Inkontinenz

Ist ein Mensch inkontinent, verliert er ungewollt Harn. Je nachdem wie ausgeprägt die Inkontinenz und wie die Lebenssituation des Betroffenen ist, kann sein Alltag sehr stark beeinträchtigt sein. Der Leidensdruck, den ein Patient empfindet, ist der ausschlaggebende Grund für eine Behandlung. Unser Klinik-Chefarzt Dr. Fröhlich ist als ärztlicher Berater der Deutschen Kontinenz Gesellschaft zertifiziert. Somit befinden Sie sich bei uns in sehr guten Händen.

Mediziner unterscheiden fünf verschiedene Formen von Inkontinenz. Wesentlich machen jedoch drei Formen die Hauptursache aus. Am Anfang unserer gründlichen Diagnostik steht stets ein sogenanntes Miktionsprotokoll. In diesem macht der Patient Angaben über seine Trinkmenge, die Urinmenge auf Toilette und die Harnverlustmenge.

Die häufigste Form ist die Belastungsharninkontinenz, wenn sich der eigentlich ausreichend kräftige Schließmuskel senkt oder lockert. Dies betrifft insbesondere ältere Frauen nach den Wechseljahren, gelegentlich tritt diese Inkontinenzform auch schon früher auf. Selten ist der Schließmuskel wirklich geschädigt.

Helfen konservative Behandlungen wie Beckenbodengymnastik oder bestimmte Medikamente einem Patienten nicht mehr, können wir operativ helfen. In einem kleinen Eingriff legen unsere erfahrenen Operateure ein Bändchen (TVT: tensionfree vaginal tape (spannungsfreies Vaginal-Band), TVT-O: durch das Hohlorgan von innen nach außen gelegte Bänder) um die Harnröhre, das den Schließmuskel in der normalen Position festhält, in der er gut funktioniert.

Der erste Schritt: Die richtige Diagnostik

Die Dranginkontinenz (überaktive Blase, OAB: overactive bladder) hat verschiedene Ursachen. Häufig muss mittels einer Blasendruckmessung (Urodynamik) eine weitergehende Abklärung erfolgen, um die jeweilige Form einzugrenzen.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Behandlungsangebot

Die Dranginkontinenz ist das Hauptgebiet der medikamentösen Inkontinenzbehandlung, bei der zahlreiche blasenberuhigende Stoffe verabreicht werden. Manchmal setzen wir auch Östrogene bei Frauen ein.

Ist die Wirksamkeit mangelhaft, hat es sich in den zurückliegenden Jahren bewährt, Botulinum (die Übertragung von Nervensignalen vermindernder Wirkstoff) in den Blasenmuskel zu spritzen. Dies soll bewirken, dass der Blasenmuskel weniger aktiv ist.

In bestimmten Fällen müssen wir die Blase des Patienten unter Narkose dehnen, um Gewebeproben bis in die Blasenmuskulatur zu entnehmen. Dadurch können wir eine besondere Form von Blasentumor ausschließen, die in der Schleimhaut wachsend Drangsymptome auslösen kann. Wir können so eine sogenannte interstitielle (durch eine dauerhafte Entzündung der Harnblasenwand ausgelöste) Zystitis (Blasenentzündung) finden, die wir mithilfe einer ausgefeilten Therapieabfolge behandeln.

Wir bieten zudem in manchen Fällen einen Blasenschrittmacher an. Diese Form der Therapie bezeichnen Mediziner als „sakrale Neuromodulation“. Dabei hat sich unsere Zusammenarbeit mit den Fachärzten der neuro-urologischen Nachbarklinik bewährt. Wir bieten diese Behandlung an, um starke Drang- und Inkontinenz-Beschwerden zu lindern, bevor die Blase entfernt werden muss.

Alle Empfehlungen erteilen wir entsprechend der Europäischen Gesellschaft für Urologie (Stand März 2015) und der Amerikanischen Urologischen Gesellschaft (Stand September 2014). Wir orientieren uns an internationalen Leitlinien.

Zunehmend betrifft eine Belastungsinkontinenz auch Männer aufgrund der Häufigkeit der Operationen des Prostatakrebses. Nachdem wir eine entsprechende Abklärung mittels Miktionsprotokoll (Fragebogen zu Trink- und Urinmenge sowie Harnverlust), Blasendruckmessung und Blasenspiegelung vorgenommen haben, therapieren wir jeden unserer Patienten individuell. Angepasst an das Ausmaß des Harnverlustes können wir entweder ein Advance-Band (bringt die Haltestrukturen des Schließmuskels in ihre ursprüngliche Position), eine Argus-Schlinge (kann nachträglich angepasst werden), ein Virtue-Band oder den künstlichen Schließmuskel AMS 800™ einsetzen.

Ob die jeweiligen Methoden die Inkontinenz deutlich zu verbessern oder vollständig zu beseitigen vermögen, hängt stark davon ab, wie die Gewebssituation unseres Patienten, auch nach einer Bestrahlung, ist. Deswegen sprechen wir erst, nachdem wir die körperliche Verfassung unseres Patienten umfassend betrachtet und dessen Wünsche angehört haben, eine Empfehlung aus.

Weiterhin gut versorgt: Ihre Weiterbehandlung / Nachsorge

Auch am Tag Ihrer Entlassung führen wir mit Ihnen ein ausführliches Gespräch. Wir weisen Sie dabei auf alle wichtigen Gesichtspunkte hin, die Sie für eine erfolgreiche Nachsorge weiterhin beachten sollten. Sie erhalten von uns einen Brief für Ihren weiterbehandelnden Arzt, in dem unsere medizinischen Empfehlungen sowie die Entlassungsmedikation schriftlich festgehalten sind.

Sollten Sie eine spezielle Nachsorge benötigen, besprechen wir die Einzelheiten individuell mit Ihnen.

Seite teilen: