Spannungsfreie Vaginalbänder (TVT, TOT) zur Behandlung von Belastungsinkontinenz
Zur Behandlung von Belastungsinkontinenz
Spannungsfreie Vaginalbänder (TVT, TOT)
Wenn bei körperlicher Anstrengung, beim Husten, Niesen oder Lachen kleine Mengen Urin abgehen, kennt der Volksmund dies als Blasenschwäche. Mediziner:innen sprechen von einer Belastungsinkontinenz oder auch Stressinkontinenz. Betroffen von dieser Form der Inkontinenz sind vor allem Frauen. Das hängt mit der weiblichen Anatomie zusammen: Schwangerschaft und Geburt können die Muskulatur des Beckenbodens schwächen oder schädigen. Der Beckenboden stützt die inneren Organe und gewährleistet, dass der Schließmuskel der Harnröhre richtig arbeitet. Ist der Beckenboden erschlafft, kann er diese Funktion nicht mehr erfüllen. Auch Hormonmangel in den Wechseljahren, eine anlagebedingte Bindegewebsschwäche sowie eine Absenkung der Gebärmutter oder der Scheide können eine Stressinkontinenz verursachen.
Wenn konservative Therapien wie ein spezielles Beckenbodentraining oder eine Hormonbehandlung nicht die gewünschte Wirkung haben, bieten die minimalinvasiven TVT- und TOT-Operationen eine effektive und bewährte Lösung für dieses Problem. Diese Verfahren basieren auf der Einlage eines spannungsfreien Kunststoffbandes unter der Harnröhre, das wie eine unterstützende „Hängematte” wirkt und die natürliche Funktion des Schließmuskels verbessert. In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, wie diese Operationen ablaufen, welche Vorteile und Risiken sie mit sich bringen und wie die Nachsorge gestaltet ist.
Bei Asklepios beraten wir Sie gerne persönlich und unterstützen Sie bei der Entscheidung für die passende Behandlungsmethode.
Wie unterstützen TVT- und TOT-Operationen die Harnröhre?
Wie unterstützen TVT- und TOT-Operationen die Harnröhre?
Ablauf einer TVT- beziehungsweise einer TOT-Operation
Die Mechanik beider Eingriffe basiert auf der Einlage eines sogenannten spannungsfreien Kunststoffbandes unter die mittlere Harnröhre. Dieses Band stützt die Harnröhre bei Belastung und verhindert ein unkontrolliertes Austreten von Urin. Die Chirurgin oder der Chirurg positioniert das Band so, dass es die Funktion eines natürlichen Widerlagers übernimmt, ohne die Beweglichkeit der Harnröhre zu beeinträchtigen. Mit der Zeit verwächst das Band mit dem umliegenden Gewebe, was die Harnröhre dauerhaft stabilisiert.
Die TVT-Methode (Tension-free Vaginal Tape) wurde erstmals 1995 entwickelt und ist inzwischen eine der am häufigsten durchgeführten Techniken zur operativen Behandlung der Belastungsinkontinenz. Bei dieser Methode legt die Chirurgin oder der Chirurg das Vaginalband durch einen kleinen Einschnitt in der Scheide unter die Harnröhre und verankert es spannungsfrei (also „tension-free“) an der Bauchdecke. Zumeist erfolgt dieser Eingriff unter örtlicher Betäubung. So kann die Patientin während der OP zum Beispiel husten, um einen Urinabgang provozieren, und so der Ärztin oder dem Arzt ermöglichen, die Lage des Bandes bei Bedarf zu korrigieren.
Die Trans-Obturator-Technik (Obturator ist lateinisch und bedeutet „Verschluss“), kurz TOT-Methode, funktioniert ähnlich. Im Unterschied zur TVT leitet die Operateurin oder der Operateur das Band aber nicht durch die Bauchdecke, sondern seitlich durch das sogenannte Foramen obturatorium, eine große Öffnung im Beckenknochen, in die Schenkelbeuge aus. Diese Technik ermöglicht es, das Band nahezu horizontal unter der Harnröhre zu positionieren.
Beide Methoden haben sich als effektiv erwiesen, um die Harnröhre zu stützen und die Funktion des Schließmuskels zu verbessern.
Voraussetzungen
TVT- und TOT-Operationen kommen dann zum Einsatz, wenn konservative Behandlungsmethoden wie Beckenbodentraining oder medikamentöse Therapien die Symptome der Belastungsinkontinenz nicht ausreichend verbessert haben. Häufig ist dies bei Frauen der Fall, deren Beckenbodenmuskulatur nach Geburten oder infolge von Übergewicht stark geschwächt ist. Vor einer Operation ist eine umfassende urologische Untersuchung erforderlich, um die Ursache der Inkontinenz zu klären und die geeignete OP-Methode auszuwählen.
