Scheidenpilz
Scheidenpilz (Vaginalmykose)
Ein Scheidenpilz (Vaginalmykose) ist eine häufig auftretende Pilzinfektion bei Frauen. Die typischen Beschwerden wie Juckreiz, Brennen und weißlicher Ausfluss können sehr unangenehm sein. In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, welche Symptome auftreten können, wie ein Scheidenpilz diagnostiziert und wie er behandelt wird.
Welche Symptome sind typisch für einen Scheidenpilz?
Ein Scheidenpilz (Vaginalmykose) äußert sich durch verschiedene Beschwerden, insbesondere im Bereich der Vagina (Scheide) und der äußeren Geschlechtsorgane. Die Symptome können individuell unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Dennoch gibt es einige typische Anzeichen, die auf eine Pilzinfektion hinweisen.
Juckreiz im Intimbereich
Starker Juckreiz gehört zu den häufigsten Symptomen eines Scheidenpilzes und ist oft eines der ersten Anzeichen. Dieses unangenehme Gefühl tritt sowohl in der Vagina (Scheide) als auch im Bereich der Vulva (äußere weibliche Geschlechtsorgane) auf und kann stark belastend sein. Der Juckreiz kann besonders intensiv werden, wenn die Haut im Intimbereich bereits gereizt oder geschädigt ist.
Brennen und Schmerzen
Ein weiteres typisches Symptom ist ein brennendes Gefühl im Genitalbereich. Dieses kann sowohl im Alltag als auch beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr auftreten. Brennen und Schmerzen sind häufige Begleiter des oben genannten Juckreizes.
Weißlicher, krümeliger Ausfluss
Der Ausfluss aus der Vagina (Scheide) verändert sich bei einer Pilzinfektion oft deutlich. Typisch ist ein weißlicher, krümeliger Ausfluss, der in seiner Konsistenz an geronnene Milch erinnert. Im Gegensatz zu anderen Infektionen bleibt dieser Ausfluss meist geruchlos, was ihn von bakteriellen Infektionen unterscheidet.
Rötung und Schwellung
Die Schleimhaut der Vagina und die äußeren Geschlechtsorgane können durch die Infektion gerötet und geschwollen sein. Diese Veränderungen entstehen durch die Entzündung, die durch die übermäßige Vermehrung der Hefepilze hervorgerufen wird. Die Rötung ist oft deutlich sichtbar und kann mit einem Gefühl von Wärme im betroffenen Bereich einhergehen.
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
Frauen mit Scheidenpilz berichten häufig von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Diese Beschwerden entstehen durch die gereizte und entzündete Schleimhaut, die empfindlicher auf Druck und Reibung reagiert. Geschlechtsverkehr kann in solchen Fällen sehr unangenehm oder sogar unmöglich sein.
Beschwerden beim Wasserlassen
Wenn die Infektion auch die Harnröhre betrifft, können Schmerzen beim Wasserlassen auftreten. Dieses Symptom ist weniger häufig, zeigt dann aber, dass sich die Entzündung auf umliegende Bereiche ausgebreitet hat.
Verstärkte Beschwerden vor der Menstruation
Einige Frauen bemerken, dass die Symptome des Scheidenpilzes einige Tage vor der Regelblutung intensiver werden. Dies hängt möglicherweise mit hormonellen Veränderungen zusammen, die das Wachstum der Hefepilze begünstigen können.
Wenn Sie Beschwerden wie diese bei sich bemerken, sollten Sie eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen.
Wie wird ein Scheidenpilz diagnostiziert?
Die Diagnostik bei einem Scheidenpilz erfolgt in der Regel durch eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen.
Anamnese: das Gespräch über Ihre Beschwerden
Zu Beginn der Untersuchung führt die Ärztin oder der Arzt ein ausführliches Gespräch. Dabei geht es unter anderem um die Art und Dauer der Beschwerden, frühere Erkrankungen oder Infektionen sowie mögliche Risikofaktoren wie die Einnahme von Medikamenten (zum Beispiel Antibiotika) oder bestehende Grunderkrankungen wie Diabetes. Dieses Gespräch hilft, erste Hinweise auf die Ursache der Symptome zu gewinnen.
Gynäkologische Untersuchung
Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung des Intimbereichs, bei der die Sie untersuchende Ärztin oder Arzt die Schleimhaut der Vagina (Scheide) und der äußeren Geschlechtsorgane begutachtet. Typische Anzeichen wie weißliche Beläge, Rötungen oder Schwellungen weisen oft auf einen Scheidenpilz hin. Diese Beläge lassen sich vorsichtig abwischen, woraufhin die entzündete Schleimhaut sichtbar wird. In den meisten Fällen lässt sich ein Scheidenpilz so bereits zweifelsfrei identifizieren und mit einer gezielten, in der Regel medikamentösen Therapie (Creme und/oder Vaginaltabletten) behandeln.
