlich konservativ-medikamentös zu behandeln. Da die Erkrankung durch übermäßigen Alkoholkonsum (häufigste Ursache) und oder Zigartettenkonsum begünstigt wird, ist es sehr wichtig, dass Sie als Patient auf Alkohol und Rauchen verzichten. Zur Behandlung gehören bei Bedarf auch eine individuelle Schmerztherapie sowie medikamentöse Unterstützung Ihrer Verdauung.
Eventuell kann sich in Folge der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung ein Diabetes mellitus entwickeln, der mit einer individualisierten Insulintherapie behandelt werden muss.
Wenn die Schmerzen im Rahmen der chronischen Pankreatitis mit Schmerzmedikamenten nicht ausreichend behandelt werden können, können wir in den meisten Fällen durch das Einbringen von Lokalanästhetika in ein Nervengeflecht die Schmerzen deutlich lindern. Dabei führen wir einen endoskopischen Ultraschal durch und lokalisieren das Gebiet des Nervengeflechts durch die Magenwand genau (Plexus coeliacus). Zur Applikation des Lokalanästhetikums führen wir eine feine Nadel durch die Magenwand, sodass wir unter quasi Sichtkontrolle der Nadelspitze das Medikament genau verabreichen können (endosonographisch gesteuerte Plexus coeliacus Anästhesie oder Blockage).
Tumore der Bauchspeicheldrüse
Bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse setzen wir auf eine individuelle, interdisziplinär abgestimmte Therapie gemeinsam mit Chirurgen und Onkologen. Wir behandeln jeden Pankreastumor individuell, abhängig von Art, Lage, Größe und Ausbreitung und Ihrer Konstitution sowie eventuellen zusätzlichen Erkrankungen. Bei gutartigen Neubildungen setzen wir nach Möglichkeit endoskopische Therapien oder minimal-invasive Operationsverfahren ein, um ihren Körper so wenig wie möglich zu belasten. Bösartige Tumore der Bauchspeicheldrüse erfordern zumeist eine ausgedehnte Operation, da nur die komplette Entfernung des Tumors die Chance auf Heilung bietet.
Autoimmune Pankreatitis (AIP)
Bei einer autoimmunen Bauchspeicheldrüsenentzündung (AIP) handelt es sich um eine Form der chronischen Pankreatitis. Bei dieser Form wird das Gewebe der Bauchspeicheldrüse durch das eigene Immunsystem angegriffen, so dass die chronische Entzündung zu einer Vernarbung (Fibrosierung) der Bauchspeicheldrüse führt. Charakteristisch ist bei der AIP, dass die Entzündung auf eine Behandlung mit „Cortison“ (Glukokortikoidtherapie) in der Regel gut anspricht. Oft kann diese Erkrankung ein Pankreastumor nachahmen oder als Erstsymptom zu einem Diabetes mellitus führen. Manchmal kommt es durch die Entzündung zu einer Verengung des Gallenganges und Ausbildung einer Gelbfärbung der Haut und Bindehaut. Mittels bildgebender Verfahren wie CT, MRT und eine Endosonographie kann die Erkrankung und die Organveränderungen diagnostiziert werden. Bei Bedarf kann während einer endoskopischen Ultraschalluntersuchung eine Gewebeprobe mit einer feinen Nadel aus der Bauchspeicheldrüse entnommen und feingeweblich untersucht werden. Zusätzlich kommen laborchemische Untersuchungen des Blutes und des Stuhls zum Einsatz, um eine genaue Zuordnung der Form und eine mögliche exokrine Insuffizienz (Mangel an Verdauungsenzyme) abzuklären.
Auch bei einer AIP erhalten Sie in unserer Klinik eine umfassende Diagnostik, Beratung und Behandlung.
Bauchspeicheldrüsenzysten
Auch in der Bauchspeicheldrüse können Zysten vorkommen. Bei den Zysten der Bauchspeicheldrüse kann es sich um gutartige Zysten (blande Zysten), um Pseudozysten (häufig in Folge einer akuten oder chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung) oder neoplastische Zysten (Zysten mit Potential zur Krebsentwicklung) handeln.
Häufig werden die Bauchspeicheldrüsenzysten als Zufallsbefunde im Rahmen von bildgebenden Verfahren (Ultraschall, CT, MRT) entdeckt. Um eine genaue Zuordnung bei den Zysten vorzunehmen, setzen wir eine endoskopische Ultraschalluntersuchung (Endosonographie) als die beste Methode der Wahl ein. Dabei werden zu einer solchen Beurteilung sehr hohe Erfahrung und Expertise des Untersuchers benötigt, um nach den aktuellsten Forschungsergebnissen die beste Einschätzung der Zysten herbeizuführen, so dass ein individuell angepasstes Überwachungs- und Behandlungskonzept erstellt werden kann. Wir freuen uns, in unserer Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie die endoskopische Ultraschalluntersuchung zur Klärung der Pankreaszysten entsprechend in hoher Frequenz und mit einer hohen Qualität einsetzen zu können. Zudem verfügen wir über die Möglichkeit, eine Zyste oder eine krankhafte Veränderung durch endoskopischen Ultraschall gezielt mit einer feinen Nadel zu punktieren, um so die Flüssigkeit in Labor und die gewonnenen Zellen (Zytologie, Histologie) hinsichtlich einer möglichen bösartigen Entartung zu untersuchen.
Während bei blanden Zysten keine weiteren Maßnahmen von Nöten sind, müssen die neoplastischen Zysten überwacht werden und bei bestimmten Risikokriterien operativ behandelt werden.
Eine Pseudozyste wird nicht behandelt, solange diese keine Beschwerden verursacht und nicht infiziert ist. Die Pseudozysten können jedoch bei zunehmender Größe verdrängend wirken, andere Organe in ihrer Funktion stören oder Schmerzen verursachen. Zudem kann es zu einer Infektion der Pseudozysten kommen, welche bis hin zu einer Blutvergiftung führen kann. In diesen Fällen (symptomatische Pseudozysten) muss eine Behandlung in Form von Zystenentlastung erfolgen. Die schonendste Behandlungsmethode stellt die endoskopische Drainage dieser Zysten durch die Magen- oder Dünndarmwand dar. Dabei können wir unter endoskopischer Ultraschallsteuerung zwischen der Zyste und Magenlumen durch die Einlage von Drainagen (Stents: Plastikstent oder selbst aufweitender Metallstent) eine Verbindung herstellen, so dass sich der Zysteninhalt in den Magendarmtrakt entleert (endosonographisch gesteuerte Zystendrainage). Dadurch wird die Zyste kleiner und die Betroffenen verspüren eine sofortige Beschwerdebesserung; ein möglicher Infekt wird dadurcheffektiv behandelt. Die Drainage wird in der Regel für einige Wochen und Monate belassen und die Patientinnen und Patienten können nach rascher Beschwerdebesserung aus der stationären Behandlung entlassen werden. Die Drainagen werden in einem weiteren Termin endoskopisch problemlos wieder entfernt. Auch in diesem Zusammenhang können wir in der Gastroenterologie der Asklepios Harzkliniken in Goslar unseren Patientinnen und Patienten professionell und schonend helfen.