Anhaltende Trauerreaktion

Traurigkeit. Schmerz. Verlust.

Anhaltende Trauerreaktion

Trauer ist zunächst einmal keine Krankheit, sondern einer unserer Grundaffekte.

Trauer beschreibt einen spezifischen emotionalen Zustand (Traurigkeit, Schmerz, etc.), der in Folge von Verlusten auftritt. Er ist Teil unseres Bindungserlebens, das einerseits eine starke, belastbare Verbindung mit anderen ermöglicht, aber auch eine Loslösung aus dieser Verbindung erlaubt. So sehr wir z.B. auf unsere Eltern geprägt werden, sind wir doch in der Lage sie zu verlassen.

Trauer ist als Affekt somit zwingend subjektiv und es kann nicht falsch getrauert werden. Haben Betroffene aber selbst das Gefühl in der Trauer gefangen zu sein (oft spielen dabei Schuldgefühle eine Rolle, die es verbieten loszulassen), dann kann Trauer zu einem behandlungsbedürftigen Problem werden.

Was ist eine anhaltende Trauerreaktion bei Erwachsenen?

Eine sog. „anhaltende Trauerreaktion“ beschreibt das Fortbestehen einer Trauerreaktion lang über den Verlust hinaus.

Das besondere an der anhaltenden Trauerreaktion ist, dass es trotz oder wegen der anhaltenden Beschäftigung mit dem Verlust zu einem Stillstand im Leben kommt. Meist erfolgt eine Abwendung von vitalen, lebendigen Aspekten des Lebens hin zu Themen wie Abschied und Tod. Emotionen wie Schmerz, Traurigkeit, Angst, Wut und Schuldgefühle bestimmen das Erleben. Es gibt dabei keine Richtlinie, wie eine „richtige“ Trauer auszusehen hat oder wie lange sie dauern sollte. Sie scheint nur Voraussetzung für ein Loslassen und Hinwenden zum Leben.

Dabei wird das Trauern häufig auch von unseren Vorstellungen und der Angst vor unkontrollierbaren Emotionen erschwert. Wie unsere Trauerreaktion ausfällt wissen wir immer erst, wenn sie kommt. Und das tut sie häufig erst, wenn der Verlust wirklich spürbar wird.

Trauer vs. Depression?

Dabei lohnt es sich Trauer und Depression zu unterscheiden: der Schmerz und die Todessehnsucht und vieles mehr sind nicht zu unterscheiden, geht es doch im weitesten Sinne auch bei der Depression um Verlust. Ein wegweisender und auch für die Selbsteinschätzung hilfreicher Unterschied ist die Selbstabwertung. Das Gefühl nichts wert zu sein ist eine Erscheinungsform des depressiven Erlebens. Der Trauernde mag keinen Sinn mehr im Leben ohne den geliebten Menschen fühlen und lebensmüde werden, aber er fühlt nicht das Bedürfnis sein gefühlt unwürdiges, nutzloses Leben auszulöschen.

Wie erkennt man eine anhaltende Trauerreaktion bei Erwachsenen?

Die Symptome einer Trauerreaktion sind vielfältig. Die meisten Betroffenen leiden aber unter einigen der folgenden Symptome:

  • Traurigkeit, Schmerz
  • Gedrückte Stimmung und Traurigkeit, Niedergeschlagenheit
  • Interessenverlust
  • Schlafstörungen
  • Appetit- und Libidoverlust
  • Antriebslosigkeit und Erschöpfung
  • Lebensmüdigkeit

Dabei ist es wichtig eher unspezifische, verdeckte Zeichen der Trauer nicht zu übersehen:

  • Sozialer Rückzug
  • Gereiztheit / Zynismus
  • Libido- und Freudverlust

Verlauf und Erscheinungsbild der Trauer sind wie beschrieben so vielseitig wie die Menschen. Während noch vor einigen Generationen, deren Alltag mehr vom Tod bestimmt gewesen ist als unsere technisierte Welt, die übliche Trauerzeit ein Jahr dauerte und zahlreiche Symbole das Trauern sichtbar machten (Trauerrand, Schleier), ist dieser zunehmend „ungeübte“ Prozess eher ins Stille verschoben.

