
Dr. med. Hanka Lantzsch
Chefärztin
Akne. Neurodermitis. Depression.

„Vereinfacht gesagt: fast alle Menschen haben ein besonders verwundbares Organ“, erklärt Dr. Hanka Lantzsch, langjährige Leiterin der dermatologischen Abteilung der Asklepios Nordseeklinik Westerland auf Sylt. „Manchen schlagen negative Ereignisse auf den Magen, anderen bereiten sie Kopfschmerzen, Patientinnen und Patienten unserer Klinik gehen sie unter die Haut.“ Nicht ohne Grund habe der Volksmund besonders viele Sprachbilder für die Verbindung zwischen Haut und Seele gefunden: Da ist jemand dünnhäutig, ein anderer will bei jeder Gelegenheit aus der Haut fahren, die nächste nicht in der Haut der anderen stecken. Haut reagiert auf Angst- und Stresszustände, Freude und Schmerz, Menschen erzittern, erröten oder bekommen eine Gänsehaut.
Während Studien zufolge jeder fünfte Reha-Patient (20 %) unabhängig von der Art seiner Grunderkrankung an einer oder mehreren psychischen Beeinträchtigungen leidet, sind es unter den Hautpatientinnen und -Patienten jede vierte bis knapp jede dritte Person (25-30 %). Hauterkrankte leiden doppelt so häufig unter Depressionen oder Selbstmordgedanken als Menschen ohne Erkrankung.
„Eine Ursache ist, dass chronische Hautentzündungen häufig sichtbar sind“, erklärt dazu Chefärztin Dr. Hanka Lantzsch. „Hautpatientinnen und -patienten fühlen sich oft den verstohlenen Blicken ihrer Mitmenschen ausgesetzt, dadurch stigmatisiert und ziehen sich nicht selten aus dem Leben in den Schutz der eigenen Häuslichkeit zurück.“ Sie blieben im Home-Office, mieden öffentliche Schwimmbäder, gingen im Sommer nicht mehr leichtbekleidet aus dem Haus, so die Ärztin. „Was erneut quälende Gefühle auslösen kann. Es ist ein Teufelskreis.“
Hier setzt das besondere Konzept der Verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) der Deutschen Rentenversicherung (DRV) an: „Es nimmt den ganzen Menschen als Körper-Seele-Geist-Wesen in den Blick“, erklärt Dr. Hanka Lantzsch. Die medizinisch-ärztliche Versorgung der Hauterkrankung und die psychologisch-therapeutische Behandlung der durch sie verursachten seelischen Beeinträchtigungen stehen gleichberechtigt nebeneinander. „Die VOR kombiniert die klassische medizinische Rehabilitation mit psychotherapeutischen und bewegungstherapeutischen Angeboten“, erläutert Dr. Hanka Lantzsch. „Und zwar für jede Patientin, jeden Patienten individuell: Für den Behandlungsplan wählen wir aus der Fülle unserer unterschiedlichen Therapieangebote – etwa UV-Therapie, Psychoedukation, Entspannungstraining – diejenigen aus, die die Gesundung des jeweiligen Menschen bestmöglich fördern.
Ziel ist es, seine Ressourcen so zu stärken, dass belastende Gefühle oder Verhaltensweisen entweder verändert werden können – oder der Patient, die Patientin lernt, damit zu leben.“
Die VOR kombiniert die klassische medizinische Rehabilitation mit psychotherapeutischen und bewegungstherapeutischen Angeboten
Entscheidend für die Aufnahme in das VOR-Programm ist, dass die betroffene Person an einer Hauterkrankung leidet, die seelische Beeinträchtigungen oder Erkrankungen wie Depression oder Ängste nach sich zieht. Zu den häufigsten Krankheitsbildern, die den Zugang zur VOR ermöglichen, gehören chronische Hautentzündungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Akne. Patientinnen und Patienten, die vorrangig an einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung leiden, können in der Nordseeklinik nicht behandelt werden.
Wer sich unsicher sei, frage seinen Haus- oder Facharzt, seine Haus- oder Fachärztin, rät Dr. Hanka Lantzsch. „Sie sind es, die die Teilnahme an der VOR für ihre Patientinnen und Patienten bei der Deutschen Rentenversicherung begründen.“ Das relativ neue und hochspezifische Angebot sei nach wie vor nicht in allen Praxen bekannt. „Deshalb“, ermutigt die Hautärztin, „fragen Sie aktiv nach!“

