Musik als Ressource in der seelsorglichen und spirituellen Praxis im Krankenhaus

Das besondere Projekt der Klinikseelsorge

Logo des Projekts

Wenn Ihnen die richtigen Worte fehlen oder wenn Sie das Gefühl haben, an die Grenzen dessen zu gelangen, was Sie mit Worten sagen können ...

… dann kann vielleicht Musik mit ihrem Reichtum an verschiedenen Klängen, Rhythmen und Geräuschen Ihnen einen guten Weg eröffnen, innerlich Klarheit zu gewinnen und sich mitzuteilen.

  • Sie können ihre Gefühle und Stimmungen zum Klingen bringen.
  • Sie können in Ihre Erinnerungen eintauchen oder sich auf eine Phantasiereise mitnehmen lassen.
  • Sie können im Klang Ihrer Stimme guten Kontakt zu Ihrem Körper bekommen.

Musik kann heilsam sein, sie kann helfen, zur Ruhe zu kommen, sie kann trösten und aufmuntern. Es tut gut, sich als klingenden Mensch zu erleben.  Musik macht Spaß und hat keine Nebenwirkungen.

Wir laden Sie ein, das mit uns auszuprobieren!

Musik in der Lukaskirche

Innenraum der Lukaskirche mit Altar

Im Jahr 1866 wurde auf dem Leineberg in Göttingen die "Königliche Landesirrenanstalt" in Betrieb genommen. Inspiriert von klösterlichen Vorbildern und im neugotischen Baustil errichtet, entstand ein bis heute unverändert erhaltenes Gebäudeensemble von großer architektonischer Harmonie. Die Lukaskirche beeindruckt durch ihre sorgfältig renovierten Buntglasfenster und eine kunstvoll gestaltete Holzdecke.

Im Jahr 2016 feierte das Asklepios Fachklinikum Göttingen, das heute das Gebäudeensemble nutzt, das 150-jährige Jubiläum der Psychiatrie in Göttingen.

Aktuelles Programm

Glaubensgesprächskreis 06. November 2018

Johann Sebastian Bach: Ich geh und suche mit Verlangen (BWV 49)

Ein altorientalisches Liebeslied aus der Sammlung des Hohenlieds, das Salomo zugeschrieben wurde - vielleicht schon 3000 Jahre alt , in seiner unbefangenen Intimität und innigen Nähe ganz diesseitig und zugleich Teil der Heiligen Schrift: das ist die älteste Wurzel des Texts dieser Kantate. Diese sinnlich-erotische Dimension ist mit den Jahrhunderten in Vergessenheit geraten, das Misstrauen gegen den Leib als „Sitz der Sünde“ wuchs, und spätere, leibfeindliche Generationen vermochten dieses Lied nur noch in einem übertragenen Sinn als Dialog zwischen Christus und der menschlichen Seele zu deuten. Auch Johann Sebastian Bach steht in dieser Tradition, er hat diese Kantate für den Gottesdienst in der Thomaskirche in Leipzig am 3. November 1726 geschrieben, die Sängerin (Sopran) stellt die Stimme der menschlichen Seele dar und der Sänger die Stimme Christi.

Aber sie ist noch präsent und spürbar, diese ursprüngliche Innigkeit und berückende Sinnlichkeit: in der einzigartigen Musik, mit der Bach die Stimme Christi und die Stimme der Seele im Dialog zum Klingen bringt.

Glaubensgesprächskreis
„Ich bin herrlich, ich bin schön ...“
Die Seele in der Kantate weiß das, und es geht ihr richtig gut damit - das ist in der
Musik zu hören. Können wir das auch für uns so nachsprechen? Oder fühlen wir uns nicht viel häufiger unvollkommen, unansehnlich, jedenfalls nicht herrlich und auch nicht schön? Hat unser Glaube soviel Tiefgang, dass wir etwas davon spüren: Ich bin herrlich, ich bin schön ...? Die Musik Bachs lädt uns ein und möchte uns mitnehmen, dem nachzuspüren. Wir hören in die Musik hinein, lassen uns von der Kantate anregen und versuchen, eine Brücke in unser eigenes Leben zu schlagen.

