Tumorerkrankungen

Ein Viertel der Tumorerkrankungen der deutschen Bevölkerung fällt in das Fachgebiet der Urologie. Wir behandeln alle urologischen Tumore. Zögern Sie bei Beschwerden nicht, sich an uns zu wenden, wir wissen um die massive Belastung, die eine Tumordiagnose für Betroffene und Angehörige bringt.

Komplexe Fälle besprechen wir in unserer fachübergreifenden (interdisziplinären) Tumorkonferenz. Hieran nehmen Strahlentherapeuten, Chirurgen, Onkologen (Experten für Krebsheilkunde), Pathologen (Experten für die Entstehung und die organische Auswirkung von Krankheiten), Urologen sowie Internisten teil. Auf diese Weise werden Fachwissen und Erfahrungen gebündelt, um jeden Patienten individuell und optimal therapieren zu können.

Bei der Diagnostik, der Behandlung und der Nachsorge orientieren wir uns an den neuesten Leitlinien und Studienempfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Urologie sowie der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Bei uns können Sie sich in sehr guten, erfahrenen Händen wissen.

Urologische Tumorerkrankungen

Prostatakrebs

Der Prostatakrebs ist in Deutschland die häufigste Tumorerkrankung bei Männern überhaupt. Mediziner unterscheiden zwischen den sogenannten Niedrig-Risiko-Tumoren, den Intermediär-Risiko-Tumoren und den Hoch-Risiko-Tumoren.

Zahlreiche neue medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisse führen dazu, dass die Diagnostik und die Therapie des Prostatakarzinoms stetig fortschreiten.

Wir behandeln insbesondere Intermediär-Risiko-Tumore und Hoch-Risiko-Tumore häufig und sind deshalb auf diesem Gebiet sehr erfahren.

Um einen Prostatakrebs festzustellen, entnehmen wir standardmäßig schmerzfrei eine Gewebeprobe (Biopsie) durch den Enddarm, während unser Patient örtlich betäubt ist. Die entnommene Probe wird medizinisch untersucht. Immer häufiger entnehmen wir zudem gezielt durch den Damm (perineal) eine Gewebeprobe (Biopsie). Dieser Eingriff erfolgt unter MRT-Zielvorgabe (MRT: Bildgebungsverfahren mithilfe eines Magnetfeldes) und unter Narkose.

Wurde anhand der Biopsie kein Tumor nachgewiesen, können wir den PCA3-Test heranziehen, um über eine weitere Biopsie zu entscheiden. Hierbei untersuchen wir den Urin unseres Patienten auf Tumorzellen.

Ein Niedrig-Risiko-Tumor wird häufig dank einer PSA-Früherkennung gefunden. Die Konzentration des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut wird gemessen. Einen Niedrig-Risiko-Tumor können wir nicht nur operativ therapieren. Je nachdem wie die Gesamtsituation ist, ob der Tumor beispielsweise Beschwerden verursacht, bieten wir unseren Patienten Alternativen an. Bei der Active Surveillance überwachen wir den Tumor engmaschig und greifen ein, sollte er wachsen. Bei der LDR-Brachytherapie mit radioaktiven Seeds gehen unsere Spezialisten folgendermaßen vor: Mithilfe von Hohlnadeln bringen wir winzige, stiftähnliche, radioaktive Seeds in die Prostata ein, die ihre Strahlung gezielt abgeben, um den Tumor zu schrumpfen. Sie strahlen etwa ein Jahr lang.

Müssen wir ein Prostatakarzinom operativ behandeln, so gehen wir so potenz- und nervenschonend wie möglich vor. Dabei setzen wir ein offenes Operationsverfahren ein.

In Fällen mit höherem Risiko ist auch bei Lymphknotenmetastasen (Tochtergeschwulsten in den Lymphknoten) die radikale (vollständige) Prostatektomie (Prostataentfernung) sinnvoll. Diese ist Teil einer sogenannten multimodalen Therapie mit möglicher Zusatzbehandlung. Hierdurch können wir auch in komplexen Situationen eine Heilung beziehungsweise eine gute Behandlungsaussicht erreichen. Eine gute Kontinenz (Fähigkeit, die Harnausscheidung willentlich zurückzuhalten) ist nach dieser Operation genauso wahrscheinlich wie bei begrenzten kleineren Tumoren. Bluttransfusionen kommen insgesamt sehr selten vor.

