Asklepios Klinikum Schwalmstadt

Asklepios Klinikum Schwalmstadt stellt die Leistungsgruppen Geburtshilfe und Gynäkologie zum 1. Januar 2027 ein

Datum15. Juli 2026
OrtSchwalmstadt

Im Zuge der aktuellen Krankenhausreform und der damit verbundenen Neuausrichtung der Versorgungsstrukturen hat sich die Asklepios Klinik Schwalmstadt nach intensiver Abwägung entschieden, die Leistungsgruppen Geburtshilfe und Gynäkologie zum 1. Januar 2027 nicht zu beantragen. Bis dahin werden sowohl geplante als auch ungeplante Geburten weiterhin in Schwalmstadt möglich sein. Der Entscheidung gingen eine Vielzahl konstruktiver Gespräche mit dem Hessischen Gesundheitsministerium voraus. Eine möglichst wohnortnahe geburtshilfliche Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis wird durch die Kliniken in Fritzlar, Bad Hersfeld und Marburg sichergestellt. Der Standort Schwalmstadt wird auch künftig ein starker Pfeiler und verlässlicher Partner der regionalen Grund-, Regel- und Notfallversorgung bleiben – und in den kommenden Monaten gezielt weiterentwickelt.

Einstellung der Geburtshilfe und Gynäkologie ist eine schwere, aber unausweichliche Entscheidung

Für die Entscheidung waren insbesondere die deutlich angehobenen strukturellen Anforderungen an die Vorhaltung der Geburtshilfe mit Inkrafttreten der Krankenhausreform ausschlaggebend. Diese umfassen unter anderem strikte personelle, infrastrukturelle sowie organisatorische Anforderungen, die dauerhaft erfüllt und bereitgestellt werden müssen.
„Diese Entscheidung ist uns alles andere als leichtgefallen. Wir haben in den vergangenen Jahren viel unternommen, um die Geburtshilfe und Gynäkologie am Standort langfristig zu sichern“, erklärt Dr. Dagmar Federwisch, Geschäftsführerin der Asklepios Klinik Schwalmstadt und Regionalgeschäftsführerin Nordhessen/NRW. So hat die Klinik Anfang des vergangenen Jahres einen zusätzlichen Oberarzt eingestellt und zudem das Kursangebot für werdende Eltern ausgebaut. Zudem hat das Klinikum eine etablierte gynäkologische Praxis in Homberg übernommen, um langfristig zur wohnortnahen Versorgung von Schwangeren beizutragen. Während in den Jahren 2022 und 2023 jeweils rund 500 Geburten im Klinikum Schwalmstadt betreut wurden, waren es in den vergangenen beiden Jahren nur noch 417 (2024) und 464 (2025) Geburten. Zur Jahreshälfte 2026 wurden 199 Geburten verzeichnet.
Um die Geburtshilfe des Klinikums Schwalmstadt trotz rückgehender Geburten aufrechtzuerhalten, hatte das Klinikum einen Sicherstellungszuschlag für die Geburtshilfe beantragt. Mit Sicherstellungszuschlägen werden Kliniken finanziell unterstützt, die für die regionale Grundversorgung der Bevölkerung notwendig sind. Dieser Zuschlag setzt voraus, dass – insofern die Geburtshilfe an einem Standort nicht mehr vorhanden ist – mindestens 950 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren eine Fahrzeit von mehr als 40 Minuten zur nächstgelegenen Geburtsklinik haben müssten. Eine nach bundesweiten Standards durchgeführte Bedarfsanalyse des Hessischen Gesundheitsministeriums hatte jedoch gezeigt, dass diese Schwelle für das Klinikum Schwalmstadt nicht erreicht wird.

Aktuell weist der sogenannte GKV-Simulator des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen lediglich 728 Frauen im Einzugsgebiet aus – die Zahl liegt damit unter der gesetzlich geforderten Schwelle von 950. Hinzu kommt ein zweites Ausschlusskriterium: Mit einer Einwohnerdichte von 19,8 Frauen im gebärfähigen Alter je Quadratkilometer unterschreitet der Einzugsbereich auch den Grenzwert von 20 Frauen je km², ab dem der Gesetzgeber von einem gesicherten Versorgungsbedarf ausgeht. „Dieses bundesweite Instrument zur Simulation des Bedarfs sagt, dass es zu wenige betroffene Frauen in unserer Region gibt. Aber hinter dieser abstrakten Zahl stehen Familien, die werdenden Eltern und deren Fahrzeiten in einer besonders ländlich geprägt Region“, gibt Dr. Dagmar Federwisch zu bedenken. „Die Krankenhausreform und die verschärften strukturellen bundeseinheitlichen Vorgaben in der Krankenhausplanung sind für den ländlichen Raum eine große Herausforderung. Wir haben im vergangenen Jahr Personal eingestellt, Kurse ausgebaut, Förderung beantragt und mit der Politik diskutiert.“ In diesem Zusammenhang dankte sie ausdrücklich den Landtagsabgeordneten aus der Region wie auch der Kreisspitze. „Wir waren überzeugt, einen Weg zu finden, die Geburtshilfe in Schwalmstadt zu erhalten. Leider hat sich gezeigt, dass es diesen Weg nicht gibt. Die veränderten Rahmenbedingungen lassen uns letztlich keine andere Wahl. Wir werden jetzt verantwortungsvoll und mit ausreichend Vorlauf handeln, damit alle Beteiligten gut versorgt und vorbereitet sind“.

Klare Alternativen und ein geordneter Übergang bei der Versorgung werdender Eltern

Eine professionelle geburtshilfliche Versorgung im Schwalm-Eder-Kreis wird durch die umliegenden Kliniken gewährleistet. So stehen das Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar, das Klinikum Bad Hersfeld sowie das Universitätsklinikum Marburg (UKGM) als kompetente Anlaufstellen zur Verfügung. Insbesondere für den südwestlichen Schwalm-Eder-Kreis, aber auch darüber hinaus übernimmt das Universitätsklinikum Marburg dabei eine zentrale Rolle, wie Prof. Dr. Uwe Wagner, Chefarzt der Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Universitätsklinikum Marburg: „Wir stehen für die werdenden Mütter in der Region als verlässliche Anlaufstelle bereit. Gleichzeitig stehen wir qualifizierten Hebammen, Pflege- und ärztliche Fachkräfte aus Schwalmstadt gerne als möglicher künftiger Arbeitgeber mit einem breiten Spektrum an Einsatzmöglichkeiten zur Verfügung.“
Die Sicherstellung der Weiterversorgung werdender Mütter liegt in der Verantwortung des Hessischen Gesundheitsministeriums, das die Kapazitätsverteilung auf die regionalen Geburtskliniken aktiv koordiniert und begleitet. Das Klinikum Schwalmstadt steht in einem engen und aktiven Austausch mit dem Ministerium und hat seine Bereitschaft signalisiert, dort zu unterstützen, wo es sinnvoll und möglich ist.

Asklepios Klinikum Schwalmstadt bleibt auch künftig ein verlässlicher Partner in der regionalen Gesundheitsversorgung

Die Mitarbeitenden der Geburtshilfe und Gynäkologie hat das Klinikum persönlich informiert, bevor diese Mitteilung veröffentlicht wurde. Zudem werden in den kommenden Wochen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Bereiche individuelle Gespräche stattfinden. Das Asklepios Klinikum Schwalmstadt bleibt ein zentraler und umfassender Standort für die Grund-, Regel- und Notfallversorgung der