Enddarmerkrankungen

(Proktologie)

DER ERSTE SCHRITT: DIE RICHTIGE DIAGNOSTIK

Proktoskopie (Spiegelung des Analkanals)

Die Untersuchung findet mit einem kurzen rohrförmigen Gerät statt und kann ambulant in unserer proktologischen Sprechstunde ambulant erfolgen.

Rektoskopie (Mastdarmspiegelung)

Mittels der Rektoskopie kann der gesamte Enddarm (Mastdarm) auf einer Länge bis maximal 20 cm untersucht werden. Die Rektoskopie kann in unserer proktologischen Sprechstunde ambulant erfolgen, um die weitere Therapie zu planen.

Endosonographie (Ultraschalluntersuchung)

Die Endosonographie stellt die Kombination der Ultraschalluntersuchung mit der Endoskopie dar und ermöglicht die Sonographie im Körperinneren. Die Endosonographie des Analkanales und des Enddarmes erfolgt durch eine Sonde. Dabei kann zunächst der Schließmuskel in Bezug auf Erkrankungen untersucht werden. Wichtig ist die Endosonographie auch bei Enddarmtumoren zur Beurteilung der Tumorgröße und von Lymphknotenvergrößerungen.

CT - Computertomografie

MRT - Magnetresonanztomografie

 

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

In unserer Klinik werden unter anderem folgende Operationen durchgeführt:

  • Abszess-Operationen
  • Analfistel-Operationen (Fistelexzisionen, Mucosa-Flap-Plastik)
  • Entfernung von Enddarmpolypen durch den After (transanal)
  • Fissuroperationen
  • Hämorrhoiden-Operationen (Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan und Ferguson)
  • Mariskenentferungen
  • Condylomentfernungen
  • Operationen bei Mastdarmvorfall (Operation nach Rehn-Delorme, Rektopexie)
  • Steißbeinfistel-Operationen (offene Behandlung)
  • Tumoroperationen bei bösartigen Erkrankungen  (Dickdarmkarzinom)
  • Dickdarmresektion bei Sigmadivertikulitis

Analabszess, Analfistel

Beim Analabszess (Eiteransammlung) handelt es sich um eine akute Entzündung, die eine sofortige operative Therapie erfordert. Die Eiteransammlung kann sich nach außen spontan entleeren oder muss chirurgisch eröffnet (exzidiert) werden. Anderenfalls bildet sich eine Analfistel aus. Analfisteln sind die Folge chronischer Entzündungen und führen zu einer fortlaufenden Sekretabsonderung und sollten einer operativen Behandlung zugeführt werden.

Entstehung

Ausgangspunkt der Erkrankung sind die sogenannten "Duftdrüsen„ (Proktodealdrüsen), die sich zwischen dem inneren und äußeren Anteil des Schließmuskels befinden und in den Analkanal münden.

Symptome:

  • Bildung eines Pickels oder Schwellung im Analbereich
  • Absonderung von Eiter
  • Schmerzen

Einteilung der Analfisteln Entsprechend der Klassifikation nach Parks

  • Typ 1           intersphinktäre Analfisteln (sehr häufig) - Fistelverlauf zwischen dem inneren und dem äußeren Schließmuskel
  • Typ 2           transsphinktäre Analfisteln (häufig) - Fistelverlauf durch beide Schließmuskelanteile
  • Typ 3           suprasphinktäre Analfisteln (selten) - Fistelverlauf zwischen Schließmuskel  und Beckenbodenmuskeln
  • Typ 4           extrasphinktäre Analfisteln (sehr selten) - Fistelverlauf außerhalb des Schließmuskels mit Ursprung außerhalb des Enddarmes.
  • Typ 5          submucöse Analfisteln (selten) - Fistelverlauf direkt unter der Schleimhaut., keine Schließmuskelbeteiligung.

Chirurgische Therapie

  • Eröffnung der Eiterhöhle und Schaffung eines Abflusses. Dies führt zu einem schnellen Abklingen der Beschwerden
  • Oberflächliche Analfisteln können sofort operativ beseitigt werden
  • Anlage einer Fadendrainage nach Hippokrates bei Fisteln, die durch den Schließmuskel verlaufen. Der Faden wird zur Drainierung durch den Kanal gezogen und verbleibt zur Verhinderung einer erneuten Abszessbildung. Nach 8-10 Wochen wird die Fistel einer operativen Therapie zugeführt und der Faden wird entfernt.

Die Dauer des stationären Aufenthaltes bei Fisteloperation beträgt ca. 3-5 Tage.
Zur Nachbehandlung gehören tägliche Sitzbäder und bei fester Stuhlkonsistenz medikamentöse Stuhlregulation (z.B. Paraffinöl (Obstinol)

Analfibrom

Ein Analfibrom ist eine Vergrößerung der Analpapille durch vermehrte Reizzustände.

