Akute und chronische Erkrankungen der Leber
Die Leber (medizinisch: Hepar) ist das zentrale Stoffwechselorgan des Körpers und die größte Drüse. Sie liegt im rechten Oberbauch und ist – vereinfach gesagt – unsere innere Chemiefabrik, indem sie Stoffe ab-, auf- und umbaut. So verarbeitet die Leber große Teile der aufgenommenen Nährstoffe wie z.B. Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette und ist somit wesentlicher Bestandteil des Stoffwechsels.
Durch ihren komplexen Aufbau und ihre hervorragende Durchblutung übernimmt die Leber außerdem die Ausscheidung giftiger Stoffe. Darüber hinaus speichert die Leber überschüssige Glukose sowie Vitamine und Spurenelemente.
Wir helfen Ihnen bei
- Alle Formen der Hepatitis (Leberentzündung)
- Leberzirrhose (Narbenleber)
- Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
- Primär biliäre Cholangitis (PBC)
- Intoxikationen
- Abklärung erhöhter Leberwerte
Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik
Lebererkrankungen weisen keine typischen Symptome auf: Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtsveränderungen und Appetitmangel können ebenso auf eine Lebererkrankung hinweisen wie Farbveränderungen des Stuhls, des Urins und der Haut. Das Organ selbst sendet keine direkten Schmerzsignale aus. Da die Symptome so unspezifisch sind, greifen wir bei Verdacht auf eine Lebererkrankung auf spezialisierte Diagnoseverfahren zurück. Hierzu gehört eine Blutuntersuchung, bei der wir unter anderem die Aktivität der verschiedenen Enzyme und anderer Parameter im Blut überprüfen. Außerdem kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie), endoskopischer Ultraschall, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie hinzu. Eventuell führen wir auch eine Leberbiopsie durch: Hierbei werden unter örtlicher Betäubung – meist während eines Ultraschalls – mit Hilfe einer dünnen Nadel kleine Gewebeproben aus der Leber entnommen und anschließend mikroskopisch in der Pathologie untersucht.
Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot
Entzündungen der Leber: Hepatitis
Eine der häufigsten Erkrankungen der Leber ist die Entzündung des Organs – auch Hepatitis genannt. Die Hepatitis kann unterschiedliche Ursachen haben, z.B. Viren, Stoffwechselstörungen oder Vergiftungen durch z.B. Alkoholmissbrauch. Eine Hepatitis kann sich durch allgemeines Krankheitsgefühl und Fieber zeigen, wird aber häufig erst bemerkt, wenn Funktionsstörung der Leber auftreten, da dies mit einer gelblichen Färbung von Haut und Augenweiß, einer dunklen Färbung des Urins sowie Entfärbung des Stuhls einhergeht. Nach der akuten Phase kann eine Hepatitis folgenlos ausheilen oder sich zu einer chronischen Hepatitis entwickeln. Letzteres wiederum begünstigt das Entstehen einer Leberzirrhose und auch Leberkrebs.
Hepatitis A geht auf einen Virus zurück und kann über menschliche Ausscheidungen übertragen werden. Gewöhnlich heilt diese Hepatitsform nach der akuten Entzündung ohne Folgen ab. Eine Behandlung für Hepatitis A gibt es nicht, allerdings kann eine Impfung die Infektion vermeiden. Besonders bei Reisen in Länder mit hohem Hepatitis A Vorkommen empfiehlt sich eine Impfung.
Auch Hepatitis B geht auf einen Virus zurück, dieser wird allerdings im Wesentlichen über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Ansteckungswege sind z.B. Sexualverkehr oder kontaminierte Nadeln. Der Verlauf einer Hepatitis B ist sehr unterschiedlich: Sie kann von selbst ausheilen, insbesondere bei immunschwachen Personen sowie Kindern und Senioren aber auch chronisch werden. Außerdem begünstigt eine Hepatits B Infektion das Auftreten von Leberkrebs oder einer Leberzirrhose. Eine akute Hepatitis B wird normalerweise nur überwachend begleitet; nur bei seltenen, klinisch schweren Verläufen werden virushemmende Medikamente eingesetzt. Bei einer chronischen Hepatitis B können neuartige Therapien zur Anregung des Immunsystems oder Blockierung des Virus zum Einsatz kommen. Auch gegen Hepatitis B gibt es eine Impfung – diese wird insbesondere Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, Beschäftigten im Gesundheitswesen und auch Drogenabhängigen (Nutzung von Spritzbesteck) empfohlen.
