Verhaltensauffälligkeiten bei Intelligenzminderung

Intelligenz setzt sich aus vielen verschiedenen spezifischen Fertigkeiten zusammen.
In enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen therapieren wir behandlungsbedürftige Verhaltensauffälligkeiten und -störungen, die mit der Intelligenzminderung zusammenhängen.

Ursachen, Symptome, Diagnostik

Parkgelände

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Intelligenzminderung als eine sich in der Entwicklung manifestierende, stehengebliebene oder unvollständige Entwicklung der geistigen Fähigkeiten mit einer besonderen Beeinträchtigung von Fertigkeiten, die zum Intelligenzniveau beitragen, wie zum Beispiel Kognition, Sprache, motorische und soziale Fähigkeiten. Sie kann vererbt oder durch äußere Faktoren früh in der Entwicklung - auch vorgeburtlich oder durch Probleme während der Geburt - erworben sein. Abhängig von Erfassungs- und Definitionskriterien für Intelligenzminderung liegt die Gesamtprävalenz (Prävalenz: Häufigkeit des Auftretens einer Krankheit in der Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem bestimmten Zeitraum) in Deutschland bei ca. 1 % (Quelle: S2-k-Leitlinie 028/042: Intelligenzminderung). Männer sind aufgrund spezifischer Vererbungsmuster (x-chromosomal) und häufigerer Hirnschädigungen unter der Geburt gefährdeter als Frauen.

Bei Intelligenzminderungen können leichtgradige bis schwerste Ausprägungen beobachtet werden, abhängig davon bestehen Störungen in der Kommunikation, den sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie in der Möglichkeit der eigenständigen Versorgung.

Verursacht durch die Intelligenzminderung können Verhaltensauffälligkeiten und -störungen auftreten, die behandlungsbedürftig sind. Von der Art und der Ausprägung hängt ab, ob eine ambulante, teilstationäre oder stationäre Behandlung durchgeführt wird. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit mit dem sozialen Umfeld der Betroffenen, da manchmal nur auf diesem Wege belastbare anamnestische (krankengeschichtliche) Angaben erhältlich sind, die eine unverzichtbare Grundlage für die Therapieplanung und -durchführung darstellen. Selbstverständlich beziehen wir unsere Patienten so intensiv wie möglich in den diagnostischen und therapeutischen Prozess ein. Bei Verhaltensstörungen auf Basis einer Intelligenzminderung finden sich regelhaft persönliche (das heißt die Eigenschaften des Patienten betreffende) und situative (Umfeld, Integration und Umgang mit dem Patienten umfassende) Faktoren als auslösend und symptomunterhaltend. Wenn aus dem Verhalten Gefährdungen für den Betroffenen selbst oder für andere Menschen resultieren, ist eine stationäre Behandlung erforderlich.

Folgende diagnostische Schritte sind notwendig:

  • Verdachtsdiagnose aufgrund der Defizite bei Kognition, Sprache, Motorik und sozialen Fähigkeiten - Diagnosebestätigung durch einen Intelligenztest
  • Familienanamnese, gegebenenfalls mit Einsicht des Familienstammbuchs
  • prä-, peri- und postnatale Anamnese (Einflüsse vor, während und nach der Geburt)
  • neurologische Untersuchung und Suche nach dysmorphologischen (von der normalen Körperform abweichenden) Auffälligkeiten (passend zu definierten Chromosomenanomalien)
  • EEG (Elektroenzephalografie: Aufzeichnung des Hirnaktionsströme-Verlaufs)
  • Bildgebung des Kopfes (cranielles Computertomogramm oder Magnetresonanztomogramm des Kopfes)
  • in seltenen Fällen genetische Untersuchungen (liegen in der Regel im Erwachsenenalter bereits vor)

Oftmals ist die Diagnose der Intelligenzminderung bereits im Vorfeld bekannt, wenn sich die Patienten in unserer Klinik vorstellen. Wir sichern diese Diagnose dann hinsichtlich des Schweregrades und, soweit erforderlich, hinsichtlich der Ursachen nochmals ab. Die zugrundeliegende Intelligenzminderung lässt sich nicht wesentlich beeinflussen, zur Behandlung selbst führt fast immer eine Verhaltensstörung.

Ganz auf Sie abgestimmt: Unser Therapieangebot

  • regelmäßige ärztliche und pflegerische Gesprächskontakte
  • fachpflegerische Betreuung
  • Ergotherapie unter strikter Beachtung des individuellen Leistungsniveaus
  • Sport- und Bewegungstherapie
  • physiotherapeutische Übungen
  • sozialtherapeutische Betreuung unter Einbezug des sozialen Umfelds
  • kognitives Training in Abhängigkeit vom Ausmaß der Intelligenzminderung
  • supportive (unterstützende) psychologische Gespräche, sofern die kognitive Leistungsfähigkeit und das Kommunikationsvermögen unserer Patienten hierfür ausreicht
  • Belastungserprobungen im bisherigen oder neuen Umfeld einschließlich Arbeitserprobungen in der WfB (Werkstatt für behinderte Menschen)
  • bei ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten oder begleitenden psychischen Störungen wie depressiven Syndromen bieten wir eine Psychopharmakotherapie an

Aufgrund der Verhaltensstörung besteht häufig die Gefahr, dass die Patienten in soziale Isolation geraten und integrative Maßnahmen wie der Besuch einer WfB verloren gehen. Ein wichtiges Behandlungsziel ist somit eine Stabilisierung, die den Betroffenen wieder ein sozial stärker angepasstes Verhalten ermöglicht. Bei entsprechenden Voraussetzungen können wir auch die Neuintegration in eine WfB oder andere tagesstrukturierende Maßnahmen sowie die Aufnahme in eine spezialisierte Wohneinrichtung vorbereiten.

Zur Sicherheit für unsere Patienten erfolgt eine umfassende Therapieprozesskontrolle durch regelmäßige fachärztliche Visiten, Teambesprechungen sowie Verlaufs- und Effektkontrollen.

Weiterhin gut versorgt: Ihre Weiterbehandlung / Nachsorge

Gerade der Übergang aus der stationären Behandlung in die ambulante Weiterbetreuung gestaltet sich manchmal schwierig - deshalb bereiten wir unsere Patienten umfassend darauf vor. Auch hierbei beziehen wir das soziale Umfeld mit ein. Wir sind gut im gemeindenahen psychiatrischen Verbund vernetzt, sodass weiterführende Hilfen frühzeitig vorbereitet werden können.

Tagesklinische Behandlung

Ambulante Behandlung

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