Musik als Ressource in der seelsorglichen und spirituellen Praxis im Krankenhaus

Das besondere Projekt der Klinikseelsorge

Logo des Projekts

Wenn Ihnen die richtigen Worte fehlen oder wenn Sie das Gefühl haben, an die Grenzen dessen zu gelangen, was Sie mit Worten sagen können ...

… dann kann vielleicht Musik mit ihrem Reichtum an verschiedenen Klängen, Rhythmen und Geräuschen Ihnen einen guten Weg eröffnen, innerlich Klarheit zu gewinnen und sich mitzuteilen.

  • Sie können ihre Gefühle und Stimmungen zum Klingen bringen.
  • Sie können in Ihre Erinnerungen eintauchen oder sich auf eine Phantasiereise mitnehmen lassen.
  • Sie können im Klang Ihrer Stimme guten Kontakt zu Ihrem Körper bekommen.

Musik kann heilsam sein, sie kann helfen, zur Ruhe zu kommen, sie kann trösten und aufmuntern. Es tut gut, sich als klingenden Mensch zu erleben.  Musik macht Spaß und hat keine Nebenwirkungen.

Wir laden Sie ein, das mit uns auszuprobieren!

Musik in der Lukaskirche

Innenraum der Lukaskirche mit Altar

Im Jahr 1866 wurde auf dem Leineberg in Göttingen die "Königliche Landesirrenanstalt" in Betrieb genommen. Inspiriert von klösterlichen Vorbildern und im neugotischen Baustil errichtet, entstand ein bis heute unverändert erhaltenes Gebäudeensemble von großer architektonischer Harmonie. Die Lukaskirche beeindruckt durch ihre sorgfältig renovierten Buntglasfenster und eine kunstvoll gestaltete Holzdecke.

Im Jahr 2016 feierte das Asklepios Fachklinikum Göttingen, das heute das Gebäudeensemble nutzt, das 150-jährige Jubiläum der Psychiatrie in Göttingen.

Aktuelles Programm

Gospelsommer

Donnerstag, 29. November 2018 ab 17:00 Uhr, Lukaskirche

Es waren schwarze Sklaven im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, denen wir den Gospel verdanken. Sie waren rechtlos, heimatlos, ausgebeutet durch harte Arbeit - und trotzdem sind ihre Lieder voll Hoffnung. Diese Hoffnung, die Menschen auch in schwierigen Zeiten zum Leben helfen kann, wollen wir zum Klingen bringen und feiern.

Gospelworkshop

mit Gosia Borree und dem Gospelchor „Together“
Samstag, 22. Juni 2019, 16:00 - 17:30 Uhr
S3 (großer Seminarraum im Sozialzentrum)

Segnungsgottesdienst

mit dem Gospelchor „Together“; Predigt: Wolf-Friedrich Merx
Sonntag, 23. Juni 2019, 9:30 Uhr
Lukaskirche

Gospelkonzert

mit der Göttinger Gruppe „Street Doves“
Sonntag, 30. Juni, 16:00 Uhr
Lukaskirche

Glaubensgesprächskreis: Das Buch Hiob

Dienstag, 20. August 2019, 18:00 - 19:00 Uhr

Hiob war ein gottesfürchtiger Mensch, dessen Leben sichtbar gesegnet war, der alles hatte und dem binnen kurzem alles zusammenbrach: Besitz, Familie und dann auch noch die Gesundheit. Zuletzt saß Hiob im Staub, schabte sich mit einer Scherbe die juckenden Geschwüre und seine Frau sagte zu ihm: „Fluche Gott und stirb.“

Was machen solche „Hiobsbotschaften“ und Schicksalsschläge mit einem Menschen? Was bleibt, wenn sogar der Glaube, wie Hiob ihn bislang gelebt hat, nicht mehr weiterhilft und zusammenbricht unter der Frage „Warum muss ich dies alles ertragen? Wo ist Gott in meinem Leid?“

Gibt es noch eine Zukunft für Hiob? Oder steht Hiob sich vielleicht nur selbst im Weg? In einem ersten Schritt wollen wir die Hiob-Geschichte aus dem Alten Testament kennenlernen, und dann wollen wir auch versuchen, eine Brücke in unser eigenes Leben zu schlagen.

mit Wolf-Friedrich Merx

Dienstag, 20. August 2019, 18:00 - 19:00 Uhr
Lukaskirche

Improvisationswerkstatt: Musik selbst erfinden

Samstag, 24. August 2019, 16:00 Uhr

Unsere Fantasie und unsere Lebenserfahrung, unsere Stimme und einige einfache Instrumente: mehr braucht es nicht, um miteinander Musik zu erfinden. Wir probieren aus, wie wir zusammen klingen, und dann wollen wir miteinander versuchen, der Hiob-Geschichte musikalisch nachzuspüren. Wir leihen Hiob unsere Klänge und hören auf das Echo in uns selbst.

