Chlamydien-Infektionen

Häufige, aber oft unbemerkte Bakterieninfektionen

Chlamydien-Infektionen

Das Bakterium Chlamydia trachomatis verursacht Chlamydien-Infektionen. Diese zählen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten in Deutschland. Die Infektion bleibt oft unbemerkt, weil sie in vielen Fällen keine Beschwerden verursacht. Dies macht sie besonders tückisch, da unbehandelte Chlamydien schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Unfruchtbarkeit oder chronische Entzündungen haben können. In den folgenden Abschnitten erläutern wir alles Wissenswerte über Symptome, die Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten dieser Infektion. 

Sollten Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen, stehen Ihnen unsere erfahrenen Fachkräfte gern mit Rat und Tat zur Seite.
 

Welche Symptome treten bei einer Chlamydien-Infektion auf?

Eine Chlamydien-Infektion ist oft schwer zu erkennen, da sie in vielen Fällen symptomlos verläuft. Wenn Beschwerden auftreten, können diese je nach betroffenem Bereich stark variieren.

Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen

Ein häufiges Symptom einer Chlamydien-Infektion sind unangenehmes Brennen oder Schmerzen während des Wasserlassens. Diese Beschwerden treten sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf. Sie werden durch die Entzündung der Harnröhre verursacht. Auch ein verstärkter Harndrang kann ein Hinweis auf eine Infektion sein.

Ungewöhnlicher Ausfluss

Bei Frauen kann es zu wässrig-schleimigem oder eitrigem Ausfluss aus der Scheide kommen. Männer bemerken möglicherweise einen klaren oder trüben Ausfluss aus der Harnröhre. Dieser Ausfluss ist ein typisches Anzeichen dafür, dass die Schleimhäute durch die Bakterien gereizt oder infiziert sind.

Juckreiz und Rötungen im Genitalbereich

Betroffene können unter Juckreiz und Rötungen im Intimbereich leiden. Diese Symptome sind oft unangenehm und können ein weiteres Indiz für eine Infektion mit Chlamydien sein. 

Zwischenblutungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Bei Frauen können außerhalb der Menstruation Zwischenblutungen auftreten. Zusätzlich kann der Geschlechtsverkehr schmerzhaft sein. Solche Beschwerden können auf eine durch Chalydien bedingte Entzündung des Gebärmutterhalses, der Gebärmutterhöhle oder der Eileiter und Eierstöcke hindeuten.

Beschwerden im Enddarm

Wenn die Infektion den Enddarm betrifft, können Symptome wie Juckreiz, Schmerzen, Schleimablagerungen oder Blut im Stuhl auftreten. Diese Beschwerden treten unabhängig vom Geschlecht auf und sind ein Hinweis darauf, dass die Bakterien die Rektalschleimhäute befallen haben.

Halsschmerzen nach Oralverkehr

In seltenen Fällen kann eine Chlamydien-Infektion durch Oralverkehr übertragen werden und den Mund-Rachen-Raum betreffen. Dies zeigt sich meist durch leichte Halsschmerzen.

Schwellungen oder Schmerzen in den Hoden

Bei Männern kann sich die Infektion auf die Nebenhoden ausweiten und dort zu Schwellungen und Schmerzen führen. Dies ist ein ernstzunehmendes Zeichen, das Sie kurzfristig ärztlich untersuchen und behandeln lassen sollten. Ohne Therapie kann eine Infektion der Nebenhoden zu Komplikationen wie Unfruchtbarkeit führen.

Holen Sie unbedingt ärztlichen Rat ein, sollten Sie eines oder mehrere dieser Symptome bemerken. Durch eine passende Behandlung können mögliche Folgen einer unbehandelten Infektion vermieden werden. Jedoch haben bis zu 80 % der Frauen und etwa 50 % der Männer überhaupt keine Beschwerden. Besprechen Sie deshalb mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt, ob auch ohne Beschwerden ein sogenanntes Chamydien-Screening für Sie sinnvoll sein kann. Ein solches Screening ist für Frauen unter 25 Jahre kostenfrei und wird in gynäkologischen sowie urologischen Praxen und auch bei Gesundheitsämtern durchgeführt.
 

