Therapie und Behandlungsdauer

Wie kann ich mir die Therapie vorstellen?

Eine Behandlung von seelischen und psychosomatischen Beeinträchtigungen, also körperlichen Beschwerden, die durch psychische Belastungen hervorgerufen werden, kann nicht an Ihnen vorbei und schon gar nicht gegen Ihren Willen erfolgen. Ihre informierte Mitarbeit ist eine wichtige Voraussetzung. Wir meinen deshalb, dass es hilfreich ist, wenn Sie sich eine Vorstellung von der Sie erwartenden Behandlung machen können, denn nur dann können Sie auch daran mitarbeiten.

 

Die Therapie in Tiefenbrunn ist vom Grundkonzept her psychodynamisch ausgerichtet, also auf das Wirken von innerseelischen Kräfte fokussiert. Der alltäglichen Erfahrung nach werden Verhalten und Erleben jedes Menschen nicht nur durch sein Bewusstsein und seinen Willen, sondern auch durch einen ihm unbekannten, unbewussten, nicht ohne weiteres zugänglichen Bereich bestimmt. Wir handeln, erleben und entscheiden oft in einer Weise, die wir bewusst nicht wollen. Dann kommt es zu Belastungen oder Konflikten, die nur gelöst werden können, wenn auch die unbewusste Seite selbst bewusst und verstanden werden kann.

Bei einem Teil unserer Patienten ist es notwendig, dass sie ein Stück ihrer Persönlichkeitsentwicklung nachholen oder neue Fähigkeiten zur Lebensbewältigung erwerben.

Wie lange dauert meine Behandlung in Tiefenbrunn?

Für die Behandlung kommen verschiedene Zugangswege und Mittel in Betracht, unter anderem:

  • psychodynamisch orientierte Einzeltherapie
  • psychoanalytisch-orientierte und interaktionelle Gruppentherapie in verschiedenen Formen
  • Paar- und Familientherapie, Systemische Therapie (Verfahren, das den sozialen Kontext von psychischen Störungen in den Blick nimmt)
  • neuere Verfahren zur Behandlung von Folgen traumatischer Erfahrungen

Es kann also sein, dass wir Ihnen und Ihren Angehörigen hin und wieder gemeinsame Gespräche vorschlagen. Wir meinen, dass auch Ihre Angehörigen sich Gedanken machen, wenn Sie längere Zeit in einem Krankenhaus sind. Wir wollen ihnen die Möglichkeit bieten, mit uns in Ihrem Beisein zu sprechen. Dazu kommt es selbstverständlich nur dann, wenn Sie damit einverstanden sind.

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit in Tiefenbrunn ist die Gruppentherapie. Jeder Mensch lebt in irgendeiner Weise in einer Gruppe, und eine therapeutische Gruppe bietet ungeahnte Möglichkeiten der Aufarbeitung nicht bewusster und lebensgeschichtlicher Konflikte. Sie bietet darüber hinaus zahllose Möglichkeiten, voneinander zu lernen, neue Fähigkeiten zu entwickeln, mit zwischenmenschlichen Beziehungen umzugehen und neue Verhaltensweisen auszuprobieren. Oft helfen Worte allein nicht. Manchmal muss man etwas üben (zum Beispiel einen Test schreiben oder eine mehrstündige Arbeit aushalten, um sich besser durchzusetzen oder in bestimmten Situationen keine Angst zu haben), manchmal muss man etwas entdecken (zum Beispiel die Welt der eigenen Gefühle oder die eigene Stärke). Damit tun sich die allermeisten Menschen recht schwer.

Weitere Behandlungsangebote

Deshalb kommen noch die folgenden Behandlungsformen bei uns zur Anwendung:

  • Sozialtherapie (Arbeits- und Studienversuche, Sozialberatung, Freizeitgruppen und anderes)
  • Ergo- und Gestaltungstherapie, überwiegend in Gruppenform (Ergotherapie: Training von alltagspraktischen Fähigkeiten)
  • verhaltensmodifizierende Maßnahmen (zum Beispiel Expositionstraining (Konfrontation) bei Ängsten und Zwängen, Fertigkeitstraining für Patienten mit Borderline-Störungen)
  • Körper- und Bewegungstherapie (Autogenes Training, Körperwahrnehmung, Pantomime, Rhythmik, Atemgymnastik, Tanz und Bewegung, Entspannungsübungen und anderes), überwiegend in Gruppenform
  • Musiktherapie
  • Sporttherapie (Volleyball für Anfänger und Fortgeschrittene, Ballspiele, therapeutisches Boxen etc.)
  • Physiotherapie (unter anderem Bäder, Massagen, Kneipp‘sche Güsse, Sauna, Fango, Wärmebehandlung)
  • Krankengymnastik
  • Diät- und Ernährungsberatung

Viele Menschen leiden unter den Folgen von traumatischen Erlebnissen, körperlichen Misshandlungen und sexuellen Übergriffen. Hier ist zunächst eine längere Stabilisierung notwendig, damit der Betreffende sich überhaupt mit den sehr belastenden und bedrängenden Erinnerungen auseinandersetzen kann. Während der Stabilisierungsphase werden Imaginations- und Achtsamkeitsübungen vermittelt sowie ein Stresstoleranztraining durchgeführt.

Unter Umständen wird auch eine Traumabehandlung mit EMDR erfolgen. „EMDR“ steht für „Eye Movement Desensitization and Reprocessing“ (englisch für „Augenbewegungs-Desensibilisierung und Wiederaufarbeitung“) und ist eine spezielle Therapiemethode, die sich in der Behandlung von Patienten mit Traumafolgen bewährt hat.

Neben diesen genannten therapeutischen Zugangswegen haben Sie auch im Alltag auf der Station und in der Klinik die Möglichkeit von vielfältigen Begegnungen mit anderen Menschen, was Chancen für neue Erfahrungen und Möglichkeiten birgt. Dort können dann auch Schwierigkeiten und Grenzen deutlich werden.

An welchen dieser Behandlungen Sie teilnehmen sollten, besprechen wir mit Ihnen während Ihres Aufenthaltes in der sogenannten Zweitsicht. Damit ist Folgendes gemeint: Ihr Stationsarzt hat die ersten Gespräche mit Ihnen geführt, Sie haben zur Ergänzung dieser Gespräche einige Fragebögen ausgefüllt und sich in Tiefenbrunn schon etwas eingelebt. Zur Planung Ihrer Behandlung spricht dann in der Zweitsicht der für Sie zuständige Funktionsbereichsleiter mit Ihnen, der sich von Ihnen und Ihrer Krankheit ein Bild macht. Dabei werden die Behandlungsschritte gemeinsam überlegt und mit Ihnen aufeinander abgestimmt.

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