Essstörungen

In unserer Gesellschaft, in der das Ideal eines schlanken, leistungsstark funktionierenden Einzelnen propagiert wird, verlieren immer mehr Menschen ein gesundes Verhältnis zum Essen. Unsere Experten bieten Ihnen umfassende Diagnostik sowie eine individuell mit Ihnen abgestimmte Therapie.

Ursachen, Symptome, Diagnostik

Einstiege in spätere Essprobleme mit Diäten, Appetitzüglern oder exzessivem Sport ermöglichen zunächst neben dem Einfluss auf das Gewicht die scheinbare Kontrolle über wichtige Faktoren für die innere Zufriedenheit wie Selbstvertrauen, Gefühlsregulation oder soziale Anerkennung. Die nachfolgenden leidvollen Teufelskreise eines gestörten Essverhaltens mit Essanfällen, Erbrechen oder Hungern finden sich schon bei Jugendlichen. Bei ihnen sind die Negativfolgen für die weitere körperliche und psychische Entwicklung sowie den späteren sozial-gesellschaftlichen Werdegang besonders gravierend. Mögliche Hilfen werden von Betroffenen und Angehörigen oftmals aufgrund von Scham- oder Schuldgefühlen, aber auch wegen einer Unterschätzung der Schwere der Problematik nicht oder erst sehr spät in Anspruch genommen. Dabei sind Essstörungen nicht selten. Nach den vom Robert-Koch-Institut erhobenen Daten zur DEGS1-Studie zur Gesundheit Erwachsener leiden 1,5 % der Frauen und 0,5 % der Männer in Deutschland unter einer der 3 Hauptformen von Essstörungen (12-Monats-Prävalenz). Daneben muss von weiteren Erkrankungen im Sinne von unspezifischen Essstörungen ausgegangen werden, diese könnten sogar die 3 klassischen Essstörungen in der Häufigkeit überwiegen. Zu unterscheiden sind die Anorexie (Magersucht), die Bulimie (Ess-Brech-Sucht) und das Binge Eating (Essstörung, die durch Heißhungerattacken gekennzeichnet ist und nicht mit Erbrechen oder sonstigen kompensatorischen Maßnahmen einhergeht). Als „neue Krankheitsbilder“ werden Purging Disorder (selbst-induziertes Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Diuretika oder Einläufen), das Night-Eating-Syndrom (nächtliche Heißhungerattacken) oder die Orthorexia nervosa (krankhaftes Gesundessen) beschrieben.

Da die Ursachen von Essstörungen multifaktoriell sind (biologische, soziokulturelle, familiäre, individuelle und auslösende Faktoren), ist ein entsprechender multimodaler therapeutischer Ansatz erforderlich. Am Anfang steht eine umfassende Diagnostik, in der unsere Experten beispielsweise familiäre Verhältnisse, Persönlichkeitsbesonderheiten (häufig niedriges Selbstwertgefühl, Perfektionismus, zwanghafte Züge oder Impulsivität) und auslösende Faktoren erfassen. Dabei widmen wir uns jedem unserer Patienten ganz individuell.

Ganz auf Sie abgestimmt: unser Therapieangebot

Unsere Behandlungsangebote dienen dazu, die Betroffenen zu stabilisieren und ihnen die Rückkehr zu einem normalen Essverhalten zu ermöglichen. Eine stationäre Behandlung bietet folgende Vorteile:

  • Schutz vor körperlicher Gefährdung (zum Beispiel durch ständiges Auspowern)
  • Distanz zum Alltag und zum sozialen Umfeld mit Entlastung für beide Seiten
  • leichtere Akzeptanz vorgegebener Essensstrukturen
  • nonverbale (nichtsprachliche) Zugangswege durch ein breites Therapieangebot
  • Möglichkeit intensiver Gruppenerfahrungen
  • Erfahrung von Solidarität, Verständnis und Trost
  • Knüpfen sozialer Kontakte

Wir wenden insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie an. Unser Ziel ist es, den Kreislauf aus verzerrten Idealen, gestörtem Essverhalten und ungünstigen Konfliktbewältigungsstrategien zu unterbrechen. Bei einigen Störungsbildern kann eine Psychopharmakobehandlung zusätzlich erfolgversprechend sein. Wichtige Teilschritte in der Therapie sind eine Normalisierung des Essverhaltens sowie die Identifikation und die Veränderung verzerrter Einstellungen zu Körper und  Gewicht. Unser Ziel ist es zudem, die Auslöser, die Hintergründe und die Funktionen des Essverhaltens zu verdeutlichen und neue Bewältigungsstrategien gemeinsam mit unseren Patienten zu erarbeiten.

Eine wichtige Voraussetzung für die Behandlung ist ein ausreichend stabiler körperlicher Zustand des Patienten, der die Teilnahme an den Therapien ermöglicht. Regelmäßige Gewichtskontrollen werden durchgeführt.

Zur Verlaufsbeurteilung und zur Sicherheit für unsere Patienten erfolgt eine umfassende Therapieprozesskontrolle durch regelmäßige fachärztliche Visiten, Teambesprechungen sowie psychometrische Verlaufs- und Effektkontrollen. Auch körperliche Parameter werden fortlaufend überprüft. Unser Ziel ist die für Sie bestmögliche Therapie.

Weiterhin gut versorgt: Ihre Weiterbehandlung / Nachsorge

Wir helfen Ihnen selbstverständlich bei der Vermittlung in eine weiterführende ambulante Therapie. Diese kann auch über unsere Psychiatrische Institutsambulanz realisiert werden. Wir möchten, dass Sie auch langfristig gut aufgehoben sind.

Stationäre und tagesklinische Behandlung

Ambulante Behandlung

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