Samstag, 24. August 2019, 16:00 Uhr
Lukaskirche

Gottesdienst zum Projektabschluss mit Empfang

Sonntag, 25. August 2019, 10:00 Uhr

Liebe Leserin, lieber Leser,

in anderer Gestalt als in den Jahren zuvor liegt der letzte Flyer der musikalischen Projektarbeit an der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen vor Ihnen: war auf der Titelseite bislang lediglich das Logo des Projekts zu finden, so ist diese Seite nun gefüllt mit dem, was in den vergangenen fünf Jahren der Projektarbeit uns bewegt hat und was da geschehen und gewachsen ist. Es war ein spannender Weg von den ersten tastenden Schritten in unbekanntes Land bis zu den komplexen Veranstaltungen der letzten beiden Jahre - vielfältig, niemals langweilig, immer wieder in die Tiefe führend, berührend und bereichernd. Am 31. August 2019 läuft das Projekt nun aus, und es ist mir wichtig, Sie wenigstens in dieser rudimentären Form teilhaben zu lassen an dem, was sich da entwickelt hat. Einen Spaltbreit hat sich da eine Tür aufgetan in das Kraftfeld von Spiritualität, Seelsorge und Musik, und ich bin sicher, da liegen noch viele Schätze verborgen. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit und bedanke mich für gute und inspirierende Begegnungen, für alles Mitdenken und Mitmachen, für kritische Anfragen und aufmunternde Unterstützung, für alle Begleitung auf dem Weg.

Wolf-Friedrich Merx

Flyer Sommer 2019

Gottesdienst zum Projektabschluss - anschließend Empfang
Sonntag, 25. August 2019, 10:00 Uhr
Lukaskirche

Finale kreativ

Samstag, 31. August 2019, 16:00 Uhr,

Lieder, Texte und Impros von und mit vielen psychiatrieerfahrenen Menschen und Gästen aus der Projektarbeit der vergangenen fünf Jahre.

Samstag, 31. August 2019, 16:00 Uhr
Lukaskirche

Für Sie zusammengestellt - Die Veranstaltungen im Überblick

Wir laden Sie ein

Im geschützten Raum

gehen wir aus von Ihrer Lieblingsmusik und hören dabei auf den Klang Ihrer Stimme - sie ist ein Echo Ihres persönlichen Befindens. Mit Ihnen zusammen versuchen wir Ihr stimmliches, spirituelles und persönliches Potential zu entwickeln.

Dabei arbeiten wir mit Ihnen allein oder auch mit anderen zusammen in verschiedenen Musikwerkstätten. Parallel zu der musikalischen Arbeit begleiten wir Sie auch seelsorglich und / oder spirituell.

Öffentlich

laden wir ein zu Gottesdiensten und Konzerten, hier arbeiten wir mit Chören und anderen Musikern zusammen. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei.

Lukas singt...

Das Sozialzentrum mit der Lukaskirche

Lukas singt ist der Chor der Lukaskirche, der sich regelmäßig triff.

Lukas singt ist ein besonderer Chor an einem besonderen Ort, ganzheitlich und vielfältig. Aufführungen und sängerische Leistungen stehen nicht im Mittelpunkt. Auch stilistisch ist Lukas singt nicht festgelegt: von den klösterlichen Gesängen der Mönche des Mittelalters über Bach bis zu Gospel und Pop ist alles möglich, manchmal auch improvisiert und ganz ohne Noten: so können aus Worten und Gefühlen Klänge werden. Dazwischen gibt es immer auch Phasen meditativen Schweigens - so kann aus Stille Klang wachsen.

Lukas singt ist ein Ort der Begegnung mit dem Ziel, etwas Schönes und Wohltuendes entstehen zu lassen - für sich selbst und für andere.

Für Menschen während des stationären Aufenthalts und Menschen aus der Region, egal ob psychiatrieerfahren oder nicht. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, einzige Voraussetzung ist ein gelassener und entspannter Umgang mit eigenen und fremden „Fehlern“.

Wir treffen uns immer dienstags, 17:00 Uhr bis 17:45 Uhr in der Lukaskirche.

Wolf-Friedrich Merx

Wir sind das Team

Monika Althoff

  • Physio- und Körpertherapeutin,
  • Fortbildungen in Tanz- und Bewegungstherapie, Atem-, Stimm- und Klangarbeit.