Abstrich
Um die Diagnose in Zweifelsfällen zu bestätigen, können Ärzt:innen einen Abstrich der Vaginalschleimhaut entnehmen. Dieses Material wird unter dem Mikroskop untersucht, um die charakteristischen Strukturen der Hefepilze – sogenannte Hyphen und Sprosszellen – nachzuweisen. In etwa 75 % der Fälle gelingt der Nachweis direkt.
Pilzkultur bei unklaren Befunden
Wenn die mikroskopische Untersuchung kein eindeutiges Ergebnis liefert, legen unsere Fachkräfte eine Pilzkultur an. Dabei werden die Erreger im Labor gezüchtet, um ihre genaue Art zu bestimmen und mögliche Resistenzen gegenüber Medikamenten zu erkennen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei einem Scheidenpilz?
Die Behandlung eines Scheidenpilzes zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und die Pilzinfektion effektiv zu bekämpfen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die abhängig von der Schwere der Erkrankung und Ihren individuellen Umständen zum Einsatz kommen.
Lokale Anwendung von Cremes und Zäpfchen
Die lokale Behandlung mit Cremes und Zäpfchen ist die am häufigsten angewandte Methode bei Scheidenpilz. Dabei führen Sie das Medikament direkt in Ihre Vagina (Scheide) ein, wo es gezielt auf die entzündete Schleimhaut wirkt. Diese Therapieform ist besonders effektiv, da sie direkt am Ursprungsort der Infektion ansetzt. Die Anwendung erfolgt in der Regel über mehrere Tage. Der Vorteil dieser Methode liegt in der schnellen Linderung von Beschwerden wie Juckreiz und Brennen. Gleichzeitig wird das Wachstum der Hefepilze gehemmt, wodurch die Infektion abklingt.
Systemische Behandlung mit Tabletten
In schwereren Fällen oder bei wiederkehrenden Infektionen kann eine systemische Behandlung sinnvoll sein. Dabei nehmen Sie Medikamente in Tablettenform ein, die über den Blutkreislauf wirken. Diese Methode ist besonders hilfreich, wenn die Pilzinfektion sich nicht nur lokal beschränkt, sondern möglicherweise auch umliegende Bereiche betroffen sind oder die Infektion besonders hartnäckig ist.
Unterstützung der Scheidenflora durch Probiotika
Eine weitere Hilfe ist die Unterstützung der natürlichen Scheidenflora durch probiotische Präparate. Diese enthalten lebende Milchsäurebakterien, die das Gleichgewicht der Vaginalflora wiederherstellen können. Durch die Förderung eines gesunden Milieus wird das erneute Auftreten eines Scheidenpilzes erschwert. Diese Methode kann sowohl begleitend zur Antipilztherapie als auch zur Vorbeugung eingesetzt werden. Unsere Fachkräfte stehen Ihnen bei der Auswahl und Anwendung solcher Präparate selbstverständlich zur Seite.
Welche Begleiterkrankungen können bei einem Scheidenpilz auftreten?
Ein Scheidenpilz kann nicht nur isoliert auftreten, sondern auch mit anderen Erkrankungen einhergehen, die entweder Ursache oder Folge der Pilzinfektion sind. Diese Begleiterkrankungen betreffen häufig das Immunsystem, den Hormonhaushalt oder die natürliche Balance des Körpers.
Bakterielle Vaginose
Die sogenannte bakterielle Vaginose ist eine Erkrankung, bei der das natürliche Gleichgewicht der Vaginalflora gestört ist. Sie wird vor allem durch eine Überbesiedlung von krankmachenden Bakterien verursacht, wie Gardnerella vaginalis. Typisch ist ein unangenehm riechender Ausfluss. Das gestörte Scheidenmilieu kann die Vermehrung von Hefepilzen wie Candida albicans begünstigen. Frauen, die an einer bakteriellen Vaginose erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko, auch einen Scheidenpilz zu entwickeln.
Diabetes mellitus
Der erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus verändert das Milieu der Vaginalflora und bietet Hefepilzen ideale Wachstumsbedingungen. Besonders bei unzureichend eingestelltem Diabetes kann es vermehrt zu Scheidenpilzinfektionen kommen. Zudem erschwert die Erkrankung die Heilung und begünstigt wiederkehrende Infektionen im Intimbereich.