  • häufig bei oberflächlichen Einrissen der Analschleimhaut (Analfissur)
  • Größe: von 1-2 cm

Symptome:

  • können beim Stuhlgang aus dem After herausrutschen
  • Fremdkörpergefühl

Analfissur (Afterriss)

= Längsriss im Bereich des Aftereinganges

Mögliche Ursachen:

  • Harte Stuhlkonsistenz bei chronischer Verstopfung
  • Hämorrhoidalleiden
  • Anhaltender Durchfall
  • Stress
  • Lokale Durchblutungsstörungen

Symptome:

  • Schmerzen beim Stuhlgang insbesondere bei hartem Stuhlgang

 Formen:

  • Akute Analfissur
  • Chronische Analfissur (Beschwerden > 6 Wochen)

Akuten Analfissur:

Konservative Therapie (häufig):

  • Medikamentöse Stuhlregulation  zur Erzielung eines weichen Stuhlganges.
  • Schmerztherapie
  • Ggf. Senkung des Schließmuskeldrucks durch Salben (Nitroglycerin, Diltiazem) erzielt werden.

Chirurgische Therapie (bei sehr starken Schmerzen):

  • Verschorfung der Analfissur (kurze Operation in Narkose)

Chronischen Analfissur:

  • Chirurgische Entfernung der chronischen Analfissur ohne Verletzung des Schließmuskels  Nachbehandlung mit Sitzbädern.

Analvenenthrombose

= Blutgerinnsel unter der Haut direkt am Afterrand vor

Entstehung: Meist plötzlich nach einem festen Stuhlgang, da vermehrtes Pressen den Blutabfluss aus dem Gewebe verhindert.

Symptome:

  • Bis zu 2 cm großen, sehr schmerzhaften Knoten am After
  • Erhebliche anale Schmerzen

Therapie:

Ausschneiden der akut aufgetretenen Perianalvenenthrombose (Wunde bleibt offen, Patient verspürt nach der Operation eine sofortige Erleichterung von den Schmerzen) - Tägliche Sitzbäder

Analkarzinom

Analkarzinom ist eine bösartige Erkrankung des Analkanals

Symptome:

Juckreiz, Blutungen, Fremdkörpergefühl, Schmerzen, Stuhlschmieren in der Unterwäsche, vergrößerte Lymphknoten (insbesondere in der Leistenregion), Metastasen in Leber oder Lunge

Diagnostik:

  • Rektoskopie
  • Proktoskopie
  • Entnahme von Gewebsproben

Therapie:

  • Bestrahlung und Chemotherapie

Falls der Tumor nach der Bestrahlung und Chemotherapie noch nachweisbar sein sollte oder ein erneutes Analkarzinom auftreten sollte (Tumorrezidiv), so muss der gesamte Mastdarm entfernt werden.

Divertikulose

= erworbene Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Lücken in der Darmwandmuskulatur (Divertikel).

Lokalisation der Divertikel:  0 bis 90% im sogenannten Colon sigmoideum (Dickdarmabschnitt vor dem Enddarm (Mastdarm)

Entstehung: Die genaue Ursache der Divertikulose ist ungeklärt.

Risikofaktoren: ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel und Alterungsvorgänge.

Symptome: Ca. 70% aller Patienten mit Divertikeln sind lebenslänglich ohne jegliche Symptome (keine Operation notwendig). Die Divertikulose führt nicht zu Beschwerden.

Bei einer Entzündung (Divertikulitis) können folgende Beschwerden nachweisbar sein:

  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Vermehrte Luftfüllung (Meteorismus)
  • Völlegefühl
  • Linksseitige Unterbauchschmerzen
  • Veränderung der Stuhlgangsfunktion
  • Fieber

Diagnostik:

  • Computertomografie
  • Darmspiegelung (erst nach Abklingen der akuten Beschwerden)

Mögliche Folgen und Komplikationen der Divertikulitis:

Nach mehrmaliger Divertikulitis kann es zu einer Eiteransammlung direkt neben dem Darm (gedeckte Perforation) oder zu einem Platzen (Ruptur) des Darmes in die Bauchhöhle mit Ausbildung einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Durch die Divertikulitis können auch Fisteln (Verbindungen) zu anderen Organen (Harnblase, Vagina, Dünndarm) auftreten. Ferner kann eine Enge (Stenose) des Darmes auftreten.