mit Wolf-Friedrich Merx
Dienstag, 06. November, 18:00 Uhr - 19:00 Uhr
Lukaskirche Göttingen

Kantatengottesdienst am 11. November 2018

Johann Sebastian Bach: Ich geh und suche mit Verlangen (BWV 49)

Svenja Heuwinkel (Sopran), Jürgen Orelly (Bass), Projektchor "Lukas singt"
Orchester "Concertino Göttingen", Predigt: Karin Wiese, Leitung: Wolf-Friedrich Merx.

Ein altorientalisches Liebeslied aus der Sammlung des Hohenlieds, das Salomo zugeschrieben wurde - vielleicht schon 3000 Jahre alt , in seiner unbefangenen Intimität und innigen Nähe ganz diesseitig und zugleich Teil der Heiligen Schrift: das ist die älteste Wurzel des Texts dieser Kantate. Diese sinnlich-erotische Dimension ist mit den Jahrhunderten in Vergessenheit geraten, das Misstrauen gegen den Leib als „Sitz der Sünde“ wuchs, und spätere, leibfeindliche Generationen vermochten dieses Lied nur noch in einem übertragenen Sinn als Dialog zwischen Christus und der menschlichen Seele zu deuten. Auch Johann Sebastian Bach steht in dieser Tradition, er hat diese Kantate für den Gottesdienst in der Thomaskirche in Leipzig am 3. November 1726 geschrieben, die Sängerin (Sopran) stellt die Stimme der menschlichen Seele dar und der Sänger die Stimme Christi.

Aber sie ist noch präsent und spürbar, diese ursprüngliche Innigkeit und berückende Sinnlichkeit: in der einzigartigen Musik, mit der Bach die Stimme Christi und die Stimme der Seele im Dialog zum Klingen bringt.

Sonntag, 11. November 2018 ab 09:30 Uhr, Lukaskirche

2018_Kantatengottesdiest-Plakat.pdf

Adventskonzerte 2018

Donnerstag, 29. November 2018 ab 17:00 Uhr, Lukaskirche

Der Gospelchor "Together" singt zum Abschluss des Weihnachtsmarkts

Donnerstag, 06. Dezember 2018 ab 17:00 Uhr, Hauptgebäude, Ebene 2

Das Kirchenmusikalische Seminar Göttingen musiziert traditionelle Weihnachtsmusik für Chor und Instrumente.

Donnerstag, 13. Dezember 2018 ab 17:00 Uhr, Lukaskirche

Choral meets Jazz: Der Projektchor „Lukas singt“ und ein kleines Instrumentalensemble musizieren drei Sätze des Leipziger Komponisten Volker
Bräutigam über bekannte Weihnachtslieder (Es kommt ein Schiff, geladen - Es ist für uns eine Zeit angekommen - Stern über Bethlehem), Wolf-Friedrich Merx spielt Jazz-Bearbeitungen traditioneller Weihnachtschoräle von Matthias Nagel.

Projektchor „Lukas singt“ und Solisten, Sabine Hess (Blockflöten), Cornelia Strauß
(Kontrabass), Ilsabé Fulda (Keyboard), Wolf-Friedrich Merx (Leitung und Orgel)

Donnerstag, 20. Dezember 2018 ab 17:00 Uhr, Lukaskirche

Traditionelle und internationale Weihnachtslieder zum Zuhören und Mitsingen, Instrumentalmusik, Märchen und Geschichten zur Weihnachtszeit.

Projektchor „Lukas singt“, Wolf-Friedrich Merx (Leitung und Moderation), Solisten
und Gäste (Klavier, Flöte, Trommeln u.a.)

Wir laden Sie ein

Im geschützten Raum

gehen wir aus von Ihrer Lieblingsmusik und hören dabei auf den Klang Ihrer Stimme - sie ist ein Echo Ihres persönlichen Befindens. Mit Ihnen zusammen versuchen wir Ihr stimmliches, spirituelles und persönliches Potential zu entwickeln.