Eine Hepatitis C, die über infiziertes Blut übertragen wird, wird in ca. 80 % der Fälle chronisch, nach 20 bis 30 Jahren kommt es bei rund einem Drittel der Patienten zu einer Leberzirrhose oder Leberkrebs. Allerdings können moderne Therapien die Hepatitis C in den meisten Fällen heilen. Welche Medikamente zum Einsatz kommen, hängt individuell vom Patienten und vom genauen Typ des Hepatitis C-Virus ab. Eine Übersicht aktueller Therapieoptionen finden Sie auf der Seite der Deutschen Leberhilfe.
Eine weitere Form der Entzündung der Leber ist die alkoholische Hepatitis. Übermäßiger Alkoholkonsum zerstört das chemische Gleichgewicht der Leber und ihre Zellen. Hieraus entstehen zunächst Fetteinlagerungen. Wird der Alkoholkonsum in diesem Stadium aufgegeben, kann die Leber sich noch vollständig erholen. Trinkt der Patient weiter, kann es zur Entzündung der Leber kommen. Diese kann als Akuterkrankung auftreten und im schlimmsten Fall ein Leberversagen zur Folge haben, aber auch chronisch verlaufen, woraus meist eine Leberzirrhose entsteht.
Leberzirrhose
Chronische Lebererkrankungen führen meist zu einer Vernarbung der Leber, diese wird Zirrhose genannt. Bei einer Leberzirrhose sterben die normalen Leberzellen zunehmend ab, die Leber wird härter und schrumpft. Sie kann ihre wichtigen Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen, wodurch es zu Störungen im ganzen Körper kommen kann. Die Leberzirrhose an sich kann sich nicht zurückbilden. Um ihr Fortschreiten zu verhindern, müssen wir zunächst ihre Ursache diagnostizieren. Zwar gehen in Deutschland rund die Hälfte aller Fälle auf Alkoholmissbrauch zurück, es kommen aber auch andere Lebererkrankungen wie eine Hepatitis sowie Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen als Ursache in Frage. Falls möglich, wird diese Ursache gezielt behandelt. Da die Leberzirrhose ein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Leberzellkrebses (hepatozelluläres Carcinom) hat, sollten regelmäßige Untersuchungen wie die Bestimmung des Tumormarkers AFP, Sonografie und vor allem die Kontrastmittelsonographie, die auch Teil unseres Leistungsspektrums ist, erfolgen.
Primär sklerosierende Cholangitis (PSC)
Die PSC ist eine seltene Lebererkrankung, die auf das eigene Immunsystem zurückgeht und häufig mit einer entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa einhergeht. Bei einer PSC entzünden sich die Gallengänge in der Leber, es kommt zum Gallenstau. Dieser kann langfristig zu einer Zirrhose und auch zu Gallengangkrebs führen. Eine PSC wird durch die Analyse bestimmter Blutwerte, insbesondere aber durch die Untersuchung und bildhafte Darstellung der Gallenwege diagnostiziert. In diesen Fällen führen wir die so genannte MRCP (Kernspintomographie von Gallenwegen und Bauchspeicheldrüsengang) durch. Bei einem schweren Gallenstau kommt die ERCP (endoskopisch retrograde Cholangio Pankreatikografie) therapeutisch zum Einsatz, indem verengte Gänge geweitet und bei Notwendigkeit durch Einsetzen eines Stents offengehalten werden. Bei der ERCP können auch Zellproben aus den Gallenwegen gewonnen werden, um so die Frage nach der Gutartigkeit oder Bösartigkeit einer Engstelle zu klären. Die PSC wird neben der endoskopischen Behandlung auch medikamentös behandelt, insbesondere um die Leberwerte zu verbessern und einem möglichen Gallengangkrebs vorzubeugen.