Wir führen darüber hinaus, sofern es möglich ist, die radikale Prostatektomie als sogenannte Salvage-Prostatektomie durch. Das bedeutet, das wir die Prostata vollständig entfernen, sollte ein Tumor wiederkehren, obwohl der Patient zuvor mit einer Strahlentherapie behandelt wurde.

Als Besonderheit bieten unsere Spezialisten seit Langem die LDR-Brachytherapie an und verfügen daher über eine umfassende Erfahrung in diesem Bereich.

Die Chemotherapie (medikamentöse Krebstherapie) des Prostatakarzinoms ist eine erfolgreiche Standardbehandlung. Wir orientieren uns dabei an den Ergebnissen neuester wissenschaftlicher Studien. Beispielsweise der Chaarted-Studie ECOG-E 3805.

Sowohl bei uns in Bad Wildungen als auch in Reinhardshausen gibt es mehrere renommierte Rehabilitationskliniken, die schwerpunktmäßig die unmittelbare Anschlussheilbehandlung insbesondere nach einer Operation anbieten.

Damit ist sichergestellt, dass unsere Patienten von einem optimalen Kontinenztraining profitieren. Etwaige weitere Fragen und Probleme können mit den erfahrenen Fachärzten dort rasch geklärt werden.

Spezielle Fragen zu der individuellen Nachsorge besprechen wir grundsätzlich in enger, vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den zuweisenden Urologen.

Harnblasenkrebs

Der Harnblasenkrebs ist die zweithäufigste urologische Tumorerkrankung.

Häufig ist für die Entstehung eines Harnblasenkrebses das Rauchen ursächlich.

Liegt der Verdacht auf einen Blasenkrebs vor, beispielsweise weil unser Patient unter einer Harnblutung leidet oder weitere typische Anzeichen vorliegen, sichern unsere Experten mithilfe spezieller Untersuchungsmethoden die Diagnose und bestimmen die Ausdehnung. Basierend auf der gründlichen Diagnose führen wir dann die entsprechende Therapie durch.

Die meisten Blasentumore können wir mithilfe einer endoskopischen (mittels eines Sichtinstruments durchgeführten) Behandlung (TUR-Blase, transurethrale Resektion) sicher beherrschen. Zusätzlich überlegen wir gemeinsam mit unserem Patienten, ob wir nach dem Eingriff die Harnblase einmalig mit einem Chemotherapeutikum (gegen Krebs wirkende Substanz) spülen.

Die Diagnostik und die Therapie des Harnblasentumors können wir insbesondere in Fällen mit erhöhtem Risiko durch die photodynamische Diagnostik (PDD, Hexvix®) optimieren, bei der eine bessere Erkennung des Karzinoms möglich ist.

In einigen Fällen ist jedoch eine Blasenentfernung dringend angezeigt.

Diesen Eingriff, den unsere Experten mit großer Kompetenz und Erfahrung durchführen, können wir bei Männern unter Umständen auch potenzschonend vornehmen.

Um den Harn abzuleiten, können wir ein Ileum Conduit (Harnblasenersatz) mit Hautstoma (künstlich hergestellter Ausgang) anlegen sowie kontinente (willkürlich kontrollierbare) orthotope (regelrecht liegende) Ersatzblasen aus Darmanteilen (Ileum-Neoblase) bei Mann und Frau verwenden.

Bei unseren alten Patienten, die ebenso deutlich von einer Blasenentfernung profitieren können, nähen wir den Harnleiter direkt in die Haut ein, die Ableitung erfolgt mit einem Stomabeutel, sodass die Operationszeit verkürzt wird.

Die gelegentlich notwendige wiederholte Blasenspülung zur Rezidivvermeidung (Rezidiv: Wiederauftreten der Erkrankung) führen wir durch, nachdem die Operationsfläche in der Blase abgeheilt ist, sofern oberflächliche, aggressive Tumore vorlagen. Dazu nutzen wir spezielle Lösungen, entweder die BCG-Lösung (mit lebenden Bakterien) oder die Mitomycin-Lösung (ein Antibiotikum).

Die Chemotherapie eines Harnblasentumors vor oder nach einer Operation erfolgt mit der bewährten Standardkombination aus Gemcitabine und Cisplatin (Substanzen, die das Zellwachstum hemmen). Wir stimmen uns für das optimale Ergebnis mit Onkologen (Experten für Krebsheilkunde) ab und arbeiten gegebenenfalls mit ihnen zusammen.