Wie wirkt sich eine Chlamydien-Infektion auf die Gebärmutter und vor allem auf die Eileiter aus?

Chlamydien nisten sich oft zunächst im Gebärmutterhals ein und können sich von dort aus weiter ausbreiten. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann sie eine sogenannte aufsteigende Infektion verursachen, bei der die Erreger die Gebärmutter, die Eileiter und sogar den Bauchraum erreichen.

Chlamydien nisten sich oft zunächst im Gebärmutterhals ein und können sich von dort aus weiter ausbreiten. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann sie eine sogenannte aufsteigende Infektion verursachen, bei der die Erreger die Gebärmutter, die Eileiter und sogar den Bauchraum erreichen. 

Eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometritis) ist eine häufige Folge. Diese Entzündung kann zu starken Unterbauchschmerzen, Fieber und unregelmäßigen Blutungen führen. Eine Entzündung der Eileiter kann langfristig zu Verwachsungen und Verklebungen führen, die die Fruchtbarkeit erheblich beeinträchtigen können. Unbehandelt ist die Infektion eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit bei Frauen. 

Darüber hinaus erhöht eine Infektion der Gebärmutter das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft, wie Fehl- oder Frühgeburten. Besonders gefährlich ist die mögliche Übertragung der Bakterien auf das Neugeborene während der Geburt. Dies kann beim Baby schwere Erkrankungen wie eine Bindehaut- oder Lungenentzündung auslösen. 

Ein frühzeitiger Test und eine rechtzeitige Behandlung mit Antibiotika können diese Risiken minimieren und die Gesundheit der Gebärmutter bewahren. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, insbesondere für Frauen unter 25 Jahren, sind daher essenziell, um derartige Komplikationen zu vermeiden.
 

Wie wird eine Chlamydien-Infektion diagnostiziert?

Eine am besten frühe Diagnose ermöglicht die rechtzeitige Behandlung einer Chlamydien-Infektion, bevor Folgeerkrankungen entstehen. Es gibt jedoch verschiedene diagnostische Methoden, um die Bakterien zuverlässig nachzuweisen.

Die gängigste Methode ist der Nachweis des Erregers mittels DNA-Tests. Hierbei entnehmen unsere Ärzt:innen zumeist eine Urinprobe; am besten eignet sich der Erststrahlurin vom Morgen gleich nach dem Aufstehen. Alternativ kann ein Abstrich von betroffenen Schleimhäuten oder Körperstellen erfolgen. Bei Frauen erfolgt dies meist aus dem Gebärmutterhals oder der Vagina. Männer geben in der Regel eine Probe aus der Harnröhre ab. Alternativ können unsere Ärzt:innen bei beiden Geschlechtern auch Proben aus dem Enddarm oder dem Rachen entnehmen, wenn diese Bereiche betroffen sein könnten oder entsprechende spezifische Symptome vorliegen. 

Im Labor wird die entnommene Probe auf das Erbgut der Bakterien untersucht, meist mittels einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Diese Methode ist besonders genau. 

Empfehlenswert ist außerdem eine gleichzeitige Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Infektionen wie Gonorrhö, da die Infektionen oft gemeinsam auftreten. 

Für Schwangere gehört der Chlamydien-Test zur Standardvorsorge und wird bei der ersten Schwangerschaftsuntersuchung durchgeführt, um Risiken für Mutter und Kind zu minimieren. Frauen unter 25 Jahren können sich zudem jährlich im Rahmen der gesetzlichen Vorsorge kostenlos testen lassen. 

Falls Sie Symptome bemerken oder zu einer Risikogruppe gehören, sollten Sie frühzeitig beziehungsweise regelmäßig ärztlichen Rat einholen. Unsere erfahrenen Fachkräfte stehen Ihnen für eine umfassende Diagnostik gern zur Verfügung und beraten Sie zum weiteren Vorgehen.
 

Wie werden Chlamydien behandelt?

Wird eine Chlamydien-Infektion rechtzeitig behandelt, sind die Chancen auf eine vollständige Genesung gut.

