Zentrum für Knochengesundheit Berlin-Brandenburg

Die orthopädische Klinik der Asklepios Klinik Birkenwerder ist als „Klinisch osteologisches Schwerpunktzentrum“ vom Dachverband Osteologie e.V. zertifiziert worden.

Das „Zentrum für Knochengesundheit Berlin – Brandenburg“ erfüllt die vom Dachverband festgelegten Kriterien für die Versorgung von Patienten mit Knochenerkrankungen, wie z.B. der Volkskrankheit Osteoporose sowie sämtlicher anderer Knochenerkrankungen einschließlich von Knochentumoren, Knochenmetastasen, Knochenentzündungen und Knochennekrosen.

Knochenerkrankungen

Osteoporose

Die Osteoporose - umgangssprachlich als Knochenschwund bezeichnet -  stellt die wesentlichste und am häufigsten vorkommende Erkrankung der Knochen dar. Sie ist eine schleichende, anfangs schmerzfreie Erkrankung, aber eine Knochenkrankheit mit einem hohen Risiko für Knochenbrüche.

Ursachen sind eine Verschlechterung der Knochenqualität durch einen Verlust an Knochenmasse und einen Abbau der architektonischen Feinstruktur des Knochens.

Während sich beim gesunden Erwachsenen Knochenneubildung und Knochenabbau die Waage halten, ist dieses Verhältnis bei der Osteoporose gestört: Entweder wird zu wenig Knochen neu gebildet, oder der Knochen wird vermehrt abgebaut. Durch die Minderung der Knochenqualität steigt das Risiko einen Bruch der Knochen zu erleiden. Rund 40 Prozent aller Frauen und 20 Prozent aller Männer erleiden in ihrem Leben einen durch Osteoporose bedingten Bruch. An der Erkrankung leidet fast die Hälfte der über 70-jährigen, wobei Frauen mindestens zwei Mal so häufig betroffen sind wie Männer.

Die Knochenmasse nimmt etwa in den ersten 30 Lebensjahren zu (in der Jugend wird Knochen aufgebaut), erreicht dann einen Höhepunkt („peak bone mass“) und fällt in den späteren Lebensjahren langsam wieder ab. Besonders stark kann dieser Verlust an Knochenmasse auf Grund der hormonellen Umstellung bei Frauen im Rahmen der Wechseljahre sein (Verlust an Östrogen). Man spricht dann von einer postmenopausalen Osteoporose. Diese ist die häufigste Form der Osteoporose.

Daneben gibt es die sogenannten sekundären Osteoporosen. Diese entstehen als Folge von anderen Erkrankungen oder durch die Einnahme von Medikamenten. Mögliche Erkrankungen, die hier zu Grunde liegen, sind die Rheumatoide Arthritis, das Cushing-Syndrom, der primäre Hyperparathyreoidismus, die Sprue, die Hyperthyreose, der Hypogonadismus, das multipleMyelom und selten die systemische Mastozytose.

Besteht der Verdacht auf eine knocheneigene Erkrankung, müssen erweiterte Diagnoseverfahren zu Hilfe genommen werden; zum Beispiel die Durchführung einer Knochenstanzbiopsie (Probeentnahme aus dem Knochen).

Mögliche Ursachen für eine sekundäre Osteoporose sind:

  • Mangel an Sexualhormonen (Hypogonadismus)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • übermäßige Cortisol-Produktion der Nebennierenrinde (Morbus Cushing)
  • Störungen der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus)
  • Nierenerkrankungen wie Niereninsuffizienz
  • hochdosierter und regelmäßiger Gebrauch bestimmter Medikamente, wie Cortison (zur Behandlung von Rheuma, Asthma oder Allergien), Aromataseinhibitoren (Behandlung vom Mammakarzinom), Antiandrogentherapie (Behandlung vom Prostatakarzinom) und Protonenpumpeninhibitoren (Behandlung von Magenerkrankungen)
  • Tumorerkrankungen unter Beteiligung des Knochensystems (Multiples Myelom, Plasmozytom, Leukämie)

Besteht der Verdacht auf eine Osteoporose oder wurde eine osteoporosetypische Fraktur diagnostiziert, folgen wir dem Diagnoseschema, das durch die Leitlinien des DVO e.V. vorgegeben sind.