Gundula Bernhold

  • Sängerin und Gesangspädagogin
  • Diplom-Sprecherzieherin
  • Milton-Erikson-Zertifikat.
  • Staatsexamen evangelische Theologie

Ingeborg Erler

  • Musikerin und Musiktherapeutin
  • Organistin an der Lukaskirche
  • Heilpraktikerin für Psychotherapie
  • Arbeit mit Rhythmus und Trommeln

Wolf- Friedrich Merx

  • Pastor
  • Diplom- Kirchenmusiker
  • Klinikseelsorger in der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen GmbH
  • Leiter des Projekts

Rückblick auf vergangene Veranstaltungen

Von "Mit Kawumm und Zärtlichkeit" bis „Lass´dich berühren - Lieder vom Suchen" - Liederfrühling 2019

Eine Rhythmuswerkstatt im Großen Seminarraum im Sozialzentrum am 17.05.2019 war die Auftaktveranstaltung des diesjährigen Liederfrühlings der Klinikseelsorge, und es ging gleich richtig zur Sache: „Mit Kawumm und Zärtlichkeit“ - mit diesen Worten beschrieb eine Teilnehmerin den Sound dieser ersten Musikwerkstatt. Ingeborg Erler hatte eine Auswahl ihres Instrumentariums von den großen Congas bis zur kleinen Sansula mitgebracht, und die TeilnehmerInnen zögerten nicht lange, mit diesen Instrumenten auf Entdeckungsreise zu gehen. Von schüchterner Zurückhaltung war bald nichts mehr zu spüren, hingebungsvoll und voller Leidenschaft trauten die TeilnehmerInnen sich, auch einmal laut zu werden, und deutlich war zu spüren: das machte Spaß, das tat gut, das hatte etwas Befreiendes. In einer nächsten Runde kam dann noch etwas Body-Percussion dazu, und auch das hölzerne Podest vorne im Seminarraum hat einen hervorragenden Sound - es war schon eine Herausforderung, neben dem Körpereinsatz auch noch im Rhythmus zu bleiben, dazu noch die anderen zu hören und dies alles zu koordinieren, und mit spielerischer Leichtigkeit hat die Gruppe auch diese kniffligen Anforderungen bewältigt. Die Stimmung war hervorragend, selten haben wir in einem Workshop soviel gelacht - die Zeit verging wie im Flug.

Eine ganz andere Stimmung lag dann über den beiden Veranstaltungen am Wochenende 24.05.2019 und 25.05.2019. Christiane Grubitzsch war zu Gast in der Lukaskirche mit ihrem Programm „Lass´ dich berühren - Lieder vom Suchen“. Grubitzsch hat selber eine tiefe existenzielle Krise durchlebt, fast ein halbes Jahr lang war sie stationär in Göttingen und in dieser Zeit sind viele Songs entstanden - jedes Wort, jeder Klang in diesen Liedern ist gedeckt durch eigenes Erleben. Und diese Authentizität übertrug sich und öffnete innere Türen - niemand, der sich nicht berühren ließ, von Anfang an entwickelte sich im Workshop ein einfühlsamer Dialog auf Augenhöhe, ein behutsamer Wechsel von einander Zuhören und Reden, und dies in großer Offenheit. „Hier habe ich mich das erste Mal seit langer Zeit nicht mehr einsam gefühlt“ sagte eine Teilnehmerin am Ende des Workshops. Da haben die Lieder von Grubitzsch und ihre Art, diese Lieder vorzutragen, eine Atmosphäre geschaffen und einen Austausch in Gang gebracht, der mit Worten nicht zu erreichen gewesen wäre - und auch hier verging die Zeit wie im Fluge.

Für das Konzert am Tag darauf zusammen mit Martin Pottel (Trompete) hatte Grubitzsch dann ein Programm mit zehn Lieder zusammengestellt - selbst getextet, selbst vertont, selbst gesungen und dazu sich selber am Klavier begleitet, dies alles in großer Präsenz und mit großer Leidenschaft vorgetragen. Am Ende gab es dankbaren Applaus für ein starkes Konzert - und hier und dort auch eine Träne.

Bachkantate am 11.11.2018

"Es ist wirklich ein besonderer Ort hier und diese Bach-Kantate gehörte hierher …“

… so sagte es eine Frau nach dem Kantatengottesdienst am 11.11.2018 der Lukaskirche, und sie brachte damit zum Ausdruck, was wohl viele Menschen ähnlich empfanden. Und wo ein Seelsorger im Gespräch manchmal mühsam nach Worten sucht, um das auszudrücken, was mit Worten nur schwer auszudrücken ist - in dieser Kantate war von Anfang an alles da, zum Leben erweckt durch das einfühlsame und engagierte Musizieren aller Beteiligten - weiter als Worte reichen. „Ich bin herrlich, ich bin schön“, so singt es die Sopranistin in der zentralen Arie, begleitet von Oboe d´amore, Violoncello piccolo, Bass und Orgel - eine inspirierende und tief empfundene Einladung, sich auf ein ursprüngliches und heiles Bild von sich selbst einzulassen und so den verletzenden Erinnerungen ein neues Selbstbild entgegenzusetzen.