Konservative Therapie:

  • Antibiotikatherapie und verminderte Nahrungsaufnahme =  dadurch klingen die Mehrzahl der Entzündungen ab.                                        

Operative Therapie: 

  • Bei Durchbruch des Darmes mit Eiteransammlung und Peritonitis (Bauchfellentzündung). Hier muss oft eine Notfalloperation erfolgen, bei der möglicherweise für einige Wochen ein künstlicher Darmausgang angelegt werden muss.
  • Bei lokaliisierter Eiteransammlung ohne Bauchfellentzündung kann in einigen Fällen zunächst auch die Einlage eines Drainageschlauches unter CT-Kontrolle durchgeführt werden. Im Intervall sollte dann nach Abklingen der Entzündung eine Operation erfolgen.
  • Bei mehreren Schüben einer Divertikulitis sollte eine geplante Operation erfolgen (chirurgische Entfernung des betroffenen Darmanteils (Colon sigmoideum). Die gesunden Darmenden werden dann mittels einer Naht (Anastomose) verbunden. Diese Operation kann offen über einen Bauchschnitt oder minimal invasiv über mehrere kleine Bauchschnitte erfolgen.

Feigwarzen (Condylomata accuminata)

= durch Viren hervorgerufene Hautveränderungen im Anal- und Genitalbereich.

Übertragung:

  • meist durch direkten Kontakt
  • Gehäuftes Auftreten bei immungeschwächten Patienten (vor allem HIV-Infektionen) auf.

Chirurgische Therapie:

  • Die Hautveränderungen werden durch elektrischen Strom oberflächlich verschorft und die Viren hierbei abgetötet

Hämorrhoiden - Hämorrhoidalleiden

Definition der Hämorrhoiden: = mit hellrotem Blut gefüllte Gefäßpolster, die zusammen mit innerem und äußerem Schließmuskel für die Abdichtung des Enddarmes nach außen (Stuhlkontinenz!) sorgen.

Symptome:

  • Brennen
  • Juckreiz
  • Nässen in der Analgegend
  • hellrote Blutabgänge auf dem Stuhl oder  auf dem Toilettenpapier
  • Vorfall von Hämorrhoiden beim Stuhlgang (fortgeschrittenes Stadium)

Ursache: = Abflussstörung des Blutes aus dem Hämorrhoidalgefäßgeflecht durch  Druckerhöhung im Schließmuskelbereich.

Insbesondere bei:

  • sitzender Tätigkeit
  • ballaststoffarme Ernähung mit zu geringen Trinkmengen
  • falsches Stuhlverhalten (starkes Pressen, Abführmittel)
  • Übergewicht
  • Schwangerschaft

Diagnostik:

  • Rektoskopie
  • Proktoskopie

Stadien von Hämorrhoiden:

  • Hämorrhoiden I      =  leichte Vergrößerung der Hämorrhoiden (innere Hämorrhoiden).
  • Hämorrhoiden II      =  Hämorrhoiden treten beim Pressen kurzfristig hervor (“Vorfall”) und treten danach selbständig zurück.
  • Hämorrhoiden III    = Vorfall beim Stuhlgang oder bei körperlicher Belastung. Die Hämorrhoidealknoten müssen oft zurückgedrückt werden.
  • Hämorrhoiden IV     = ständiger Vorfall der Hämorrhoidealknoten

Therapie:

  • Ballaststoffreiche Ernährung:  Müsli, Vollkornbrot, Rohkostsalat, Obst, Milchprodukten, ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (2-3 Liter / Tag).
  • Medikamentöse Stuhlregulation:  Quellmittel (z.B. Flosamen) sollen für eine weiche Stuhlkonsistenz sorgen, sodass kein starkes Pressen beim Stuhlgang notwendig ist.
  • Operative Therapie: Bei starken ausgeprägter Schwellung müssen zuerst abschwellende Maßnahmen durchgeführt werden, bevor eine Operation erfolgen kann. 
    Verödung (Sklerosierung) = Einspritzen eines Mittels in die Hämorrrhoide, damit die Blutzufuhr vermindert wird (ambulant bei Hämorrhoiden 1.-2. Grades)
    Konventionelle Hämorrhoidenoperationen (Operation nach Milligan-Morgan) = Ausschneiden der vergrößerten, Hämorrhoidalknoten und Vernähen der Schleimhaut.

