Mit Empathie und Verantwortung - Dr. Anika Schlemmer leitet ab Februar die Zentrale Notaufnahme am Asklepios Klinikum Schwalmstadt
Die Zentrale Notaufnahme (ZNA) des Asklepios Klinikums Schwalmstadt ist für viele Menschen aus der Region die erste Anlaufstelle in medizinischen Notsituationen. Hier werden sie rund um die Uhr versorgt – oft unter hohem Zeitdruck und mit großer Verantwortung. Mit Dr. Anika Schlemmer bekommt die Abteilung ab Februar eine neue Ärztliche Leitung. Im Interview berichtet die Fachärztin für Anästhesie von ihrer Liebe zum Beruf und ihren persönlichen Zielen für die Zentrale Notaufnahme.
Frau Dr. Schlemmer, Sie sind seit einigen Jahren im Bereich Notfallmedizin tätig. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an diesem medizinischen Arbeitsfeld?
In der Notfallmedizin erleben wir Patienten und Angehörige in emotionalen Ausnahmesituationen. Häufig sind sie mit lebensbedrohlichen Krankheitsbildern und schweren Schicksalsschlägen konfrontiert. In dramatischen Situationen empathisch zu sein und Menschen das Gefühl echter Unterstützung und Fürsorge zu geben, ist für mich eine sehr erfüllende Aufgabe. Zudem zeichnet sich die Arbeit in der Notaufnahme durch Abwechslung und ein breites Spektrum medizinischer Fragestellungen aus. Die tägliche Auseinandersetzung mit oft sehr unterschiedlichen Symptomen und individuellen Anforderungen machen den Arbeitsalltag besonders vielfältig und anspruchsvoll.
Wenn Sie an Ihren künftigen Arbeitsort, das Asklepios Klinikum Schwalmstadt, denken: Auf was freuen Sie sich?
Für mich fühlt sich meine neue berufliche Aufgabe ein wenig so an, als würde ich nach Hause kommen. Ich bin in Willingshausen aufgewachsen und wohne mit meinem Mann und unseren beiden Kindern in Wasenberg. Zudem kenne ich das Klinikum bereits, weil ich hier vor einigen Jahren das Praktische Jahr meines Medizinstudiums absolviert und als Assistenzärztin in der Unfallchirurgie gearbeitet habe. Bereits in dieser Zeit habe ich meine Leidenschaft zur Notfallmedizin entdeckt. Ich freue mich deshalb darauf, bekannte Gesichter wiederzusehen und neue Kollegen kennenzulernen. In der Zentralen Notaufnahme hat mein Vorgänger Tobias Honacker über viele Jahre bereits eine gute Struktur aufgebaut, an die ich nun anknüpfen kann. Mir ist es wichtig, die Abteilung in enger Zusammenarbeit mit den anderen Fachdisziplinen im Haus effizient weiterzuentwickeln.
Apropos andere Disziplinen: Welche Rolle spielt diese Interdisziplinarität bei Ihrer Arbeit?
Die Zentrale Notaufnahme ist bei akutem und dringendem Behandlungsbedarf für viele Patienten die Eingangspforte zum Krankenhaus. Wir sind die ersten Personen, mit denen sie in einer kritischen Situation Kontakt haben und müssen innerhalb kürzester Zeit die Situation analysieren und über die weiteren Diagnostik- und Behandlungsschritte entscheiden – immer mit dem Ziel einer ebenso schnellen wie effizienten Versorgung. Die enge Zusammenarbeit mit den anderen medizinischen Disziplinen im Haus ist deshalb von größter Bedeutung. Das Klinikum Schwalmstadt ist mit seinen zahlreichen Fachabteilungen unter einem Dach besonders gut aufgestellt. Patienten profitieren dabei von den kurzen Wegen innerhalb des Hauses.
Wie ist die Zentrale Notaufnahme ausgestattet?
Je nach Schwere der Verletzung oder Erkrankung stehen in unserer Zentralen Notaufnahme ein Schockraum, drei Multifunktionsräume, ein Isolationsraum sowie eine Überwachungseinheit mit zehn Betten – einschließlich Brustschmerzeinheit – zur Verfügung. In diesen Räumlichkeiten können wir sämtliche lebensrettenden und -erhaltenden Maßnahmen ergreifen. Zudem ist es möglich, eine längere Überwachung sicherzustellen.
Welche Ziele haben Sie für Ihre Arbeit?
Aus meiner beruflichen Erfahrung weiß ich, dass durch lange Wartezeiten und eine überfüllte Notaufnahme häufig Unzufriedenheit und Nervosität bei Patienten und Angehörigen entstehen. Hier sehe ich – in enger Zusammenarbeit mit den innerklinischen medizinischen Fachabteilungen, aber auch mit den Kollegen vom Rettungsdienst, den Gesundheitseinrichtungen und Kliniken in der Region sowie den niedergelassenen Kollegen – das größte Potenzial für eine Prozessoptimierung. Außerdem ist mir ein starker Zusammenhalt im Team sehr wichtig, da der Arbeitsalltag in der Notaufnahme selten ruhig beziehungsweise nach Schema F verläuft und ein verlässliches Miteinander entscheidend ist. Deshalb achte ich auch in herausfordernden Momenten darauf, ein unterstützendes und motivierendes Arbeitsklima zu fördern. Wichtig ist mir auch die Nachwuchsförderung, denn nirgendwo kann man so viel über Medizin lernen wie in der Notaufnahme. Ich freue mich darauf, neue Kollegen anzuleiten und zu fördern – darin sehe ich eine entscheidende Investition in die Zukunft. Ein ganz persönliches Ziel ist es, niemals den Respekt vor meiner verantwortungsvollen Tätigkeit zu verlieren und mir bewusst zu sein, dass auch mein beruflicher Werdegang nur dank der Unterstützung meiner großartigen Familie möglich war.
Zur Person
Dr. Anika Schlemmer (42) ist Fachärztin für Anästhesie, zudem verfügt sie über die Zusatzbezeichnungen Klinische Akut- und Notfallmedizin, Intensivmedizin und Notfallmedizin. Ihr Studium absolvierte sie in Marburg, wo sie die letzten zehn Jahre am Universitätsklinikum tätig war, zuletzt als Oberärztin im Zentrum für Notfallmedizin. Ab Februar übernimmt sie die Ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme am Asklepios Klinikum Schwalmstadt. Anika Schlemmer ist verheiratet und Mutter von Zwillingen. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrer Familie – auf Reisen, in Freizeitparks oder im Fußballstadion. Zudem ist sie gern sportlich aktiv, zum Beispiel beim Skifahren oder Spinning.