Manisch- depressive Erkrankungen (bipolare Störungen)

Manisch-depressive Erkrankungen, heute zumeist „bipolare affektive Störungen“ genannt, treten mit einer Lebenszeitprävalenz (Prävalenz: Häufigkeit des Auftretens einer Krankheit in der Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt/ in einem bestimmten Zeitraum) von etwa 3 % auf (Quelle: S3-LL zur Diagnostik und Therapie bipolarer Störungen, Langversion 1.4). Die Geschlechterverteilung ist in etwa gleich, eine Ausnahme bildet das sogenannte Rapid Cycling, das sich durch einen raschen Wechsel der Stimmungslage auszeichnet. Hier beträgt das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ungefähr 2 zu 1. Zur Erstmanifestation der Erkrankung kommt es bei ca. drei Viertel der Betroffenen bereits in den ersten 25 Lebensjahren.
Unsere Experten sind an der Seite von Betroffenen und deren Angehörigen. Sie können sich auf unsere Fachkompetenz und menschliche Zuwendung verlassen.

Ursachen, Symptome, Diagnostik

Obwohl dies derzeit nicht endgültig geklärt ist, gehen wir Mediziner von einer multifaktoriellen Verursachung bipolarer affektiver Störungen aus. Dies umschreibt, dass biologische, psychische und soziale Faktoren bei der Krankheitsentstehung zusammenwirken. Hierbei spielen genetische Faktoren und die damit im Zusammenhang stehenden Veränderungen im Neurobotenstoffwechsel des Gehirns eine Rolle. So haben Menschen mit Verwandten ersten Grades, die von einer bipolaren affektiven Erkrankung betroffen sind, ein deutlich höheres Erkrankungsrisiko. Aber auch Persönlichkeitsbesonderheiten, soziale Belastungen, Stressfaktoren und weitere Umwelteinflüsse können zur Entstehung beitragen.

Zu beachten ist bei bipolaren affektiven Störungen eine sogenannte Komorbidität, das heißt, dass gleichzeitig weitere (psychische) Erkrankungen vorliegen, zum Beispiel:

  • eine Persönlichkeitsstörung
  • eine Abhängigkeitserkrankung, eine Angsterkrankung/Phobie
  • eine Essstörung
  • ein Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)
  • ein Tic- Störung

Gekennzeichnet sind bipolare affektive Erkrankungen durch phasenhaft auftretende Veränderungen der Stimmungs- und Antriebslage nach unten (Depression), nach oben (Manie) oder gleichzeitig zu beiden Polen hin (Mischzustand). Dabei kann das Vollbild des jeweiligen Zustands oder nur eine abgeschwächte Ausprägung erreicht werden. Eine rechtzeitige Diagnosestellung ist aus mehreren Gründen besonders wichtig: Durch das frühe Erkrankungsalter besteht die erhebliche Gefahr sozialer Auswirkungen, beispielsweise auf die Berufsausbildung oder die Partnerschaft. Aufgrund hoher Rezidivraten (das heißt, es treten mehrere Krankheitsepisoden auf) ist eine phasenprophylaktische (hinsichtlich weiterer Episoden vorbeugende) Behandlung unerlässlich. Eine Restsymptomatik erhöht nicht nur das Risiko erneuter akuter Krankheitsschübe, sondern beeinträchtigt die Betroffenen auch in ihrem sozialen Umfeld.

Bei Patienten mit bipolaren affektiven Störungen kommt, abhängig von ihrem aktuellen Zustand, eine ambulante, teilstationäre oder vollstationäre Behandlung in Betracht. In jedem Fall erarbeiten wir nach einer umfangreichen Diagnostik einen individuellen Therapieplan für Sie.

Ganz auf Sie abgestimmt: unser Therapieangebot

  • ärztliche und psychologische Einzelgespräche
  • Psychopharmakotherapie in der Akutbehandlung, der Stabilisierungsphase und zur Phasenprophylaxe (Vorbeugung hinsichtlich weiterer Krankheitsepisoden)
  • nichtmedikamentöse somatische (den Körper betreffende) Therapieverfahren
  • soziotherapeutisches Basisprogramm (unter anderem mit Ergo-, Sport-, Bewegungs- und Musiktherapie)
  • psychoedukative Gruppe (dient der Aufklärung über die Erkrankung) für Patienten mit affektiven Störungen, auch im ambulanten Setting
  • Kognitionstraining
  • Genussgruppe
  • Psychotherapiegruppe mit verhaltenstherapeutischem Ansatz
  • sozialdienstliche Hilfestellungen (unser Motto: „Etwas mit unseren Patienten und nicht nur für sie tun“)
  • bei Bedarf Einbeziehung des sozialen Umfelds
  • Entspannungsverfahren
  • Physiotherapie
  • Ernährungsberatung

Zur Verlaufsbeurteilung und Sicherheit für unsere Patienten erfolgt eine umfassende Therapieprozesskontrolle durch regelmäßige fachärztliche Visiten, Teambesprechungen sowie psychometrische Verlaufs- und Effektkontrollen.

Weiterhin gut versorgt: Ihre Weiterbehandlung / Nachsorge

Den Übergang in die Weiterbehandlung aus dem stationären und tagesklinischen in den ambulanten Bereich bereiten wir gemeinsam mit Ihnen umfassend vor. Selbstverständlich führen unsere Ärzte und das pflegerische Personal ein ausführliches Entlassungsgespräch mit Ihnen. Wir sind mit allen Leistungserbringern des gemeindepsychiatrischen Verbundes gut vernetzt, sodass weiterführende Hilfen frühzeitig vorbereitet werden können.

Tagesklinische Behandlung

Ambulante Behandlung

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