Durch ein Gespräch erfragen wir welche osteoporosetypischen Risikofaktoren vorliegen. Eine Messung der Knochendichte mittels DXA-Methode („Dual X-ray Absorptiometry“) an der Lendenwirbelsäule und an der Hüfte und ein normales Röntgenbild der Wirbelsäule würde dann die Diagnose weiter sichern. Ebenfalls wichtig für die Diagnosesicherung ist eine Laboruntersuchung, die andere Ursachen einer Knochenfraktur auszuschließen hilft.

In unserer Klinik, sowie bei unseren Kooperationspartnern, stehen alle wichtigen und modernen Diagnoseverfahren für die Beurteilung der Knochengesundheit zur Verfügung.

Dies bedeutet, dass eine rasche Diagnostik und Einleitung einer adäquaten anti-osteoporotischen Therapie gewährleistet sind. Für eine Therapie der Osteoporose ist es nie zu spät.

Zur Einleitung der Therapie  gegen die Osteoporose stehen uns Maßnahmen der Basistherapie sowie spezifische antiosteoporotische Medikamente für die verschiedenen Phasen der Erkrankung zur Verfügung. Basismaßnahmen sind die Vermeidung von beeinflussbaren Risikofaktoren wie z.B. Rauchen, Sturzprävention, Kalziumreiche Ernährung, Einhaltung von Normalgewicht. Eine Vitamin-D-Gabe ist in der Regel erforderlich.

Für die spezielle Therapie steht uns eine breite Palette von Substanzen, mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, zur Verfügung.

Gerade wenn Operationen an Gelenken und der Wirbelsäule anstehen spielt die Osteoporose eine ganz entscheidende Rolle. Implantate finden keinen optimalen Halt im osteoporotisch-abgebauten Knochen. Seit  2 Jahrzehnten beschäftigen wir uns mit dem Zusammenspiel von Knochen und Implantaten, besonders beim Vorliegen einer Osteoporose. Daraus sind spezifische Therapieansätze entstanden, die ein langes Überleben von Implantaten sicherstellen können.

Die Osteoporose ist aber nicht die einzige Knochenerkrankung, die behandlungsbedürftig ist.

Bei Schmerzen am Bewegungsapparat müssen auch andere Erkrankungen des Skelettsystems bedacht werden. Knochenerkrankungen können vom Knochen selbst ausgehen oder Erkrankungen an anderer Stelle (Nierenerkrankungen, Darmerkrankungen, Hormonstörungen oder sonstige Erkrankungen) können sich am Knochen zeigen. Darüber hinaus gibt es Stoffwechselerkrankungen, entzündliche Erkrankungen, medikamentös bedingte Erkrankungen oder auch bösartige Tumorerkrankungen, die sich am Knochensystem manifestieren können. Dies bedeutet, dass man bei vorliegenden Beschwerden am Knochensystem viele verschiedene Ursachen in Erwägung ziehen und den Patienten daraufhin untersuchen muss. Unser osteologisches Schwerpunktzentrum ist mit der orthopädischen und rheumatologischen Expertise speziell darauf eingestellt.

Morbus Paget (Paget`s Disease)

Morbus Paget ist nach der Osteoporose die zweithäufigste gutartige Knochenerkrankung und kommt familiär gehäuft vor. Die Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt. Im Rahmen dieser Erkrankung kommt es zu übermäßigem Knochenumbau. Dieser Umbau führt letztlich zu einer abnormen Knochenstruktur. Durch diese Knochenumbauten und abnormen Knochenstrukturen werden die betroffenen Knochen anfällig für Brüche (z.B. Schenkelhalsbruch) und Deformitäten. Auch kommt es zu deutlichen Fehlbelastungen der angrenzenden Gelenke und damit zu vermehrtem Knorpelverschleiß.

Am häufigsten ist das Becken befallen, gefolgt von Oberschenkelknochen, Schienbeinknochen, Schädel und Lendenwirbelsäule. Die Erkrankung ist häufig ein Zufallsbefund, da sie keine besonderen oder „typischen“ Beschwerden hervorruft.  Nur unter bestimmten Bedingungen bedarf der Patient mit einem Mobus Paget einer Therapie.

Die schwere chronische stoffwechselbedingte Knochenerkrankung schreitet langsam voran und tritt gewöhnlich ab dem 40. Lebensjahr auf. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei etwa 60 Jahren. Gerade bei älteren Menschen tritt der M. Paget besonders häufig auf. Bis zu 10 Prozent der Männer und Frauen über 80 Jahre können darunter leiden.