Wenn Sie bei sich bemerken, dass sich die Trauer auch nach einem längeren Zeitraum verfestigt und Ihren Alltag zunehmend negativ beeinflusst, empfehlen wir Ihnen, das Gespräch mit unseren Fachärzt:innen oder Psychosomatiker:innen zu suchen. Gerne beraten wir Sie in einer unserer psychsomatischen Kliniken.

Wie entsteht eine anhaltende Trauerreaktion bei Erwachsenen?

Ein Trauerprozess kann aus vielen Gründen ins Stocken geraten und sich verfestigen. Normalerweise hilft uns die Trauer dabei, uns von einem schmerzhaften Verlust zu lösen und uns wieder neuen Menschen oder Lebensinhalten zuzuwenden – das macht uns anpassungsfähig. Im Gegensatz zu manchen Säugetieren sind wir Menschen nicht endgültig auf ein einziges Gegenüber geprägt. Wir besitzen die Fähigkeit, enge Bindungen einzugehen, sie aber auch wieder zu lösen. Ob dieser Ablösungsprozess jedoch gelingt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Die Ursachen für ein solches Verharren in der Trauer sind vielfältig und stets tief in der eigenen Lebensgeschichte und Persönlichkeit verwurzelt. Um die verschiedenen Einflüsse besser zu verstehen, lassen sie sich in folgende Bereiche unterteilen:

  • Psychosoziale Faktoren: Hierzu zählen die Art der Beziehung (z. B. eine starke emotionale Abhängigkeit), aber auch quälende Schuldgefühle.
  • Persönlichkeit und Bindungsstil: Wie wir gelernt haben, Beziehungen zu führen, und welche Charakterzüge uns ausmachen, spielt eine große Rolle.
  • Biologische und genetische Voraussetzungen: Die genetische Veranlagung prägt die Struktur unseres Nervensystems. Sie bestimmt mit, wie empfindlich wir auf Reize reagieren und wie wir diese verarbeiten.
  • Neurobiologische Einflüsse: Auch körperliche Faktoren wie Stoffwechselstörungen des Nervensystems oder hormonelle Ungleichgewichte können den Prozess beeinflussen.

In einem persönlichen Gespräch mit unseren Fachexpert:innen können Sie den individuellen Hintergrund Ihrer anhaltenden Trauerreaktion klären.

Wie wird eine anhaltende Trauerreaktion bei Erwachsenen behandelt?

Ihre Gesundheit steht bei den Asklepios Kliniken im Mittelpunkt. Mit der Psychosomatischen Komplextherapie bieten wir Ihnen ein abgestimmtes Zusammenspiel aus Psychotherapie, Kreativtherapie, Sozialtherapie und Körpertherapie – mit Physiotherapie und Sport – sowie medikamentöser Unterstützung, wenn diese benötigt wird. Ob in der Gruppe oder im Einzelgespräch: Ihren persönlichen Behandlungsplan gestalten wir immer gemeinsam mit Ihnen.

Psychotherapie

In der Psychotherapie begegnen Sie sich selbst – vielleicht zum ersten Mal wirklich. Was hat Sie geformt? Wie sehen Sie die Welt, und wie begegnet die Welt Ihnen? Was berührt, verletzt oder bewegt Sie – und weshalb?

Für diese Reise stehen verschiedene Wege offen: von psychodynamischen Verfahren wie Psychoanalyse und tiefenpsychologischer Therapie über Verhaltenstherapie, Schematherapie und DBT bis hin zur einfühlsamen Gesprächstherapie nach Rogers, systemischen Ansätzen und – wo nötig – traumatherapeutischen Methoden wie EMDR.

In einem geschützten, vertrauensvollen Rahmen dürfen Sie sein, wer Sie sind – und herausfinden, wer Sie sein möchten. Sie lernen, sich anzunehmen: mit allem, was zu Ihnen gehört. Denn Sie müssen nicht jemand anderes werden. Aber Sie können lernen, immer freier Sie selbst zu sein.

Medikamente

Manchmal braucht die Seele eine kurze Pause vom Druck – spannungslösende Medikamente können in solchen Momenten helfen. Doch auf dem langen Weg zu sich selbst ist es wichtig, das Fühlen nicht zum Schweigen zu bringen. Was Sie erleben, hat Bedeutung. Ob und welche Medikamente Sie begleiten sollen, entscheiden wir gemeinsam – mit Blick auf das, was Ihnen wirklich guttut.