Dabei arbeiten wir mit Ihnen allein oder auch mit anderen zusammen in verschiedenen Musikwerkstätten. Parallel zu der musikalischen Arbeit begleiten wir Sie auch seelsorglich und / oder spirituell.

Öffentlich

laden wir ein zu Gottesdiensten und Konzerten, hier arbeiten wir mit Chören und anderen Musikern zusammen. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei.

Lukas singt...

Das Sozialzentrum mit der Lukaskirche

Lukas singt ist der Chor der Lukaskirche, der sich regelmäßig triff.

Lukas singt ist ein besonderer Chor an einem besonderen Ort, ganzheitlich und vielfältig. Aufführungen und sängerische Leistungen stehen nicht im Mittelpunkt. Auch stilistisch ist Lukas singt nicht festgelegt: von den klösterlichen Gesängen der Mönche des Mittelalters über Bach bis zu Gospel und Pop ist alles möglich, manchmal auch improvisiert und ganz ohne Noten: so können aus Worten und Gefühlen Klänge werden. Dazwischen gibt es immer auch Phasen meditativen Schweigens - so kann aus Stille Klang wachsen.

Lukas singt ist ein Ort der Begegnung mit dem Ziel, etwas Schönes und Wohltuendes entstehen zu lassen - für sich selbst und für andere.

Für Menschen während des stationären Aufenthalts und Menschen aus der Region, egal ob psychiatrieerfahren oder nicht. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, einzige Voraussetzung ist ein gelassener und entspannter Umgang mit eigenen und fremden „Fehlern“.

Wir treffen uns immer dienstags, 17:00 Uhr bis 17:45 Uhr in der Lukaskirche.

Wolf-Friedrich Merx

Wir sind das Team

Monika Althoff

  • Physio- und Körpertherapeutin,
  • Fortbildungen in Tanz- und Bewegungstherapie, Atem-, Stimm- und Klangarbeit.

Gundula Bernhold

  • Sängerin und Gesangspädagogin
  • Diplom-Sprecherzieherin
  • Milton-Erikson-Zertifikat.
  • Staatsexamen evangelische Theologie

Ingeborg Erler

  • Musikerin und Musiktherapeutin
  • Organistin an der Lukaskirche
  • Heilpraktikerin für Psychotherapie
  • Arbeit mit Rhythmus und Trommeln

Wolf- Friedrich Merx

  • Pastor
  • Diplom- Kirchenmusiker
  • Klinikseelsorger in der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen GmbH
  • Leiter des Projekts

Rückblick auf vergangene Veranstaltungen

Tangoherbst 2018: Dialog der Herzen ... Leidenschaft ...

Tango: Dialog der Herzen ... Leidenschaft ...

das waren einige der spontanen Assoziationen in den Workshops des Tango-Herbstes, zu denen die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge im September eingeladen hatte. Mit großer Sensibilität für das empfindliche Verhältnis von Nähe und Distanz, mit Kreativität und ganz viel Fingerspitzengefühl verstanden es Ingeborg Erler, Monika Althoff und Manfred Büsing, die Teilnehmer*innen der Workshops zum Mitmachen einzuladen – und sie machten gerne mit.

Viele der großen Themen des Lebens waren, in Musik, Bewegung und Gesten des Tango verborgen, ganz ohne Worte im Raum präsent: Ich mache mich auf den Weg – kommst Du mit und wie weit kommst Du mit? Wie viel Kontakt, wie viel Nähe darf sein / soll sein / darf nicht sein? Und überhaupt: wie viel „Ich“, wie viel „Du“ und wie viel „Wir“ soll sein? Aber neben allem Abwägend-Nachdenklichem kam auch das Energische, das im Tango mitschwingt, zu Wort: Fasst Euch ein Herz, brecht auf, geht los ... Traut Euch, etwas hinter Euch zu lassen: das, was verbraucht oder missglückt ist im Leben, was vorbei ist ... Lasst Euch mitnehmen von dieser Musik, die Euch lockt und herausfordert ...

