Erkrankungen der Gallenblase

Gallenblase und Bauchspeicheldrüse
Gallenblase und Bauchspeicheldrüse

Die Gallenblase ist ein birnenförmiges, bei Erwachsenen rund 10 Zentimeter langes Hohlorgan, das sich direkt unter dem rechten Leberlappen in einer Grube (Gallenblasenbett) befindet. Sie besteht aus Gallenblasenboden, -körper und -hals und speichert und konzentriert Gallenflüssigkeit, die die Leber bereitstellt. Über den Hauptgallengang (Ductus hepatocholedochus), in den der Gallenblasengang (Ductus cysticus) mündet, wird die Flüssigkeit in den Zwölffingerdarm abgegeben. Dort unterstützt sie die Verdauung fetthaltiger Speisen. Zwischen den Mahlzeiten fasst die Gallenblase rund 30 bis 60 ml Flüssigkeit, die dann später bei der Aufnahme von Nahrung ausgeschüttet wird. Das erklärt, weshalb Beschwerden typischerweise nach dem Essen auftreten. Bei Erkrankungen der Gallenblase sind Sie bei unserem Team in sehr guten Händen. Wir diagnostizieren und behandeln mit moderner Ausstattung und profundem Fachwissen.

Gallensteinleiden

In Deutschland haben rund 15 bis 20 % der Menschen Gallensteine, die anfangs allerdings in 60 bis 80 % der Fälle gar keine Probleme bereiten. Erst lange Zeit nach der Diagnose klagen die Betroffenen über Beschwerden: ca. 12 % nach 2 Jahren und etwa 30 % nach 10 Jahren. Einige medizinische Studien belegen, dass Patienten mit symptomatischer Gallensteinerkrankung nach rund 7 bis 11 Jahren an einer Gallenblasenentzündung leiden werden. Für die Entstehung der Steine gibt es unterschiedliche Ursachen. Meist ist eine veränderte Zusammensetzung des Lebersekrets zu beobachten, wobei der Anteil an Cholesterin (Blutfett) erhöht ist. Gallensteine sind hauptsächlich in der Gallenblase zu finden. Selten gelangen sie in den Hauptgallengang, wodurch es zu einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) kommen kann, da sich Galle und Bauchspeicheldrüse einen gemeinsamen Ausführungsgang teilen. Ist dieser blockiert, kann sich die Bauchspeicheldrüse entzünden. Unsere Fachärzte sind sehr erfahren darin, solche komplexen Erkrankungen umfassend zu therapieren. Faktoren, die ein Gallensteinleiden begünstigen, sind:

  • familiäre Vorbelastung
  • Fettleibigkeit beziehungsweise fettreiche Ernährung
  • das Alter (ab 40 Jahren ist das Risiko größer)
  • das Geschlecht (Frauen sind eher betroffen)
  • Schwangerschaft
  • Einnahme oraler Verhütungsmittel

 

Symptome des Gallensteinleidens

Meist klagen Patienten nach dem Essen, insbesondere nach dem Genuss von fettreichen Speisen, über rechtsseitige Oberbauchschmerzen. Diese treten wellenartig auf (Kolik) und werden in der Regel von Völlegefühl, Blähungen, Übelkeit und Brechreiz begleitet. Beginnen die Gallensteine zu wandern, können sich die Symptome verstärken. Ist die Reizung besonders stark, können die Schmerzen in den Rücken und die rechte Schulter ausstrahlen. Bei einem Verschluss des Hauptgallengangs kann es auch zu einer leichten Gelbfärbung von Haut und Augenweiß kommen (Gelbsucht).

 

Untersuchung beim Gallensteinleiden

Neben der körperlichen Untersuchung können wir eine Diagnose in der Regel mithilfe einer  Ultraschallkontrolle (bildgebendes, röntgenstrahlenfreies Verfahren) Ihres Bauches stellen. Zusätzlich werden anhand von Blut-Checks im Labor die Entzündungs- und Gallenstauungswerte (Cholestaseparameter) überprüft. Um eine Magenentzündung oder ein -geschwür ausschließen zu können, führen wir häufig auch eine Magenspiegelung durch. Vermuten wir Steine im Hauptgallengang, können wir dies mit einer Spiegelung des Gallenganges (ERCP) untersuchen und gleichzeitig direkt behandeln.