Kreativtherapie

Vieles in uns wartet noch darauf, entdeckt zu werden. Ziel der Kreativtherapie ist es, die eigene Welt zu erweitern — über das Vertraute hinaus. Methoden wie Tanz- und Bewegungstherapie, Theatertherapie, Körpererlebnistherapien (Feldenkrais, Shiatsu u. a.), Kunsttherapie und Musiktherapie schaffen Raum, den eigenen Körper und die Welt spielerisch neu wahrzunehmen. Im achtsamen Erproben werden Ressourcen sichtbar und nutzbar gemacht. Die kreativen Möglichkeiten sind dabei vielfältig: Mäandern und Spazierengehen, therapeutisches Boxen, gemeinsames Spielen und mehr. Neue Wege zu gehen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit — damit leidvolle Wiederholungen durchbrochen werden können.

Ernährung

Ernährung ist ein Spiegel unseres Lebens. Sie zeigt, wie wir mit uns, mit anderen und mit unserer Umwelt umgehen. Sind wir offen für Neues? Geben wir uns Zeit? Teilen wir? Begegnen wir einander mit Respekt? Handeln wir ressourcenbewusst? Essen wir gemeinsam? Was stärkt mich?

Die Beschäftigung mit dem Essen steht bei uns im Mittelpunkt: Gemeinsam planen, in der Lehrküche ausprobieren und im Austausch miteinander lernen – so nähern wir uns dem Thema Ernährung.

Naturheilverfahren

Naturheilverfahren sind fester Bestandteil unseres Angebots – denn unser bio-psycho-sozialer, ganzheitlicher Blick auf Mensch und Erkrankung macht ihren Einsatz naheliegend. Wir arbeiten mit Phytotherapie (Heilpflanzen), Hydrotherapie (z.B. Bäder, Auflagen, Wickel), Bewegungstherapie, Ordnungstherapie (z.B. Psychoedukation, soziotherapeutische Gespräche, Entspannungsverfahren), Ernährungsberatung und Ohr-Akupunktur.

Häufige Fragen

Zwischen körperlichen und psychischen Erkrankungen besteht ein grundlegender Unterschied.

Körperliche Erkrankungen können meist durch Veränderungen im Körper nachgewiesen werden. Ärztliche Untersuchungen liefern dabei objektive Befunde.

Psychische Erkrankungen beruhen dagegen auf dem subjektiven Erleben eines Menschen. Gefühle, Gedanken und innere Erfahrungen sind nicht direkt messbar. Sie können nur von der betroffenen Person selbst beschrieben werden.

Wie wir uns fühlen, wird von vielen Faktoren beeinflusst: unseren Erfahrungen, Beziehungen, Lebensumständen und persönlichen Eigenschaften. Deshalb gibt es keine einfache Grenze zwischen „normal“ und „krank“.

Entscheidend ist vielmehr, ob das eigene Erleben zu Leid oder Einschränkungen führt. Oft wird eine psychische Störung daran erkennbar, dass Fähigkeiten oder Möglichkeiten verloren gehen, die früher selbstverständlich waren.

Das zeigt sich auch am Beispiel der Magersucht. Untergewicht allein beschreibt zunächst nur einen körperlichen Zustand. Erst die dahinterstehenden Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen machen deutlich, ob eine Erkrankung vorliegt.

Wenn Menschen durch ihr Erleben zunehmend eingeschränkt werden und darunter leiden, kann von einer psychischen Störung gesprochen werden.

Sie selbst sind die wichtigste Expertin bzw. der wichtigste Experte für Ihr eigenes Leben.

Wenn Sie das Gefühl haben, unter Ihrer Situation zu leiden oder nicht mehr gut zurechtzukommen, kann Unterstützung hilfreich sein. Welche Hilfe am besten zu Ihnen passt, zeigt sich häufig im Austausch mit anderen Menschen, durch neue Erfahrungen und manchmal auch durch professionelle Begleitung.

Welche Schritte Sie gehen möchten, entscheiden jedoch immer Sie selbst.

In der Psychosomatik gehen wir davon aus, dass die wichtigsten Antworten oft nicht bei den Behandelnden, sondern bereits bei den Betroffenen selbst liegen. Deshalb entwickeln wir den Behandlungsplan gemeinsam.