Harnwegsinfektionen
Eine Pilzinfektion der Vagina (Scheide) kann sich auf die Harnröhre ausbreiten und Schmerzen beim Wasserlassen verursachen. Gleichzeitig erhöht eine bestehende Harnwegsinfektion das Risiko für einen Scheidenpilz, da die Schleimhäute geschwächt und anfälliger für Pilzbefall sind. Beide Erkrankungen begünstigen sich gegenseitig.
Immunschwäche
Ein geschwächtes Immunsystem – etwa durch HIV, Chemotherapie oder Stress – macht den Körper anfälliger für Pilzinfektionen. In solchen Fällen können Hefepilze die Scheidenflora dominieren und eine Entzündung hervorrufen. Bei Immunschwäche besteht zudem die Gefahr, dass sich die Infektion im Körper ausbreitet.
Wie kann man einem Scheidenpilz vorbeugen?
Ein Scheidenpilz ist unangenehm. Bestimmte Verhaltensweisen und Umstände können ihn begünstigen. Im Umkehrschluss gibt es glücklicherweise zahlreiche Möglichkeiten, wie Sie das Risiko einer Pilzinfektion deutlich verringern können.
Intimhygiene: weniger ist mehr
Die richtige Intimhygiene kann das Risiko von Scheidenpilz verringern. Übertriebene Hygiene, wie häufiges Waschen mit Seife oder das Verwenden von Intimsprays, schädigt die natürliche Vaginalflora und macht die Schleimhaut anfälliger für Infektionen. Stattdessen sollten Sie den Intimbereich ausschließlich mit lauwarmem Wasser reinigen. Falls ein Reinigungsmittel erforderlich ist, greifen Sie zu einem pH-neutralen Syndet (ein schonendes, synthetisch hergestelltes Waschmittel), das die natürliche Säurebalance nicht stört. Verzichten Sie unbedingt auf Vaginalspülungen, da diese die gesunden Milchsäurebakterien der Scheidenflora ausspülen und damit das Risiko für eine Pilzinfektion erhöhen.
Die richtige Wahl der Kleidung
Eng sitzende Kleidung aus synthetischen Stoffen kann ein feucht-warmes Milieu schaffen, das das Wachstum von Hefepilzen begünstigt. Bevorzugen Sie Unterwäsche aus atmungsaktiven Materialien wie Baumwolle und wechseln Sie diese täglich. Verwenden Sie keine luftdichten Slipeinlagen oder Binden, da diese ebenfalls zu einem Wärmestau führen können. Entscheiden Sie sich für Produkte ohne parfümierte Zusätze, um die Schleimhäute nicht zusätzlich zu reizen. Ebenso sollten Sie darauf achten, dass Ihre Kleidung im Intimbereich nicht scheuert, denn das macht die Haut empfindlicher.
Toilettenhygiene: von vorne nach hinten
Eine falsche Wischtechnik beim Toilettengang kann Hefepilze aus dem Darm in die Vaginalregion bringen und so eine Infektion auslösen. Deshalb ist es wichtig, sich immer von vorne nach hinten zu reinigen. Diese einfache Maßnahme schützt nicht nur vor einem Scheidenpilz, sondern auch vor anderen Infektionen, wie etwa Harnwegsinfektionen.
Hygieneartikel richtig verwenden
Tampons können die Vaginalschleimhaut austrocknen und dadurch anfälliger für Pilzinfektionen machen. Wenn Sie Tampons benutzen, wechseln Sie diese regelmäßig, idealerweise alle vier Stunden. Alternativ können Sie zu atmungsaktiven Binden greifen. Waschlappen und Handtücher für den Intimbereich sollten Sie regelmäßig wechseln und bei mindestens 60 Grad waschen, um Keime abzutöten.
Verzicht bei vorhandener Infektion
Wenn Sie selbst, aber auch wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin an einer Pilzinfektion leidet, sollten Sie vorübergehend auf Geschlechtsverkehr verzichten, bis die Infektion abgeklungen ist. Dies verhindert eine Ping-Pong-Ansteckung beziehungsweise eine erneute Ansteckung und schützt so die empfindliche Vaginalflora. Falls Sie dennoch aktiv sein möchten, verwenden Sie Kondome, um das Risiko einer Übertragung zu minimieren.
Regelmäßige gynäkologische Kontrollen
Ein Besuch bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt kann helfen, Risikofaktoren wie eine gestörte Vaginalflora frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Insbesondere, wenn Sie häufiger an einem Scheidenpilz leiden oder schwanger sind, sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Auch wenn eine Ansteckung im üblichen Sinne bei einem Scheidenpilz unwahrscheinlich ist, sondern ein Ungleichgewicht in der Vaginalflora in der Regel verantwortlich ist, sollten Schwangere ab der 34. Schwangerschaftswoche eine Pilzkultur anlegen lassen, um das Risiko einer Übertragung auf das Kind zu minimieren.