Deformitäten der Wirbelsäule

Formveränderungen (Deformitäten) können angeboren sein, während des Wachstums auftreten oder erst im Erwachsenenalter entstehen. Unsere Spezialisten beraten Sie mit umfassendem Fachwissen und langjährigen Erfahrungswerten.

Skoliose

operative-therapie

Skoliose ist eine dreidimensionale Verdrehung der Wirbelsäule. Sie tritt meist im Wachstumsalter auf und kann schwerwiegende Folgen haben. Eine Skoliose ist meistens chronisch (dauerhaft bestehend) und kann die Bewegung stark einschränken, sofern sie nicht frühzeitig behandelt wird. Ab einer gewissen Deformität (Fehlbildung), größer als 40° Cobb-Winkel, nimmt die Verformung über die Jahre zu. Für die Behandlung ist von entscheidender Bedeutung, welche Ursache die Deformierung der Wirbelsäule hat. Dabei ist es bis heute nicht gelungen, bei der Mehrzahl der Patienten die Ursache sicher festzustellen, dies wird als idiopathische Skoliose bezeichnet. Idiopathische Erkrankungen sind alle Krankheiten mit nicht bekannter Ursache, bei denen das Symptom selbst die Krankheit darstellt und nicht auf einen bekannten Pathomechanismus zurückgeführt werden kann. Weitere Ursachen sind neuromuskuläre Erkrankungen (Cerebralparese, Muskeldystrophie), angeborene (kongenital) knöcherne Fehlbildungen von Wirbelkörpern (Halbwirbel, Blockwirbel) oder Bindegewebserkrankungen wie zum Beispiel das Marfan-Syndrom.

 

Behandlung

Die Behandlung erfolgt konservativ und operativ interdisziplinär und ist abhängig vom Alter der Patienten, der Ursache der Skoliose und vom Ausmaß der Verkrümmung. International hat sich folgende Einteilung der Altersstufen durchgesetzt:

Early Onset Skoliose (EOS): < 10 Jahre
Late Onset Skoliose (LOS): > 10 Jahre

 

Konservative Therapie

Viele Kinder und Jugendliche bei denen während des Wachstumes eine Skoliose festgestellt wird, können erfolgreich konservativ behandelt werden. Schwerpunkt der Behandlung ist die regelmäßige Skoliose-spezifische Krankengymnastik nach Schroth und die Kräftigung der Haltungs- und Rumpfmuskulatur durch sportliche Betätigung. Eine alleinige Physiotherapie reicht oft nicht aus und auch bei zusätzlicher Korsettbehandlung sind sportliche Aktivitäten zur Entwicklung der gesamten Körpermuskulatur zwingend notwendig.

Die Korsettbehandlung zielt darauf, die Wirbelsäule und das damit verbundene Wachstum zu lenken und die Zunahme der Skoliose zu verhindern. Zusammen mit dem Orthopädietechniker wird das Korsett hergestellt und in Abhängigkeit der Wachstumsphasen angepasst. Als Orientierung für den Beginn einer Behandlung wird der Cobb-Winkel von 20°-25° genutzt. In aller Regel muss das Korsett 23 Stunden am Tag und bis zum Wachstumsabschluss getragen werden. Sport und Physiotherapie finden ohne Korsett statt.

 

Operative Therapie

Bei größeren Deformitäten mit Cobb-Winkel von über 40° kann eine Operation in Abhängigkeit vom Alter, der Ursache, der Wachstumsphase und von der Lokalisation unumgänglich sein. Als Orientierung gilt wiederum der Cobb-Winkel. Bei Zunahme des Krümmungswinkels ist eine operative Behandlung für idiopathische Thorakalskoliosen ab 50° und für idiopathische (Thorako-)Lumbalskoliosen ab 40-50° notwendig.
Die OP-Techniken und Verfahren stellen komplexe chirurgische Eingriffe dar und erfordern eine langjährige Erfahrung, Ausbildung und Spezialisierung des Operateurs. Oberstes Ziel neben der intraoperativen Sicherheit für derartige maximalchirurgische Eingriffe (z.B. permanentes Neuromonitoring) ist das Erreichen einer hohen Lebensqualität für die Patienten nach dem Eingriff.
Alle Verfahren korrigieren und richten die Deformität auf (Skoliose/Kyphose). Lendenwulst und/oder Rippenbuckel können gleichzeitig oder in einem Zweiteingriff korrigiert werden.