Das Highlight der gesamten Veranstaltungsreihe war dann das abschließende Konzert „Inspiration Tango“ am Sonntag – ein inspirierendes Zusammenspiel von Musik und Tanz, meditativer Stille und einigen spirituellen Impulsen. Mit großer Präsenz und Leidenschaft inszenierten Sandra Deike und Manfred Büsing den Tango als Spiegel des Lebens, und Goran Stevanovic begeisterte mit einer schier unglaublichen Vielfalt an Klängen von schwebender Zartheit bis zu zupackender Stärke, die er seinem großen Bajan-Akkordeon zu entlocken vermochte. Dieser Nachmittag war auch ein Fest für die Sinne: hören, schauen, sich innerlich mitnehmen lassen, mitgehen …

Gospelsommer 2018

In diesem Jahr feierte der Gospelsommer der ev. Klinikseelsorge ein kleines Jubiläum: zum 10. Mal war der Gospelchor „Together“ mit einem Workshop und einem Gottesdienst zu Gast in der Lukaskirche, und auch in diesem Jahr haben neben PatientInnen der Klinik wieder etliche Menschen aus der Region den Weg in die Lukaskirche gefunden, für die der „Gospelsommer“ mittlerweile ein festes Datum im Kalender darstellt.

Sklaven in Amerika haben den Gospel erfunden, aus ihrer Heimat verschleppte ausgebeutete Menschen, ohnmächtig und doch stark in ihrem Glauben und voller Hoffnung und Begeisterung, und eben diese Hoffnung und Begeisterung auch in schwierigen Zeiten macht den „Spirit“ dieser Musik aus. Und auch in diesem Jahr war es wieder beeindruckend, wie manche Menschen, die mit gesenktem Blick und schleppendem Schritt den Raum betreten hatten, sich nach und nach mitnehmen ließen von dieser Musik, wie die Gesichter weicher wurden, die Körperhaltung gelöster, wie gar ein erstes zaghaftes Lächeln sich hervortraute. Andere, weniger introvertierte Menschen hingegen hielt es von Anfang an nicht lange auf ihren Stühlen, sie ließen sich vom Schwung der Musik mitnehmen und bewegten sich dazu.

Im „Spirit“ dieser Musik haben wir dann im Gottesdienst am Sonntag die Taufe einer Patientin gefeiert. Die inhaltliche Ausrichtung hatte die Patientin mit der von ihr für diesen Gottesdienst gewünschten Geschichte von „Daniel in der Löwengrube“ selbst vorgegeben – und die „Löwengrube“ mitsamt ihren Assoziationen von unmittelbarer Gefahr,  eingesperrt sein , nicht weglaufen können und ausgeliefert sein  erwies sich als ein starkes Bild für vieles, was nicht wenige der am Gottesdienst Teilnehmenden in ihrem eigenen Leben erfahren mussten – und in der Geschichte von Daniel war dieses dann doch aufgefangen in dem Bild vom Engel Gottes, dem starken Helfer an der Seite Daniels in der Situation von Ohnmacht und Ausweglosigkeit, der diese Situation für ihn überhaupt erst überlebbar gemacht hat.

Am Sonntag darauf waren dann die „Street Doves“ zu Gast in der Lukaskirche, ebenfalls in bester Erinnerung seit ihrem Auftritt im vergangenen Jahr. Musik von Mahalia Jackson, Jonny Cash und anderen Größen des Gospel stand auf ihrem Programm, aber auch Songs und Balladen von Elvis Presley und anderen und nicht zuletzt eigene Werke. Die Street Doves haben sich getraut, in diesem Konzert in der Lukaskirche auch von eigenen Lebenskrisen und Psychiatrie-Erfahrungen zu erzählen, das verlieh ihrem Auftritt neben der musikalischen Qualität eine große Authentizität, und bei „Crying in the Chapel“ (M. Jackson) hätte man eine Stecknadel fallen hören können, das hat viele Menschen tief berührt. Am Ende des Konzerts stellte sich dann heraus, dass mit „Claraluna“ aus Duderstadt noch eine zweite Gruppe unter den Zuhörenden in der Lukaskirche saß, und spontan haben sich dann beide Gruppen zusammen mit Musik von „Barclay James Harvest“ verabschiedet – mächtiger Sound, große Begeisterung.

