Asklepios Klinikum Harburg

Herzunterstützungssysteme

Moderne Herzchirurgie bei Herzschwäche

Mechanische Herzunterstützungssysteme und moderne Herzinsuffizienztherapie

Was ist Herzschwäche?

Eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz (Herzschwäche) zählt zu den schwerwiegendsten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Wenn das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgen kann und Medikamente oder interventionelle Verfahren nicht mehr den gewünschten Erfolg erzielen, stehen moderne mechanische Herzunterstützungssysteme als wirksame Therapieoption zur Verfügung.

Unsere Herzchirurgie bietet das gesamte Spektrum der operativen Behandlung fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Unser erfahrenes interdisziplinäres Team aus Herzchirurgie, Kardiologie, Intensivmedizin und Anästhesie entwickelt für jede Patientin und jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept – von der kurzfristigen Kreislaufunterstützung bis hin zur langfristigen mechanischen Herzunterstützung.

Mechanische Kreislaufunterstützung – individuell abgestimmte Therapiekonzepte

Mechanische Herzunterstützungssysteme übernehmen einen Teil oder nahezu die gesamte Pumpfunktion des Herzens. Abhängig von der Erkrankung und dem Therapieziel kommen unterschiedliche Systeme zum Einsatz.

Grundsätzlich wird zwischen kurzzeitigen und langfristigen Unterstützungssystemen unterschieden. Während Kurzzeitsysteme vorübergehend den Kreislauf stabilisieren und außerhalb oder teilweise innerhalb des Körpers eingesetzt werden, dienen Langzeitsysteme der dauerhaften Unterstützung des Herzens und werden operativ implantiert.

Unser Ziel ist es, die Herzarbeit zu entlasten, die Organversorgung zu sichern und die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.

Ventrikuläre Unterstützungssysteme (VAD)

Ventrikuläre Assist Devices (VAD) sind moderne Herzunterstützungssysteme für Patientinnen und Patienten mit schwerer Herzschwäche. Sie unterstützen die Pumpfunktion einer oder beider Herzkammern und kommen zum Einsatz, wenn das Herz seine Leistungsfähigkeit dauerhaft nicht mehr ausreichend wiedererlangt.

Das System besteht aus einer kleinen mechanischen Pumpe, die direkt am Herzen implantiert wird. Über eine dünne Verbindung wird sie mit einer extern getragenen Steuereinheit und den Akkus verbunden, welche die kontinuierliche Funktion des Systems gewährleisten.

Ein VAD kann unterschiedliche Behandlungsziele erfüllen:

  • Überbrückung bis zu einer Herztransplantation (Bridge to Transplant)
  • Unterstützung bis zur Erholung des Herzmuskels (Bridge to Recovery)
  • Dauerhafte Therapie, wenn eine Herztransplantation nicht möglich oder nicht sinnvoll ist (Destination Therapy)

Viele Patientinnen und Patienten gewinnen mit einem VAD ein hohes Maß an Selbstständigkeit zurück. Je nach individuellem Gesundheitszustand sind Alltag, Beruf und körperliche Aktivität häufig wieder möglich.

Total Artificial Heart (TAH)

In besonderen Ausnahmefällen kann ein vollständiger Ersatz des Herzens erforderlich sein. Hierfür steht das Total Artificial Heart (TAH) zur Verfügung.

Bei diesem Verfahren werden beide Herzkammern durch ein vollständig mechanisches Pumpsystem ersetzt. Das künstliche Herz übernimmt die Versorgung sowohl des Körper- als auch des Lungenkreislaufs. Über externe Steuerungs- und Energieeinheiten wird das System kontinuierlich betrieben.

Das TAH kommt ausschließlich bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten mit schwerstem biventrikulären Herzversagen zum Einsatz und erfordert eine enge Betreuung durch ein spezialisiertes Herzinsuffizienz-Team.

LVAD-Koordination

Wir möchten, dass Sie und Ihre Angehörigen von Anfang an bestens versorgt sind und all Ihre Fragen beantwortet oder mögliche Probleme gelöst werden. Hierfür stehen Ihnen drei sogenannte LVAD-Koordinator:innen unseres herzchirurgischen Teams zur Seite. Alle drei sind intensiv geschult und mit dem „HeartMate 3™“ bestens vertraut. Die Koordinator:innen werden Sie bereits vor Ihrer Operation begrüßen und für erste Fragen zur Verfügung stehen.

Schon vor der Operation stehen Ihnen unsere Kolleg:innen der Kardio-Psychologie zur Seite, um mögliche Ängste und Sorgen zu besprechen. Auch nach der Implantation ist das Team für Sie da, damit Sie Ihr Leben mit einem Kunstherz auch psychisch besser verarbeiten können und eventuelle Probleme gar nicht erst entstehen.

Nach dem Eingriff wird Sie ein:e Kolleg:in regelmäßig bei der Handhabung des neuen Pumpensystems unterstützen, bis Sie dieses völlig selbständig und ganz ohne Angst bedienen können. Auch die Stelle am Bauch, aus der das Stromkabel austritt, werden unsere LVAD-Koordinator:innen nach einem festgelegten Verbandsstandard versorgen. Damit Sie auch dies künftig selbst tun können, unterstützen die beiden Sie selbstverständlich auch hierbei.

Auch bei der Verlegung in eine spezielle Rehabilitationsklinik werden wir Sie begleiten: Eine:r unserer  Physician Assistants (medizinische Assistent:innen) wird dort eine reibungslose Weiterbehandlung für Sie sicherstellen.