Das kam in eindrucksvoller Weise in der Musik von Johann Sebastian Bach zum Klingen, und es war zu spüren, wie sehr die Menschen in diesem Gottesdienst mit der Musik mitgegangen sind. Und einmal mehr war in diesem Gottesdienst zu erleben, welche einzigartigen Möglichkeiten die Lukaskirche für derartige Veranstaltungen bietet. SängerInnen und Instrumentalensemble waren vor dem großen Westfenster neben der Orgel platziert, dafür waren die Bänke gedreht und entlang der Längswände der Kirche aufgestellt: so saßen die Gottesdienstteilnehmer ganz dicht bei den Musizierenden, alles auf einer Ebene und ohne jede Barriere - so etwas geht in Göttingen nur in der Lukaskirche.

Tangoherbst 2018: Dialog der Herzen ... Leidenschaft ...

Tango: Dialog der Herzen ... Leidenschaft ...

das waren einige der spontanen Assoziationen in den Workshops des Tango-Herbstes, zu denen die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge im September eingeladen hatte. Mit großer Sensibilität für das empfindliche Verhältnis von Nähe und Distanz, mit Kreativität und ganz viel Fingerspitzengefühl verstanden es Ingeborg Erler, Monika Althoff und Manfred Büsing, die Teilnehmer*innen der Workshops zum Mitmachen einzuladen – und sie machten gerne mit.

Viele der großen Themen des Lebens waren, in Musik, Bewegung und Gesten des Tango verborgen, ganz ohne Worte im Raum präsent: Ich mache mich auf den Weg – kommst Du mit und wie weit kommst Du mit? Wie viel Kontakt, wie viel Nähe darf sein / soll sein / darf nicht sein? Und überhaupt: wie viel „Ich“, wie viel „Du“ und wie viel „Wir“ soll sein? Aber neben allem Abwägend-Nachdenklichem kam auch das Energische, das im Tango mitschwingt, zu Wort: Fasst Euch ein Herz, brecht auf, geht los ... Traut Euch, etwas hinter Euch zu lassen: das, was verbraucht oder missglückt ist im Leben, was vorbei ist ... Lasst Euch mitnehmen von dieser Musik, die Euch lockt und herausfordert ...

Das Highlight der gesamten Veranstaltungsreihe war dann das abschließende Konzert „Inspiration Tango“ am Sonntag – ein inspirierendes Zusammenspiel von Musik und Tanz, meditativer Stille und einigen spirituellen Impulsen. Mit großer Präsenz und Leidenschaft inszenierten Sandra Deike und Manfred Büsing den Tango als Spiegel des Lebens, und Goran Stevanovic begeisterte mit einer schier unglaublichen Vielfalt an Klängen von schwebender Zartheit bis zu zupackender Stärke, die er seinem großen Bajan-Akkordeon zu entlocken vermochte. Dieser Nachmittag war auch ein Fest für die Sinne: hören, schauen, sich innerlich mitnehmen lassen, mitgehen …

Gospelsommer 2018

In diesem Jahr feierte der Gospelsommer der ev. Klinikseelsorge ein kleines Jubiläum: zum 10. Mal war der Gospelchor „Together“ mit einem Workshop und einem Gottesdienst zu Gast in der Lukaskirche, und auch in diesem Jahr haben neben PatientInnen der Klinik wieder etliche Menschen aus der Region den Weg in die Lukaskirche gefunden, für die der „Gospelsommer“ mittlerweile ein festes Datum im Kalender darstellt.

Sklaven in Amerika haben den Gospel erfunden, aus ihrer Heimat verschleppte ausgebeutete Menschen, ohnmächtig und doch stark in ihrem Glauben und voller Hoffnung und Begeisterung, und eben diese Hoffnung und Begeisterung auch in schwierigen Zeiten macht den „Spirit“ dieser Musik aus. Und auch in diesem Jahr war es wieder beeindruckend, wie manche Menschen, die mit gesenktem Blick und schleppendem Schritt den Raum betreten hatten, sich nach und nach mitnehmen ließen von dieser Musik, wie die Gesichter weicher wurden, die Körperhaltung gelöster, wie gar ein erstes zaghaftes Lächeln sich hervortraute. Andere, weniger introvertierte Menschen hingegen hielt es von Anfang an nicht lange auf ihren Stühlen, sie ließen sich vom Schwung der Musik mitnehmen und bewegten sich dazu.