Die Krankheit kann durch lokale Knochenschmerzen auffallen, wobei man durch die Haut die Überwärmung aufgrund der Überaktivität im Knochen spüren kann. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einer Verdickung des Schädels mit Zunahme des Kopfumfangs kommen.

Diagnostik

Wesentlich für die Diagnose ist das Röntgenbild, in dem schon im Frühstadium der Erkrankung die Osteolyse (Knochenabbau) nachgewiesen werden kann. Der erhöhte Knochenumbau kann mittels Knochenszintigraphie nachgewiesen werden.

Bedingt durch die vermehrte Aktivität des Knochens ist im Blut ein Anstieg des Laborparameters alkalische Phosphatase (AP) zu verzeichnen.

Therapie

Die Behandlung ist symptomatisch mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten wie z.B. nicht-steoridalen Antirheumatika, Entlastung des Knochens durch z.B. Unterarmgehstützen, Krankengymnastik und gegebenenfalls operativer Stabilisierung von Knochenbrüchen durchzuführen. Die Prognose ist sehr gut. Tritt keine Besserung der Symptome ein, können Medikamente verschrieben werden, die den Abbau des Knochens verhindern und Schmerzen lindern. Zum Beispiel konnte wissenschaftlich gezeigt werden, dass Bisphosphonate den Knochenabbau hemmen und bei rechtzeitiger, regelmäßiger Einnahme Deformierungen verhindern können. Neuerdings steht auch ein Bisphosphonat zur intravenösen Infusion zur Verfügung. Die einmalige Infusion hat eine Wirkungsdauer von über einem Jahr und ersetzt die tägliche Tabletteneinnahme. Ergänzend werden Vitamin D und Calcium verschrieben.

Bei einer besonders schweren Schädigung der Hüfte oder anderer Gelenke muss über operative Maßnahmen nachgedacht werden. Z.B. kann an der Hüfte oder am Kniegelenk ein Gelenkersatz erforderlich sein. Durch die ausgeprägte Veränderung der Knochenstruktur und dem erhöhten Knochenstoffwechsel ist eine große Erfahrung mit Operationen an Knochen und Gelenken bei dieser Erkrankung erforderlich..

Osteomalazie

Die Osteomalazie ist eine Erkrankung, bei der der Knochen seine Festigkeiten einbüßt. Sie ist eine schmerzhafte Knochenerweichung bei Erwachsenen, meist durch einen Vitamin-D-Mangel ausgelöst. Im Kindesalter spricht man von einer Rachitis. Durch eine unzureichende Mineralisierung der Knochen-Grundsubstanz (Einbau von Mineralien in den Knochen) kommt es durch die Erweichung und  durch eine Deformierung der Knochen zu Schmerzen und teilweise zu schleichenden Stressfrakturen. Ursachen für diese nicht so seltene Erkrankung sind Vitamin-D-Mangel, unzureichende Einwirkung von Sonnenlicht (z.B. bei älteren Menschen), Störungen der Mineralienaufnahme im Darm und bestimmte Nierenfunktionsstörungen. Die Krankheit geht einher mit Knochenschmerzen, Knochenverformungen, Gehstörungen und einer Schwäche der Muskulatur. Menschen mit afrikanischer Abstammung sind in unseren Regionen von dieser Erkrankung stärker betroffen (Immigrantenosteomalazie), da ihre dunkle Haut das relativ wenige Sonnenlicht in der nördlichen Region der Erde noch weniger für die Produktion des wesentlichen Vitamin-D einsetzen kann. Oft hilft eine Laborbestimmung des Vitamin-D-Spiegels, um einen Mangel zu erkennen.

Eine spezifische Manifestation der Osteomalazie ist eine schleichende Stressfraktur besonders an Knochenregionen, die einer Biegebeanspruchung unterliegen. Häufige Stellen sind der innere Rand des Schenkelhalses, die innere Knochenrinde von Oberschenkel und Unterschenkel-Vorderkante, seltener auch das Schulterblatt oder der Oberarmknochen.