Gallenblasenentzündung

Die Cholezystitis ist eine Entzündung der Gallenblase, die meist in Zusammenhang mit einer Gallensteinerkrankung auftritt, in seltenen Fällen auch unabhängig davon. Die symptomatische Gallensteinerkrankung führt nach etwa 7 bis 11 Jahren zu einer Gallenblasenentzündung. Zu einer akuten (unmittelbaren) Infektion kommt es häufig, wenn ein Stein den Blasengang verschließt und sich in der Folge Flüssigkeit staut und eitrig entzündet. Schlimmstenfalls kann dann die Gallenblase platzen, was eine Blutvergiftung oder eine Ausdehnung der Entzündung auf die Leber nach sich zieht. Lassen Sie es nicht so weit kommen, sondern suchen Sie umgehend einen Arzt auf, sobald Sie Beschwerden haben.

 

Symptome der Gallenblasenentzündung

Patienten, die von einer Gallenblasenentzündung betroffen sind, leiden unter plötzlich auftretenden, heftigen, rechtsseitigen Oberbauchschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen.

 

Untersuchung bei Gallenblasenentzündung

Wie bei einem Gallensteinleiden stellen wir die Diagnose mithilfe einer körperlichen Untersuchung und einer Ultraschalluntersuchung der Bauchhöhle (bildgebendes, röntgenstrahlenfreies Verfahren). Anhand einer laborchemischen Kontrolle Ihres Blutes können wir erhöhte Entzündungswerte ermitteln.

 

Operation bei Gallensteinen und Gallenblasenentzündung

Um die Symptome eines Gallensteinleidens und einer Gallenblasenentzündung zu beheben, empfehlen unsere Fachärzte meist, die Gallenblase zu entfernen. Nach der Entnahme wird die Gallenflüssigkeit direkt aus der Leber in den Zwölffingerdarm geleitet. Deutschlandweit werden jährlich mehr als 190.000 operative Gallenblasenentfernungen (Cholezystektomien) vorgenommen. In unserer Klinik Radeberg gehen wir dabei nach dem sogenannten Schlüsselloch-Verfahren (Laparoskopie) vor. Hierzu benötigen wir keine großen Schnitte, was für Sie äußerst schonend ist. Aufgrund der geringen Schädigung des Gewebes verkürzen sich Ihr Krankenhausaufenthalt und die Heilungsdauer deutlich, sodass Sie schneller in den Alltag zurückfinden. Bei der Methode führen wir über 4 kleine Schnitte Röhrchen in die Bauchhöhle ein. Danach leiten wir ein spezielles Gas in den Bauch. Über dieselbe Öffnung führen wir anschließend vorsichtig eine Spezialkamera zur Bauchspiegelung ein. Die weiteren Zugänge nutzen wir für verschiedene chirurgische Instrumente und zur Entfernung der Gallenblase. In bestimmten, seltenen Fällen müssen wir offen eingreifen, also mithilfe eines Schnitts am rechten Oberbauch. Dies ist beispielsweise notwendig, wenn die wichtigen Gang- und Gefäßstrukturen nicht ausreichend darstellbar sind, wenn schwere Verwachsungen aufgrund früherer Entzündungen der Gallenblase vorliegen, bei Voroperationen des Bauchs, bei Patienten mit bestimmten Lungenerkrankungen oder bei sehr ausgeprägten Entzündungen. Da wir Sie vor jedem operativen Eingriff eingehend zu Ihrer Krankheitsgeschichte befragen, können wir etwaige Risiken vorher abschätzen. Über diese klären wir Sie fundiert auf, Ihre Fragen beantworten wir gern.

Gutartige Gallenblasentumoren

Etwa 5 % aller Gallenblasentumore sind gutartig. Sie werden meist zufällig während einer Ultraschalluntersuchung oder nach chirurgischer Entfernung der Gallenblase entdeckt. Die Geschwülste können Symptome verursachen, wie wir sie bei einem Gallensteinleiden beobachten. Haben unsere Mediziner zufällig gutartige Gallenblasentumore entdeckt, können sie sie nach einer Beobachtungsphase durch Kontrastmittel-Ultraschall bestätigen. Hierbei handelt es sich um ein bildgebendes, röntgenstrahlenfreies Verfahren, das es uns ermöglicht, einen Blick in Ihren Körper zu werfen. Kontrastmittel sind Substanzen, die Röntgenstrahlen nicht durchlassen. So erhalten wir zuverlässige Befunde. Mittels schonender Schlüsselloch-Technik, die keine großen Schnitte erfordert, können unsere Experten dann Gallenblasentumore sicher entfernen.