Im „Spirit“ dieser Musik haben wir dann im Gottesdienst am Sonntag die Taufe einer Patientin gefeiert. Die inhaltliche Ausrichtung hatte die Patientin mit der von ihr für diesen Gottesdienst gewünschten Geschichte von „Daniel in der Löwengrube“ selbst vorgegeben – und die „Löwengrube“ mitsamt ihren Assoziationen von unmittelbarer Gefahr,  eingesperrt sein , nicht weglaufen können und ausgeliefert sein  erwies sich als ein starkes Bild für vieles, was nicht wenige der am Gottesdienst Teilnehmenden in ihrem eigenen Leben erfahren mussten – und in der Geschichte von Daniel war dieses dann doch aufgefangen in dem Bild vom Engel Gottes, dem starken Helfer an der Seite Daniels in der Situation von Ohnmacht und Ausweglosigkeit, der diese Situation für ihn überhaupt erst überlebbar gemacht hat.

Am Sonntag darauf waren dann die „Street Doves“ zu Gast in der Lukaskirche, ebenfalls in bester Erinnerung seit ihrem Auftritt im vergangenen Jahr. Musik von Mahalia Jackson, Jonny Cash und anderen Größen des Gospel stand auf ihrem Programm, aber auch Songs und Balladen von Elvis Presley und anderen und nicht zuletzt eigene Werke. Die Street Doves haben sich getraut, in diesem Konzert in der Lukaskirche auch von eigenen Lebenskrisen und Psychiatrie-Erfahrungen zu erzählen, das verlieh ihrem Auftritt neben der musikalischen Qualität eine große Authentizität, und bei „Crying in the Chapel“ (M. Jackson) hätte man eine Stecknadel fallen hören können, das hat viele Menschen tief berührt. Am Ende des Konzerts stellte sich dann heraus, dass mit „Claraluna“ aus Duderstadt noch eine zweite Gruppe unter den Zuhörenden in der Lukaskirche saß, und spontan haben sich dann beide Gruppen zusammen mit Musik von „Barclay James Harvest“ verabschiedet – mächtiger Sound, große Begeisterung.

Gospelworkshop am 16. Juni 2018, Gospelgottesdienst am 17. Juni 2018, Gospelkonzert 24. Juni 2018

Minnesänger in der Lukaskirche, 22.04.2018

Ein Hauch von Mittelalter erfüllte die Lukaskirche, als am 22.04.2018 der Minnesänger Holger Schäfer, gekleidet in das Gewand der fahrenden Sänger des Mittelalters, zur Harfe griff und seine Lieder vortrug: Lieder von Frühling und Liebe, entstanden zu der Zeit, als die Burg Plesse oder der Hanstein gerade gebaut waren und Ritter und adlige Burgfräulein sich an den Liedern der fahrenden Sänger erfreuten.

Lieder voll Sehnsucht und Verlangen, voll Höflichkeit und auch Verzicht - alle großen Gefühle waren da im Spiel, professionell und leidenschaftlich vorgetragen vom Minnesänger des Jahres 2012, der sich auf der Harfe selber begleitete und zu allem auch noch mindestens eine spannende Geschichte zu erzählen wusste- mal zart und zurückhaltend, mal augenzwinkernd doppelbödig.

Und so dauerte es auch nicht lange und der Funke war übergesprungen; und als dann auch noch die Sonne durch die Wolken brach und die Buntglas-Fenster der Kirche zu leuchten begannen, war der Zauber aus Musik und Licht perfekt.

"Da sein … ? Da sein!" Singen und Schweigen, 06.04.2018

Da sein … ? Da sein!

Zu einem weiteren Nachmittag des musikalisch-meditativen Formats „Singen und Schweigen“ hatte die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge neugierige Menschen am 06.04.2018 in das Sozialzentrum in Göttingen eingeladen. Ingeborg Erler, Organistin an der Lukaskirche und Musiktherapeutin, hatte ihr Monochord mitgebracht, ein schon seit der Antike bekanntes faszinierendes Saiteninstrument. Mit seinen unaufdringlichen stillen Klängen lud es alle im Raum ein, selber auch in der Stille anzukommen, das „Jetzt“ des  Augenblicks zu spüren, die Sinne zu schärfen, so ganz bei sich selbst zu sein und – zumindest für die Dauer dieses Nachmittags – mit sich selbst befreundet zu sein. „Da sein“ – das war das Thema der ersten Runde des Nachmittags. Ein „Peace Chant“ aus Dakar im Senegal in Westafrika half uns dazu, uns selber zum Klingen zu bringen – exotische, ganz einfach strukturierte Musik, die dazu einlud, den eigenen Klang zu entdecken, ihn zuerst tastend und vorsichtig auszuprobieren und so nach und nach mit ihm vertraut zu werden.