Gospelworkshop am 16. Juni 2018, Gospelgottesdienst am 17. Juni 2018, Gospelkonzert 24. Juni 2018

Minnesänger in der Lukaskirche, 22.04.2018

Ein Hauch von Mittelalter erfüllte die Lukaskirche, als am 22.04.2018 der Minnesänger Holger Schäfer, gekleidet in das Gewand der fahrenden Sänger des Mittelalters, zur Harfe griff und seine Lieder vortrug: Lieder von Frühling und Liebe, entstanden zu der Zeit, als die Burg Plesse oder der Hanstein gerade gebaut waren und Ritter und adlige Burgfräulein sich an den Liedern der fahrenden Sänger erfreuten.

Lieder voll Sehnsucht und Verlangen, voll Höflichkeit und auch Verzicht - alle großen Gefühle waren da im Spiel, professionell und leidenschaftlich vorgetragen vom Minnesänger des Jahres 2012, der sich auf der Harfe selber begleitete und zu allem auch noch mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen wusste- mal zart und zurückhaltend, mal augenzwinkernd doppelbödig.

Und so dauerte es auch nicht lange und der Funke war übergesprungen; und als dann auch noch die Sonne durch die Wolken brach und die Buntglas-Fenster der Kirche zu leuchten begannen, war der Zauber aus Musik und Licht perfekt.

"Da sein … ? Da sein!" Singen und Schweigen, 06.04.2018

Da sein … ? Da sein!

Zu einem weiteren Nachmittag des musikalisch-meditativen Formats „Singen und Schweigen“ hatte die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge neugierige Menschen am 06.04. in das Sozialzentrum in Göttingen eingeladen. Ingeborg Erler, Organistin an der Lukaskirche und Musiktherapeutin, hatte ihr Monochord mitgebracht, ein schon seit der Antike bekanntes faszinierendes Saiteninstrument. Mit seinen unaufdringlichen stillen Klängen lud es alle im Raum ein, selber auch in der Stille anzukommen, das „Jetzt“ des  Augenblicks zu spüren, die Sinne zu schärfen, so ganz bei sich selbst zu sein und – zumindest für die Dauer dieses Nachmittags – mit sich selbst befreundet zu sein. „Da sein“ – das war das Thema der ersten Runde des Nachmittags. Ein „Peace Chant“ aus Dakar im Senegal in Westafrika half uns dazu, uns selber zum Klingen zu bringen – exotische, ganz einfach strukturierte Musik, die dazu einlud, den eigenen Klang zu entdecken, ihn zuerst tastend und vorsichtig auszuprobieren und so nach und nach mit ihm vertraut zu werden.

Aber dabei haben wir es nicht belassen. In der zweiten Runde des Nachmittags ging es um das „wie“ des Daseins: da sein nicht nur zufällig und passiv, als Spielball der Launen des Alltags oder gar als Opfer der Umstände … Einige Körperübungen halfen uns dazu, als aufgerichteter Mensch ganz im Gleichgewicht, ganz wach und präsent, eben ganz da zu sein und darüber zu spüren, wie mit dem Klang im derart aufgerichteten Leib eine gesunde, zentrierte innere Stärke einhergehen und wachsen kann. Wir haben uns erlaubt, akustisch uns den Raum zu nehmen, den wir gerne haben möchten und dies auch als Ausdruck unserer inneren Freiheit und Würde zu verstehen. Und so stand am Ende der zweiten Runde, entwickelt aus den Klängen des „Peace Chant“ und des Monochords, ein machtvoller großer Klang im Raum, ganz anders als die vorsichtigen und verzagten Klänge des Anfangs.

Ein einfaches Lied und ein einfaches Instrument, die eigene Stimme und der eigene Körper, Stille und ein paar spirituelle Impulse – mehr brauchte es nicht für das Erlebnis eines inspirierenden Nachmittags. „Ich habe gefunden, gefunden, gefunden …“ mit diesen Worten drückte es eine Teilnehmerin in der Feedback-Runde aus.