Bösartige Gallenblasentumoren

Bösartige Gallenblasentumore sind glücklicherweise sehr selten, allerdings mit einer ungünstigen Prognose verbunden. In Deutschland sehen sich jährlich rund 2.100 Menschen erstmalig mit dieser Diagnose konfrontiert. Häufig gehen die Tumore mit einem Steinleiden einher und werden während der damit verbundenen Untersuchungen entdeckt. Bei 0,3 bis 3 % der Patienten, deren Gallenblase entfernt wird, stellt ein Pathologe bei der feingeweblichen Untersuchung einen bösartigen Gallenblasentumor fest.     

Die Tumore wachsen häufig über die Gallenblase hinaus in benachbarte Organe wie Leber oder Darm und Strukturen wie Gänge und Gefäße ein. Häufig stellen wir eine Streuung (Ausbildung von Tochtergeschwülsten, Metastasen) in angrenzende Lymphknoten oder die Leber fest. Doch auch im Falle einer solch schweren Erkrankung können Sie auf die Erfahrung und das Know-how unseres Klinik-Teams vertrauen. Wir tun stets unser Bestes, um Ihnen zu helfen.

 

Symptome der bösartigen Gallentumore

Patienten, deren Tumor sich in einem frühen Stadium (Entwicklungsstufe) befindet, sind oft beschwerdefrei oder haben häufig unspezifische Symptome, die denen eines Gallensteinleidens oder einer Gallenblasenentzündung gleichen und sich durch rechtsseitigen Oberbauchschmerz, Übelkeit und Erbrechen, möglicherweise Fieber und Schüttelfrost äußern. Drückt der Tumor auf die Gallengänge, können sich Lebersekrete stauen, was zu einer Gelbfärbung von Haut und Augenweiß führt (Gelbsucht). Hinzu können allgemeine Symptome einer Krebserkrankung wie ungewollte Gewichtsabnahme, Nachtschweiß und allgemeine Schwäche kommen.

 

Untersuchung der bösartigen Gallentumore

Um die bestmögliche, individuelle Therapie finden zu können, checken unsere Spezialisten Sie umfassend und gründlich durch. Zunächst dient eine Ultraschalluntersuchung Ihres Bauchs (bildgebendes, röntgenstrahlenfreies Verfahren) als Wegweiser. Um etwaige Leberabsiedlungen des Tumors, also die Ausbildung von Tochtergeschwülsten in der Leber, gut beurteilen zu können, kombinieren wir dieses Verfahren auch mit einem Kontrastmittel (für Röntgenstrahlen undurchlässige Substanz). Mithilfe von Computertomografie (CT: computergestütztes Röntgenverfahren) lässt sich außerdem beurteilen, ob und inwieweit sich der Tumor ausgebreitet hat. Damit wir die Rekonstruktion (Wiederherstellung) der Gallengänge nach Entfernung des Tumors planen können, führen wir häufig eine Gallengangspiegelung (ERCP) beziehungsweise eine magnetresonanztomografische Untersuchung (MRT: magnetfeldgestütztes, bildgebendes Verfahren) durch.

 

Operation der bösartigen Gallentumore

Der einzig mögliche heilende Therapieansatz bei Gallenblasenkrebs ist die chirurgische Entfernung im frühen Stadium. Das Ausmaß der Operation hängt von dem lokalen Befund ab. Zu Beginn des Eingriffs untersuchen wir die Bauchhöhle, um auszuschließen, dass der Tumor in andere Organe gestreut hat. Mitunter ist es notwendig, die gesamte Gallenblase, das Gallenblasenbett, den Hauptgallengang, die Lymphknoten und weitere mitbefallene Strukturen zu entfernen. Selbstverständlich besprechen wir sämtliche etwaigen Risiken zuvor mit Ihnen und wir beantworten ausführlich alle Ihre Fragen. Wird bei Patienten nach einer Gallenblasenentfernung zufällig ein bösartiger Tumor entdeckt, empfehlen wir gegebenenfalls eine Operation zu einem späteren Zeitpunkt, nachdem das Ausmaß der Erkrankung genau ermittelt werden konnte. Bei sehr kleinen Tumoren reicht es unter Umständen aus, „nur“ die Gallenblase zu entfernen.

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