Aber dabei haben wir es nicht belassen. In der zweiten Runde des Nachmittags ging es um das „wie“ des Daseins: da sein nicht nur zufällig und passiv, als Spielball der Launen des Alltags oder gar als Opfer der Umstände … Einige Körperübungen halfen uns dazu, als aufgerichteter Mensch ganz im Gleichgewicht, ganz wach und präsent, eben ganz da zu sein und darüber zu spüren, wie mit dem Klang im derart aufgerichteten Leib eine gesunde, zentrierte innere Stärke einhergehen und wachsen kann. Wir haben uns erlaubt, akustisch uns den Raum zu nehmen, den wir gerne haben möchten und dies auch als Ausdruck unserer inneren Freiheit und Würde zu verstehen. Und so stand am Ende der zweiten Runde, entwickelt aus den Klängen des „Peace Chant“ und des Monochords, ein machtvoller großer Klang im Raum, ganz anders als die vorsichtigen und verzagten Klänge des Anfangs.

Ein einfaches Lied und ein einfaches Instrument, die eigene Stimme und der eigene Körper, Stille und ein paar spirituelle Impulse – mehr brauchte es nicht für das Erlebnis eines inspirierenden Nachmittags. „Ich habe gefunden, gefunden, gefunden …“ mit diesen Worten drückte es eine Teilnehmerin in der Feedback-Runde aus.

Singen und Schweigen, 22.09.2017

Zur zweiten Veranstaltung dieses meditativen Formats lud die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge am 22.09.2017 neugierige Menschen in das Sozialzentrum in Göttingen ein - und schnell war zu spüren, wie gut das, was beim ersten Hören so gegensätzlich klingt, zueinander passt und sich gegenseitig ergänzt. Der eigene Atem stand im Zentrum der Veranstaltung, das Gefühl, dass Leben mir zufließt ganz von selbst beim Einatmen - und dass ich diesen Atem auch getrost wieder loslassen kann, weil ganz sicher und ganz von selbst der nächste Impuls zum Einatmen kommen wird. Singend und schweigend haben wir dieses Vertrauen in den Grundrhythmus unseres Lebens meditiert und uns miteinander auf den Weg gemacht, in dieser Weise unser "Ja" zum Leben zum Klingen zu bringen.

Eine Klaviermeditation von Matthias Nagel über einen Vers aus dem 90. Psalm ("Zeitlos. Du, Gott, bist Anfang und Ende") stand im Zentrum des letzten Teils der Veranstaltung. Ein großer Klang füllte am Ende den Raum, entwickelt aus dem Schlussakkord der Klaviermeditation und einem Gong, und miteinander haben wir singend und schweigend der Energie dieses Klangs nachgespürt, haben uns mit unseren Stimmen diesen Klang zu eigen gemacht und uns in ihm bewegt.

Ein gutes, erfülltes Gefühl stand am Ende, es hätte gut so noch weitergehen können und das auch häufiger als nur zweimal im Jahr - das war die einhellige Meinung aller Teilnehmenden. Deswegen soll "Singen und Schweigen" in Zukunft viermal im Jahr stattfinden.

Ein Männlein steht im Walde: Criminal Tango? Große Oper? Düstere Melancholie? - Musikwerkstätten 2017

Ein Rückblick auf die Musikwerkstätten 2017 im Asklepios Fachklinikum Göttingen

Geht alles - und noch viel mehr! Ein simples Kinderlied, viele ganz unterschiedliche Stimmungen: Wir haben es ausprobiert in der dritten Musikwerkstatt der musikalischen Projektarbeit der Klinikseelsorge am 12. Mai, nur mit unseren Stimmen und unserer Phantasie, und es hat viel Spaß gemacht. Das war schon ganz erstaunlich, zu welcher Bandbreite an Klängen die Sängerin und Gesangspädagogin Gundula Bernhold die TeilnehmerInnen inspirieren konnte. Aber nicht nur die ausgelassenen und übermütigen, auch die mehr nach innen gewandten, meditativen Klänge hatten ihren Ort in dieser Musikwerkstatt.

Eine Woche zuvor hatte Ingeborg Erler, Musikerin, Musiktherapeutin und Organistin der Lukaskirche, zur zweiten Musikwerkstatt einige ihrer Rhythmusinstrumente mit gebracht. Große Congas waren dabei, auch wieder die faszinierende kleine Sansula aus Afrika und sogar eine kleine Badewannen-Quietschente - auch damit lässt sich Musik machen. Es war ausgiebig Gelegenheit, die Vielfalt von Klängen und Rhythmen auszuprobieren und sich auch mit einigen anzufreunden, die vielleicht gerade gut zur eigenen Lebenssituation passten. Von "A" wie "aggressiv" bis "Z" wie "zärtlich" haben wir schließlich die ganze Palette emotionaler Befindlichkeiten klanglich ausgelotet.

