Persönlichkeitsstörungen

Jeder Mensch hat eine Persönlichkeit, die aus der Summe der für ihn charakteristischen Verhaltensweisen und Interaktionsmuster resultiert und ihm seine Individualität verleiht. Bei Persönlichkeitsstörungen kommt es durch bestimmte Persönlichkeitszüge mit rigiden (starren) Denkmustern zu einem unangepassten Sozialverhalten bis hin zu extremen Verhaltensauffälligkeiten. Unsere Experten analysieren die Symptomatik und entwerfen für ihre Patienten ein individuelles Behandlungskonzept, das gemeinsam abgestimmt wird.

Ursachen, Symptome, Diagnostik

Es ist davon auszugehen, dass zwischen 5 und 10 % der Bevölkerung in Deutschland die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung erfüllen. Unterschieden werden:

  • paranoide Persönlichkeitsstörung
  • schizoide Persönlichkeitsstörung
  • dissoziale Persönlichkeitsstörung
  • emotional-instabile Persönlichkeitsstörung (vom impulsiven oder vom Borderline-Typus)
  • histrionische Persönlichkeitsstörung
  • zwanghafte Persönlichkeitsstörung
  • ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
  • abhängige Persönlichkeitsstörung
  • passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung
  • narzisstische Persönlichkeitsstörung
  • kombinierte Persönlichkeitsstörung

Entsprechend breit gefächert ist die Symptomatik, die sich bei den Betroffenen beobachten lässt. Die Abweichungen entwickeln sich bereits in der Kindheit und setzen sich dann relativ stabil im Erwachsenenalter fort, dabei können normabweichende Verhaltensmuster dauerhaft auftreten. Sie führen zu subjektivem Leid, häufig persönlichem Leidensdruck und manchmal auch zu einem nachteiligen Einfluss auf die Umwelt.

Wir beziehen Sie als Patienten umfassend in die diagnostischen Schritte ein. Ambulante, teilstationäre und stationäre Therapieangebote sind möglich - die Entscheidung hierüber hängt unter anderem vom Schweregrad Ihrer Symptomatik und von Ihrem persönlichen Leidensdruck ab. Es ist darauf hinzuweisen, dass in unserer Institutsambulanz gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag keine Richtlinientherapie angeboten wird.

Im stationären Setting ist die Integration in die integrativ-ressourcenorientierte oder psychodynamische Gruppentherapie möglich. Voraussetzungen für eine Gruppenpsychotherapie sind die Therapiemotivation im Sinne von Mitarbeitsbereitschaft, eine ausreichende Kommunikations- und Absprachefähigkeit sowie die Fähigkeit zum selbstverantwortlichen Handeln. Eine aktuelle Suizidalität (Ausrichtung von Handlungen und Gedanken auf Selbsttötung), ein Suchtmittelkonsum ohne Bereitschaft zum Verzicht (Abstinenz) oder eine handlungsleitende psychotische Symptomatik stellen hingegen Kontraindikationen (Gegenanzeigen) dar. Ob die Teilnahme individuell möglich ist, klären wir im persönlichen Gespräch.

Ganz auf Sie abgestimmt: unser Therapieangebot

  • Nutzung der Ressourcen beziehungsweise Stärken des Patienten bei Akzeptanz seiner Persönlichkeitsstruktur
  • Stärkung der Realitätsprüfung und Ermöglichung von Einsicht durch Klärung und Auflösung hinderlicher Denkmuster und Abwehrmechanismen
  • Kommunikation und Reflektion auf 3 Ebenen:
  1. Wie erlebe ich mich?
  2. Wie erlebe ich die anderen?
  3. Wie gestalten sich die Beziehungen?
  • Hilfestellung bei der Differenzierung von Beziehungen und Ermöglichung neuer Beziehungserfahrungen
  • Aktivitätsförderung
  • Erweiterung des kommunikativen Verhaltens
  • Verbesserung der Entspannungsfähigkeit
  • Förderung des Verstehensprozesses von Situations-Symptom-Zusammenhängen und entsprechender Bewältigungsmöglichkeiten (Psychoedukation)
  • Verbesserung euthymer Fähigkeiten (Genusstraining)
  • Stützung des Selbstwertgefühls

Vor Beginn der Therapie schließen wir mit jedem unserer Patienten einen Behandlungsvertrag mit schriftlich fixierten Therapiezielen. Gruppentherapien (zum Beispiel Gruppengespräche, Wochenabschlussgruppe, Musiktherapie, Maltherapie, Ressourcentraining und Gruppentraining sozialer Kompetenzen), Entspannungsverfahren (progressive Muskelrelaxation und autogenes Training), Psychoedukation (dient der Aufklärung über die Erkrankung) und Einzelgespräche werden durch Elemente unseres soziotherapeutischen Basisprogramms (unter anderem Ergotherapie, Sporttherapie, Wandern und Spieleabend) ergänzt. Sollte es erforderlich sein, beziehen wir – natürlich mit Einverständnis unseres Patienten – dessen Angehörige in Form von Angehörigengesprächen in den Therapieprozess mit ein.

Zur Verlaufsbeurteilung und Sicherheit für unsere Patienten findet eine umfassende Therapieprozesskontrolle statt. Diese erfolgt durch regelmäßige fachärztliche Visiten, Teambesprechungen sowie psychometrische Verlaufs- und Effektkontrollen.

Weiterhin gut versorgt: Ihre Weiterbehandlung / Nachsorge

Den wichtigen Übergang von der stationären/teilstationären Behandlung in die ambulante Betreuung bereiten wir gemeinsam mit unseren Patienten umfassend vor, hierbei stehen häufig Fragen der beruflichen Reintegration oder Rehabilitation im Mittelpunkt. Die psychiatrisch-psychotherapeutische Weiterbehandlung wird ebenfalls mit Ihnen gemeinsam vorbereitet. Sollte eine weiterführende ambulante Psychotherapie erforderlich, aber kein Therapieplatz unmittelbar für Sie verfügbar sein, können wir für die Zwischenzeit eine stützende Behandlung in unserer Psychiatrischen Institutsambulanz vereinbaren.

Stationäre und tagesklinische Behandlung

Ambulante Behandlung

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