Die Behandlung der Erkrankung erfolgt durch eine Substitution von Vitamin-D und Kalzium. Neben der Grundtherapie des Vitamin-D-Mangels sind meist eine Entlastung der betroffenen Region z.B. durch Unterarmgehstützen und eine Schmerztherapie ausreichend. Kommt eine Therapie mit Vitamin-D und Kalzium nicht in Frage (bei Nebenerkrankungen), ist oft eine prophylaktische Stabilisierung der Knochen durch Implantate sinnvoll. Da der Knochen stark verändert sein kann, sollten solche Operationen an spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Hyperparathyreoidismus

Der Hyperparathyreoidismus ist eine Erkrankung der Nebenschilddrüsen mit einer vermehrten Bildung eines speziellen Hormons (Parathormon). Etwa 25 von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr. Es gibt diese Erkrankung auch in Verbindung mit einer chronischen Nierenerkrankung. Als Folge dieser Erkrankung können Knochenschmerzen, Nierensteine, Oberbauchbeschwerden mit Appetitlosigkeit und Übelkeit und auch Muskelschwäche sowie depressive Verstimmungen auftreten. Die klassischen Krankheitszeichen sind "Stein-, Bein- und Magenpein".

Osteonekrosen (abgestorbener Knochen)

Bei diesen Erkrankungen handelt es sich um einen umschriebenen Untergang von Knochengewebe aufgrund örtlicher Stoffwechselstörungen. Gelenknahe Osteonekrosen sind eine schwerwiegende Erkrankung, die ohne rechtzeitige Diagnosestellung und Behandlung mittel- und langfristig zu einer Zerstörung des betroffenen Gelenkes führen.

Zu den Osteonekrosen gehören sowohl die lokal begrenzten Osteonekrosen des Kindes und des Jugendalters (Osteochondrosis dissecans, M. Perthes) als auch Osteonekrosen nach Knochenbrüchen, bei Einnahme von Kortison, nach chronischem Alkoholkonsum sowie nach Chemotherapien, Transplantationen und Gerinnungsstörungen.  In vielen Fällen bleibt die Ursache der Osteonekrose unklar. Besonders häufig sind der Hüftkopf und der kniegelenknahe Knochen betroffen (Hüftkopfnekrose, Morbus Ahlbäck). Bei den Knochennekrosen im Erwachsenenalter ist eine rechtzeitige Diagnose mittel MRT Untersuchung wichtig, um den Erhalt eines Gelenkes als Therapieziel zu erreichen.

Die  Mitarbeiter des osteologischen Schwerpunktzentrums haben über Jahre eine Expertise in der Diagnostik und der Therapie von Osteonekrosen erworben.

Bei der Hüftkopfnekrose wird den diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen der nationalen DVO Leitlinie „Hüftkopfnekrose“ gefolgt.

Das Therapieziel ist eine Bewahrung der Funktion des betroffenen Gelenks und einer Regerneration / Revitalisation des abgestorbenen Knochens. Je nach Stadium der Knochennekrose sowie der zugrundeliegenden Ursachen wird für jeden Patienten individuell ein Therapieplan erstellt.

Durch verschiedene Verfahren kann man direkt auf den Knochen und das knocheneigene Regenerationspotential einwirken. Hierzu stehen Medikamente und Infusionstherapien zur Verfügung. Sollte der Knochen so nicht mehr zu retten sein, stehen mehrere gelenkerhaltende operative Maßnahmen zur Verfügung (z.B. Anbohrung des abgestorbenen Areals). Als letzter Schritt kommt ein Gelenkersatz durch ein Kunstgelenk in Betracht. Aber auch dabei ist es notwendig sich mit der Biologie des Knochens auszukennen, um eine regelrechte Implantatverankerung im Knochen zu ermöglichen, was bei abgestorbenem Knochen eine Herausforderung sein kann.

Plasmozytom (Multiples Myelom)

Bei einem Plasmozytom handelt es sich um eine Tumorerkrankung im Knochenmark; ca. 4 von 100.000 Patienten erkranken daran jährlich. Es ist meist eine Erkrankung der älteren Menschen mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr und stellt die häufigste Tumorerkrankung von Knochenmark und Knochen dar. Sie kann an einzelnen Stellen oder diffus verteilt im Knochenmark vorkommen. Als Folge kann es zu Knochenschmerzen und Brüchen kommen. Diese Knochenveränderungen und die daraus resultierenden Frakturen entstehen aufgrund eines sehr starken Abbaus der Knochensubstanz, was oftmals das erste Symptom ist. Die Diagnose „Osteoporose“ wird dabei  häufig als Fehldiagnose gestellt. Neben der Antitumortherapie ist eine Behandlung der Knochenveränderungen oftmals notwendig. Bei einem zerstörten Knochen mit Einengungen des Rückenmarks oder Frakturen von Knochen ist eine Behandlung mit einer Operation (Stabilisierung des Knochens und der Wirbelsäule) und einer Strahlentherapie angezeigt.

Knochenmetastasen

Prinzipiell kann jeder maligne Tumor in den Knochen metastasieren, aber Karzinome der Mamma (Brust), der Prostata, der Lunge, der Schilddrüse, der Haut und der Niere zeigen eine besondere Affinität zum Skelett und verursachen zusammen mehr als 80% der Knochenmetastasen.

Wegen des hohen Auftretens und dem relativ langen Krankheitsverlauf des Mamma- und Prostatakarzinoms stellen Knochenmetastasen dieser Primärtumore ein großes therapeutisches Problem dar. Etwa Zweidrittel aller Patienten mit einem Mammakarzinom werden eine Wirbelsäulenfraktur oder eine Fraktur eines langen Röhrenknochens erleiden.

Knochenmetastasen gehen im Allgemeinen mit einer gesteigerten Knochenresorption und Hyperkalzämie (zuviel Kalzium im Blut) durch die neoplastische Aktivierung der Osteoklasten einher. Dies führt über eine Abnahme der Knochenmasse und der Zerstörung der Knochenarchitektur unweigerlich zu pathologischen (krankhaften) Frakturen. Das Auftreten von pathologischen Frakturen beeinträchtigt die Lebensqualität von Patienten im Endstadium ihrer Tumorerkrankung am stärksten.

Die Klinik der Knochenmetastasen

Unabhängig vom Primärtumor ist die Verteilung der Knochenmetastasen vorherrschend im axialen Skelett (Wirbelsäule, Becken). Tumortochterzellen finden sich am häufigsten in der Wirbelsäule, besonders in der Brust- und Lendenwirbelsäule, gefolgt vom Becken, den Rippen sowie am Oberarm und am Oberschenkel.

Komplikationen von Knochenmetastasen

Knochenmetastasen verursachen verschiedenste Komplikationen in ihrem klinischen Verlauf. Diese beinhalten Schmerzen, eingeschränkte Mobilität, pathologische Frakturen, spinale Kompressionen, Nervenwurzelläsionen, Hyperkalzämie und die Unterdrückung der Knochenmarksfunktion.

Der Schmerz ist im Allgemeinen das Hauptsymptom der Knochenmetastasen. Etwa 2/3 aller Patienten mit einem fortgeschrittenen Tumorleiden klagen über Schmerzen in Gelenken und Knochen.

Das genaue Auftreten  von Frakturen bei Patienten mit Knochenmetastasen ist immer noch unklar. Sie stellen aber sicher die schwerste und weitreichendste Komplikation dar.

Eine Querschnittslähmung aufgrund einer Fraktur eines Wirbelkörpers ist eine Notfallsituation, die eine sofortige Diagnostik und Therapie erfordert.

Therapie von Knochenmetastasen

Erst einmal muss festgestellt werden, dass die Ziele der Behandlung von Knochenmetastasen palliativer Natur sind, da eine Heilung nur vereinzelt erreicht wird. Für die Entscheidung, welches der derzeit üblichen Behandlungsverfahren angewandt wird, sind mehrere Faktoren einzubeziehen. Zunächst muss festgestellt werden, ob es sich um die Metastasen eines bereits bekannten Primärtumors handelt.

Schmerzlinderung, Erhalt oder Wiederherstellung von Stabilität und Funktion, sowie eine Verbesserung der Lebensqualität sind das Ziel der therapeutischen Ansätze. Die möglichen Behandlungsverfahren von Knochenmetastasen sind die konservative Therapie, eine systemische Therapie (Hormon- und Chemotherapie), die Strahlentherapie, die Strahlentherapie mit Radioisotopen, und eine Knochenschutztherapie.

Eine orthopädisch-chirurgische Intervention ist bei strukturellen Komplikationen wie pathologischen oder drohenden pathologischen Frakturen und Rückenmarkskompressionen unbedingt notwendig.

Die nicht operative Therapie von Tumoren wird in der Regel durch Onkologen der verschiedenen Fachdisziplinen eingeleitet und bestreut.