Ganz auf den erwachenden Frühling ausgerichtet war die erste Musikwerkstatt mit der Physiotherapeutin Monika Althoff. Mit einigen Qui-Gong-Übungen haben wir uns zu Beginn auch körperlich eingefühlt in den überall aufblühenden Frühling, und in langen musikalischen Bögen haben wir dann unserer Phantasie freien Lauf gelassen.

Mit dem Liederfrühling am 19. und 21.05.2017 klang die Reihe der Musikwerkstätten dann schließlich aus. Am Freitag war Gelegenheit, in der vierten Musikwerkstatt neue geistliche Lieder von den meditativen Gesängen aus Taizé bis hin zu schwungvollen brasilianischen Melodien kennenzulernen, und am Sonntag trafen sich dann viele sangesfreudige Menschen zum Liedergottesdienst in der Lukaskirche und füllten die Kirche mit ihrem Klang. Es tat gut, einfach zusammen mit den anderen in diese Klänge einzutauchen und sich mitnehmen zu lassen und mitzusingen oder aber auch zuzuhören und seinen ganz persönlichen Gedanken nachzuhängen.

Am Nachmittag des gleichen Sonntags gab es dann zum Abschluss der gesamten Reihe ein letztes Highlight: David Bosem sang Lieder neue geistliche Lieder und begleitete sich dazu auf der Gitarre.

Als letzte Veranstaltung im ersten Halbjahr luden wir im Juni wieder zum Gospelsommer ein. Erstmalig zu Gast in der Lukaskirche war die Göttinger Gruppe "Street Doves". Mit einem Konzert am Sonntag, dem 11.06.2017 um 16:30 Uhr in der Lukaskirche eröffneten sie den Gospelsommer. Die "Street Doves" spielen gerne Gospel, Blues und Verwandtes und schreiben über sich selbst: "Wir sind Straßentauben - ein Rastaman aus Barbados und zwei hiesige Weltbürger auf der Suche nach den glücklichen musikalischen Momenten - und auf der Suche nach Gleichgesinnten, die diese Augenblicke gerne mit uns teilen ..."

Eine langjährige gute gemeinsame Geschichte verbindet uns mittlerweile mit den Sängerinnen und Sängern des Gospelchors "Together" und ihrer Leiterin Gosia Borree. Am Samstag, dem 17.06.2017 gestalteten sie ab 16:00 Uhr wieder den Gospelworkshop im Sozialzentrum (Seminarraum). Wer mochte, konnte sich einfach zwischen die Sängerinnen und Sänger des Gospelchors setzen und sich so in das Gospel-Feeling mitnehmen lassen.

Den Abschluss des Gospelsommers bildete dann der ökumenische Gospelgottesdienst am Sonntag, 18.06.2017 ab 9:30 Uhr in der Lukaskirche. Wer mochte, konnte sich in diesem Gottesdienst mit einem persönlichen Wort segnen lassen.

Singen und Schweigen, 18.02.2017

Zum ersten Mal hatte die musikalische Projektarbeit der Klinikseelsorge zu "Singen und Schweigen" eingeladen, und der große Seminarraum im Sozialzentrum Göttingen war erstaunlich gut gefüllt: 35 Menschen waren gekommen, einige mit viel sängerischer Erfahrung, andere ganz ohne, manche mit langjähriger eigener Meditationserfahrung, wieder andere ganz ohne, eine bunt zusammengewürfelte Menschenschar aus dem Krankenhaus und seinen Umfeld und aus der gesamten Region, alle mit großer Neugier, Offenheit und Lust, sich auf das auf den ersten Blick so ungewöhnliche Angebot dieses Nachmittags einzulassen.

Zweimal sind wir in großer Achtsamkeit und mit ganz viel Zeit diesen  Weg hin- und hergegangen: aus großer Stille in den großen Klang, in die große Stille und noch einmal in den großen Klang. Ein eindrucksvolles Erlebnis.

"Ich hätte mir bis heute nicht vorstellen können, dass zehn Minuten Stille so wohltuend sein können und so schnell vorbei sein können", sagte eine Frau in der Abschlussrunde. Für andere stand das Sich - Hineinbegeben in den Klang im Vordergrund, das Entdecken und Ausfüllen der eigenen Klangräume und des Raumklangs. Ein großer Gong hat uns dabei behutsam Hilfestellung geleistet.

Es hat Spaß gemacht, diesen Weg ein Stück weit miteinander auszuprobieren. Viel Potenzial liegt da noch verborgen. Manches werden wir dabei noch verändern, aber auch in Zukunft wird es "Singen und Schweigen" geben.

