Beckenbodenschwäche

Beckenbodenschwäche (Beckenbodeninsuffizienz)

Eine Beckenbodenschwäche (Beckenbodeninsuffizienz) ist eine Schwächung der Muskeln und des Bindegewebes im Beckenboden. Sie kann zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, wie Inkontinenz, Schmerzen oder Senkungsproblemen. In den folgenden Abschnitten informieren wir Sie über die typischen Symptome, die Diagnostik und die gängigen Behandlungsansätze.

Welche Symptome können auf eine Beckenbodenschwäche hinweisen?

Eine Beckenbodenschwäche ist ein Überbegriff oder eher eine allgemeine Bezeichnung verschiedener Beschwerden verursachen, die je nach Schweregrad variieren.

Gefühl eines Fremdkörpers oder Drucks im Unterbauch

Betroffene berichten häufig von einem Fremdkörpergefühl in der Scheide oder einem unangenehmen Druck im Unterbauch. Dies ist teilweise kombiniert mit einer Blasen- oder Darmentleerungsschwierigkeit 

Probleme mit der Blasenkontrolle

Ein ungewollter Urinverlust, insbesondere beim Husten, Niesen oder körperlicher Anstrengung, kann ein typischer Hinweis sein. Allerdings können auch Schwierigkeiten bei der vollständigen Blasenentleerung oder ein häufiger Harndrang und häufige nächtliche Toilettengänge auftreten. Diese Symptome können auf eine Belastungs- oder Dranginkontinenz hinweisen, aber auch auf eine Senkung der Beckenorgane.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Frauen mit einer Beckenbodenschwäche klagen teilweise über Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs. Diese können durch die veränderte Lage der Beckenorgane oder eine erhöhte Empfindlichkeit in der betroffenen Region verursacht sein. Allerdings ist das ein seltenes Symptom und kann auch andere Ursachen haben. 

Verstopfung und Darmprobleme

Probleme bei der vollständigen Darmentleerung oder Verstopfung können genauso ein Hinweis auf eine Senkung oder Beckenbodenschwäche sein, wie eine Stuhlinkontinenz. Das kann für die Betroffenen besonders belastend ist.

Vorwölbung der Beckenorgane

In fortgeschrittenen Fällen kann es zu einer sichtbaren oder tastbaren Vorwölbung von Beckenorganen wie der Blase, Gebärmutter oder des Darms in die Scheide kommen. Diese Senkungsproblematik kann die Beschwerden verstärken und erfordert kurzfristig eine ärztliche Abklärung.

Sollten Sie eines oder mehrere dieser Beschwerden bei sich feststellen, ist es ratsam, eine Fachärztin oder einen Facharzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und mögliche Therapien zu besprechen. 
 

Welche Begleiterkrankungen können mit einer Beckenbodenschwäche auftreten?

Eine Beckenbodenschwäche kann nicht nur eigenständig auftreten, sondern auch in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen und Symptomen stehen – sei es als Ursache oder als Folge. Diese sogenannten Begleiterkrankungen können die Beschwerden der Betroffenen verstärken oder die Behandlung komplexer machen.

Blasenentzündungen

Wiederkehrende Blasenentzündungen können als Folge einer permanenten unvollständigen Blasenentleerung auftreten, die durch eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur bedingt ist. Der Restharn in der Blase bietet dann einen idealen Nährboden für Bakterien. Gleichzeitig können die immer wiederkehrenden Infekte zu einer Inkontinenz und Schmerzen führen.

Scheidenvorwölbung mit Schmerzen und Blutungen

Bei einer starken Senkung, kann es zu einer Vorwölbung der Scheide oder der Gebärmutter vor die Scheide, so dass es durch den Kontakt zur Wäsche zu einer Kontaktblutung kommen hat. Die Ursache ist das Scheuern der ansonsten geschützen Schleimhaut an der Unterwäsche. Das kann sehr bedrohlich wirken. 

Die enge Verbindung dieser Erkrankungen mit einer Beckenbodenschwäche verdeutlicht die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Diagnostik und Therapie. Unsere Ärzt:innen arbeiten deshalb gegebenenfalls interdisziplinär, also fachübergreifend, zusammen.
 

Wie wird eine Beckenbodenschwäche diagnostiziert?

Gespräch (Anamnese)

Die Diagnostik bei einer Beckenbodenschwäche beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt. In diesem Gespräch erfassen unsere Ärzt:innen Beschwerden, Krankengeschichte sowie mögliche Risikofaktoren wie Schwangerschaften, Geburten oder Operationen im Beckenbereich. Diese sogenannte Anamnese ist ein wichtiger erster Schritt, um die Ursache Ihrer Beschwerden besser einzugrenzen.

Körperliche Untersuchung 

Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Dabei tastet die Fachärztin oder der Facharzt die Beckenbodenmuskulatur ab, um deren Stärke und Funktion zu beurteilen. Sie überprüfen in der Spekulum- oder Spiegeluntersuchung die Position der Beckenorgane Diese Untersuchung gibt Hinweise darauf, ob und wie stark sich Organe abgesenkt haben. Bei Bedarf müssen Sie als Test kräftig husten oder drücken, damit die Fachkraft sehen kann, wie die Beckenorgane auf Belastung reagieren. 

Bildgebende Verfahren 

Zusätzlich ziehen unsere Ärzt:innen eventuell bildgebende Verfahren heran, um die Diagnose zu sichern. Eine Ultraschalluntersuchung ist hierbei besonders häufig im Einsatz, da sie eine schonende und präzise Darstellung der Beckenorgane ermöglicht. In seltenen Fällen kann auch eine Magnetresonanztomografie (MRT; Verfahren mittels Magnetfeldern) notwendig sein, um detailliertere Einblicke in die Strukturen des Beckenbodens zu gewinnen.