Die Strahlentherapie ist ein essentieller Bestandteil der Behandlung von Knochenmetastasen. Knochenmetastasen sprechen in der Regel gut auf niedrige Strahlendosen an. Die Strahlentherapie von Knochenmetastasen ist ein effektives Mittel zur Kontrolle von Schmerzen und zur Einleitung der Rekalzifizierung (Wiederaufbau des Knochens). Es gibt aber auch Knochenmetastasen von Tumoren, die sehr schlecht auf Bestrahlung ansprechen.

Die orthopädisch chirurgische Therapie

Die Zielsetzung einer Operation von Knochenmetastasen ist die Wiederherstellung der Belastungsstabilität zur Schmerzbefreiung und zur Wiederherstellung der Gehfähigkeit, Mobilität und Lebensqualität des Patienten.

Wirbelsäulenmetastasen

Da eine Knochenmetastasierung in über zwei Drittel aller Fälle in die Wirbelsäule erfolgt, wird zunächst das Management der Wirbelsäulenmetastasen dargestellt: Etwa 52 % - 85 % der Metastasen entwickeln sich im Wirbelkörper. Eine absolute Operationsindikation wird allgemein bei Rückenmarkkompression mit neurologischen Ausfällen (Querschnittssymptomatik) gesehen.

Neue Verfahren durch lokale Ablation (Abtötung von Tumorzellen) (STAR Ablation) und der nachfolgenden Stabilisierung durch Zement erlauben es uns heute in vielen Fällen minimal-invasiv Knochenmetastasen an der Wirbelsäule erfolgreich zu behandeln.

Extremitätenmetastasen

An den Extremitäten entstehen, insbesondere am Beinskelett, aufgrund der höheren mechanischen Belastung frühzeitig Schmerzen und pathologische Frakturen. Hier gilt es, noch vor dem Auftreten von Brüchen eine operative Stabilisierung zu erreichen.

Für die chirurgische Versorgung von Knochenmetastasen an den Extremitäten stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Orthopädisch-onkologische Kliniken halten diese verschiedenen Verfahren in der Regel vor, so dass auch kurzfristig eine adäquate Versorgung der Patienten, ohne Zeitverzögerung, vorgenommen werden kann. Verbundosteosynthesen mit Zement Osteosyntheseplatten, Doppelplattenosteosynthesen, intramedulläre Verriegelungsnagelung, Endoprothese bzw. Tumorendoprothese, Stützschalen für das Becken und Beckenteilersatzimplantate gehören zu den Möglichkeiten einer Versorgung, die sehr individuell an den Patienten und die vorliegende Situation angepasst werden muss.

Nach der lokalen Versorgung ist immer eine weitere interdisziplinäre Behandlung notwendig.

Knochentumore

Bei Knochentumoren werden zwischen primären, sekundären und tumorähnlichen Läsionen des Bewegungsapparates unterschieden. Als zusätzliches Kriterium, gemäß dem klinischen Verhalten, spricht man von benignen- (gutartigen), semimalignen (auch intermediären) und malignen (bösartigen) Veränderungen.

Unter der großen Vielfalt menschlicher Tumoren sind primäre Knochentumoren und tumor-ähnliche Knochenläsionen äußerst selten. Sie machen weniger als 1 % aller histologisch diagnostizierten Tumoren aus. Nur ca. 25 % der Knochentumoren sind gutartig. Dabei werden gutartige Knochentumoren sicher seltener diagnostiziert, als es ihrem Vorkommen entspricht, da sie oft klinisch stumm bleiben. Ist dies nicht der Fall, treten sie vorwiegend in den ersten beiden Lebensjahrzehnten auf. Zwei Drittel der primär aus Knochengewebe hervorgehenden Tumoren treten während der präpubertären Wachstumsperiode auf; im Erwachsenenalter stehen dagegen die sekundären Tumore (Knochenmetastasen) im Vordergrund.

Einteilung der gutartigen und bösartigen primären Tumoren des Bewegungsapparates

Eine Klassifikation der Knochentumoren basiert auf histo-genetischen Grundlagen. Wenn ein Tumor aus Fibroblasten-Fibrozyten und Kollagenfasern aufgebaut ist, handelt es sich um ein Fibrom oder Fibrosarkom; ist er aus Chondroblasten-Chondrozyten und Knorpelsubstanz zusammengesetzt, haben wir es mit einem Chondrom oder Chondrosarkom zu tun;  sollte die Textur aus Osteoblasten-Osteozyten bestehen und Osteoid enthalten, nennen wir es ein Osteoblastom oder Osteosarkom; besteht es aus Angioblasten-Endothelzellen, die vaskuläre Kanäle bilden, ist es ein Angiom, ein Angioendotheliom, oder ein Angiosarkom. Diese Identifizierung bereitet im Allgemeinen bei gutartigen Tumoren keine Schwierigkeiten. Sie kann aber bei Malignomen, die mit einer Entdifferenzierung der Zellen einhergehen können, schwierig sein.