Dabei hängt die Entscheidung zwischen TVT und TOT oft von der individuellen Anatomie der Patientin sowie von möglichen bestehenden Begleiterkrankungen ab. Bei Asklepios treffen Sie diese Entscheidung gemeinsam mit unseren Expert:innen aus der Gynäkologie. Uns ist es dabei sehr wichtig, Sie umfassend über mögliche Risiken, die Prognose und Erfolgsaussichten zu beraten. Zögern Sie bitte nicht, Ihre behandelnde Ärztin oder den Arzt so lange zu befragen, bis alle Unklarheiten beseitigt sind.
Was spricht für TVT- und TOT-Operationen?
Die TVT- und TOT-Operationen zählen zu den bevorzugten chirurgischen Methoden zur Behandlung von Belastungsinkontinenz bei Frauen. Sie bieten eine Reihe von Vorteilen:
Hohe Erfolgsquoten
Studien zeigen, dass etwa 80 Prozent der Patientinnen nach der Operation beschwerdefrei sind. Eine Verbesserung der Symptome tritt bei rund 10 Prozent der Operierten ein, was die TVT- und TOT-Operationen zu einer äußerst wirksamen Behandlungsoption macht. Zudem ist die langfristige Wirksamkeit gut dokumentiert: Die positiven Effekte bleiben in der Regel über viele Jahre, teils sogar lebenslang, erhalten.
Minimalinvasiver Eingriff für eine schnelle Genesung
Ein entscheidender Vorteil der TVT- und TOT-Operation liegt in ihrer minimalinvasiven Natur. Die Eingriffe erfolgen über wenige kleine Schnitte, was die Belastung für den Körper reduziert. Dies hat nicht nur kürzere Operationszeiten, die in der Regel bei 20 bis 30 Minuten liegen, sondern auch eine schnellere Erholung zur Folge. Bereits nach kurzer Zeit können viele Patientinnen wieder ihren gewohnten Alltagsaktivitäten nachgehen.
Langlebige Ergebnisse durch innovative Technik
Das bei den Operationen verwendete Kunststoffband ist extrem langlebig. Es verwächst mit dem umliegenden Gewebe, was die Harnröhre nachhaltig stabilisiert. Dies minimiert das Risiko für ein erneutes Auftreten einer Belastungsinkontinenz.
Schonung des umliegenden Gewebes
Sowohl die TVT- als auch die TOT-Methode wurden speziell entwickelt, um das umliegende Gewebe zu schonen. Das Band wird spannungsfrei eingesetzt, was das Risiko für Komplikationen wie Gewebeschäden oder Schmerzen erheblich verringert.
Flexibilität bei der Wahl der Methode
TVT und TOT bieten ähnliche Erfolgsaussichten. Die Verfahren unterscheiden sich jedoch in der Zugangstechnik und Positionierung des Vaginalbandes. Für welche Methode sich Behandlungsteam und Patientin entscheiden, richtet sich nach den Bedürfnissen der betroffenen Frau. Dass man zwischen beiden Methoden wählen kann, führt zur individuell bestmöglichen Behandlung.
Mit diesen Vorteilen stellen TVT- und TOT-Operationen eine durchdachte, bewährte Lösung dar, um die Lebensqualität von Frauen mit Belastungsinkontinenz erheblich zu verbessern.
Wie sieht die Nachsorge nach einer TVT- oder TOT-Operation aus?
Die Nachsorge nach einer TVT- oder TOT-Operation spielt eine entscheidende Rolle für die erfolgreiche Heilung und langfristige Stabilität der Harnröhre. Patientinnen sollten deshalb die Anweisungen des Behandlungsteams genau befolgen. So unterstützen Sie Ihren Heilungsprozess und minimieren das Risiko von Komplikationen.
Genesungsdauer
Nach dem Eingriff ist ein kurzer stationärer Aufenthalt von etwa ein bis zwei Tagen erforderlich, damit unsere Pflegefachkräfte und Ärzt:innen Ihre Genesung überwachen können. In dieser Zeit entfernt das Behandlungsteam sowohl den Blasenkatheter als auch die in der Scheide eingelegte Tamponade. Bereits am Tag nach der Operation können Sie in der Regel wieder selbstständig Wasser lassen. Vor der Entlassung führen die Fachkräfte noch eine Ultraschalluntersuchung durch, um sicherzustellen, dass sich die Blase tatsächlich vollständig entleert.
Die meisten Patientinnen benötigen eine Erholungszeit von etwa vier bis sechs Wochen, in denen sie sich körperlich schonen sollten. Während dieser Zeit ist es wichtig, keine schweren Lasten über fünf Kilogramm zu heben und auf sportliche Aktivitäten zu verzichten, die den Beckenboden belasten oder den Bauchdruck erhöhen. Dazu zählen Joggen oder intensives Training. Auch Radfahren sollten Sie in dieser Phase vermeiden.