Bei Bedarf können wir zur gezielten Gewebeprobegewinnung in unserer Endoskopie das hoch moderne Cholangioskop einsetzen. Dabei führen wir durch den Arbeitskanal des konventionellen Endoskops (Duodenoskop) ein sehr dünnes Endoskop (das Cholangioskop) in den Gallengang ein. Das Gallengangsystem wird dann mit einer Kochsalzlösung gefüllt und videoendoskopisch gespiegelt. So können wir die Veränderungen beurteilen und gezielte Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung gewinnen. Zudem können komplizierte Engstellen gezielt sondiert und behandelt werden.
Darüber hinaus können wir bei dieser Methode komplexe und größere Steine der Gallenwege mit einer eingeführten dünnen Sonde elektrischen Impulse zertrümmern (elektro-hydrauliche Lithotrypsie, EHL).
Primär biliäre Cholangitis (PBC)
Die PBC ist eine seltene Autoimmunerkrankung der Leber, die vor allem bei Frauen auftritt (90 %). Zunächst werden die Gallengänge der Leber durch eine Entzündung angegriffen und zerstört. Im weiteren Krankheitsverlauf weitet sich die Entzündung aufs gesamte Lebergewebe aus und kann zu einer Zirrhose führen, wobei die Erkrankung von Patient zu Patient sehr unterschiedlich verläuft. Als Therapie einer PBC kommen im Wesentlichen Medikamente zum Einsatz, die die Erkrankung verlangsamen oder zum Stillstand bringen können. Im späten Stadium einer PBC kann auch eine Lebertransplantation erforderlich werden.
Leberabszesse und Leberzysten
Bei einem Leberabszess handelt es sich um eine Infektion, welche in der Regel durch bakterielle Infektion verursacht wird. Dabei kommt es zu einer Ausbildung einer Eiterhöhle, was zu einem schweren Krankheitsbild bis hin zu Blutvergiftung (Sepsis) führen kann, weswegen in einem solchen Fall eine rasche Behandlung in Form von Abszessentlastung erfolgen muss. Durch Ultraschallsteuerung kann der Abszess lokalisiert und unter einer örtlichen Betäubung gezielt die Eiterhöhle mit einer feinen Nadel punktiert und nach Vorlegen eines speziellen Führungsdrahten eine Drainage (flexibler Gummischlauch mit Seitlöchern) in die Abszesshöhle eingelegt werden. So kann das Eiter, nach Entnahme von Material zu mikrobiologischen Untersuchung, durch die Drainage entleert werden und die Abszesshöhle regelmäßig gespült werden bis die Infektion komplett behandelt und beherrscht werden kann. Begleitend dazu kommt eine Antibiotikabehandlung zum Einsatz.
Bei den Leberzysten handelt es sich häufig um harmlose mit Flüssigkeit gefüllte Höhlen im Lebergewebe, welche in der Regel keine Behandlung bedürfen. Wenn jedoch die Zysten aufgrund ihrer Größe Beschwerden verursachen, müssen diese behandelt werden. Die Behandlung einer solchen symptomatischen Zyste kann durch einen chirurgischen Eingriff („Fensterung“) oder interventionell durch das Einbringen einer Drainage unter Ultraschallsicht durch die Haut (perkutane Drainage) erfolgen. Dabei wird die Zyste komplett entleert. Anschließend kann die Zyste durch das Einbringen bestimmter Medikamente oder hochprozentigem Alkohol verödet und verklebt werden, damit das Risiko des Wiederauftretens (Rezidiv) reduziert wird.
Auch diese Behandlungen kommen in unserer Klinik hoher Expertise zum Einsatz.