In Gesprächen lernen wir Ihre Situation kennen und suchen zusammen nach den nächsten sinnvollen Schritten. Dabei geht es nicht darum, fertige Lösungen vorzugeben, sondern gemeinsam herauszufinden, was für Sie hilfreich sein könnte.

Das braucht manchmal etwas Zeit. Gleichzeitig entsteht dadurch die Grundlage für echte Veränderung: Sie werden nicht nur behandelt, sondern gestalten Ihren Weg aktiv mit.

Psychosomatische Therapie ist deshalb immer Hilfe zur Selbsthilfe.

Üblicherweise übernimmt die Krankenversicherung die Behandlung. In einigen Fällen muss vor Einleitung der Behandlung eine Kostenübernahme beantragt werden. Aber auch das wird in den vorbereitenden Gesprächen gemeinsam geplant und umgesetzt.

Jeder Mensch entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Deshalb wird die notwendige Dauer einer psychosomatischen Behandlung individuell bestimmt und gemeinsam im Verlauf der Behandlung besprochen.

Oft bewegt sich die Behandlungsdauer zwischen vier und zwölf Wochen. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der Wochen, sondern welche Unterstützung für die angestrebten Veränderungen tatsächlich benötigt wird.

Dabei gelten die gesetzlichen Vorgaben: Eine Behandlung wird so lange fortgeführt, wie sie medizinisch notwendig ist und nicht durch eine weniger aufwendige Behandlungsform ausreichend ersetzt werden kann.

Ob Medikamente Teil Ihrer Behandlung werden sollen, entscheiden wir nicht für Sie, sondern gemeinsam mit Ihnen.

Wir besprechen ausführlich, welche Wirkungen zu erwarten sind, welche Grenzen Medikamente haben und welche Alternativen es gibt. Falls eine medikamentöse Behandlung sinnvoll erscheint, werden zunächst die notwendigen Untersuchungen durchgeführt.

Medikamente können psychische Schwierigkeiten nicht einfach „wegmachen“. Sie können jedoch dabei unterstützen, wieder mehr Stabilität zu gewinnen und Krisen besser zu bewältigen.

Ähnlich wie ein Regenschirm den Regen nicht beendet, aber vorübergehend Schutz bietet, können Medikamente manche Belastungen erträglicher machen.

Die psychosomatische Versorgung umfasst unterschiedliche Aufgaben. In der Klinik stehen Menschen im Mittelpunkt, die sich in einer akuten psychischen Krise befinden und rasch Unterstützung benötigen.

In der Rehabilitation liegt der Fokus stärker auf der langfristigen Stabilisierung sowie dem Erhalt oder der Wiederherstellung der beruflichen Leistungsfähigkeit.

Da die Nachfrage nach Behandlungsplätzen unterschiedlich hoch sein kann, variieren die Wartezeiten. Über die aktuelle Wartezeit informieren wir Sie gerne persönlich.

Akute Notfälle haben selbstverständlich Vorrang und werden umgehend versorgt.

Menschen entwickeln sich unterschiedlich, und deshalb lässt sich Erfolg nicht für alle gleich definieren.

Viele Betroffene erleben jedoch, dass sie neue Handlungsmöglichkeiten gewinnen, Belastungen besser bewältigen oder wieder mehr Lebensqualität erreichen können. Die Chancen auf hilfreiche Unterstützung und positive Veränderungen sind grundsätzlich gut.

Ob eine einmalige Krise, wiederkehrende Krisen oder ein längerfristiger Unterstützungsbedarf vorliegen: Jeder dieser Wege bietet Möglichkeiten für Entwicklung, Stabilisierung und Wachstum.

Perspektiven sind immer vorhanden.

In Ihrer Behandlung schauen wir gemeinsam, was Ihnen hilft, Sie stabilisiert und im Alltag unterstützt. Diese persönlichen Wirkfaktoren werden im Verlauf gestärkt und nutzbar gemacht.

Gleichzeitig entsteht mehr Sicherheit durch Ihre eigenen Erfahrungen und durch das Wissen, was Ihnen bereits geholfen hat. Wenn später erneut eine Krise auftreten sollte, sind Sie dadurch besser vorbereitet und wissen, wo Sie Unterstützung bekommen können.