Behandlung mit Medikamenten

Die erste und wichtigste Maßnahme bei einer Chlamydien-Infektion ist die Behandlung mit Medikamenten. Diese sollen die Bakterien vollständig abtöten und die Infektion stoppen. Die Therapie dauert in der Regel zwischen einer und drei Wochen, abhängig von der Schwere der Erkrankung und der individuellen Situation der Patientin oder des Patienten. Sie müssen die Medikamenteneinnahme konsequent einhalten, um die Heilung zu fördern. Dabei ist äußerst wichtig, die Behandlung bis zum Ende durchzuführen, selbst wenn die Beschwerden bereits nach wenigen Tagen nachlassen. Damit beugen Sie der Gefahr von Resistenzen und Reinfektionen vor. 

Kontrolle des Behandlungserfolgs

Um sicherzustellen, dass die Therapie erfolgreich war, wird frühestens 28 Tage nach Abschluss der Behandlung ein Kontrolltest durchgeführt. Dieser Test zeigt, ob alle Chlamydien vollständig abgetötet sind. Diese Maßnahme dient der Sicherheit der Patient:innen und beugt möglichen Rückfällen vor. Es ist empfehlenswert, während der Behandlung und bis zum Kontrolltest auf sexuelle Kontakte zu verzichten, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden.

Partnerbehandlung

Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist die Behandlung der Sexualpartner:innen. Da Chlamydien hoch ansteckend sind, ist es wichtig, dass alle Partner:innen der letzten 60 Tage ebenfalls getestet und bei Bedarf behandelt werden. Das verhindert sogenannte Ping-Pong-Infektionen, bei denen sich Partner:innen immer wieder gegenseitig anstecken. 

Aufklärung ist Prävention

Unsere Fachkräfte erklären Ihnen, wie Sie sich künftig vor Chlamydien schützen können. Dazu gehören der konsequente Einsatz von Kondomen und Femidomen (Frauenkondom) sowie regelmäßige Tests, wenn Ihre Partner:in oder Sie selbst wechselnde Sexualpartner:innen haben. Erneuten Infektionen vorzubeugen dient Ihrer Gesundheit. 

Die Kombination aus medikamentöser Behandlung, Nachsorge und Prävention bietet die besten Chancen, eine Chlamydien-Infektion vollständig zu überwinden und weitere Komplikationen zu vermeiden.
 

Welche Begleiterkrankungen können bei einer Chlamydien-Infektion auftreten?

Eine Chlamydien-Infektion bleibt oft unbemerkt, kann aber trotzdem schwerwiegende Folgen haben oder auch mit anderen Erkrankungen einhergehen. Im Folgenden erläutern wir Ihnen, welche Krankheiten häufig im Zusammenhang mit Chlamydien auftreten und wie sie sich äußern.

Gonorrhoe (Tripper)

Gonorrhoe oder Tripper ist eine häufige sexuell übertragbare Erkrankung. Sie kann gleichzeitig mit einer Chlamydien-Infektion auftreten. Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht die Gonorrhoe. Typisch sind eitriger Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann es wie bei Chlamydien zu Entzündungen der inneren Geschlechtsorgane kommen. Das kann langfristig Unfruchtbarkeit verursachen.

Beckenentzündung (Pelvic Inflammatory Disease, PID)

Bei Frauen können unbehandelte Chlamydien-Infektionen zu einer Beckenentzündung führen. Diese Erkrankung betrifft die Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke. Symptome umfassen Unterbauchschmerzen, Fieber und unregelmäßige Blutungen. Langfristig kann eine Beckenentzündung zu Verwachsungen und einem erhöhten Risiko für Eileiterschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit führen.

Reaktive Arthritis

Reaktive Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung, die nach einer Infektion verschiedenen Keimen, so auch nach einer Chlamydieninfektion auftreten kann. Sie betrifft häufig die Gelenke, Augen und Harnwege. Zu den Symptomen gehören Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken sowie gerötete und schmerzende Augen. Diese Erkrankung wird auch Reiter-Syndrom genannt.