Konzertmeditation mit Anselm Grün und Hans-Jürgen Hufeisen, 19.11.2016

"Du bist ein Segen"

Unter dieser Überschrift hatte die Klinikseelsorge anlässlich des 150-jährigen Krankenhausjubiläums zwei Menschen eingeladen, die selber viel Segen in ihrem Leben erlebt haben und viel davon weiterzugeben haben: den Benediktiner-Pater Anselm Grün aus Münsterschwarzach und den Blockflötenspieler Hans-Jürgen Hufeisen.

Es war eindrucksvoll, was Anselm Grün über den Segen zu sagen hatte, formuliert in freier Rede ganz ohne Manuskript. Und eindrucksvoll war auch die Ausstrahlung, die von ihm ausging: Da war ein Mensch zu erleben, der konzentriert und so ganz bei sich selbst war. Und diese Ruhe, diese innere Sammlung und Gelassenheit strahlte aus in den Saal des Sozialzentrums. Ungefähr 230 Menschen waren gekommen, und immer wieder wurde es so still, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können.

Mit einem Sortiment ganz verschiedener Flöten war Hans-Jürgen Hufeisen nach Göttingen gekommen, und auch er faszinierte die Zuhörenden mit seinem Blockflötenspiel: Unglaublich seine Virtuosität, wie rasend schnell sich seine Finger auf diesen kleinen Instrumenten bewegen konnten und was für Töne er seinen Flöten entlocken konnte. Und berührend war die meditative Schlichtheit, mit der er zum Schluss das Volkslied „Guten Abend, gute Nacht“ auf seiner Flöte spielte, bis nach und nach auch die  Zuhörenden mit einstimmten und das Lied mitsangen oder mitsummten.

Thomas Strauß am Keyboard war ihm dabei ein technisch souveräner und  einfühlsamer Begleiter. „Dieser Tag wird noch lange in uns nachklingen“ - das war das Echo bei vielen Menschen am Abend nach der Veranstaltung und auch noch in den Tagen danach.

Die kleine Sansula aus Afrika ... - Musikwerkstätten 2016

Die kleine Sansula aus Afrika ...

... war unbestritten die Größte bei der zweiten Musikwerkstatt der musikalischen Projektarbeit am 09.09.2016. Das ist ein faszinierendes kleines "Daumenklavier" aus federnden Metallzungen, die mit den beiden Daumen gespielt werden und auf eine exotische, aber niemals dissonante Art gestimmt sind.

Andere dezente Instrumente gesellten sich dazu, und schnell breitete sich eine exotische Atmosphäre im Raum aus.

Aber auch die großen Bongos und Congas wurden ausgiebig genutzt, und deutlich war da zu spüren, wie ganz allmählich die "inneren Bremsen" sich lösten und mit Lust und Leidenschaft getrommelt wurde, bis die Hände schmerzten.

Ganz anders strukturiert waren die erste und die dritte Musikwerkstatt.

Hier standen Atem und Stimme im Zentrum. "Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen" - das Gedicht von Rainer Maria Rilke mit seinen faszinierenden Bildern bot den Teilnehmer/innen der ersten Musikwerkstatt am 26.08.2016 viele Anregungen, diese Bilder in Klänge umzusetzen und dabei über das eigene Ich und die eigenen Lebensgeschichte zu meditieren. Miteinander entwickelten die Teilnehmer/innen einen eindrucksvollen Klangteppich, über den dann einzelne Sätze des Gedichts in einer Art Sprechgesang deklamiert wurden.

Ein intensives Erlebnis der dritten Musikwerkstatt am 16.09.2016 war der gemeinsam gesungene Gospel "Amazing grace", den einige Teilnehmer/innen noch aus dem Gospelworkshop in Erinnerung hatten. Hierbei standen die Teilnehmer/innen im Kreis in einem breiten weichen Gummiband, in das sie sich hineinlehnen konnten und so während des Singens Halt und Stütze  im Lendenbereich und zugleich die Freiheit zu behutsamen Schwingen erleben konnten.

Es hat Spaß gemacht und es hat gut getan - und manch eine/r, der/ die bislang geglaubt hatte, nicht singen zu können und überhaupt ganz unmusikalisch zu sein, entdeckte da ganz neue Seiten an sich selbst. Auch im kommenden Jahr wird es wieder eine Serie von Musikwerkstätten geben.

Sie sind interessiert? Sprechen Sie mich an

Pastor Wolf-Friedrich Merx

Klinikseelsorge an der Asklepios Psychiatrie Niedersachsen GmbH
Projekt "Musik als Ressource in der seelsorglichen und spirituellen Praxis im Krankenhaus"

Tel.: +49 551 402-2883
E-Mail: w.merx@asklepios.com

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