Therapie unter kultursensitiven Aspekten

Schwerpunkt Kulturen, Migration und psychische Krankheiten

Andere Länder, andere Leiden

Blick vom Hauptgebäude Richtung Minigolf-Anlage

Die psychotherapeutisch/psychiatrische Arbeit mit Patienten anderer ethnischer und kultureller Herkunft bedarf besonderer Kenntnisse, um bestimmte Beschwerden nicht als kulturelle Besonderheit abzutun, kulturspezifische Symptome aber auch tatsächlich als solche zu erkennen.

Das Behandlungskonzept unseres Schwerpunkts stimmen wir individuell auf jeden einzelnen Patienten ab, wobei wir neben biologischen, psychologischen und sozialen Aspekten auch kulturelle Faktoren berücksichtigen. Unser Ziel ist es außerdem, die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Patienten wiederherzustellen und sie darin zu bestärken, besser mit ihrer Krankheit und deren Auswirkungen umzugehen.

Nach unserem Göttinger Konzept von 1997, das wir regelmäßig weiterentwickeln und anpassen, wird jeder Patient mit Migrationsgeschichte – unabhängig von seiner Herkunft – ausschließlich wegen seiner Symptomatik beziehungsweise Störung auf die Akut-, Sucht- und Psychotherapiestation beziehungsweise in die Gerontopsychiatrie aufgenommen oder in der psychiatrischen Institutsambulanz behandelt. Alle Patienten können je nach Indikation (Heilanzeige) und ihren Wünschen entsprechend alle Möglichkeiten der Psychotherapie und Lebensschule, der Arbeitstherapie, Sozialtherapie und des Sozialzentrums nutzen.

Unser Göttinger Konzept basiert auf folgenden Grundelementen:

  • bilinguale/muttersprachliche Behandlung
  • Konsilium (Untersuchung und Beratung durch mehrere Ärzte) bei allen kultur- oder migrationsspezifischen Angelegenheiten
  • Gruppentherapie
  • Arbeit mit qualifizierten Dolmetschern
  • sprachreduzierte Ansätze

Türkischstämmige Patienten können sich zum Beispiel etwa gegenüber einem muttersprachlichen Therapeuten in ihrer Sprache mitteilen und werden von ihm auch verstanden.

Viele Patienten haben schon eine lange „Patientenkarriere“ hinter sich. Denn ohne adäquate sprachliche Fähigkeiten des Therapeuten ist eine Beschreibung von Symptomen kaum möglich. Die Folgen sind häufig Fehlinterpretationen oder eine kulturell übersensible Beurteilung.

Um den Bedürfnissen von Migranten in der psychiatrisch/psychotherapeutischen Versorgung gerecht zu werden, haben wir fortlaufend weitere Konzepte entwickelt.

Wir betreiben aktive Netzwerkarbeit und stehen Kolleginnen und Kollegen für aktuelle Informationen, regelmäßige Fortbildungen und Fragen auf diesem Gebiet gern zur Verfügung.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

  • ambulante Behandlung und bei entsprechender Indikation (Heilanzeige) auch stationäre Aufnahme
  • Beratung bei allen kultur- oder migrationsspezifischen Fragen sowie kultursensible Diagnostik
  • individuell angepasste Therapie
  • bei Indikation (Heilanzeige): Weitervermittlung an externe Institutionen wie zum Beispiel
    • Frauenhäuser
    • Migrationsberatungszentren
    • Rechtsberatungen
  • Unterstützung, Beratung, Training und Fortbildung von Einrichtungen zur interkulturellen Öffnung, zum Beispiel speziell im Gesundheitswesen
  • Entwicklung, Ausarbeitung und Fortführung von Konzepten zu transkulturellen psychiatrisch-psychotherapeutischen Angeboten
  • psychiatrisch/psychologische Begutachtungen
  • die Möglichkeit für Patienten, sich bei Anwesenheit von Kollegen mit entsprechenden Sprachkenntnissen, in der Muttersprache auszudrücken (zum Beispiel türkisch, englisch, russisch, spanisch, französisch)
  • kultursensible Therapie beziehungsweise Vermittlung von qualifizierten Therapeuten

Das sind unsere Behandlungsziele

  • adäquate Behandlung von Patienten mit Migrationsgeschichte entsprechend ihren Anliegen und ihrer Symptomatikk
  • durch kultursensible Herangehensweise Patienten in ihrem Kontext verstehen und ihnen die Behandlungsziele und -vorgehen vermitteln
  • Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Patienten
  • Vermittlung von Bewältigungsstrategien
  • Steigerung der Lebensqualität der Patienten

Diese erreichen wir durch

Unsere Elemente der kultursensitiven Behandlung als Ganzes
  • bilinguale, muttersprachliche Behandlung
  • Einsatz von qualifizierten Dolmetschern
  • bei Bedarf Weitervermittlung an andere Institutionen des Netzwerks
  • Patienteninformationen in verschiedenen Sprachen
  • sprachreduzierte ressourcenaktivierende Gruppen
  • sprachreduzierte Trauma-Stabilisierungs-Gruppe
  • ein kultursensibles interdisziplinäres (fachübergreifendes) Behandlungsteam

Unsere Qualitätsmerkmale

  • regelmäßige Personalschulungen
  • kontinuierliche transkulturelle Supervision/Intervision
  • curriculare (lehrplangebundene) Sensibilisierung bereits in der Ausbildung in unserem Haus
  • Dolmetscher-Qualifizierung
  • Kooperationen und Austausch mit anderen in diesem Bereich aktiven Institutionen und Einrichtungen
  • Informationen (Veranstaltungen, Material etc.) für niedergelassene Professionelle im Gesundheitswesen
  • gesellschaftspolitisches Engagement

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