Auch zu Hause werden wir weiterhin für Sie da sein: Unsere LVAD-Koordinator:innen melden sich regelmäßig telefonisch bei Ihnen, sodass Sie eventuelle Fragen und Probleme frühzeitig besprechen können. Auch die Schulung Ihres Hausarztes beziehungsweise Ihrer Hausärztin sowie Ihrer Angehörigen werden unsere LVAD-Koordinator:innen organisieren. Sollten Sie die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienst benötigen, kümmern sich unsere Kolleg:innen hierum.

LVAD-Koordinatorinnen

Physician Assistant

Luca Vela Malin Gerlach

Herzchirurgie

Zum Profil

Physician Assistant

Jessica Walther

Herzchirurgie

Zum Profil

Video: LVAD-Verbandswechsel

Hier sehen Sie den Verbandswechsel an der Austrittsstelle des elektrischen Kabels (Driveline) nach der Implantation eines Kunstherzens nach dem Standard der Herzchirurgie Harburg. Für Patient:innen mit einem LVAD-System ist es elementar wichtig, diese chronische Wunde gewissenhaft zu versorgen. So vermeiden Sie Entzündungen und damit schwere Komplikationen. Damit Sie selbst sicher einen sterilen Verbandswechsel durchführen können, haben wir Ihnen hier eine Schritt-für-Schritt-Anleitung im Video zusammengestellt.

Wir hoffen, Ihnen hiermit eine hilfreiche Unterstützung zu bieten und stehen bei Rückfragen gern zur Verfügung. 

Minimal-invasive Implantation von Herzunterstützungssystemen

Neben der klassischen Operation über eine vollständige Eröffnung des Brustbeins können ausgewählte Herzunterstützungssysteme heute auch minimal-invasiv implantiert werden. Dabei erfolgt der Zugang über kleinere Hautschnitte zwischen den Rippen oder über eine begrenzte Teilöffnung des Brustbeins.

Diese schonende Operationsmethode kann zu einer geringeren Belastung des Körpers, weniger Blutverlust, reduzierten Schmerzen sowie einer schnelleren Erholung nach dem Eingriff beitragen. Welche Operationsmethode geeignet ist, wird individuell anhand der anatomischen Voraussetzungen, der Grunderkrankung und des Allgemeinzustands entschieden.

Unser erfahrenes Team setzt als eine von nur wenigen Kliniken in Deutschland moderne minimal-invasive Operationsverfahren ein, wenn diese medizinisch sinnvoll und für die Patientin oder den Patienten vorteilhaft sind.

Impella® – kurzfristige Herzunterstützung bei komplexer Herzschwäche

Bei einem akuten oder vorübergehenden Versagen der Herzfunktion kann eine kurzfristige mechanische Kreislaufunterstützung lebensrettend sein. Hierfür steht das Impella®-System zur Verfügung.

Die Impella ist eine sehr kleine Herzpumpe, die über einen Katheter in das Herz eingebracht wird. Sie entlastet die linke Herzkammer, verbessert die Durchblutung lebenswichtiger Organe und unterstützt den Kreislauf während kritischer Krankheitsphasen.

Die Impella kommt unter anderem zum Einsatz:

  • bei schwerer akuter Herzschwäche,
  • im kardiogenen Schock,
  • zur Unterstützung komplexer herzchirurgischer oder interventioneller Eingriffe,
  • als Überbrückung bis zur Erholung des Herzens oder bis zur Entscheidung über eine weiterführende Therapie.

Durch die schnelle Implantation und die unmittelbare Entlastung des Herzens stellt die Impella eine wichtige Behandlungsoption in der modernen Herzinsuffizienztherapie dar.

Informationen zum Ablauf bei uns

Vor der Implantation eines Herzunterstützungssystems erfolgt eine umfassende Diagnostik. Dazu gehören moderne bildgebende Verfahren, Herzkatheteruntersuchungen sowie eine ausführliche Beurteilung der Herzfunktion und des allgemeinen Gesundheitszustands.

Alle Befunde werden in einer interdisziplinären Herzkonferenz gemeinsam bewertet. Dabei prüfen Spezialistinnen und Spezialisten aus Herzchirurgie, Kardiologie, Intensivmedizin und weiteren Fachbereichen, welche Therapie im individuellen Fall die besten Erfolgsaussichten bietet.

Vor einer Operation erhalten Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen eine umfassende Aufklärung über den Eingriff, den späteren Umgang mit dem System sowie die langfristige Nachsorge.

Die Implantation eines Herzunterstützungssystems erfolgt in Vollnarkose unter Einsatz modernster herzchirurgischer Operationsverfahren. Abhängig vom gewählten System und den individuellen Voraussetzungen wird die Operation über einen klassischen oder minimal-invasiven Zugang durchgeführt.

Während des Eingriffs wird das Herzunterstützungssystem sicher mit dem Herzen und den großen Gefäßen verbunden. Anschließend erfolgen umfangreiche Funktionskontrollen, bevor die Operation abgeschlossen wird.

Nach der Operation werden unsere Patientinnen und Patienten zunächst auf der herzchirurgischen Intensivstation überwacht. Nach der Stabilisierung schließt sich die Weiterbehandlung auf einer spezialisierten Normalstation an.

Im Anschluss erfolgt in der Regel eine stationäre Rehabilitation, um die körperliche Leistungsfähigkeit schrittweise wiederherzustellen und den sicheren Umgang mit dem Herzunterstützungssystem zu erlernen.

Auch nach der Entlassung profitieren unsere Patientinnen und Patienten von einer engmaschigen ambulanten Nachsorge. Regelmäßige Kontrollen, technische Systemüberprüfungen sowie die Betreuung durch erfahrene Herzinsuffizienz- und Herzchirurgie-Spezialisten gewährleisten eine langfristig sichere Versorgung.

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