Bindehautentzündung

Eine Chlamydien-Infektion kann sich durch Schmierinfektionen auf die Augen ausbreiten und eine Bindehautentzündung verursachen. Diese äußert sich durch gerötete, juckende oder brennende Augen und kann in schweren Fällen die Sehkraft beeinträchtigen.

Das Erkennen und rechtzeitige Behandeln dieser Begleiterkrankungen ist wichtig, um langfristige gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Unsere Fachkräfte beziehen die möglichen Begleiterkrankungen bei der Diagnostik und Therapie selbstverständlich mit ein.
 

Wie kann man sich effektiv vor Chlamydien schützen?

Chlamydien gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen in Deutschland. Daher ist Prävention besonders wichtig. Hier beschreiben unsere Expert:innen, welche Maßnahmen Sie ergreifen können, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, und wie sich diese Schutzmaßnahmen im Alltag umsetzen lassen.

Kondome und Femidome (Frauenkondom) konsequent nutzen

Der sicherste Schutz vor einer Chlamydien-Infektion beim Geschlechtsverkehr ist die Verwendung von Kondomen. Sie wirken als Barriere und verhindern, dass die Bakterien durch den direkten Kontakt mit Schleimhäuten übertragen werden. Dies gilt sowohl für vaginalen und analen als auch für oralen Geschlechtsverkehr. Wichtig ist, dass Sie das Kondom korrekt anwenden: Sie sollten es vor jedem sexuellen Kontakt überziehen und nach dem Verkehr sofort entsorgen. Auch sogenannte Femidome, Kondome für Frauen, bieten einen wirksamen Schutz. Sie werden in die Scheide eingeführt und schützen ebenso gut wie herkömmliche Kondome. 

Regelmäßig Tests durchführen lassen

Besonders bei wechselnden Sexualpartner:innen ist es ratsam, regelmäßig Tests auf Chlamydien durchführen zu lassen. Frauen unter 25 Jahren haben in Deutschland einmal pro Jahr Anspruch auf einen kostenlosen Chlamydien-Test im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge. Auch Männer und ältere Frauen sollten bei Verdacht oder nach einem Partnerwechsel einen Test in Betracht ziehen. Viele Gesundheitsämter und Aidshilfen bieten anonyme und oft kostenfreie Testmöglichkeiten an. 

Offene Kommunikation in der Partnerschaft

Ein offenes Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin über sexuell übertragbare Krankheiten (STI; englischer Begriff „Sexually Transmitted Infections“) ist ein essenzieller Schritt, um das Risiko einer Ansteckung zu verringern. Teilen Sie Ihren STI-Status gegenseitig: Sagen Sie, wenn Sie eine sexuell übertragbare Infektion haben und ob Sie in Behandlung sind. Sprechen Sie über Schutzmaßnahmen wie den Einsatz von Kondomen und regelmäßige Tests. Diese Transparenz stärkt nicht nur das Vertrauen in der Beziehung, sondern schützt auch beide beziehungsweise alle Sexualpartner:innen vor gesundheitlichen Risiken.

Sauberkeit und Hygiene beachten

Auch wenn Chlamydien hauptsächlich durch sexuellen Kontakt übertragen werden, können Schmierinfektionen eine Rolle spielen. Beispielsweise kann infiziertes Sekret über die Hände in die Augen gelangen und dort eine Bindehautentzündung auslösen. Waschen Sie sich daher nach dem Kontakt mit Intimbereichen immer gründlich die Hände mit Seife und warmem Wasser. Achten Sie auch darauf, persönliche Hygieneartikel wie Handtücher oder Waschlappen nicht mit anderen Personen zu teilen.

Frühzeitige Behandlung bei Symptomen

Sollten Sie Symptome wie Schmerzen beim Wasserlassen, ungewöhnlichen Ausfluss oder Juckreiz im Intimbereich bemerken, suchen Sie umgehend eine ärztliche Praxis auf. Eine frühe Diagnose und Behandlung können nicht nur Folgeerkrankungen verhindern, sondern auch die Weitergabe der Infektion an andere vermeiden. Verzichten Sie in dieser Zeit auf sexuelle Kontakte, um keine Bakterien zu verbreiten.