Ihre anschließende Heilbehandlung kann in den Rehabilitationskliniken Bad Wildungen und Reinhardshausen durchgeführt werden.

Nierenkrebs

Der Nierenkrebs kommt seltener vor. Überwiegend entdecken ihn Ärzte zufällig, wenn sie den Bauchraum eines Patienten aus anderen Gründen mittels Computertomografie (CT: computergestützte Röntgenuntersuchung) oder Ultraschall (röntgenstrahlenfreies Bildgebungsverfahren) untersuchen. Daher wird Nierenkrebs, anders als früher, meistens in einem noch nicht fortgeschrittenen Stadium (Entwicklungsstufe) entdeckt. Deswegen können unsere Spezialisten häufig organerhaltend operieren, ohne dass die Heilungsaussicht verringert wird.

Die Art des operativen Eingriffs richtet sich weniger nach der Tumorgröße, vielmehr ist die Lagebeziehung zum Nierenbeckensystem und den großen Venen entscheidend.

Bei einer CT oder einem Ultraschall zeigt sich eine Geschwulst der Niere, die in 95 % der Fälle bösartig ist. Gutartige Tumore kommen gelegentlich vor. Hauptsächlich sind es Onkozytome (aus großen Zellen bestehende Geschwulste), daneben kommen aber auch Angiomyolipome vor (Geschwulste mit hohem Fettgewebeanteil).

Ziel unserer Behandlung ist die Heilung bei gleichzeitiger Nierenerhaltung. Diese hat einen begünstigenden Einfluss bei weiteren Erkrankungen wie Diabetes (Zuckerkrankheit) und Bluthochdruck. Ein operativer Eingriff ist die bevorzugte Therapiewahl. Weder eine Bestrahlung noch eine Chemotherapie können diesen als Erstbehandlung ersetzen.

Kleine Nierentumore, die bis zu 4 cm groß sind, und bei Patienten im fortgeschrittenen Alter oder mit einem eingeschränkten Allgemeinzustand auftreten, können wir auch mit der sogenannten Radiofrequenz-Ablation (RFA) behandeln. Dabei wird in dem Tumor Wärme erzeugt.

Um bei einer RFA ein optimales Ergebnis für unseren Patienten zu erzielen, arbeiten wir mit den Experten der Radiologie Nordhessen und den onkologischen Spezialisten der Asklepios Klinik in Schwalmstadt zusammen.

In bestimmten Fällen ist es sinnvoll, eine Embolisation (künstlicher Verschluss mithilfe eines Katheters) der Nierengefäße vorzunehmen. Dies kommt bei einem blutenden oder schmerzhaften Nierentumor in Betracht sowie bei arteriovenösen Fisteln (AV-Fistel: unnormale Verbindung zwischen Vene und Arterie).

Unsere erfahrenen interventionellen Radiologen führen dieses Verfahren sicher durch.

Hodenkrebs

Von einem Hodenkrebs sind insbesondere junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren betroffen.

Meistens entdeckt ein Patient eine neu aufgetretene Verhärtung seines Hodens selbst.

Besteht der Verdacht, dass ein Hodenkrebs vorliegt, sichern unsere Experten die Diagnose, indem sie einen Ultraschall (röntgenstrahlenfreies Bildgebungsverfahren) vornehmen, Laboruntersuchungen veranlassen und den Hoden abtasten.

Nachdem die umgehend notwendige Tumorentfernung erfolgt ist, bei der wir zumeist vollständig den Hoden entfernen, kontrollieren wir die Lymphknoten und die übrigen Organe, um zu sehen, ob der Tumor Tochtergeschwulste ausgebildet hat. Dazu nutzen wir die Computertomografie (CT: computergestützte Röntgenuntersuchung) oder die Magnetresonanztomografie (MRT: magnetfeldgestützte Untersuchung). Unsere Spezialisten arbeiten, um das für jeden Patienten individuell optimale weitere Vorgehen festzulegen, stets mit einem Zweitmeinungszentrum zusammen. Mit dem gebündelten Fachwissen entscheiden wir über die weiteren Behandlungsmaßnahmen (Überwachung, Operation der Lymphknoten, Bestrahlung der Lymphknoten und Chemotherapie). Diese stimmen wir ausführlich mit Ihnen ab.

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