In Abhängigkeit vom Alter, Beschaffenheit des Knochens und der Beweglichkeit der Krümmung, dem OP-Verfahren und weiteren Faktoren können Korrekturergebnisse von 50-80% oder auch mehr erzielt werden.  

Die von uns am häufigsten durchgeführte Skolioseoperation ist die Korrekturspondylodese (knöcherne Versteifung=Spondylodese) über den hinteren und/oder seitlichen Zugang. Dabei werden Schrauben und Stäbe aus Titan an der Wirbelsäule eingesetzt. Anschließend wird die Skoliose mit verschiedenen Techniken begradigt und anschließend versteift. Die Entscheidung über die operative Behandlung und die Länge der Versteifungsstrecke hängt von mehreren Faktoren ab und geschieht immer mit dem Ziel, eine maximale Korrektur zu erzielen und so wenig wie möglich zu versteifen. Die operative Aufrichtung und Begradigung einer Skoliose mit anschließender Stabilisierung stellt eine sichere Methode dar und weißt gute bis sehr gute Langzeitergebnisse auf.

Neben der Korrekturspondylodese, die eine einmalige Operation darstellt, werden von uns auch wachstumslenkende Verfahren angewendet. Dies können zum Beispiel Teleskopstäbe oder das VBT=Vertebral Body Tethering (deutsch: anbinden mit einem Seil) sein. Diese Verfahren kommen häufig bei Patienten mit einer EOS (Early Onset Skoliose) zum Einsatz. Ziel ist das noch vorhandene Längenwachstum nach Korrektur durch den Erhalt der Beweglichkeit des operierten Abschnitt zu steuern. Je nach Verlauf und Ergebnis sind eine oder mehrere Operationen notwendig, um ein stabiles Korrekturendergebnis zu erreichen.

Der Verlust der Beweglichkeit des operierten Abschnitts der Wirbelsäule hat keine negativen Auswirkungen auf die täglichen Aktivitäten wie Schule, Beruf, Freizeit und Sport. Die körperlichen Einschränkungen sind nach einer Skolioseoperation unabhängig vom Verfahren bei Kindern und Jugendlichen bis auf die Zeit der Wundheilung gering. Für die allermeisten Sportarten gelten spätestens nach 6 Monaten keine Beschränkungen mehr.

 

Kyphose

kyphose

Kyphose

Im griechischen bedeutet kyphos* "Buckel" und im heutigen medizinischen Kontext versteht man unter einer Hyperkyphose eine Verstärkung des natürlichen Rundrückens. Es stellt eine Formanomalie der Wirbelsäule dar und gehört zu den krankhaften Formabweichungen des Achsenorgans in der Sagittalebene = seitliche Ebene.

Die mit Abstand häufigste Erkrankungsform ist die Adolescenten Kyphose (M. Scheuermann), deren Entstehungsursache unbekannt ist. Diese Veränderung führt während des pubertären Wachstum zu einem verstärkten Rundrücken überwiegend bei Jungen, nicht selten klagen die Kinder über Kopf- und Rückenschmerzen. Häufig finden sich typische Veränderungen auf dem Röntgenbild, sogenannte Keilwirbel, die in der Summe den Rundrücken verstärken. Häufig werden diese knöchernen Veränderungen begleitet von einer Dysbalance der Haltungsmuskulatur, die u.a. durch ein sehr schnelles Längenwachstum bei fehlendem Training der Muskulatur entsteht. 