Neben den richtigen Tumoren, existieren die sogenannten tumor- ähnlichen Läsionen. Diese werden deshalb so genannt, weil sie Tumore nachahmen, tatsächlich aber dysplastischen oder hyperplastischen Ursprungs mit oftmals unbekannter Herkunft sind.

Die Prinzipien der Tumortherapie

Jeder Patient mit einer Neubildung im Bereich des Bewegungsapparates bedarf einer sorgsamen Abklärung, um eine adäquate therapeutische Entscheidung treffen zu können.

Neben einer sorgfältigen Erhebung der Anamnese gehört eine körperliche Untersuchung, und Röntgenaufnahmen zur Ausgangsdiagnostik.

Klar einzuordnende gutartige Läsionen können dem klinischen Befund entsprechend behandelt werden; sollten sie asymptomatisch sein, werden Verlaufskontrollen oder je nach Stadium und Verlauf die Entfernung (intraläsionale oder marginal) durchgeführt.

Erscheint die Knochenveränderung in den vorliegenden Untersuchungen potentiell bösartig, sollte eine weitere Stufendiagnostik durchgeführt werden.

Unabdingbar für die chirurgische Planung ist die exakte Lokalisierung der Veränderung in Beziehung zu benachbartem Gewebe und den Gefäß- und Nervenstrukturen. Nerven und Gefäße (z.B Arteria femoralis oder Nervus ischiadicus) die durch den Tumor eingeschlossen werden erfordern ein anderes chirurgisches Vorgehen und bergen ein Risiko für Komplikationen.

Sollte trotz aller Untersuchungen die Diagnose unsicher und die Entscheidung über die Behandlung unklar bleiben, sollten diese Patienten von einem Spezialisten für Knochentumoren behandelt werden. Eine onkologisch unklug durchgeführte Voroperation kann zu irreparablen Konsequenzen führen, den Extremitätenerhalt unmöglich machen und die Prognose des Patienten verschlechtern.

Chirurgische Therapie

Für die chirurgische Entfernung des Tumors und die Rekonstruktion gelten die gleichen Regeln wie für die Knochenmetastasen. Ein Tumor muss sicher im gesunden Gewebe entfernt werden und die Rekonstruktion sollte immer das Ziel der vollen Funktionalität und der Extremitätenerhaltung haben. Für die chirurgische Versorgung von Knochentumoren an den Extremitäten stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Orthopädisch-onkologische Kliniken halten diese verschiedenen Verfahren in der Regel vor, sodass auch kurzfristig eine adäquate Versorgung der Patienten, ohne Zeitverzögerung, vorgenommen werden kann.

Osteomyelitis (Knochenentzündung)

Als Osteomyelitis werden bakterielle oder durch Pilzinfektion ausgelöste Knochen- und Knochenmarksveränderungen bezeichnet. Die Erkrankung ist eng an die Abwehrlage des Menschen gekoppelt. Es gibt chronische und akute Formen der Osteomyelitis. Eine Osteomyelitis geht in der Regel mit klassischen lokalen Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung der umliegenden Weichteile, Überwärmung, Schmerz) einher, zusätzlich kann Fieber auftreten. Bei der chronischen Verlaufsform der Osteomyelitis können die Beschwerden der Patienten auch sehr uncharakteristisch sein und selbst nach Jahren immer wieder auftreten. Die Diagnostik am Knochen der Extremitäten und an der Wirbelsäule kann schwierig sein, ist aber für eine nachfolgende Therapie absolut notwendig. Nur wenn man weiß, was für die Knochenzerstörung verantwortlich ist (welche Bakterien, welche Pilze) kann die richtige Therapie eingeleitet und die richtige Operation durchgeführt werden. Eine operative Intervention ist bei Knochenentzündungen oftmals notwendig und diese sollten an Zentren erfolgen, die große Erfahrung bei der Versorgung von Knochenentzündungen besitzen.

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