Singen und Schweigen, 22.09.2017

Zur zweiten Veranstaltung dieses meditativen Formats lud die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge am 22. September neugierige Menschen in das Sozialzentrum in Göttingen ein - und schnell war zu spüren, wie gut das, was beim ersten Hören so gegensätzlich klingt, zueinander passt und sich gegenseitig ergänzt. Der eigene Atem stand im Zentrum der Veranstaltung, das Gefühl, dass Leben mir zufließt ganz von selbst beim Einatmen - und dass ich diesen Atem auch getrost wieder loslassen kann, weil ganz sicher und ganz von selbst der nächste Impuls zum Einatmen kommen wird. Singend und schweigend haben wir dieses Vertrauen in den Grundrhythmus unseres Lebens meditiert und uns miteinander auf den Weg gemacht, in dieser Weise unser "Ja" zum Leben zum Klingen zu bringen.

Eine Klaviermeditation von Matthias Nagel über einen Vers aus dem 90. Psalm ("Zeitlos. Du, Gott, bist Anfang und Ende") stand im Zentrum des letzten Teils der Veranstaltung. Ein großer Klang füllte am Ende den Raum, entwickelt aus dem Schlussakkord der Klaviermeditation und einem Gong, und miteinander haben wir singend und schweigend der Energie dieses Klangs nachgespürt, haben uns mit unseren Stimmen diesen Klang zu eigen gemacht und uns in ihm bewegt.

Ein gutes, erfülltes Gefühl stand am Ende, es hätte gut so noch weitergehen können und das auch häufiger als nur zweimal im Jahr - das war die einhellige Meinung aller Teilnehmenden. Deswegen soll "Singen und Schweigen" in Zukunft viermal im Jahr stattfinden.

Singen und Schweigen, 18.02.2017

Zum ersten Mal hatte die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge zu "Singen und Schweigen" eingeladen, und der große Seminarraum im Sozialzentrum Göttingen war erstaunlich gut gefüllt: 35 Menschen waren gekommen, einige mit viel sängerischer Erfahrung, andere ganz ohne, manche mit langjähriger eigener Meditationserfahrung, wieder andere ganz ohne, eine bunt zusammengewürfelte Menschenschar aus dem Krankenhaus und seinen Umfeld und aus der gesamten Region, alle mit großer Neugier, Offenheit und Lust, sich auf das auf den ersten Blick so ungewöhnliche Angebot dieses Nachmittags einzulassen.

Zweimal sind wir in großer Achtsamkeit und mit ganz viel Zeit diesen  Weg hin- und hergegangen: aus großer Stille in den großen Klang, in die große Stille und noch einmal in den großen Klang. Ein eindrucksvolles Erlebnis.

"Ich hätte mir bis heute nicht vorstellen können, dass zehn Minuten Stille so wohltuend sein können und so schnell vorbei sein können", sagte eine Frau in der Abschlussrunde. Für andere stand das Sich - Hineinbegeben in den Klang im Vordergrund, das Entdecken und Ausfüllen der eigenen Klangräume und des Raumklangs. Ein großer Gong hat uns dabei behutsam Hilfestellung geleistet.

Es hat Spaß gemacht, diesen Weg ein Stück weit miteinander auszuprobieren. Viel Potenzial liegt da noch verborgen. Manches werden wir dabei noch verändern, aber auch in Zukunft wird es "Singen und Schweigen" geben.

Konzertmeditation mit Anselm Grün und Hans-Jürgen Hufeisen, 19.11.2016

Musikwerkstätten 2016

Sie sind interessiert? Sprechen Sie mich an

Pastor Wolf-Friedrich Merx

Klinikseelsorge an der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen GmbH
Projekt "Musik als Ressource in der seelsorglichen und spirituellen Praxis im Krankenhaus"

Tel. (0551) 402 28 83
E-Mail: w.merx@asklepios.com

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