Dauer der Krankschreibung
Leichtere Tätigkeiten des Alltags können die Patientinnen oft schon nach wenigen Tagen wieder aufnehmen. Bei beruflichen Tätigkeiten, die körperlich wenig fordernd sind, kann deshalb eine Krankschreibung von etwa zwei Wochen ausreichen. Arbeiten, die körperlich anstrengend sind, sollten Sie jedoch erst nach Rücksprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt wieder ausführen.
Aktivitäten, auf die Sie (zunächst) verzichten sollten
Um die Wundheilung nicht zu beeinträchtigen und zu verhindern, dass das Vaginalband verrutscht, ist es empfehlenswert, in den ersten vier bis sechs Wochen auf Geschlechtsverkehr zu verzichten und keine Tampons zu verwenden. Auch Vollbäder, Saunagänge und Schwimmen sind nicht ratsam. Duschen können Sie dagegen direkt wieder nach der Entlassung.
Nachsorgetermine
Ein erster Nachsorgetermin sollte etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation erfolgen, Dabei überprüft die Ärztin oder der Arzt, ob die Wunden heilen und das Band richtig sitzt. Weitere Kontrolluntersuchungen in den ersten Monaten nach der Operation sind wichtig, um den Erfolg der Behandlung und die Funktion der Harnröhre langfristig sicherzustellen.
Welche Risiken und Komplikationen können bei TVT- und TOT-Operationen auftreten?
Jede Operation birgt Risiken, und dies gilt auch für die TVT- und TOT-Operationen. Trotz ihrer hohen Erfolgsquote und der minimalinvasiven Durchführung sollten Sie sich der möglichen Komplikationen bewusst sein, um eine informierte Entscheidung treffen zu können. Unsere Fachkräfte nehmen sich die Zeit, um alle Ihre Fragen im Vorfeld der Operation zu klären.
Mögliche allgemeine Risiken bei der Operation
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff können auch bei TVT- und TOT-Operationen Infektionen, Nachblutungen, Blutergüsse (Hämatome) oder Verletzungen von Nerven und Gefäßen auftreten. Diese Komplikationen sind jedoch selten und in der Regel gut behandelbar.
Spezifische Risiken der TVT- und TOT-Operationen
Die spezifischen Risiken hängen mit der Einlage des Kunststoffbandes zusammen: In seltenen Fällen kann es dabei zu einer Verletzung der Blase, Harnröhre oder des Darms kommen. Solche Verletzungen erkennt die Operateurin oder der Operateur üblicherweise direkt während des Eingriffs und behebt sie entsprechend. Außerdem kann das Band verrutschen oder es wurde falsch positioniert. Sitzt es zu locker, verbessert es die Belastungsinkontinenz nur unzureichend. Sitzt es zu straff, kann dies zu Problemen bei der Blasenentleerung oder sogar zu einem Harnverhalt (Unfähigkeit zur Blasenentleerung mit Harnstau) führen. Wichtig sind für eine erfolgreiche Durchführung des Eingriffs umfassende Erfahrungswerte. Bei unseren Expert:innen können Sie sich bestens aufgehoben wissen.
In seltenen Fällen können auch Fremdkörperreaktionen auftreten, also eine Immunreaktion des Körpers auf das eingesetzte Vaginalband. Dabei vernarbt das Gewebe um das Band herum übermäßig. Dies kann zu Schmerzen führen oder, in sehr seltenen Fällen, zu einer sogenannten Arrosion (von lat. arrodere, „benagen“). Das Band dringt dann in die Harnröhre, Blase oder Vaginalschleimhaut ein. In solchen Situationen ist unter Umständen eine erneute Operation erforderlich, um das Band zu entfernen oder neu zu positionieren.
Langfristige Aspekte und individuelle Faktoren
Das Kunststoffband selbst ist langlebig und für einen dauerhaften Einsatz konzipiert. Dennoch können individuelle Faktoren wie Gewichtszunahme, hormonelle Veränderungen oder weitere körperliche Belastungen die Haltbarkeit und Funktionalität beeinflussen. In sehr seltenen Fällen kann es erforderlich sein, die Behandlung zu wiederholen.
In den gynäkologischen Fachabteilungen von Asklepios stehen Ihnen kompetente Mediziner:innen zur Seite, die über langjährige Erfahrung mit der TVT- und der TOT-Methode verfügen. Wenden Sie sich bei weiterführenden Fragen gerne an unsere Expert:innen – sie werden sie Ihnen gerne und umfassend beantworten.
Hinweis:
Die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und werden regelmäßig durch unsere Fachexpert:innen geprüft und aktualisiert. Sie ersetzen dennoch keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch Ärzt:innen, Psycholog:innen, Psychiater:innen oder andere medizinische Fachexpert:innen. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich jederzeit gerne an eine unserer Asklepios Kliniken, ambulanten Praxen und medizinischen Versorgungszentren in Ihrer Nähe oder an Ihre behandelnde Hausärztin oder Ihren behandelnden Hausarzt.