Diese Form des Rundrückens lässt sich in aller Regel mit regelmäßiger Krankengymnastik, sportlichen Aktivitäten und ggf. mit einem Korsett gut und sicher behandeln. 

Weitere Ursachen für eine Verstärkung der Kyphose mit zum Teil knickähnlichen Formabweichungen sind: 

1. Sekundäre kindliche und jugendliche Kyphosen als Folge von neuromuskulären Ekrankungen oder angeborenen (kongenitalen) Störungen, zum Beispiel:

a. Spina Bifida oder

b. Halbwirbelbildung

2. Sekundäre Hyperkyphosen bei Erwachsenen im Rahmen des Alterungsprozesses oder als Folge von Operationen: 

a. Flatback Syndrom nach Harrington Spondylodese

b. Anschlusskyphose nach lumbaler Spondylodese

In Vorbereitung auf die operative Behandlung ist es unabdingbar, dass

1. eine genaue Analyse der Lage Beziehung von Wirbelsäule und Becken, die sagittalen Parameter, erfolgt (dazu verwenden wir das EOS Röntgen Gerät)

2. und das Ausmaß der Fehlstellung und die sich daraus ergebenden Korrekturschritte wie zum Beispiel Osteotomien geplant werden

Operation:

In Abhängigkeit vom Leidensdruck und dem Ausmaß der Fehlstellung = Hyperkyphose kann eine Operation zur Aufrichtung der Wirbelsäule notwendig werden. Diese Eingriffe ähneln zum Teil dem Vorgehen wie bei einer Skoliose Operation und die verwendeten OP-Techniken und Verfahren stellen komplexe chirurgische Eingriffe dar. Sie erfordern eine langjährige Erfahrung, Ausbildung und Spezialisierung des Operateurs und seinem Team. Oberstes Ziel neben der intraoperativen Sicherheit für derartige maximalchirurgische Eingriffe (z.B. permanentes Neuromonitoring) ist das Erreichen einer hohen Lebensqualität für die Patienten nach dem Eingriff. 

Alle Verfahren korrigieren und richten die Deformität auf und haben das Ziel, einen balancierten Rumpf in der natürlichen Form wiederherzustellen. In Abhängigkeit vom Alter, Beschaffenheit des Knochens und der Beweglichkeit der Krümmung, dem OP-Verfahren und weiteren Faktoren können Korrekturergebnisse von 50% oder mehr erzielt werden. Die von uns am häufigsten durchgeführte Kyphose Operation ist die Korrekturspondylodese (knöcherne Versteifung = Spondylodese) über den hinteren Zugang. Dabei werden Schrauben und Stäbe aus Titan an der Wirbelsäule eingesetzt. Anschließend wird die Kyphose mit verschiedenen Techniken begradigt und anschließend versteift.

Die Entscheidung über die operative Behandlung und die Länge der Versteifungsstrecke hängt von mehreren Faktoren ab und geschieht immer mit dem Ziel, eine maximale Korrektur zu erzielen und so wenig wie möglich zu versteifen. Die operative Aufrichtung und Begradigung einer Kyphose mit anschließender Stabilisierung stellt eine sichere Methode dar und weißt gute bis sehr gute Langzeitergebnisse auf. Der Verlust der Beweglichkeit des operierten Abschnitts der Wirbelsäule hat keine negativen Auswirkungen auf die täglichen Aktivitäten wie Schule, Beruf, Freizeit und Sport. Die körperlichen Einschränkungen sind nach einer Skolioseoperation unabhängig vom Verfahren bei Kindern und Jugendlichen bis auf die Zeit der Wundheilung gering. Für die allermeisten Sportarten gelten spätestens nach 6 Monaten keine Beschränkungen mehr. 

 

Sport nach Skoliose-Operation

Nach Skoliose-Operationen ist keine Einschränkung für sportliche Betätigung zu erwarten. Unsere Patientin zeigt, wie aktiv sie ist.

Sport nach Skoliose-Operationen ©Marlene Koop

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