Die dermatologische Rehabilitationsklinik der Nordseeklinik Westerland auf Sylt ist die einzige Klinik bundesweit, die eine Verhaltensmedizinisch Orientierte Rehabilitation (VOR) für Menschen mit chronischer Hauterkrankung über die Deutsche Rentenversicherung anbietet. Sie unterscheidet sich von der klassischen Reha unter anderem darin, dass die Patientinnen und Patienten

Auch die Anforderungen an die Qualifikation und Tätigkeit des ärztlich-therapeutischen Teams sind umfassender anders als in der klassischen Rehabilitation: das ärztliche Personal sollte über psychotherapeutische Zusatzqualifikationen bzw. Weiterbildungen in psychosomatischer Grundversorgung verfügen, die Psychologen und Psychologinnen über eine psychotherapeutische Ausbildung. Nicht zuletzt deckt ein eine studierte Sportlehrkraft das bewegungsbewegungstherapeutische Angebot ab.
Ein bis zwei Mal pro Woche finden interdisziplinäre Fallbesprechungen statt, in denen das aktuelle Befinden der jeweiligen Person begutachtet wird. So kann der Genesungsfortschritt engmaschig verfolgt und bei Bedarf – auch unter Einbeziehung der betroffenen Person – umgesteuert werden. Die wöchentliche Facharztvisiten, in denen Untersuchungsbefunde, Diagnosen, der Therapieverlauf und die sozialmedizinische Beurteilung besprochen und Rehabilitationsziele mit dem Patienten abgestimmt und gegebenenfalls modifiziert werden, dienen ebenfalls dem Ziel, die kostbare Zeit für ein Maximum an Gesundheitsförderung zu nutzen.
Ziel der VOR ist, die Ressourcen zu stärken und schädliches Verhalten – etwa das zwanghafte Aufkratzen von Hautunreinheiten, aber auch Panik- und Stressreaktionen – zum Positiven zu verändern. Im Zentrum der Gruppentrainings stehen daher Übungen, die die Selbstregulation und Selbstwirksamkeit verbessern.
Die Patientinnen und Patienten stecken sich Ziele, die auf das Hier und Jetzt, nicht auf eine ferne Zukunft gerichtet sind. Diese so genannten Motto-Ziele werden als Bild visualisiert und in Worte gefasst, sodass sie zeitgleich Verstand und Unterbewusstes ansprechen. Typische Motto-Ziele lauten beispielsweise „Wie ein Fels in der Brandung bleibe ich ruhig und gelassen“ oder „Mit Leichtigkeit lasse ich das Alte los und begrüße das Neue.“ Mit Hilfe verschiedener Techniken erden die Patientinnen und Patienten die in den Mottozielen formulierten Wünsche so, dass sie „in Fleisch und Blut“ übergehen und zu veränderten Gefühlen und Reaktionen führen können.

Bisherige Forschungsergebnisse zeigen, dass sich stark belastete Patientinnen und Patienten nach einer VOR fitter für ihre Arbeit und ihren Alltag fühlen und besser mit Schmerzen umgehen können. Ein Ergebnis, das Dr. Hanka Lantzsch aus über fünf Jahren VOR in der Asklepios Nordseeklinik Westerland auf Sylt bestätigen kann: „Unsere Patientinnen und Patienten sind sehr dankbar dafür, dass sie ganzheitlich gesehen werden“, berichtet sie. „Auch die kleine Gruppengröße verbindet, tröstet und stärkt die Patientinnen und Patienten untereinander.
Durch die vier Wochen haben sie genügend Zeit, ihre neuen Erkenntnisse und Erlebnisse zu verarbeiten – und sich nicht zuletzt in unserem heilsamen Nordseeklima und in der wunderschönen Natur- und Meereslandschaft auf Sylt umfassend zu erholen.“

Chefärztin
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Asklepios Nordseeklinik Westerland - Rehabilitationsklinik
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