Spezifische Verfahren 

Bei Fragestellungen die Harninkontinenz betreffend kann zudem eine urodynamische Untersuchung durchgeführt werden. Hierbei messen unsere Fachkräfte Druck und Funktion von Blase und Harnröhre, um Inkontinenzformen oder Entleerungsstörungen zu unterscheiden.

Die sorgfältige, gegebenenfalls interdisziplinäre Diagnostik ermöglicht, die genaue Ursache der Beckenbodenschwäche zu erkennen. Das ist dann die Basis für eine individuell angepasste Therapie.
 

Welche Therapien helfen bei einer Beckenbodenschwäche?

Die Therapie einer Beckenbodenschwäche richtet sich nach den individuellen Beschwerden und der Ausprägung der Erkrankung. Unseren Ärzt:innen stehen verschiedene erprobte und aufeinander abgestimmte Maßnahmen zur Verfügung, die sowohl konservative als auch operative Ansätze umfassen.

Beckenbodentraining: der erste Schritt zur Stärkung

Das gezielte Training der Beckenbodenmuskulatur ist in der Regel der erste und wichtigste Schritt zur Behandlung einer Inkontinenz. Unter der Anleitung von erfahrenen Physiotherapeut:innen erlernen Sie Übungen, die die Muskulatur stärken und die Kontrolle verbessern. Dieses Training wird sowohl in Gruppen als auch in Einzelsitzungen durchgeführt. Ergänzend können unsere Fachkräfte elektrische Stimulationsgeräte einsetzen, um die Muskulatur gezielt zu aktivieren und durch ein Biofeedback die Koordination zu verbessern. Unsere erfahrenen Fachkräfte stehen Ihnen bei der Planung und Umsetzung eines individuellen Trainingsprogramms zur Seite.

Pessare: Unterstützung durch Hilfsmittel

Pessare sind kleine, individuell anpassbare Hilfsmittel aus Schaumstoff oder Silikon, die in die Scheide eingeführt werden, um die Beckenorgane zu stützen. Sie eignen sich sowohl zur Therapie der Senkung, als auch zur Therapie einer Belastungsinkontinenz. Die regelmäßige Anpassung und Reinigung der Pessare erfolgt durch geschultes Fachpersonal, um eine optimale Wirksamkeit und Hygiene zu gewährleisten. Diese Methode ist eine alternative Therapie zur Operation und für viele geeignet.

Operative Methoden: Stabilität durch minimalinvasive Eingriffe

Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder nicht gewünscht werden, kommen operative Eingriffe in Betracht. Es gibt viele moderne, inzwischen meist minimalinvasive Verfahren, die sowohl netzgestützt, als auch mit Eigengewebe sehr gute langfristige Ergebnisse für die Patientinnen erreichen. Diese Eingriffe führen unsere Ärzt:innen mit modernen Techniken durch, die eine schnelle Erholung ermöglichen. Die Entscheidung für eine Operation treffen unsere Ärzt:innen gemeinsam mit Ihnen ganz individuell und im Rahmen einer ausführlichen Beratung.
 

Wie können Sie einer Beckenbodenschwäche vorbeugen?

Mit gezielten Maßnahmen können Sie die Muskulatur Ihres Beckenbodens stärken und das Risiko für Beschwerden deutlich senken. Damit erhalten Sie langfristig einen wichtigen Anteil Ihrer Lebensqualität.

Beckenbodentraining als tägliche Routine

Das regelmäßige Training der Beckenbodenmuskulatur ist eine der effektivsten Präventionsmaßnahmen. Übungen wie das gezielte Anspannen und Entspannen der Muskulatur stärken den Beckenboden und fördern die Durchblutung. Sie können diese Übungen leicht in Ihren Alltag integrieren: Spannen Sie zum Beispiel beim Zähneputzen, beim Warten an der Ampel oder während der Arbeit im Sitzen Ihren Beckenboden für 10 Sekunden an und entspannen Sie ihn anschließend. Wiederholen Sie dies 10- bis 15-mal pro Tag. Wichtig ist, dass Sie dabei gleichmäßig atmen und keine anderen Muskeln wie Gesäß oder Bauch anspannen.

Rückbildungsgymnastik nach der Geburt

Eine Schwangerschaft ist immer eine Belastung für den Beckenboden. Eine gute Vorbereitung kann da sehr hilfreich sein. Nach Schwangerschaft und Geburt ist es wichtig bei Beschwerden frühzeitig ein Pessar anzuwenden, um den belasteten und überdehnten Beckenboden zu stützen. Zusätzlich kann eine lokale vaginale Hormonanwendung das Gewebe stabilisieren. Nach 6 Monaten ist auch erzielte Physiotherapie möglich, die gerne bereits vor Entbindung erlernt und angewendet werden sollte. 

Verstopfung vorbeugen

Chronische Verstopfung erhöht den Druck auf den Beckenboden, da damit häufig starkes Pressen beim Stuhlgang einhergeht. Um dem vorzubeugen, sollten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten. Essen Sie täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe, die in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse enthalten sind. Trinken Sie ausreichend – idealerweise 1,5 bis 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag. Bewegung nach dem Essen, wie ein 20-minütiger Spaziergang, regt die Darmtätigkeit zusätzlich an.

Übergewicht vermeiden oder abbauen

Übergewicht belastet den Beckenboden erheblich, da das zusätzliche Körpergewicht dauerhaft Druck auf die Beckenorgane ausübt. Mit einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger Bewegung können Sie Ihr Gewicht halten oder reduzieren. Bauen Sie täglich mindestens 30 Minuten moderate Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen in Ihren Alltag ein. Diese Aktivitäten fördern nicht nur die allgemeine Gesundheit, sondern entlasten auch den Beckenboden.