Fisteln bei Morbus Crohn

Abszedierungen (müssen immer operativ behandelt werden, um einer weiteren Zerstörung des Gewebes durch die lokale Entzündung vorzubeugen) >> Einlage einer Fadendrainage oder chirurgisches Ausschneiden der Fistel (Exzision)

Marisken (Hautfalten)

Definition: = kleinere oder auch größere Hautfalten um den Enddarmausgang

Symptome:

  • Größere Marisken können sich entzünden
  • Probleme bei Analhygiene

Therapie: Chirurgische Entfernung der Marisken

Mastdarmvorfall (Rektumprolaps)

Definition: = Herausdrücken des Mastdarms aus dem After

Ursache: Schwäche der Haltestrukturen des Enddarmes mit Beckenbodensenkung

  • häufig nach mehreren Geburten
  • als Folge von Verstopfung und vermehrtem Pressen bei der Stuhlentleerung

 

Symptome:

  • Inkontinenzbeschwerden
  • Stuhlschmieren
  • Blutungen
  • Schleimabgang

 

Chirurgische Therapie:

  • Abdominelle Rektopexie: Die Operation erfolgt über die Bauchwand  - hierbei wird der Enddarm rundherum mobilisiert, gestrafft, in den Bauchraum hineingezogen und am Kreuzbein befestigt.
  • Operation nach Rehn-Delorme: Die Operation erfolgt über den Enddarm. Hierbei wird die Schleimhaut des überstehenden Enddarmanteiles abgelöst und die Wand des Darmes durch Nähte gerafft.

Proktitis (Enddarmentzündung)

Definition: Enddarmentzündung

Ursachen: virale, bakterielle Infekte

Diagnostik: Rektoskopie, Proktoskopie

Typische Beschwerden:

  • Blutungen
  • starker Stuhldrang
  • Durchfälle
  • Schwierigkeiten Stuhlgang zu halten.

Sonderform der Proktitis: Strahlenproktitis = entsteht als Folge der Bestrahlung von bösartigen Tumoren (Z.B. Prostata-, Gebärmutterhals-, Mastdarm- oder Analkarzinom). Dabei entsteht ein Schaden der Schleimhaut, der lebenslang verbleibt.

Behandlung der Proktitis

  • Kortison-Einläufe oder entzündungshemmende Zäpfchen (z.B. „Salofalk“)
  • Medikamentöse Stuhlregulation
  • Ballaststoffreiche Diät.
  • Bei Blutungen lokale Therapie mit Formalin-Lösung oder koloskopische Koagulation

Rektovaginale Fisteln

Definition: =  Verbindungen zwischen dem Enddarm und der Scheide

Ursachen:

  • Geburttraumen = ursächlich sind fehlverheilte Dammriss- und Dammschnittversorgungen
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn) = ähnlich wie bei den Analfisteln bei M.Crohn kann durch die wandüberschreitende Entzündung eine Verbindung zur Scheide auftreten
  • Llokale Entzündungen
  • NachOperationen am Enddarm
  • Eine Sonderform stellen Fisteln zwischen Dickdarm und Scheide dar. Diese entstehen vor allem bei der Divertikelkrankheit durch eine Entzündung des auf der Scheide liegenden Darmanteiles (Sigma) mit lokalem Darmdurchbruch. Voraussetzung ist immer eine vorausgegangene Entfernung der Gebärmutter. In diesem Fall ist eine Entfernung des erkrankten Darmabschnittes erforderlich.

Symptomatik der rektovaginalen Fistel: Unfreiwilliger Abgang von Luft, seltener auch von Stuhl über die Scheide.

Diagnostik:

  • CT mit analer Kontrastmittelfüllung
  • Rektoskopie
  •  Gynäkologische Untersuchung

Therapie: Ausschneiden der Fistel und Vernähen der Wandschichten. Manchmal kann es notwendig sein, vorübergehend einen künstlichen Darmausgang anzulegen, der nach Abheilung der Fistel wieder zurückverlagert wird.

Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis

Entstehung: Haare bohren sich zwischen den Gesäßhälften in die Haut ein und führen auf diesem Wege zu Fisteln (Gänge). Im akuten Entzündungsstadium entsteht eine Eiteransammlung (Abszess), die entweder spontan aufplatzt oder operativ eröffnet werden muss.

Diagnostik: Die Diagnose wird durch die klinische Untersuchung des Arztes gestellt. Eine weiterführende Diagnostik ist nicht notwendig.

Therapie: Operative Entfernung der entzündlichen Hautareale und Fistelgänge. Anschließend bleibt die Wunde offen (sekundäre Wundheilung).

Sollte die Wunde durch den Eiter stark verunreinigt sein, so erfolgt nach der chirurgischen Behandlung für mehrere Tage während des stationären Aufenthaltes die Anlage eines Vacuum-Saug-Verbandbandes, so daß die Keime aus der Wunde gezogen werden.

Weiterbehandlung / Nachsorge: Die Wunde wird zunächst  täglich desinfiziert und steril verbunden. Sie heilt dann vom Wundgrund aus zur Oberfläche hinzu.

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